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Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Alaska/ Kanada

Chicken - Fairbanks - Anchorage -Seward - Homer - Haines - Skagway - Hyder

21. Juli - 14. August 2006

Gefahrene Kilometer: 5030 km
Strecke: Boundary (Grenze Alaska) > 5 Chicken - Tetlin Junction > 2 Delta Junction - Fairbanks > Cantwell - Anchorage > 1 Soldotna, Homer > zurück bis Junction 9 > Seward > zurück Anchorage > 1 Palmer, Glenallen > 4 Valdez > zurück Glenallen > 1 Gakona, Slana, Tok > 2 Alaska- Kanada Grenze > 1 Beaver Creek, Destruction Bay, Haines Junction > 3, 4, 7 Kanada- Alaska Grenze, Haines > Fähre nach Skagway > 2, 8, 1, 37, 37a Carcross, Jakes Corner, Teslin, Swift River, Good Hope Lake, Dease Lake, Iskut, Meziadin Junction, Stewart, Kanada- Alaska Grenze, Hyder

Chicken
Ab der Grenze ist der Top of the World Highway eine kurvenreiche und staubige Schotterpiste. Sie ist nicht in so einem guten Zustand wie der Dempster Highway, aber trotzdem sehr gut zu befahren, und das Kurven- Driften macht Spaß. Wir erreichen Chicken, ein kleines Nest mit 36 Einwohnern, das aus einer Tankstelle, Campingplatz, Restaurant und Bar besteht, sogar ein Postamt und Landebahn für Flugzeuge hat, aber nicht einmal einen Lebensmittelladen. Chicken heißt so, weil die ersten Einwohner es nach dem "Staats"- Vogel "Ptarmigan" nennen wollten, aber den Namen leider nicht aussprechen konnten. Der Vogel wurde in der Umgangssprache "Chicken", also Huhn genannt, also wurde beschlossen, auch das Dorf so zu benennen.
Wir dürfen unter Dach in der Picknickhütte unsere Zelte aufstellen, und wir müssen nichts für die Übernachtung bezahlen - wer tankt, darf auf den Campingplatz! Wir versuchen uns im Gold waschen und finden tatsächlich ein paar - zugegeben lächerlich kleine - Goldnuggets!
Es tauchen noch ein paar bekannte Gesichter auf - Chuck, dem Tommy bei der Fehlersuche geholfen hat, ist wie wir auf dem Weg nach Fairbanks. Er baute das Ersatzteil, auf das er über eine Woche warten musste ein, und das Motorrad lief wieder problemlos.
Endlich kommt auch Stewart an, ein lustiger Neuseeländer, den wir in Inuvik trafen. Er ist mit seinem Fahrrad natürlich etwas langsamer unterwegs - wir haben ihn unterwegs auf dem Top of the World Highway überholt, und hatten eigentlich heute nicht mehr mit ihm gerechnet.

Fairbanks
Am Morgen verabschieden wir uns von Chuck, Pat und Mike - wer weiß, vielleicht trifft man sich noch mal. Pat und Mike wollen direkt nach Anchorage, die Strecke soll auch schöner sein, als die nach Fairbanks. Wir müssen allerdings nach Fairbanks, denn dort warten (hoffentlich) zwei Pakete auf dem Postamt auf uns, die wir uns "General delivery", postlagernd dorthin schicken ließen.
Darin befinden sich ein neues Hilleberg- Zelt, das unser brüchig gewordenes altes Zelt ersetzt, ein neuer Optimus Nova- Benzinkocher (unser alter funktioniert zwar, aber wir haben so viele Ersatzteile bestellt, daß sie uns lieber gleich einen neuen kostenlos geschickt haben) und zwei Mufflon -Pullis und Mützen aus warmer Schurwolle, die uns netterweise gesponsert wurden.
Leider ist ausgerechnet Samstag als wir in Fairbanks ankommen - uns bleibt also nichts anderes übrig, als bis Montag zu warten. Die Zeit vertreiben wir uns mit einem schönen Sonntagsausflug: Zuerst besuchen wir das Museum des Nordens, bestaunen die ausgestopften Tiere, die Bekleidungsstücke der Eskimos und Gegenstände aus Zeiten des Goldrauschs. Danach gehtīs in den "Pioneer Park", ein Naherholungspark mit kostenlosem Eintritt. Man kann alte Maschinerie zum Goldgraben bestaunen, es gibt hübsch renovierte "Cabins", Holzhütten aus alten Zeiten, in denen man Kunstgegenstände und Souvenirs kaufen kann. Uns zieht das Flugzeugmuseum "Pioneer Air Museum" an, in denen antike Stücke stehen, und wir freuen uns, daß ausgerechnet heute das "Annual Governor Picnic" stattfindet, an dem der Gouverneur reichlich Essen und Trinken spendiert.
Unsere Päckchen sind angekommen, schnell packen wir zusammen, schmeißen das alte Zelt neben ein paar Sachen, die wir heimschicken wollen, in den leeren Karton, und bringen es wieder auf die Post. Dann machen wir uns auf zu unserem nächsten Ziel: Anchorage.

Anchorage
Anfangs ist die Strecke relativ langweilig, später wird sie zusehends schöner als wir den Denali- Nationalpark mit seinen hohen Bergen passieren. Der Himmel ist wolkenverhangen, immer wieder nieselt es, und der mit knapp 6000 m höchster Berg Nordamerikas "Mount McKinley" bleibt unseren Blicken verborgen. Er wird von den athabaskischen Ureinwohnern "Denali", der Hohe, der Mächtige genannt.
Die ganze Strecke bis Anchorage schaffen wir an diesem Tag nicht, da wir ja recht spät gestartet sind. Bei Willow übernachten wir auf einem Campingplatz und testen das erste mal unser neues Zelt. Wir haben uns nicht für das gleiche Modell wie das alte entschieden - Rosa wollte unbedingt einen eigenen Eingang haben, den sie jetzt mit dem "Keron 3 GT" bekommen hat. Außerdem haben wir im Zelt noch mehr Platz als vorher...
In Anchorage haben wir eine Adresse, die uns unser neuseeländischer Freund Toddy gegeben hatte. Barb besitzt einen urigen Motorradzubehörladen in der Stadt. Alaska Leather bietet neben Zubehör und Ersatzteilen auch selbstgefertigte Motorradklamotten an. Eine Spezialität sind auch die Sitzfelle. Eigentlich hatte uns Barb angeboten, bei ihr zu übernachten, aber das Haus ist schon voll. Sie empfiehlt uns den Harley- Davidson- Laden. Die bieten kostenloses Campen hinterm Haus an! Die Reifen, die wir schon seit einer Ewigkeit mit uns rumschleppen, dürfen wir bei ihr auf dem Parkplatz wechseln, wenn wir wollen. Sie versteht gut, daß uns die 35,- USD pro Reifen wechseln etwas zuviel für unser Budget ist. Tom, ein Kunde, der gerade mitbekommt, wie Barb versucht uns den Weg zum Harley- Händler zu erklären, bietet an, uns dorthin zu führen. Er fährt mit seiner F 650 GS voraus, unterwegs, als wir an einer Ampel halten, fragt er, wie lange wir denn in Anchorage bleiben wollen. Beim Händler bietet er uns dann an, doch lieber bei ihm zu übernachten. Er hat ein kleines Wohnmobil im Garten stehen, das wir gerne nutzen können. Außerdem hat er eine geräumige Garage, in der wir die Reifen wechseln können - ist doch besser, als auf dem Parkplatz bei dem Regen... Da hat er recht, wir freuen uns sehr über die Einladung.
Seine Frau Sharon freut sich über unseren Besuch, der jüngste Sohn Scott stellt sich uns vor, dann beziehen wir erst mal unser neues Heim! Klasse, der Camper... Tom hilft uns tatkräftig beim Reifenwechsel - wir sind froh, das zusätzliche Gewicht endlich loszuhaben, aber es hat sich gelohnt, die alten Reifen bis zum Ende zu fahren!
Tagsüber versorgen wir uns selbst, abends werden wir immer zu einem leckeren Abendessen eingeladen - wir werden mal wieder verwöhnt! Wir dürfen so lange bleiben wie wir wollen - mal wieder eine gute Gelegenheit für das längst überfällige Update dieser Webseite!
Sharon und Tom zeigen uns ein bisschen die Stadt, wir fahren zu einem Aussichtspunkt, von wo man eine hervorragende Sicht über Anchorage und das Meer hat. Die beiden sind total nett - sie bieten uns an, auf dem Rückweg von Homer wieder bei ihnen zu übernachten! Das ist praktisch - wir müssen keine Unterkunft suchen und können ein paar Sachen zurücklassen, um unser Gepäck für kurze Zeit ein bisschen zu verringern...
Bevor wir Anchorage verlassen, frischen wir unsere Vorräte auf, erleichtern unser Bankkonto am Geldautomaten um weitere 600,- USD (das ist das Maximum, was er ausspucken will) und tanken den billigsten Sprit, den wir bisher in den USA bekamen - 2,75 USD/ Gallone, das sind etwa 0,60 EUR.
Dann fahren wir noch kurz zu Barb, um uns noch mal in ihrem urigen Shop umzuschauen und uns zu verabschieden. Sie schenkt uns zwei weiche Schaffelle, die genau auf unsere Sitzbänke passen. Wir sind echt sprachlos...

 Portage Valley
Der Weg nach Süden ist wunderschön. Wir haben Glück mit dem Wetter, die Sonne scheint. Im Sommer regnet es hier leider sehr oft, und wir hoffen, daß das Wetter auch weiterhin mitspielt.
Die viel befahrene Straße führt anfangs am "Cook Inlet" auf der einen und hohen Bergen auf der anderen Seite entlang. "Cook Inlet" ist ein langer Meeresarm, der genug Fische beherbergt, um Beluga- Wale und Killer- Wale zu ernähren! Wir halten Ausschau - aber kein Wal will sich uns zeigen. Der Abstecher ins Portage Valley lohnt sich - es gibt hier mehrere Gletscher, die man von der Straße aus bewundern kann. Der Highway endet in Whitter, aber da der zweite Tunnel kostenpflichtig ist, sparen wir uns das und kehren um.

Seeotter in Seward
Seward empfängt uns mit einer großen Baustelle, wir müssen warten, bis die einspurige Straße für unsere Richtung freigegeben wird. Das nervt... Aber der schöne städtische Campingplatz entschädigt uns - billig, direkt am Wasser gelegen und Downtown und der Hafen sind gut per Pedes erreichbar. Es ist die Hölle los in Seward - jeder verbringt hier wohl seinen Urlaub. Aber die Menschen verteilen sich ganz gut in den vielen Souvenirläden im hübschen Downtown - und die meisten sind eh auf dem Wasser zum Angeln. Wir staunen ganz schön, als wir den Fischern beim Ausnehmen bzw. Filetieren der riesigen Lachse und Haibutte zusehen. Was die alles aus dem Meer holen, Wahnsinn!
Auf dem Campingplatz treffen wir Klaus aus Recklinghausen mit seiner KTM 950, dessen Bekanntschaft Rosa schon in Whitehorse gemacht hatte. Beim gemütlichen Biertrinken am Abend erzählt uns Klaus von seiner Reise - er hat bezahlten Urlaub für acht Monate, startete in Los Angeles und will nach Kanada und Alaska noch Australien und Neuseeland bereisen. Tilo gesellt sich auch noch dazu - er ist seit vier Jahren mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern auf Weltreise - etwas bequemer als wir, in einem riesigen Truck.
Er und auch Klaus schwärmen uns von einer Bootsfahrt vor - Tilo machte einen Ganztagesausflug aufīs offene Meer hinaus, Klaus ebenfalls, aber in Homer und beide sahen Orcas und Wale!!
Eine volle Tagestour wollen wir uns nicht leisten, aber wir entscheiden uns für eine kürzere Tour in der Bucht. Auch hier soll man neben Robben, Seeadler, Puffins (Seevögel, die wie Papageien aussehen), auch Wale zu sehen bekommen, manchmal sogar Bären - aber natürlich, eine Garantie gibt es nicht...
Wir freuen uns auf die Tour, zumal es "Salmon all you can eat" gibt - Lachs, soviel man essen kann! Um 18.00 Uhr abends gehtīs los, die Bootsfahrt dauert bis 22.00 Uhr. Landschaftlich äußerst reizvoll geht es immer an der Küste entlang Richtung offenes Meer. Wir sehen Adler, Puffins und Robben - leider aus zu großer Entfernung, um gute Fotos zu machen. Der Lachs ist lauwarm, aber geschmacklich exzellent.
Wir sind wieder auf dem Rückweg zum Hafen und etwas enttäuscht. Wir diskutieren gerade, ob sich die Tour gelohnt hat, oder nicht. (Hätten wir nicht lieber für das gleiche Geld eine Hundeschlitten- Tour mit 100%iger Spaßgarantie machen sollen...?), als der Kapitän seine Fahrt verlangsamt und wir durch den Lautsprecher hören: "Seeottern neben dem Boot!". Wir haben zwar keine Wale gesehen, aber zwei süße Seeottern, die sich von uns nicht von ihrem Ruhepäusschen abhalten lassen - sie liegen rücklings im Wasser, lassen sich von der Strömung treiben und beäugen uns nur träge!

Regen in Homer
Als wir morgens aufstehen empfängt uns der Tag mit Sonnenschein. Gut gelaunt parken wir unsere bepackten Motorräder auf einem Parkplatz, um den kurzen Wanderweg zum Gletscher "Exit Glacier" hinaufzuhecheln.
Ehe wirīs versehen können, ist die Sonne weg und Regen und Wolken begleiten uns fast den ganzen Tag. Normalerweise müssten auf dem Weg nach Homer schöne Berge zu sehen sein, aber die Wolken hängen zu tief - wir sehen nichts... Dafür sehen wir mal wieder wilde Tiere: Eine Elchkuh mit zwei Jungen grast am Straßenrand, ein Schwarzbär verschwindet im Gebüsch und sogar zwei Grizzlies bekommen wir zu sehen - sie sind, wie zig Angler auch, auf der Jagd nach Lachsen im Fluß. Wegen dem Regen haben wir die Regenhaube überīm Tankrucksack und kommen also nicht schnell genug an unsere Kameras - kein einziges Bild haben wir heute!
In Homer fahren wir zunächst auf die acht Kilometer lange Landzunge "Homer Spit", die in die Bucht "Kachemak Bay" ragt. Dort ist der städtische Campingplatz, es gibt viel Restaurants und kleine Läden. Der Wind pustet uns fast um, hier wollen wir lieber nicht campen.
Auf dem Hügel oberhalb Homers gibtīs noch mal ein Campingplatz von der Stadt - dort lassen wir uns nieder. Wir fahren am nächsten Tag wieder zur Landzunge, stöbern in den hübschen Souvenirläden, besuchen das urige Pub "Salty Dawg Saloon" und finden einen fotogenen Weißkopf- Seeadler, der nicht gleich abhaut, wenn wir mit unseren Kameras kommen.

Geburtstag feiern in Anchorage
Das Wetter ist etwas besser als auf der Herfahrt, so können wir erahnen, welch Ausblicke die zahlreichen Parkbuchten bieten würden, wenn denn die Sonne scheinen würde. Ein kleiner Umweg führt uns nach Kenai - dort schauen wir uns die russisch- orthodoxe Kirche an - das erinnert uns daran, daß Alaska einst zu Russland gehörte. Die Russen verkauften Alaska 1867 an die USA  für 7,2 Millionen Dollar.
Wir bummeln durch die hübsch hergerichtete alte Markthalle mit Dielenboden und Souvenirläden in Kenai Landing bevor wir uns für heute auf die letzte Etappe zurück nach Anchorage machen. Kurz vor Anchorage halten wir kurz am "Birds Point" und starren wie gebannt aufīs Meer - wer Glück hat, kann von hier aus Beluga- Wale beobachten. Wir sehen keine...
Herzlich werden wir wieder von Sharon und Tom empfangen, und der Camper ist schon für uns vorgeheizt. Wir kommen ausgerechnet zu Tomīs Geburtstag - wenn wir das gewusst hätten, wären wir nicht gerade heute angekommen, denn wir wollen die Familienfeier nicht stören... Aber Tom scheintīs sogar sehr recht, und wir lassen uns das leckere Geburtstags- Dinner schmecken. Während Tommy mit Tomīs Hilfe am nächsten Tag das Motoröl an unseren Dakarīs wechselt, backt Rosa einen Geburtstagskuchen für Tom. Eigentlich wollen wir morgen los, aber Sharon und Tom überreden uns mal wieder, doch noch zu bleiben... Er leiht uns seine brandneue Harley "Roadglide" für eine kleine Ausfahrt, wir waschen Wäsche und genießen noch mal die Bequemlichkeit in einem Wohnmobil. Abends sind wir immer zum Essen bei Sharon und Tom eingeladen - es gibt immer sehr leckere Sachen und immer ein Dessert - wir müssen hier weg, sonst werden wir noch rund und kugelig! Tom schenkt uns zum Abschied "als kleines Sponsoring" zwei Ölfilter, wir tauschen Adressen aus und freuen uns auf ein Wiedersehen irgendwann. Wir sind ziemlich sicher, daß die beiden uns in Deutschland besuchen kommen werden!

Lachse in Valdez
Die Strecke nach Valdez ist schön, die Straße schlängelt sich durch eine schöne Bergwelt: Die Hänge sind mit dichtem, üppig grünem Buschwerk bewachsen, die Bergspitzen werden von dicken Eisplatten bedeckt, Wasserfälle stürzen tosend in die Tiefe. Unterwegs müssen wir anhalten und uns in einem Café aufwärmen - es ist eisig kalt, kurze sonnige Abschnitte wechseln sich mit Regenschauern ab. In Valdez angekommen, schlüpfen wir nach einer heißen Dusche recht schnell ins Zelt und in den warmen Schlafsack.
Unsere Campingplatz- Nachbarn kommen aus Deutschland und sind recht abenteuerlich unterwegs: In dem roten Bus "Rotel" (rollendes Hotel) wird nicht nur gefahren, sondern auch geschlafen. Und der Busfahrer fährt nicht nur Bus, sondern kocht für die ganze Mannschaft! Ihn lernen wir recht schnell kennen, denn seine Gäste sind am nächsten Tag früh auf Tour - sie machen eine Bootsausfahrt. Walter, der Busfahrer, muß seinen Bus reparieren, denn die Bremssättel sind fest. Nachdem er mit seiner Arbeit fertig ist, und wir von unserem kurzen Ausflug durch Valdez und die nähere Umgebung zurück sind, sitzen wir eine Weile zusammen und hören gebannt seinen Geschichten zu, aus 30 Jahren Busfahren durch die ganze Welt.
Ein weiterer Ausflug führt uns an diesem Tag noch an die gegenüberliegende Uferseite. Dort ist Laichzeit, Lachse sind auf ihrem langen Weg vom Meer in den Flüssen und Bächen angekommen. Sie kehren hier an ihren Geburtsort zurück, um zu laichen und zu sterben. Viele verenden schon auf dem hürdenreichen Weg dorthin - sie werden gepiesackt von Möwen, gefressen von Bären oder schaffen die mühevolle Reise gegen die Strömung und im seichten Wasser der Bäche einfach nicht... Der Geruch nach Tod liegt in der Luft, und es ist wirklich kein schöner Anblick: Möwen picken den Fischen die Augen aus, die Körper der Lachse sind halb zerfetzt von den scharfen Steinen. Besonders an einem relativ neuen Wasserkraftwerk wird es uns fast zuviel - hunderte Lachse stauen sich vor einem Gitter - da ist kein Durchkommen, aber sie werden es solange probieren bis sie sterben...
Am nächsten Morgen machen wir noch ein mal den Abstecher zu den Flüssen, denn wir haben die Hinterlassenschaften von Bären gesehen und hoffen nun, daß wir diese selbst zu Gesicht bekommen. Aber wir kommen umsonst - keine Bären in Sicht.

Seeadler in Haines
Den Weg nach Haines machen wir in zwei Tagen. Schon als wir von Valdez losfahren, ist das Wetter nicht gerade das beste - den Thompson Pass überqueren wir im dichten Nebel. Im gleichen Café wie auf dem Herweg kehren wir ein - wieder um unsere kalten Füße aufzutauen. 50 Meilen vor Tok weist ein Schild auf "Constructions", Baustellen hin. Immer wieder wird der Asphalt unterbrochen von mehr oder wenig langen Schotterstrecken. Da es regnet, ist die Erdpiste aufgeweicht, der Dreck spritzt nur so hoch. Vor uns fährt eine Goldwing mit Anhänger - sieht ganz schön gefährlich aus, wie der Anhänger hin und herschlittert... 20 km vor der kanadischen Grenze zelten wir.
Die restlichen paar Kilometer zur Grenze sind ziemlich holprig - wir schaukeln durch Bodenwellen und weichen den Schlaglöchern so gut wie möglich aus. Die Zollabwicklung geht problemlos, wir werden nur gefragt, wann wir denn wieder nach Deutschland zurückkehren. Der Haines Highway ist traumhaft und wir haben dieses Mal auch einigermaßen Glück mit dem Wetter. Kaum ein Fahrzeug kommt uns entgegen, wir genießen die Kurven durch eine wilde Landschaft. Wir sehen hohe schneebedeckte Berge, Gletscher und Eisplatten, Wasserfälle. Die Straße schraubt sich den Chilkat Pass hoch, der nur knapp über 1000 m hoch ist, wir kommen uns aber vor, als wären wir auf 3000 m Meereshöhe. Dann geht es nur noch bergab, wir erreichen die Grenze nach Alaska. Dort werden wir gefragt, ob wir Wurst- oder Fleischwaren aus Kanada dabei haben - das ist nämlich verboten. Außerdem werden wir ins Büro gebeten. Da der Grenzposten bei Chicken, den wir zur erneuten Einreise in die USA (Alaska) genommen hatten, nicht die Erlaubnis hat, Fingerabdrücke und Fotos von den Einreisenden zu nehmen, wird das nun hier erledigt. Kurze Zeit später sind wir also wieder in Alaska.
Wir sind müde, als wir in Haines ankommen, es war ein langer Fahrtag. Nachdem unser Zelt wohnlich eingerichtet ist, gönnen wir uns ausnahmsweise ein leckeres Essen im Restaurant.
Haines ist bekannt für seine riesige Weißkopfadler- Population. Das liegt daran, daß manche Flüße im Winter nicht zufrieren, und die Adler daher genügend Nahrung finden. Die Dame von der Tourist- Info empfiehlt uns den Chilkoot River, um Adler und eventuell sogar Bären zu sehen. Auch hier laichen die Lachse - eine leicht zu erreichende Futterquelle. Und wir haben Glück - wir sehen einen Braunbären, der durch den Fluß watet und inīs Wasser stiert. Bären sehen nicht besonders gut, Nase und Ohren funktionieren bei ihnen bedeutend besser. Der Bär stiert immer noch, versucht halbherzig einen Fisch zu angeln, es gelingt ihm aber nicht. Eine Rangerin vertreibt uns freundlich, aber bestimmt - sie meint, zuviele Menschen würden den Bären bei seiner Futtersuche stören, und wir dürften nicht mit unseren Motorrädern auf der Straße parken...
Am nächsten Morgen regnet es wie aus Kübeln. Trotzdem müssen wir aus dem Zelt, denn wir müssen das Ticket für die Fähre morgen Abend kaufen, bevor sie ausverkauft ist! Die Fährtickets kosten für uns vier (Mensch und Moped) 120,- USD, für gerade mal eine Stunde Fahrt nach Skagway. Aber wir entscheiden uns dafür, denn sonst müssten wir den gleichen, zwar schönen aber langen Weg über die Berge nehmen. Und mit Benzin und Reifenverschleiß kommt uns die Fahrt mit der Fähre nicht viel teurer. 

Mit der Fähre nach Skagway
Auf der Fähre lernen wir zwei Motorradfahrer kennen, Jim und Bill. Jim lädt uns auf ein Bier ein, so vergeht die Zeit auf dem Boot recht schnell. Bill hat auf dem Campingplatz am Hafen für sich vorgebucht, aber er meint für Zelt und Motorrad sei immer Platz, wir sollen uns keine Sorgen machen. Die Fähre hat Verspätung, statt 21.30 Uhr kommen wir erst kurz vor 23.00 Uhr vom Boot, und es ist tatsächlich, wie schon seit langem nicht mehr, richtig dunkel!! Zusammen fahren wir zum Zeltplatz, der Wärter leuchtet mit einem Strahler und weist uns den Weg. Aber freundlich ist er nicht, als er die vielen Motorräder sieht - nur einer habe gebucht, und der restliche Platz sei voll belegt. Wir sollen verschwinden! Auf unsere Frage, wohin denn, zuckt er nur mit den Achseln und meint, wir seien selber Schuld, sollten das nächste Mal reservieren. Toll, schon klar, aber das bringt uns nicht weiter... Jim verabschiedet sich, er will nach einem Zimmer schauen, und wir machen einen Picknickplatz genau gegenüber vom Zeltplatz aus. Dort steht natürlich ein großes Schild "Campen verboten", aber das interessiert uns momentan recht wenig. Um so mehr aber leider den Campingplatzwärter, der nun laut über die Straße schimpft. Das geht wohl nicht gut, er ruft bestimmt die Polizei, wenn wir hier unser Nachtlager aufschlagen. Wir überlegen, was zu tun ist, während Bill beschwichtigend auf den Wärter einredet. Dann plötzlich überlegt der sichīs doch noch anders - wir dürfen uns den Zeltplatz mit Bill teilen, müssen aber das gleiche wie er bezahlen. Egal, Hauptsache wir haben einen Platz für unser Zelt... Wie sich herausstellt, wäre auch genug Platz für Jimīs Zelt gewesen, aber der ist leider schon weg...
Früh morgens packen wir das Zelt, zahlen die Übernachtung und fahren gegen unsere Gewohnheiten ohne Frühstück los - bloß weg von hier! Noch ein kurzer Halt im schönen Downtown - ein Juwelierladen nach dem anderen, schöne alte Gebäude und Holzdielen- Gehsteige, ein hübsches Nest!

Bekannte Gesichter in Stewart
Es ist windig und kalt, als wir von Skagway losfahren. Die Pass- Straße zur kanadischen Grenze muß wunderschön sein - wir sehen so gut wie gar nichts, der dichte Nebel verlangsamt unsere Fahrt erheblich. Unterwegs halten wir an einem Café, nicht nur um zu frühstücken, sondern um uns aufzuwärmen. Die Zollabwicklung an der kanadischen Grenze geht rasch voran, nur Tommy wird von der jungen Zöllnerin regelrecht zusammengeschissen, weil er für eine halbe Minute sein Fahrzeug verlassen hat, um von einem alten Zug ein Foto zu machen. Wir nehmen den Highway 8 als Abkürzung zum Alaska Highway, den wir ja schon auf dem Herweg nach Whitehorse unter die Räder genommen haben. Etwa 100 km vor der Kreuzung zum Cassiar - Stewart Highway übernachten wir auf einem Campingplatz, wo uns mal wieder ein süßer Hund Gesellschaft leistet und wartet, daß der eine oder andere Happen für ihn abfällt.
Am Morgen scheint wieder die Sonne, aber auf etwa 1000m Höhe ist es recht kühl. An der Kreuzung zum Cassiar Highway tanken wir noch mal voll, denn wir wissen, daß das Benzin auf diesem Highway teurer ist. Wir halten nicht oft an auf der Strecke nach Dease Lake - diesen Abschnitt sind wir ja schon mal gefahren, als wir Alex und Carsten in Dease Lake besucht hatten. Die Kurven, Kuppen und Senken bringen viel Fahrspaß, dieses Mal ist das Stück Schotterstraße kurz vor der Ortschaft trocken und gut zu fahren.
Es ziehen Wolken auf, die die Berge verstecken, aber es bleibt an diesem Tag wenigstens trocken. Die erste Schotterstrecke nach Dease Lake ist eine feste Erdpiste, aber auf der zweiten werden wir ganz schön eingestaubt, denn sie ist neu präpariert und mit viel Schotter bedeckt. Es ist wieder ein langer Fahrtag heute, denn Ortschaften und Campingplätze sind sehr rar auf dem Cassiar Highway, und wild zelten muß nicht sein wegen den Bären... Schließlich finden wir doch noch was, etwa 150 km vor Stewart.
Somit haben wir es am nächsten Tag nicht weit, denn Stewart bzw. Hyder ist unser Ziel. Der Highway 37a, der nach Stewart abzweigt, wird auch "Glacier Highway", Gletscher- Highway genannt, da die Berge mit Eisplatten und Gletscher bedeckt sind. Uns machen die Wolken wieder ein Strich durch die Rechnung - außer dem imposanten "Bear Glacier" sehen wir eigentlich keine Gletscher...
In Stewart angekommen, wollen wir gerade ins Visitor Centre, als wir Doris und Herbert mit ihrem Toyota sehen - mit den beiden haben wir in Liard Hot Springs, fast vor einem Monat genau, einen schönen Abend verbracht. Nach einem netten Kaffeetratsch mit den zweien, gehtīs für uns mal wieder über die Grenze: Hyder, etwa 3 km von Stewart entfernt, liegt in Alaska!

Fischende Bären in Hyder
Der Campingplatz, den uns Doris und Herbert empfohlen haben, gefällt uns gut. Zum einen sind wir die einzigen, die hinter dem Hotel zelten, zum anderen gibt es kostenloses "Wireless Internet" und eine Waschküche mit Tisch und Strom, wo es trocken und warm ist - diese Gelegenheit nutzen wir mal wieder für eine Aktualisierung unserer Webseite. Auch unser Essen bewahren wir in der Waschküche auf - die Hotelbesitzerin ist überzeugt, daß die Bären in der Gegend keine Scheu haben würden, unsere Alukoffer zu knacken!
Hyder ist urig - genau an der Grenze von Kanada nach Alaska hört die Teerstraße auf - Hyder hat nur Schotterstraßen. Zum Bild passen auch die alten Gebäude aus Holz - ist hier die Zeit stehen geblieben? An der Grenze nach Alaska wird nicht kontrolliert, nur wer zurück will nach Kanada muß seinen Reisepaß vorzeigen.
Wir aber bleiben erst mal ein paar Tage hier, nicht nur wegen den Reiseberichten, sondern weil Hyder viel zu bieten hat: Beispielsweise Bärenbeobachtung: Etwa 5 Meilen weiter ist der Fish Creek, und jetzt ist gerade die Zeit der Lachse. Auch hier wandern sie die Flüsse hinauf, um zu laichen. Es gibt am Fish Creek eine von Rangern gesicherte Plattform, von der man Bären (fast) hautnah in aller Ruhe beim Fischfang und Mittagessen zuschauen kann. Die Plattform ist auf Pfählen entlang des Bachs gebaut, Ranger mit Funkgeräten und Bärenspray bewaffnet stehen an allen Enden und bewachen auch den Parkplatz. Hier harren wir mit unseren Kameras aus, wie so viele andere und warten.
Plötzlich werden wir angesprochen - Daniel, den wir in Vancouver getroffen hatten, der dort arbeitet, aber eigentlich aus unserer Heimat kommt, steht vor uns! So ein Zufall, Nordamerika ist so groß, aber speziell in Alaska und im Westen Kanadas gibt es nicht viele Straßen, und man trifft die gleichen Menschen immer wieder!
Ab und zu taucht ein Bär auf, schnuppert an den toten Fischen und verschwindet wieder. Dann kommt eine Braunbär- Mama mit drei Jungen! Auch sie scheinen eigentlich satt zu sein, das Fische fangen sieht eher aus wie ein Spiel und Zeitvertreib, nur die Kleinen nagen an dem einen oder anderen halbvergammelten Lachs. Dann steckt die Mama die Nase in die Luft, Gefahr im Verzug? Ja, denn ein großes Braunbär- Männchen kommt langsam auf die vier zu! Die Braunbären verschwindet sofort im dichten Busch, das Männchen scheint sich nicht schlüssig zu sein, ob er sie verfolgen soll, er steht eine Weile da und schnuppert, bevor er sich dem Fischfang widmet. Erfolgreich hat er einen Lachs gefangen, reißt dem lebenden Fisch den Bauch auf und schlabbert genüßlich die Lachseier - Bären wissen halt was gut ist, auch ihnen schmeckt Kaviar! Plötzlich schießt die Bärenmama mit einer Wahnsinns- Geschwindigkeit aus dem Busch und verfolgt mit Gebrüll das Männchen! Es kommt zum Kampf, das Weibchen gewinnt, der eingeschüchterte Bärenmann bleibt noch ein ganzes Weilchen sitzen, bis er sich davonmacht... Wow, das war spannend wie der beste Krimi, und nun haben wir mit eigenen Augen gesehen, wie schnell Bären rennen können - sie sind schneller wie Pferde und somit weitaus schneller wie wir Menschen...
Das war wieder einer der Höhepunkte unserer Reise durch Nordamerika!! Bei einem Burger und Bier laden wir die Bilder auf das Notebook und schauen sie uns an - wir sind maßlos enttäuscht, denn die meisten Bilder sind nichts geworden - unscharf! Lag es an der Aufregung, hat die Hand zu sehr gezittert oder war es schon zu dunkel? Oder ist es die Kamera... Wir können nur spekulieren und wälzen uns lange im Schlafsack bis wir endlich einschlafen können.
Am nächsten Tag schwingen wir uns bei relativ gutem Wetter auf die Kälbchen - wir wollen zum Gletscher "Salmon Glacier", auf etwa 30 km Schotterstraße erreichbar. Je weiter sich die Straße hinaufwindet, desto dichter wird die Nebelsuppe - am Aussichtspunkt angekommen, direkt gegenüber dem Gletscher, sehen wir ihn nicht!! Enttäuscht kehren wir um, erst auf dem Rückweg bekommen wir ein Stückchen von dem imposanten Gletscher zu sehen... Der Fish Creek liegt auf dem Weg "nachhause", also halten wir. Wir haben Glück, Mama- Bär mit Nachwuchs ist wieder da! īDieses Mal sind sie weitaus hungriger, mehrere Lachse werden bis auf die Gräten verschlungen. Und endlich bekommen wir auch unsere guten Bilder...
Wir sitzen gerade beim Frühstück am Waldrand neben unserm Zelt, als Rosa ruft "Tommy, hol schnell das Bärenspray, dort drüben ist ein Bär"! Lange harren wir aus, immer mit dem Blick Richtung Wald, reden laut, während wir hastig das Essen wegpacken. Ein blödes Gefühl... Während Rosa dann später in der Waschküche am PC sitzt, ist Tommy noch am Zelt und sieht eine Schwarzbär- Mama mit zwei Jungen quer über die Campingplatzwiese trotten! Tommy ist ihr nicht geheuer, als sie ihn entdeckt, sie entfernt sich rasch, dreht sich ständig um, steht auf und beobachtet ihn, bis sie in den Büschen verschwinden. Es ist gut, daß wir unser Essen in der Waschküche haben - hier wimmelt es wirklich von Bären!!

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