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Wir nehmen Euch mit auf unserer Reise...

Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Baltikum

21. Mai - 13. Juni 2007

Gefahrene Kilometer: 580 km Litauen, 536 km Lettland, 685 km Estland
Strecke: 134, 127 Lazdijai, Veisiejai, Druskininkai, Darzeliai, Varena, Eisiskes > 105, 176, 106, 107, 108, 172 Baltoji Voke, Vilnius, Trakai, Maisiagala, Moletai > 114, 113, 102 Ignalina > Vidiskes, Taujunai, Duksteliai, Zarasai ( Grenze Lettland) > A 13, A 6, P 61, P 55, A 12, P 84 Daugavpils, Veustropi, Kraslava, Dagda, Rezekne, Varaklani, Madona > P 30, A 2, P 20, P 24 Vecpiebalga, Berzkrogs, Augsligatne, Sigulda, Cesis, Valmiera, Trikata, Valka (Grenze Estland) > Valga > 3, 72, 46, 2, 43, 3 Sangaste, Otepaa, Tartu, Kodavere, Mustvee, Rannapungerja, Johvi > 1 Sillamäe, Narva- Joesuu, Narva (zurück über Kuremäe nach Johvi), Kohtla - Järve, Aseri, Someru, Valgeroe (Abstecher Lahema Nationalpark) Loksa, Muuksi, Joclähtine, Tallinn, Männiku

Einreise nach Litauen
An der Grenze zu Litauen zeigen wir unsere Personalausweise, aber die genügen nicht, auch die Fahrzeugpapiere wollen sie sehen. Unser TÜV ist nach über zwei Jahren Reisen logischerweise abgelaufen, was der Zollbeamte auch bemerkt. Auf gutem Deutsch weist er uns darauf hin und prophezeit uns Ärger und eine Geldstrafe, falls wir von der Polizei angehalten werden. Wir lassen es natürlich darauf ankommen - es bleibt uns ja auch nichts anderes übrig!

Druskininkai
Unser Tagesziel ist Druskininkai - laut Reiseführer ein beschauliches Heilbad, das Genuss pur bietet. Beschaulich heißt “Hund begraben” , so empfinden wir es in diesem Kurort, wo’s kaum Restaurants oder Kneipen gibt und die Fußgängerzone menschenleer ist. Trotzdem bleiben wir dort auf dem Campingplatz zwei Nächte und besuchen den nahegelegenen “Grutas- Park”. Ein Millionär, dessen Vater eines der 260 000 Opfer des Sowjetregimes war, sammelte ausgemusterte Statuen von Stalin, Lenin und Co., um sie in seinem skurrilen Freilichtmuseum für die Nachwelt zu bewahren.

Am See Lavysas
Auf Nebenstrassen wollen wir auf Umwegen die Hauptstadt Vilnius erreichen, aber das erste Sträßchen welches wir nehmen endet für uns an einem Schild. Würden wir weiterfahren, kämen wir über die grüne Grenze nach Weißrussland - wir kehren lieber um... Dann finden wir den richtigen Weg, fahren durch hübsche Dörfer mit bunt gestrichenen Holzhäusern, auf staubigen Schotterstrassen durch ausgedehnte Wälder. Unser heutiges Ziel ist ein kleiner See mitten im Wald, wo man laut Detailkarte aus der Tourist- Info zelten kann. Der Waldweg ist ziemlich versandet, es hat wohl schon lange nicht mehr geregnet hier, und wir kommen nur langsam vorwärts. Die Mühe lohnt sich allerdings, denn es ist sehr idyllisch an dem See, und wir genießen die Ruhe in unberührter Natur. Wir packen die Hängematte aus, baden im kalten Wasser und beobachten einen Fischer, wie er seine Reusen auslegt. Am nächsten Morgen ist er immer noch da - er hat wohl in seinem Auto übernachtet und holt nun die Netze wieder ein.
Wir packen zusammen und machen uns auf den Weg nach Vilnius - die Hauptstadt Litauens.

Vilnius
Es soll einen Campingplatz in Vilnius geben, von dem wir sogar die GPS- Koordinaten haben. Einfach zu finden, denken wir also. Wir kreisen immer um den GPS- Punkt herum, aber nirgendwo finden wir einen Campingplatz, nicht einmal ein Hinweisschild darauf. Ratlos studieren wir das Prospekt und entdecken nun erst, dass der Platz erst ab 1. Juni geöffnet ist, und wir haben Ende Mai - toll... Also zur nächsten Tourist- Info. Dort fragen wir nach günstigen Übernachtsmöglichkeiten in Zentrumsnähe und bekommen erst mal ein Hotel für schlappe 150,- Euro die Nacht angeboten! Nach hartnäckigem Nachbohren findet sich ein Zimmer im Studentenwohnheim der Kunstakademie für 20,- Euro. Das ist sehr zentral gelegen, mitten in der Altstadt und verfügt über einen Parkplatz im Innenhof - ideal also....
Vilnius wurde 1323 erstmals erwähnt, die erste Blütezeit erlebte die Stadt im 15. und 16. Jahrhundert als Handels- und Universitätsstadt. Im Nordischen Krieg im 17. Jahrhundert wurde Vilnius fast völlig zerstört und im 18. Jahrhundert wieder aufgebaut. Im 18. Jahrhundert gehörte Litauen zu Russland, die Universität wurde geschlossen und die litauische Sprache nach Aufständen gegen die Zarenherrschaft verboten. Nach dem Ersten Weltkrieg besetzten zuerst die Deutschen, dann die Polen Vilnius, durch den Hitler- Stalin- Pakt wurde Vilnius wieder litauisch, aber gleichzeitig verlor Litauen seine Souveränität und wurde von sowjetischen Truppen besetzt. 1941 kamen wieder die Deutschen, errichteten Ghettos, in denen über 40 000 Juden starben. Die Rote Armee befreite Vilnius 1944, aber auch unter ihrer Herrschaft litten die Litauer: Über 63 000 Menschen wurden nach Sibirien verbannt - vor allem Intellektuelle, Politiker oder Fabrikanten, die den Sowjets als gefährlich erschienen.
Die Altstadt von Vilnius zählt zum Unesco- Weltkulturerbe, und zum 1000. Geburtstag Litauens in 2009 will sich die Stadt als Kulturhauptstadt Europas präsentieren. Bis dahin sollen alle Renovierungsarbeiten beendet sein. In der Tat glänzen die meisten Fassaden schon jetzt in voller Pracht, nur wenige Häuser bedürfen noch Schönheitsreparaturen. Wir staunen, wie modern und “westlich” hier schon alles ist und bewundern die schmucke Altstadt mit ihren zahlreichen Kirchen und schönen Gebäuden. Abends brummt der Bär - es ist hochsommerlich heiß und auch der letzte Platz in den zahlreichen Straßencafes ist besetzt, viele Menschen flanieren die Gassen entlang - wir haben schon lange nicht mehr eine so schöne und lebhafte Stadt gesehen!
Lange halten wir uns im KGB- Museum auf, dessen Besuch sehr lohnenswert ist. Das Museum befindet sich im früheren KGB- Gebäude, das zuvor auch von der Gestapo genutzt wurde.
Im Obergeschoss ist eine Ausstellung untergebracht über die Machenschaften des sowjetischen Geheimdienstes und die Geschichte der Litauer, die über ein Drittel ihrer Bevölkerung während der sowjetischen Besatzung verlor. Allein 22 000 Menschen, meist junge Männer, starben beim Kampf gegen die Rote Armee, der bis 1950 andauerte. Im Keller sind die originalen Gefängniszellen erhalten. Es ist kalt und trostlos da unten, und wir können uns gut vorstellen, wie die Insassen hier leiden mussten. Es gab Zellen, die mit kaltem Wasser befüllt werden konnten, damit die Zellenbewohner zur Strafe darin stehen mussten, oder eine schalldichte Zelle für Gefolterte, damit die Schreie nicht nach außen dringen konnten. Beklemmend ist es besonders im Exekutionsraum, in dem bis 1963 Menschen erschossen wurden - die Einschusslöcher sind noch gut in der Wand zu sehen...

Trakai
Nur etwa 30 km weiter liegt die restaurierte Wasserburg von Trakai. Das heute 6000 Einwohner zählende Dorf war einst sogar einmal Hauptstadt von Litauen!
Wir besichtigen die Burg und schauen uns das kleine Städtchen an. Der Campingplatz ist voll von Deutschen und Holländern. Es sind mehrere Gruppen mit Wohnwägen und Wohnmobilen, die als organisierte Tour das Baltikum und den westlichen Teil Russlands bereisen. Sie erzählen uns, dass noch keine Gruppe an korrupten Polizisten in Russland vorbeigekommen ist. Immer wird wohl einer der Gruppe rausgezogen und mit fadenscheiniger Begründung um zig Euros erleichtert. Wir dagegen hatten vor zwei Jahren nur freundliche Polizisten erlebt. Vielleicht liegt das daran, dass wir über die Ukraine eingereist sind und die westlichen Städte wie Moskau und St. Petersburg gemieden haben. Und die Polizisten wissen genau, wen sie am leichtesten abzocken können - jemand, der in einer Gruppe reist, hat keine Zeit zum Diskutieren oder die Sache auszusitzen...
Ein heftiges Gewitter lässt uns einen Tag länger in Trakai bleiben, und wir nehmen ein Zimmer auf dem Campingplatz. Unser Zelt war in einer Kuhle aufgestellt, die jetzt voller Wasser ist...

Lettland
Zwei Tage verbringen wir auf einem schönen Natur- Campingplatz an dem kleinen See Dringis, bevor wir Richtung Lettland fahren, vorbei an hübschen kleinen Dörfern mit Holzhäusern und schöner Natur.
Daugavpils ist die erste große Stadt in Lettland, durch die wir fahren. Es gibt ein paar schöne Kirchen, aber ansonsten dominieren hässliche graue Plattenbauten. Auch die Dörfer, durch die wir hier im Süden Lettlands kommen, sehen anders aus - ärmlicher, grauer. In Kaunatas fragen wir in der Tourist- Info nach einer günstigen Unterkunft - zelten wollen wir nicht, weil’s schon den ganzen Tag geregnet hat und wir ziemlich durchfroren sind. Die Damen sprechen weder Englisch noch Deutsch, wollen uns aber unbedingt helfen und rufen einen jungen Mann herbei, der unser Anliegen übersetzt. Auf einem Campingplatz in der Nähe werden kleine Hütten vermietet, und es kommt tatsächlich der Campingplatzwart mit dem Auto, um uns den Weg zu weisen! Dabei ist auch eine junge Lettin als Übersetzerin. Sie empfiehlt uns, noch im Supermarkt gegenüber der Tourist- Info einzukaufen, und die beiden warten geduldig bis wir unsere Emails gecheckt haben. Die Hütten sehen sehr gemütlich aus, aber der Preis ist uns mit 30,- Euro dann doch etwas zu hoch, und sie bieten uns einen Sonderpreis an, den wir dankbar annehmen. Die erste Nacht hier ist ruhig, dann ist Wochenende und der Platz voll mit Leuten, die bis spät in die Nacht lautstark feiern - auch als wir um Ruhe bitten, geht’s in der gleichen Lautstärke weiter. Weil wir in den letzten Wochen und Monaten selten mal eine ruhige Nacht hatten, sind wir inzwischen regelrecht “lärmgeschädigt”...

Sigulda
Die Strecke nach Sigulda erinnert uns anfangs sehr an Russland - die schlichten Holzhäuser, die Birkenwälder und geraden Strassen. Allmählich ändert sich’s aber - es wird hügeliger und die Strassen damit kurviger, auch die Häuser werden wieder etwas bunter.
Der Campingplatz in Sigulda liegt direkt am Fluss Gauja, der dem gleichnamigen Nationalpark seinen Namen gibt. Wir besichtigen die Burg Turaida und kaufen anschließend eingelegte Steaks zum Grillen - köstlich!

Kanutour im Gauja- Nationalpark
Rosa überredet Tommy zu einer mehrtägigen Kanutour die Gauja hinunter- Tommy will zwar auch paddeln, aber eher nur einen Tag. Die Motorräder dürfen in die Garage des Campingplatzbesitzers, der auch die Kanus vermietet, und es dauert ‘ne Weile bis wir unsere Sachen für die Tour gepackt haben. Dann werden wir nach Valmiera flussaufwärts gefahren, wo wir das Kanu zu Wasser lassen. Bis Sigulda sind es 85 km, für die drei Tage angesetzt sind. Wir werden mit einer Karte ausgestattet, in denen die Campingplätze eingezeichnet sind. Zwei dieser Plätze sollen wir meiden, denn dort finden wohl regelmäßig Partys statt, weil sie von der Strasse zugänglich sind.
Um 12.00 Uhr mittags starten wir, aber dass wir bis 20.00 Uhr paddeln würden, hätten wir uns nicht ausgemalt. Ab 17.00 Uhr sind wir auf Campingplatzsuche, aber alle Plätze, die wir passieren, sind von angetrunkenem Partyvolk belegt. Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt, schließlich sind wir hier in einem Nationalpark unterwegs, wo man Natur pur erwartet und keine grölenden Trunkenbolde, die ihre leeren Flaschen im Fluss entsorgen... Das ist vielleicht über einen Kamm geschert, denn normalerweise ist es, wie in Polen auch, überall im Baltikum sehr sauber, und wir beobachteten öfter schon, wie sorgsam gerade Kinder auch das kleinste Papierschnipselchen in den Mülleimer werfen. Aber wir sind enttäuscht und genervt, da wir keinen ruhigen Platz finden, so dass uns jede leere Plastikflasche im Wasser förmlich ins Auge springt. Und dazu kommt, dass wir trotz Karte überhaupt nicht wissen, wo wir uns befinden. Zwar haben die Campingplätze alle Namen, aber die meisten Schilder am Ufer sind nicht mehr vorhanden... Irgendwann haben wir die Schnauze voll und krabbeln einfach irgendwo die Böschung hoch und schlagen unser Zelt auf - eigentlich nicht erlaubt, aber wir sind an einem Tag schon etwa 50 km gefahren - also über die Hälfte der Gesamtstrecke, und Rosa kann einfach nicht mehr.
Am nächsten Tag sinkt unsere Laune noch mehr - Tommy langweilt sich zu Tode, denn fahrerisch und landschaftlich macht die Strecke nicht allzu viel her. Die Stromschnellen sind keine, und die Sandsteinfelsen hauen uns auch nicht vom Hocker. Immerhin sehen wir einen Biber, wie er sich gerade ins Wasser gleiten lässt in zwei Meter Entfernung! 1,5 km vor unserem Campingplatz gibt es nochmals einen Platz vom Nationalpark, den wir uns für die Nacht aussuchen, denn der kostet nichts.
Aus einer kleinen Gruppe Jugendlicher wird eine ganze Horde im Laufe des Abends, und je höher der Alkoholspiegel, um so lauter werden sie. Mal wieder sind Ohrenstopfen angesagt... Obwohl es unter der Woche ist, feiern sie bis spät in die Nacht - es sind Schulferien von Juni bis September, und eigentlich haben wir ja Verständnis, wenn die Leute hier den Sommer in vollen Zügen genießen - denn die Winter werden für sie wieder dunkel, eisig und lang.
Wir sind im Nachhinein froh über unsere Wahl des Nachtlagers, denn direkt vor dem Campingplatz, wo unsere Mopeds unterstehen wurde letzte Nacht ein illegales Straßenrennen abgehalten - es ging wohl fast zwei Stunden bis die Polizei kam und dem Ganzen ein Ende machte...
Auf dem Campingplatz steht eine Dakar mit deutschem Nummernschild, und der Campingplatzbesitzer erzählt, dass der Dakarfahrer auch ‘ne Weile unterwegs ist. Heute macht er eine Kajaktour auf der Gauja. Wir sind neugierig geworden und schreiben ihm eine Notiz, dass wir ganz in der Nähe auf einem Campingplatz in Cesis übernachten. Vielleicht will er auf ein Bier vorbeikommen. Den Campingplatz haben wir beim Paddeln auf der Gauja gesehen und hat uns auf Anhieb gefallen.

Cesis
Cesis ist nur etwa 50 km entfernt, nachdem unser Zelt steht, fahren wir in die kleine Stadt. Die imposante Ordensburg ist bisher noch nicht restauriert worden, gefällt uns aber so wie sie ist fast besser wie die Burgen, die wir bisher im Baltikum gesehen haben. Cesis (Wenden) war bereits im 13. Jahrhundert eine bedeutende Hansestadt, die eigene Münzen prägen durfte und Riga im 15. Jahrhundert fast ebenbürtig war. Wir bummeln durch das hübsche Städtchen, verpassen es aber der berühmten Brauerei einen Besuch abzustatten.
Spät abends kommt Theo, der Dakar- Fahrer tatsächlich noch und bringt auch noch drei eiskalte Bierchen mit - wir hatten eigentlich nicht mehr mit ihm gerechnet und freuen uns riesig. Er ist seit ein paar Wochen auf Tour - immer entlang der Ostküste über Polen, das zu Russland gehörende Kaliningrad (Königsberg) und das Baltikum. Nun geht’s nach Finnland und Russland. Für das Ganze hat er etwa 4 Monate veranschlagt. Kurze Zeit später kommen Pat und Pit mit ihrem großen Wohnmobil an - die beiden sind uns schon in Sigulda aufgefallen, bei unserer Paddeltour haben wir uns gesehen und nun ist endlich mal Gelegenheit auf eine Unterhaltung - sie sind seit zwei Jahren unterwegs in Europa. So sitzen wir alle gemütlich zusammen, tauschen Reisegeschichten aus und merken gar nicht wie die Zeit vergeht - es ist ohnehin hell bis Mitternacht.
Theo verabschiedet sich am nächsten Tag, Pat und Pit sehen wir noch mal in Ligatne, denn auch sie besuchen den Wildpark. Dort gibt es heimische Tiere in Freigehegen, aber mittags um Eins schlafen die meisten natürlich gut versteckt im weitläufigen Gelände. Nur die Bären, die ein kleines Gehege ohne Rückzugsmöglichkeit bewohnen, kann man gut beobachten, Luchse und Wisente bekommen wir leider nicht zu Gesicht.
Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher nach Araisi, wo’s ein Freilichtmuseum gibt, das wir aber nur aus der Ferne betrachten.

Estland
Auf schönen Nebenstrassen erreichen wir nach etwa 80 km Estland. Die Grenze teilt die Stadt ins lettische Valka und estische Valga. Im Tourist- Büro gibt’s kostenloses Internet und haufenweise Infobroschüren auf Deutsch. Im Supermarkt schauen wir uns neugierig um, besonders die Brotabteilung interessiert uns - während wir in Polen immer bestes frisches Brot in den zahlreichend vertretenen Bäckereien fanden, haben wir keine einzige Bäckerei in Litauen und Lettland gefunden. Und das abgepackte Brot in den Supermärkten war entweder Gummi oder mit Kümmel - würg...
Hier finden wir frischgebackene Körner- Brötchen, ein echter Fortschritt! Die verschlingen wir sofort auf dem Supermarkt- Parkplatz....
Unser heutiges Ziel ist es einen Platz zu finden, wo wir in Ruhe die Möglichkeit haben, unsere Berichte für die Webseite zu schreiben und das Update hochzuladen. Estland ist sehr fortschrittlich - es gibt in den meisten Orten kostenloses WiFi, das auch angeschrieben ist. Im Reiseführer haben wir vom Schloss Sangaste gelesen, in dem man für 30,- Euro das Doppelzimmer übernachten kann - und es gibt WiFi, es wäre also ideal. Leider ist Wochenende und alles ausgebucht, also weiter. Entlang des größten Sees des Baltikums “Peipsi Järv” (Peipussee) fehlen plötzlich diese Hinweisschilder und auch die Übernachtungsmöglichkeiten werden weniger. Hier leben hauptsächlich Russen, die vom Fischfang und Zwiebelanbau leben, Esten sind hier in der absoluten Minderheit.
So landen wir durch Zufall in Sillamäe an der Ostseeküste und finden einen total urigen Campingplatz. Priit hat das Grundstück von seinem Onkel geerbt - der Urgroßvater erbaute das Haus, aber während Sowjetzeiten wurde das Land enteignet und zudem durfte es nicht bewohnt werden, da es im Sperrgebiet lag - hier wurde Uran abgebaut. So stand es Jahrzehnte leer und verlotterte dementsprechend. Es wird wohl Jahre dauern, bis Priit das Haus wieder hergerichtet hat. Bis dahin nutzt er das Gelände als Campingplatz, er hat ein paar Schlafhütten errichtet, und das teilweise dachlose Haus beherbergt eine urige Essküche und eine Sauna. Er zeigt uns viele Bilder, wie es hier mal früher ausgesehen hat und erzählt von seinem interessanten Leben. Auf seinem Grundstück hat er schon zahlreiche Munition, Granaten, Gewehrläufe und sogar Gebeine gefunden - im Zweiten Weltkrieg war dieses Gebiet Schauplatz von monatelangen Kämpfen.
Zwei Tage bleiben wir hier, werden verwöhnt mit Kaffee, Tee und Keksen, und werden sogar eingeladen die Sauna zu benutzen, was wir aber ablehnen - wir sind eifrig dabei, die Reiseberichte für unsere Webseite zu schreiben...

Russische Grenze, Nonnenkloster und Nationalpark
Heute haben wir uns viel vorgenommen, aber Estland ist klein, und man hat nicht allzu weit zu fahren, um etwas zu sehen.
Zuerst machen wir einen kleinen Abstecher zur Ostsee, dann fahren wir Richtung Osten. Nach Narva an die russische Grenze zieht es uns, um uns das Bild auf dem estischen 5- Kronen- Schein im Original anzusehen: Ein Fluss, der die Grenze markiert, darüber eine Brücke, auf beiden Seiten der Grenze eine Festung - das sieht imposant aus!
Als nächstes Ziel haben wir uns Kuremäe ausgesucht, wo eine russisch- orthodoxe Kirche neben einem Nonnenkloster steht, das aussieht wie ein farbenprächtiges Märchenschloss mit seinen grünen Zwiebeltürmchen. Leider wird es gerade renoviert und steht im Gerüst....
An der Ostseeküste zwischen Sillamäe und Kothla- Järve soll sehr schön sein wegen der bis zu 50 m hohen Steilküste. Wir verpassen den Abzweig zur Küstenstrasse und fahren deswegen extra noch einmal einen größeren Umweg, um uns die steilabfallenden Felsen anzusehen. Wir finden aber, dass sich dieser Abstecher nicht unbedingt gelohnt hat.
Einen weiteren Umweg machen wir durch den Lahemaa- Nationalpark, der Rückzugsgebiet für viele vom Aussterben bedrohten Tierarten ist. Hier gibt es unter anderem auch Elche, Bären, Nerze und Luchse. Als wir teils auf staubigen Schotterstrassen teils auf Teer durch den Park fahren sehen wir außer urwüchsigen Wald aber leider nichts. Trotzdem ein schöner Abstecher...
Nun geht’s nach Tallinn - dort werden wir ein paar Tage verbringen, um die Hauptstadt Estlands anzusehen und um unsere Webseite zu aktualisieren.

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