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Wir nehmen Euch mit auf unserer Reise...

 

Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Australien - Teil 1

Sydney - Melbourne

29. September - 23. Oktober 2005

Gefahrene Kilometer: 1965 km
Strecke: Sydney > 2 Castle Hill > 36 Wisemans Ferry > St. Albans (Yengo Nationalpark) > 36 Spencer > Central Mangrove > Calga (Dharug Nationalpark) > 83 Hornsby > 1 Sydney > Waterfall > 68 Bundeena (Royal Nationalpark) > Thirraul > 1 Wollongong > Kiama > Nowra > Ulladulla > Batemans Bay > Moruya > Cobargo > Eden > Cann River > Cape Conran > Orbost > Lakes Entrance > Bairnsdale > Traralgon > C 482 Foster > C 444 Yanakie > Tidal River (Wilson Nationalpark) > Fish Creek > Tarwin Lower > Inverloch > Wonthaggi > Phillip Island > Dandenong > Mordialloc (Melbourne)

Sydney
Der Flug von Manila über Hongkong nach Sydney dauert über elf Stunden. Die Variante über Hongkong ist zwar Quatsch, da wir zuerst einmal entgegen unserer Richtung fliegen, aber sie ist in unserem Fall eindeutig die billigere. In Hongkong haben wir sieben Stunden Aufenthalt, trotzdem wird uns nicht langweilig - es gibt viel zu sehen, hunderte Shops und tausende interessante Leute. Der Flug nach Sydney ist mühsam, denn wir können einfach nicht schlafen...
Bei der Einreisekontrolle wird das Gepäck durchleuchtet. Sie suchen vor allem nach Lebensmittel, deren Einfuhr verboten ist. Und dann sind wir da, wir sind in Sydney! Wir denken nur an ein weiches Bett und suchen erst mal ein Backpackers Hostel. In der Nähe vom Flughafen gibt es für 28,- AUD (etwa 17,- EUR) pro Nase ein vergleichbar günstiges mit kostenlosem Abholservice. Zum Glück gibt es einen Wochenrabatt, so daß wir weniger berappen müssen. Puh- zur Zeit rennt uns das Geld nur so aus den Fingern...Verschiffung, Flug und die Übernachtungen in Hotels gehen ins Geld!
Endlich liegen wir im langersehnten Bett, aber natürlich können wir nicht schlafen. Wir sind das erste Mal in Australien und wollen uns Sydney ansehen - also raus aus den Federn und rein ins Getümmel!
Mit einem 7- Tage- Paß für 40,- AUD können wir Bahn, Fähre und Bus nutzen. Unsere ersten Ziele sind die Wahrzeichen der Stadt: Die Opera und die Harbour Bridge, sehr sehr schön... Wir bummeln an Straßenmusikanten vorbei, beobachten das Treiben und geniessen es einfach hier zu sein...

Warten auf unsere Dakars
Früh sind wir an diesem Morgen unterwegs, und unser Weg führt uns als erstes zu der Firma, die für unsere Fracht zuständig ist. Wir werden fast herzlich dort empfangen - Mr. Song aus Südkorea muß uns wohl angekündigt haben. Unsere Hoffnungen, die Dakars am Tag ihrer Ankunft zu erhalten, lösen sich schnell in Luft auf. Zuerst müssen die Container vom Schiff, dann ins Depot, dort werden sie "entpackt", und das kann dauern. Besonders wenn, wie gerade jetzt, ein paar Feiertage bevorstehen.
Mr. Bollinger, der Chef der Firma, kopiert für uns Stadtpläne und lässt eine Checkliste erstellen, auf der genau steht, wohin wir in welcher Reihenfolge und zu welchem Zweck gehen müssen: Zuerst Quarantäne, dann Zoll, dann wieder Quarantäne, wieder Zoll, usw. usw. Zunächst haben wir allerdings noch Zeit, denn an Feiertagen arbeitet, auch hier in Sydney, keine Behörde...

Sightseeing
In Australien ist Frühling, und was hier als Frühling bezeichnet wird, grenzt schon an Hochsommer! Immer wieder zieht es uns in diesen Tagen zur Opera und zur Harbour Bridge. Von dort gehen die Fähren in die Vororte, und bald sitzen wir in einem der Boote, die nach Paramatta fahren - eine biedere und langweilige Stadt etwa 24 km entfernt. Die nächste Fähre bringt uns nach Manly - das krasse Gegenteil zu Paramatta! Es gibt eine quirlige Fußgängerzone, einen Traumstrand, der am Wochenende leider etwas überbevölkert ist, und viele viele junge Leute.
Wir durchstöbern die Souvenirshops im Hafenviertel "Rocks", trinken deutsches Bier im "Löwenbräu" und streifen durch die Straßen Sydneys. Hier gefällt´s uns!

Quarantäne, Zoll, RTA...
Die Feiertage sind vorüber, und schon sind wir mit unserer Checkliste auf Tour. Als erstes müssen wir zum Quarantäne- Büro, um dort die Dokumente ins System einpflegen zu lassen, die uns die Fa. Bollinger mitgegeben hat. Als nächstes geht´s zum Zoll - natürlich in einem ganz anderen Stadtteil gelegen - um uns anzumelden und einen Ortstermin zu vereinbaren. Als weiterer Punkt auf der Liste steht die RTA ("Roads and Traffic Authority"). Dort bekommen wir ein Formular zum Ausfüllen und die Order, die Motorräder bei einer Tankstelle einem Sicherheitscheck unterziehen zu lassen. Mit dieser Bestätigung und einem Beleg vom Hotel, der unsere Namen beinhalten muß, sollen wir wieder vorbeikommen.
Aber zunächst einmal müssen wir die Motorräder überhaupt einmal bekommen! Es ist fast eine Weltreise am nächsten Morgen mit dem Bus zum Logistik- Depot, wo unsere Motorräder sind.
Wir sind viel zu früh da, und müssen warten, bis der Zollbeamte kommt. Gemeinsam geht´s nun zu unseren Dakars, und wir freuen uns sehr, die zwei unversehrt zu sehen! Der Zöllner vergleicht die Motornummern auf den Maschinen mit denen auf unseren Dakars und schaut kurz in unsere Tankrucksäcke - das war´s! Die Dame von Aqis, die unsere Motorräder auf Kontamination sprich Dreck untersucht, wird natürlich fündig...Aber wir ärgern uns irgendwie und verstehen die Logik nicht. Da laufen täglich tausende Menschen mit dreckigen Schuhen durch den australischen Zoll, und keinen interessiert´s. Vielleicht einmal im Monat kommt mal ein pingelig gesäubertes Fahrzeug an, und kommt nicht durch die Quarantäne...Nun ja, wir können´s nicht ändern, und versuchen auch gar nicht zu diskutieren. Die Motorräder müssen abgedampft werden. Aber auch nach dem Abdampfen ist sie nicht zufrieden, noch immer sind ihre Finger dreckig, als sie innen am Kotflügel entlang fährt - ein zweites Mal bitte. Endlich sind sie sauber. Puh, jetzt nur noch bezahlen, und wir haben unsere Mopeds!

Besser eines als keines
Aber da macht uns der strebsame Mitarbeiter von "Patrick Logistik" einen Strich durch die Rechnung - irgendetwas stimmt mit den Zollpapieren nicht. Er versucht bei Bollinger anzurufen, aber ausgerechnet heute ist das Büro ausgeflogen, nur die Telefondame ist da. Der Patrick- Mitarbeiter fängt an, auf uns einzureden. Auf die Bitte, mal etwas langsamer zu sprechen, reagiert er nur mit einem weiteren genuschelten Wortschwall. Aber langsam begreifen wir halbwegs das Problem. Bei Rosa steht 1 Stück Motorrad im Frachtbrief, bei Tommy 1 Stück Motorrad und 1 Stück Motorradaccessoire (die Koffer waren alle auf einer Palette verzurrt). Der Zollbeamte hat auf der Untersuchungserklärung bei Tommy jedoch nur 1 Stück Motorrad bestätigt. Das heißt, daß wir nur wegen einer Zahl, die verkehrt auf dem Papier steht, Tommy´s Motorrad nicht bekommen. Da bei Bollinger niemand im Büro ist, der die Sache mit dem Zoll klären könnte, müssen wir bis zum nächsten Morgen warten...Wir sind total enttäuscht, aber wir haben keine Chance, obwohl selbst die Kollegen auf ihn einreden, er soll´s doch einfach übersehen oder die Zahl korrigieren. So ein Dipfeleschisser (badischer Slang). Nicht einmal ein paar verdrückte Tränen von Rosa helfen, der Typ lässt sich nicht erweichen...
Auf dem Rückweg erledigen wir den Check von Rosa´s Motorrad und gehen mit der Bestätigung "Pink Slip" zur RTA. Dort muß sie 116,- AUD für die drei Monate KFZ- Haftpflicht berappen.
Wir schauen beim BMW- Motorradhändler "Tom Byrne" vorbei, um zu fragen, ob wir dort in den nächsten Tagen unsere mitgebrachten Ketten montieren dürfen. Klar, kein Problem und bekommen sogar noch zwei BMW- T-Shirts geschenkt.

Fahrschule
Mr. Bollinger führt ein paar Telefonate, dann weiß er was wir tun müssen. Wir sollen zum Zoll, denen kurz erzählen, was in den Koffern ist, und die tragen die Motorradaccessoires in das Papier nach. Es funktioniert auch so, und kurze Zeit später stehen wir bei Patrick Logistik mal wieder in der langen Warteschlange. Als wir nach gut einer Stunde an der Reihe sind, geht alles ganz schnell, und endlich hat auch Tommy seine Dakar!! Daß uns in Australien solch eine Bürokratie erwartet, hätten wir nicht gedacht...
Schon als Fußgänger hatten´s wir nicht einfach mit dem Linksverkehr. Es wollte einfach nicht in unsere Köpfe, daß wir beim Überqueren einer Straße zuerst nach rechts schauen müssen. War´s zu zweit auf einem Moped noch relativ einfach, den ungewohnten Linksverkehr zu bewältigen (Rosa stupft Tommy, wenn er auf die falsche Seite gerät), ist die Kommunikation von Motorrad zu Motorrad nun etwas schwieriger! Und so sieht man uns öfter mal kurzzeitig auf der falschen Straßenseite, bis uns ein entgegenkommendes Fahrzeug auf die andere Seite verweist...
Es fängt schon damit an, wenn man auf eine Straße einbiegen will - man schaut zuerst mal in die falsche Richtung! Das Schlimme ist, daß man die Verkehrsregeln verinnerlicht hat, so daß man normalerweise nicht denken muß beim Fahren. Nun ist aber volle Konzentration angesagt!

Ölwechsel bei BMW
Sofort fahren wir zu Tom Byrne, um dort die Kettensätze und Öl zu wechseln. Die Kettensätze und Ölfilter bringen wir mit, denn Tommys Schwager hat sie uns auf die Philippinen mitgebracht. Im Hof dürfen wir schrauben, und Werkzeug bekommen wir auch, wenn wir welches benötigen- perfekt! Kurz vor Feierabend ist es geschafft, unsere Dakars sind bereit für die Reise!

Auf nach Wisemans Ferry
Bepackt geht´s nicht direkt aus der Stadt, sondern zu einem "Shopping Center". Da wir nichts Eßbares nach Australien einführen durften, müssen wir dringend unsere Vorräte auffrischen!
Als wir mit vollen Tüten aus dem Supermarkt kommen, stürzt sich Chris, ein begeisterter Crossfahrer, regelrecht auf uns. Er fragt uns aus, umkreist aufgeregt unsere Dakars und bittet uns um einen Artikel für das Enduro- Magazin "Sidetrack". Ja, warum nicht... Und sofort greift er zum Handy und ruft seinen Freund und Chefredakteur an. Ach herje, schon wieder Hausaufgaben...Wir haben gerade eine Zusammenfassung der letzten sechs Monate für die BMW- Homepage und die Tageszeitung unserer Heimat fertiggestellt!
Chris lädt uns zu einer 5- tägigen Tour mit ihm und seinen Cross- Freunden ein. Wir schlagen die Einladung aus, obwohl sie sehr verlockend klingt. Wir könnten sogar unser komplettes Gepäck im Begleitfahrzeug unterbringen! Aber wir haben nun mal keine Cross- Maschinen und wollen keinen Sturz herausfordern. Seinen Tourvorschlag für uns dagegen nehmen wir gerne an. Er empfiehlt uns die Gegend um Wisemans Ferry, nicht weit von Sydney entfernt.
Nun geht´s nochmal in die Innenstadt, denn wir müssen unsere Roundtheworld- Tickets im Reisebüro holen. Wir kämpfen uns durch den dichten Verkehr, um beim Flight Center vor verschlossener Tür zu stehen. Wir hätten nicht damit gerechnet, daß es Samstags geschlossen hat! So kommt uns Chris´Tourenvorschlag erst recht gelegen, denn wir müssen noch einmal nach Sydney, und Wisemans Ferry ist nicht weit.

Endlich unterwegs
Endlich sind wir wieder auf Tour! Es ist ein herrliches Gefühl, wieder auf zwei Rädern unterwegs zu sein. Und wir fahren langsam, denn es gibt viel zu sehen...
Die Strecke nach Wisemans Ferry ist sehr schön - die Blue Mountains sieht man aus der Ferne, wir fahren kurvige Strässchen mit wenig Verkehr durch ausgedehnte Wälder.
Wiseman Ferry liegt direkt an einem Fluß, der nur per Fähre überquert werden kann. Wir finden einen Campingplatz, der uns so gut gefällt, daß wir spontan entscheiden, gleich zwei Nächte zu bleiben. So haben wir am nächsten Tag die Möglichkeit ohne Gepäck die Gegend zu erkunden. Immer wieder endet der Asphalt, aber die "Gravel roads" sind mit denen in der Mongolei nicht zu vergleichen - kein Sand, kaum Wellblech. Im Yengo Nationalpark sehen wir die ersten Trauerschwäne - mit schwarzem Gewand und knallroten Schnäbeln.

Royal Nationalpark
Es ist Montag, und wir packen zusammen, um die Flugtickets in Sydney abzuholen. Erst spät kommen wir aus dem Verkehrsgewühl von Sydney. Der Royal Nationalpark ist nicht weit, liegt auf unserem Weg und in Nationaparks gibt es immer Campingplätze. Als wir am Wärterhäusschen halten, um die 11,- AUD Eintritt pro Nase zu bezahlen, haben wir Glück, daß wir so spät dran sind - es ist niemand mehr da.
Den Campingplatz finden wir erst, nachdem wir nachfragen, und wir beeilen uns mit Zelt aufstellen und Pasta kochen - um 19.00 Uhr ist es hier stockdunkel.
Am nächsten Morgen werden wir schon um 4.30 Uhr geweckt - vom lautstarken Vogelkonzert! Beim Frühstück bekommen wir Besuch von Kakadus, neugierig und frech lassen sie keine Gelegenheit aus, eine Leckerei zu ergattern - sie klauen uns Mandarinen aus dem Netz!

Highway No.1
Die Küstenstraße ist traumhaft- immer wieder halten wir an, um uns die Seeluft um die Nase wehen zu lassen und den Ausblick zu geniessen. Ein Stop gilt einem toten Wallaby am Straßenrand - es wurde überfahren. Wir halten natürlich immer Ausschau nach Kängurus, Wombats, Koalas oder dergleichen - bisher erfolglos.
Den Cape Conran Coastel Park suchen wir uns als nächstes Nachtquartier aus. Eine gute Wahl, denn der Sandstrand ist traumhaft, wir zelten mitten im Wald, und bekommen endlich ein lebendes Wallaby zu sehen. Leider will es nicht vor die Linse... Wir haben dicke Steaks eingekauft, und ein "Lachender Hans", das ist ein fleischfressender Vogel, weicht uns nun nicht mehr von der Seite.
Das erste Mal zelten wir "wild" - auf einem Picknickplatz direkt am Dorfrand. Wieder gehen wir mit dem Sonnenuntergang schlafen, und pünktlich weckt uns mal wieder ein Kakaduschwarm.

Der südlichste Zipfel des Kontinents
Unser neuer Tagesrythmus bringt uns schon früh auf die Straße, und so sind wir fast die einzigen, die im wunderschönen Wilsons Nationalpark, am südlichsten Zipfel Australiens, unterwegs sind! Endlich sehen wir sie: Emus, Wallabys und sogar einen Wombat! Eigentlich sind wir an diesem Tag auf dem Weg zum MotoGP nach Phillip Island, aber dieser Abstecher hat sich wirklich gelohnt.

Phillip Island
Das Ziel stand schon lange für Tommy fest: MotoGP Australien! Schon seit Tagen strömen Scharen von Motorradfahrern Richtung Phillip Island, um das Motorradrennen zu sehen. Der Campingplatz liegt direkt an der Rennstrecke und nachdem unser Zelt steht, machen wir uns auf den langen Weg um den "Circuit". Man ist hier wirklich hautnah dabei - nur wenige Meter von uns entfernt treibt Valentino Rossi und Co. seine Maschine um die Kurven. Wahnsinn!
Es weht ein richtig kalter Wind hier, und wir ziehen alles an, was wir haben. Jeder hat sein Feuerchen vor dem Zelt, immer wieder krachen Sylvesterböller, und der Himmel wird eingenebelt durch die nicht immer erfolgreichen Burnouts.
Den ganzen Tag sind wir an der Strecke, um dem Training zuzusehen. Abends werden wir plötzlich auf badisch angesprochen: Eva und Tim sind seit Juli in Australien, um die Abschlußarbeit für ihren Mastertitel zu schreiben. Danach planen sie eine Australienreise mit ihren Motorrädern. Tim hat seine LC4 aus Deutschland mitgebracht, Eva hat sich hier eine DR 650 gekauft. Spontan laden sie uns zu sich nachhause ein. Sie haben ein kleines Häusschen in einem Vorort von Melbourne gemietet. Wir überlegen nicht lange und sagen zu. Die beiden sind richtig sympatisch und können uns bestimmt Tips geben, denn sie waren schon einmal sechs Monate in Australien unterwegs! Und es ist tatsächlich noch ein Motorradfahrer mit seiner Maschine da. Hans aus Regensburg war schon viele Male mit seiner BMW in Australien.
Das Rennen! Tommy ist um halb Sieben an der Strecke, um uns die besten Plätze zu sichern, Rosa bringt später das Frühstück mit. Der Tag vergeht wie im Flug. Zwischen den spannenden Rennen unterhalten wir uns mit unseren Nachbarn, australische Farmer aus der Nähe von Sydney, oder schauen einfach nur dem interessanten Treiben zu. Viele haben sich für diesen Tag herausgeputzt, und die australischen Motorradfahrer sehen meist sehr urig aus - mit langem Bart, Hut, Wachsmantel und Bierbauch.
Bei der Siegerehrung ergattern wir uns einen guten Platz und das Warten an der Box lohnt sich - Tommy ist nun stolzer Besitzer eines Autogramms von Nicky Hayden.

Melbourne
Gemeinsam mit Eva und Tim geht´s am frühen Morgen Richtung Melbourne. Das Häusschen von den beiden ist super, es gibt eine Garage, und wir bekommen sogar ein eigenes Zimmer! Ein paar Meter entfernt ist der Strand, und dorthin geht´s nachmittags mit einem 4- Liter- Kanister leckeren australischen Rotwein! Am nächsten Tag fahren wir mit den beiden nach Melbourne. Eva und Tim gehen an die Uni, wir schauen uns die Stadt an. Melbourne gefällt uns gut mit seiner Mischung aus Wolkenkratzern und Gebäuden aus dem vergangenen Jahrhundert.

Kurzer Ausflug
Nach einem letzten schönen Abend bei Tim und Eva lassen wir ein bisschen Gepäck bei den beiden, um für einige Tage in die nahegelegenen Nationalparks zu fahren. Aber nach 60 km ist Schluß. Wir halten, um rechts abzubiegen, ein nachfolgender PKW- Fahrer schläft wohl gerade und touchiert Rosa´s linker Koffer. Dieser reißt ab und landet im Straßengraben - genauso wie der PKW. Rosa bleibt im Sattel, ihr passiert nichts. Aber der Koffer ist hoffnungslos verbeult und der Kofferträger um ein paar Zentimeter verschoben. Mist!
Ein paar Zeugen rufen sofort die Polizei, aber als erstes erscheint die Feuerwehr, um zu sehen, ob Benzin ausgelaufen ist, oder sonst irgendeine Gefahr für Mensch und Umwelt entstanden ist. Ned, der Autofahrer, der den Unfall verursacht hat, entschuldigt sich tausendmal und schreibt uns bereitwillig seine Daten auf. Er hat eine Versicherung, die bestimmt für die Schäden aufkommen wird. Inzwischen ist auch die Polizei eingetroffen, aber sie steigen nicht einmal aus, sondern fragen nur, ob wir uns so einigen können.
Tja, was nun. Was bleibt uns anderes übrig, als zu Eva und Tim zurückzukehren, und den Ausflug abzubrechen. Den Koffer können wir so nicht mehr montieren. Ned schlägt vor, ihn mitzunehmen, um ihn notdürftig reparieren zu lassen, damit wir bald unsere Tour fortsetzen können. Er würde einen neuen bestellen und uns nachschicken.
Ok, das hört sich ganz vernünftig an, und wir verabreden mit ihm, daß er den reparierten Koffer spätestens am nächsten Tag vorbeibringt.

Unfallfolgen
Abends ruft Ned an. Er habe niemanden gefunden, der den Koffer reparieren könne! Er stellt uns vor die Wahl: Entweder wir schauen, wie und woher wir einen neuen Touratech- Koffer hier in Australien bekommen - was natürlich möglich ist, aber nie und nimmer in ein, zwei Tagen - oder wir lassen ihm über das Wochenende Zeit (heute ist Mittwoch!), den beschädigten Koffer von seinem Freund und Spezialisten reparieren zu lassen. Wir sehen uns nochmal die Bilder vom Koffer an, die Tommy gemacht hat. Der Koffer sieht wirklich schlimm aus, und wir bezweifeln, daß er nach der Reparatur wieder halbwegs ansehnlich geschweige denn wasserdicht ist. Aber ein neuer Koffer bestellen geht wahrscheinlich ewig!
Als Tim und Eva von der Uni heimkommen, setzt sich Tim ans Telefon. KTM hat glücklicherweise genau den gleichen Aluminiumkoffer im offiziellen Lieferprogramm. Er ist zwar sehr sehr teuer (für den Preis würde man in Deutschland ein Kofferset bekommen), aber das kann uns ja egal sein. Tim macht uns ein tolles Angebot: Wir können seinen neuwertigen Koffer haben, den er nur zwei, drei Mal benutzt hat - er hat ebenfalls die Zegacase montiert. Er wartet dann auf den bei KTM bestellten Koffer. Also können wir losdüsen, sobald der Kofferträger fertig ist, den wir in eine nahe Werkstatt zum Richten gebracht haben!
Ned kommt vorbei und bringt uns den beschädigten Koffer. Wir rufen gleich bei KTM an, und Ned gibt seine Kreditkarten- Daten durch, somit ist der Koffer bestellt und eigentlich alles geregelt.
Beim Abholen und Montieren des Kofferträgers am nächsten Morgen, bemerken wir, daß irgendwie etwas nicht stimmt. Der Träger will einfach nicht passen. Beim genaueren Hinsehen entdecken wir, daß der Rahmen wohl doch etwas verbogen, und auch die seitliche Plastikverkleidung angerissen ist! Oh nein, wären wir doch gleich zum BMW- Händler und hätten das Motorrad anschauen lassen!! Nun ja, vielleicht ist es noch nicht zu spät. Es ist Samstag und wir beeilen uns. Der Werkstattchef bei "Moto One" meint, daß es keine Probleme mit der Versicherung geben wird, sie wird bestimmt den kompletten Schaden übernehmen.
Es ist zwar sehr sehr ärgerlich, daß wir mal wieder in einer Großstadt festsitzen und warten müssen und bislang noch so gut wie nichts von diesem fantastischen Kontinent gesehen haben, aber wir können froh sein, daß nicht mehr passiert ist.

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