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Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Chile
Argentinien
Teil 2

 
Talca - Puerto Montt - Carretera Austral - Ruta 40 - El Chalten - El Calafate - Puerto Natales

14. Januar - 10. Februar 2007

Gefahrene Kilometer: 2522 km in Chile/ 1748 km in Argentinien
Strecke: # 5 Talca, Chillan, Los Angeles, Temuco, Freire > #199 Villarrica, Lincan Ray, Villarrica, Pucon, Curraehue (Pass: Mamuil Mamal nach Argentinien), Junin de los Andes, San Carlos de Bariloche, Villa la Angostura (Pass: Cardenal Antonio Samore nach Chile) > #215 Anticara, Entre Lagos, Osorno > #5 Purranque, Frutillar, Puerto Montt > #7 (Carretera Austral) Lenca, LA Arena, (Faehre) Puelche, Contao, Hornopiren, (Faehre) Caleta Gonzalo, Chaiten, Puerto Cardenas, Vanguardia, La Junta, Puyuhuapi, Villa Amengual, Manihuales, Coihaique, Balmaceda, Villa Cerro Castillo, Puerto Rio Tranquilo, Puerto Bertrand, Chile Chico (Grenze Argentinien) > # 43 Perito Moreno > #40 Bajo Caracoles, Tamel Aike, La Primera Argentina, Tres Lagos, La Leona, El Chalten, El Calafate (Perito Moreno Gletscher), El Calafate, El Cerrito, Canoh a Carrera, Rio Turbio (Grenze Chile) > Puerto Natales

Zeltlager bei Talca
Wir haben die letzte Nacht so gut geschlafen, dass wir beide unsere Wecker nicht hören - statt um 7.00 Uhr, wie geplant, starten wir erst um 8.00 Uhr. Wir machen heute einen Abstecher zur Küste, wir haben keine Lust die ganze Zeit auf der #5, der Autobahn nach Süden zu fahren. Außerdem umgehen wir so Santiago. Dorthin wollten wir ursprünglich, um Ersatzteile und Reifen zu besorgen, aber das haben wir ja nun schon in Mendoza erledigen können.
Wir fahren durch ein paar hübsche Küstenorte mit schönen Sandbuchten, bevor’s wieder Inlands Richtung San Fernando geht, vorbei an Erdbeer- und Melonenständen und auf der Weinstrasse zurück zur # 5, der Autobahn. Kurz vor Talca ist ein Campingplatz direkt an der Autopista, die Nacht kostet 15,- Euro. Der Platz ist schön am Fluss gelegen, hohe Pinien bieten viel Schatten und Gelegenheit, die Hängematte aufzuhängen - wir bleiben für zwei Nächte. Der Campingplatz füllt sich am zweiten Tag zusehends - mehrere Gruppen Pfadfinder schlagen ihre Zeltlager auf - das wird keine ruhige Nacht mehr....Noch im Halbdunkel packen wir unsere Sachen, um 7.00 Uhr hupen wir den Campingplatzwart aus den Federn, damit er uns das Tor aufschließt. Ganz verwundert schaut er uns an - wie kann man um diese unchristliche Uhrzeit schon freiwillig unterwegs sein?

Lincan Ray
Fahrerisch ist der Tag nichts besonderes - wir verbringen ihn hauptsächlich auf der Autopista #5 Richtung Süden, halten nur, um die Autobahngebühr zu entrichten. Dann biegen wir ab nach Villarrica, das idyllisch am gleichnamigen See liegt, im Hintergrund ein rauchender Vulkan mit nahezu perfekter Kegelform - auch er heißt, einfach zu merken, Villarrica. Lincan Ray liegt ein bisschen weiter, und dort finden wir einen netten Campingplatz. Sicher nicht die beste Wahl, denn er liegt nicht direkt am See, dafür aber preisgünstig. Wir scheinen die Massen manchmal nur so anzuziehen. Während der restliche Campingplatz weitgehend leer bleibt, gruppieren sich um uns die Zelte mit lärmenden Großfamilien, die erst nachts richtig munter werden. Die Ohrenstopfen werden langsam zu unserem Lieblingsutensil...
Für den nächsten Tag planen wir eine kleine Rundtour ohne Gepäck von Lincan Ray aus. Die fällt aber aus wegen dem Wetter: Eine einheitlich graue Wolkendecke hängt tief am Himmel. Wir nutzen den Tag zum Ausschlafen, Faulenzen und Lesen, sind eigentlich gar nicht böse, dass die Sonne heute nicht scheint.
Wir verlängern noch um einen Tag und starten am nächsten Morgen zu unserem kleinen Ausflug. Zunächst geht’s noch auf Teer zum hübschen Badeort Panguipulli, setzen uns ins wahrscheinlich teuerste Straßencafe im Ort und lassen uns Capuccino und Kuchen (heißt auch hier so, wegen der vielen Deutschen, die sich im chilenischen Seengebiet niedergelassen haben) schmecken. Wieder unterwegs freuen wir uns über die Landschaft, die der in der Heimat so ähnlich ist: Bewaldete Hügel, Blumenwiesen und Seen. Wir bewundern die überaus hübschen modernen Holzhäuser am Weg, bevor’s auf staubiger und holpriger Schotterstrasse durch ausgedehnte Wälder geht. Die Bäume versperren die Sicht auf den See, den wir gerade umrunden, und nur ab und zu erhaschen wir einen Blick auf den Vulkan Choshuenco.
Nach der Rückkehr sind wir uns einig: Wir hatten zwar einen schönen Tag, aber so richtig gelohnt hat sich die Tour nicht...

Grenze nach Argentinien/ Paso de Mamuil Malal
Einen Tag später geht’s mit Sack und Pack weiter nach Bariloche in Argentinien. Wir fahren daher zunächst die gleiche Strecke zurück nach Villarrica, dann direkt vorbei am Vulkan, der jetzt am Morgen komplett in Wolken gehüllt ist. Die Teerstrasse endet früher als es in der Landkarte eingezeichnet ist, im gemütlichen Tempo holpern wir über die staubige Wellblechpiste, genießen die schöne Sicht auf den Vulkan Lanin, dem wir uns unaufhaltsam nähern, und die einzigartige Landschaft des Nationalparks Villarrica- hier wachsen Bambus und die markanten Araukarien- Bäume. Der Vulkan liegt direkt an der Grenze zu Argentinien, wir haben fast die Passhöhe (1207 m) des Paso de Mamuil Malal erreicht, als wir am Schlagbaum der Argentinier halten. Dies würde wohl der schnellste Grenzübertritt unserer Reise werden, würden wir nicht darauf bestehen, dass wir Einfuhrdokumente für die Motorräder erhalten. Was sonst an jeder Grenze obligatorisch ist, wird uns hier schlichtweg verweigert - wir bräuchten keine speziellen Dokumente für die Mopeds, behaupten sie. Es folgt eine schier endlose Diskussion darüber ,erst als wir argumentieren, dass die Polizei bei einer Straßenkontrolle immer nach einem Einfuhrdokument fragt, bekommen wir die Dokumente ausgestellt. Beruhigt fahren wir weiter - bisher war das Einfuhrdokument bei der Ausreise immer nötig!

Bariloche
In Argentinien ist die Umgebung des Vulkans ebenfalls geschützt - hier heißt der Nationalpark Parque y Reserva National Lanin. Sobald der Nationalpark endet, beginnt die Teerstrasse. Über Junin de Los Andes und San Martin de los Andes geht‘s nach San Carlos de Bariloche, kurz Bariloche genannt. Wir fahren durch ein hübsches Tal, an Seen und interessanten Felsformationen vorbei, und noch lange sehen wir Vulkan Lanin im Rückspiegel.
Nach einem langen Fahrtag erreichen wir Bariloche, eine sehr touristische Stadt, schön gelegen am See Lago Nahuelhuapi, der von schneebedeckten Bergen umgeben ist. Erfolglos klappern wir die Hospedajes der unteren Preisklasse ab, nur noch Hotels für umgerechnet etwa 40,- Euro sind zu haben. Die Cabanas, prächtige Holzhäusschen liegen noch höher. Alles ist auf Tourismus ausgerichtet, und jetzt in der Sommerzeit machen viele Argentinier hier Urlaub - uns kommt‘s fast so vor, als wären wir am Titisee im Schwarzwald! Nach längerer Sucherei landen wir schließlich 25 km weiter auf einem wunderschönen Campingplatz direkt am See! Beim Einkaufen im nahen Supermarkt lernen wir Chantal und Tyler kennen. Tyler ist seit zwei Jahren mit Unterbrechungen unterwegs. Er fuhr mit seiner alten BMW von Kanada, seiner Heimat, nach Südamerika. Zwischendurch ließ er sein Motorrad stehen und flog heim, um für ein paar Monate zu arbeiten. Beim letzten Heimataufenthalt lernte er seine Freundin Chantal kennen, die nun auch mit nach Südamerika gekommen ist. Allerdings ist sie meistens mit dem Bus unterwegs, die BMW R 60/5 von 1971will geschont werden - die Federbeine machen nicht mehr so mit...
Wir haben die gleiche Richtung, Tyler fragt, ob wir was dagegen hätten, wenn er sich uns anschließt. Nein, haben wir nicht, wir können es gut verstehen, dass er nicht alleine fahren will. So verabreden wir uns in zwei Tagen in Hornopiren, um für die nächste Zeit zusammenzureisen. Chantal wird wieder den Bus nehmen, die beiden werden sich in der Gegend um El Calafate wiedersehen.
Neben Tyler und Chantal lernen wir auch noch Vicky und Hugo aus Buenos Aires kennen, die auf einem chinesischen 200ccm- Moped bis nach Bolivien und Peru fahren wollen. Das Gepäck ist in einem selbstgebauten Anhänger untergebracht. Der ist aus Blech, einspurig und stoßgedämpft. In zwei Jahren ist eine noch größere Reise geplant - sie planen, allerdings mit einer größeren Maschine, bis nach Alaska fahren.

Wieder nach Chile
Kurz vor 8.00 Uhr starten wir am morgen Richtung Osorno/ Chile. Die Strecke ist eine Hauptverbindung zwischen Argentinien und Chile, dementsprechend viel los ist am Grenzübergang. Allein die Ausreise, die sonst nur wenige Momente dauert, kostet uns hier über eine Stunde, da vor uns zwei große Reisebusse abgefertigt werden. Die Einfuhrdokumente für die Motorräder werden an der Grenze verlangt - also war‘s gut, dass wir darauf bestanden hatten! Der Grenzposten nach Chile befindet sich etwa 40 km weiter, dort geht‘s ruhiger zu, dieses Mal sind sie gnädig mit uns und schauen nur oberflächlich in die Koffer. Ab Osorno nehmen wir die Autobahn, um nach Frutillar zu kommen. Diese Ortschaft liegt direkt am See, gegenüber erhebt sich der mächtige Vulkan Osorno mit 2652 m in den Himmel. Viele Deutsche haben sich in Frutillar niedergelassen, die Restaurants und Pensionen tragen deutsche Namen, und überall gibt‘s „Kaffee und Kuchen“. Außer der tollen Lage ist Frutillar nichts Besonderes, trotz allem wären wir länger geblieben, wären wir nicht morgen mit Tyler in Hornopiren verabredet. Der Grund ist der schöne Campingplatz am Ortsrand, jeder großzügig ausgelegte Zeltplatz ist mit einer Hecke umgeben, jeder Platz hat einen überdachten Picknicktisch, Strom, Wasser und eine Grillstelle. Auf diesem Campingplatz lernen wir Clara und Klarin aus Holland kennen, die mit ihren beiden Kindern für drei Jahre ganz Amerika bereisen - mit einem Pickup, der einen sogenannten Fifth- Wheeler als Auflieger zieht. Ein Fifth- Wheeler ist ein riesiger Wohnwagen, dessen Seitenwände ausziehbar sind. Bei Kaffee und Keksen lauschen wir ihren Erlebnissen und vergleichen unsere Erfahrungen an den Grenzübergängen in Zentralamerika..
Die Nacht überstehen wir nur mit Ohrenstöpseln, wie meist ist‘s tagsüber ruhig, erst nachts werden alle munter...

Carretera Austral - Von Puerto Montt nach Coihaique
Das letzte Stück der Autopista bis Puerto Montt nehmen wir am Morgen, dann beginnt die # 7, die Carretera Austral. Anfangs noch geteert, geht sie bald in eine Staubpiste über. Als wir gerade am kleinen Fährhafen La Arena ankommen, hat gerade eine Fähre die Anlegestelle verlassen - ohne uns. Die nächste geht zwei Stunden später, wir vertreiben uns die Zeit mit leckeren Empanadas, das sind gefüllte Teigtaschen mit Fleisch, Käse oder Gemüse. Die Überfahrt nach Puelche dauert eine halbe Stunde. Am selben Tag erreichen wir Hornopiren, die Ortschaft, von der wir die Fähre nach Caleta Gonzalo über einen der Fjordarme des Golfo de Ancud.. Einmal täglich geht diese Fähre, wir kaufen unsere Tickets für morgen und reservieren für Tyler - er sollte morgen rechtzeitig in Hornopiren eintreffen..
Wir kommen in einer einfachen Hospedaje unter und genießen die Nachtruhe in diesem beschaulichen Örtchen. Morgens kommt Tyler an, verstaubt und gerädert - er hatte unterwegs einen Platten und gestern einen langen Fahrtag.
Wir packen gemütlich unsere Motorräder und machen uns fertig für die Fähre. Die hat Verspätung, Zeit genug ein paar Empanadas zu verdrücken: Hier gibt es sie wahlweise mit Lachs oder Muscheln - die besten, die wir bisher gegessen haben!
Die Fähre kommt endlich an, und genau zu diesem Zeitpunkt fängt es an zu regnen und hört für die nächste Zeit auch nicht mehr auf. Die Beladung der Fähre geht sehr schleppend voran, da die Autofahrer rückwärts auf das Boot fahren müssen - hier scheint keiner gut fahren zu können. Die wenigen Uneitlen geben ihre Autoschlüssel dem Personal, die Mehrzahl eiert im Schneckentempo und mit zehn Mal vor und zurückstoßen auf ihren Platz. Wir sind natürlich die letzten, die auf die Fahre dürfen, wir können nur mit dem Kopf schütteln, als sie noch versuchen, einen Nachzügler draufzuquetschen, obwohl‘s offensichtlich ist, dass er keinen Platz mehr hat, geschweige denn wir, die als erstes die Tickets gekauft haben...
Die Überfahrt soll recht stürmisch werden, unsere Motorräder müssen besonders gut festgezurrt werden - an allen vier Ecken und Enden. Der kleine Aufenthaltsraum für die vielen Passagiere ist viel zu klein und die Fähre sowieso für eine lange Überfahrt - fünf Stunden soll sie dauern. Viele werden seekrank, auch wir haben noch nie so eine schlimme Fahrt erlebt, aber die Mopeds bleiben in der Senkrechte, und wir überstehen es ebenfalls. Um halb Neun abends kommen wir an. Wir hatten erwartet wenigstens ein kleines Dörfchen vorzufinden, aber außer einer Tourist- Info und einem Campingplatz im Wald gibt es hier nichts. Das schlechte an diesem Zeltplatz ist, dass man auf einem Parkplatz direkt an der Strasse parken und von dort 100 m in den Wald laufen müsste, um zu zelten. Wir wollen unsere Motorräder nicht so weit weg von uns parken - also weiter, obwohl‘s schon spät ist. In etwa einer Stunde wird es dunkel sein... Nach 15 km halten wir an einem geschotterten Parkplatz und stellen dort unsere Zelte auf - es macht keinen Sinn, die 40 km bis zu der nächsten Ortschaft Chaiten noch heute zu fahren. Es regnet heftig, schon beim Aufbauen, die ganze Nacht durch und auch noch am nächsten Morgen beim Abbauen. Das macht kein Spaß das nasse Zeug einzupacken...
Aber das Gute am Regen ist, dass es nicht staubt! Und die Carretera Austral ist problemlos bei Regen zu fahren - der Untergrund ist fest, darüber eine Schicht Schotter, es ist weder schlammig noch rutschig.
Das Wetter passt zur Umgebung: Wir fahren auf der einspurigen Schotterpiste durch dichten, üppig grünen Regenwald, die schneebedeckten Berge können wir allerdings nur erahnen. In Chaiten halten wir, um in einem Cafe zu frühstücken: Kaffee und Kuchen weckt unsere Lebensgeister und hellt unsere Gemüter etwas auf - die Carretera Austral, eines der absoluten Highlights in Chile bei diesem Wetter zu fahren... Wir werden sehen, vielleicht wird‘s ja besser!
In La Junta gilt der erste Gang der Tourist Info. Dort werden wir mit guten kostenlosen Karten ausgestattet, wir erfahren, dass es hier sogar Internetzugang für Umme gibt, und uns wird eine tolle Hospedaje empfohlen. Dort mieten wir uns spontan für gleich zwei Nächte ein, weil sie uns so gut gefällt und die Wirtin so nett ist. Unser Zimmer ist einfach, die Betten durchgelegen, die Decke so niedrig, dass wir nur in gebückter Haltung stehen können. Aber wir dürfen die Küche benutzen, das Haus ist immer geheizt, es gibt einen gemütlichen Raum mit Billardtisch, einen großen Garten, wo wir die Mopeds parken und unsere nassen Sachen zum Trocknen auslegen können. Tommy und Tyler verbringen die Zeit mit Schrauben an den Motorrädern, abends wird extensiv Poolbillard gespielt. Tyler kennt eine kolumbianische abendfüllende Spielvariante. Die Abende werden dementsprechend lustig und die Nächte kurz.
Einen Abend gesellt sich ein belgisches Pärchen dazu, das mit Fahrrädern unterwegs ist. Sie erzählen vom patagonischen Wind im Süden, der sie regelrecht von der Strasse geworfen hat, von Windstärken bis zu 150 km/h... Wir werden sehen, was der Wind uns zu bieten hat!
Dann geht‘s weiter auf der Carretera Austral - im Regen. Wieder fahren wir durch Regenwald, die Vegetation ist ganz speziell hier, es gibt große Farnsträucher, Bambus- Stauden. Besonders die riesigen Blätter der Pangue- Pflanze, die aussehen wie Rhabarber- Blätter, stechen ins Auge. Wir passieren Wasserfälle und blühende Wiesen, die Strasse windet sich einen Pass hinauf - leider ist das Wetter immer noch nicht das beste... An einer Baustelle mitten in der Wildnis stoppt uns ein Polizist und kontrolliert unsere Papiere - was will der denn hier...? Schon um Zwei mittags zelten wir - der Platz am See ist klasse, es gibt eine Schutzhütte, Feuerholz und außer uns ist niemand dort. Wir kochen am Feuer, planen den nächsten Fahrtag und gehen früh ins Bett.

Carretera Austral - Von Coihaique nach Chile Chico
Gerade packen wir unser Zelt zusammen, da fängt‘s an zu tröpfeln... Teilstücke bis Coihaique sind geteert, da wo‘s noch nicht geteert ist, ist Baustelle teils mit tiefem Sand. In ein paar Jahren ist die Carretera Austral komplett asphaltiert. Der Tourismus, der bislang auf ein paar Handvoll Individualreisende basiert, wird zukünftig florieren. Die Landschaft, die ruhigen Ortschaften und auch die Menschen, die dort leben, wird das für immer verändern. Wir sind gottfroh, dass es noch nicht soweit ist, obwohl es natürlich einfacher und bequemer wäre auf einer Teerstrasse zu fahren....
Landschaftlich ändert sich‘s allmählich - der Regenwald musste Viehweiden weichen, die weiten Wiesen geben den Blick frei auf das Bergpanorama. In der modernen und verhältnismäßig großen Stadt Coihaique füllen wir unsere Koffer mit Lebensmittel und die Tanks aber nur halbvoll mit Sprit. Wir nähern uns wieder Argentinien, wo Benzin nur etwa halb soviel kostet wie in Chile. Noch bis Villa Cerro Castillo ist die Strasse geteert, dann geht‘s wieder auf eine staubige Piste. Das Wetter bessert sich, kein Regen, nur ein paar Wolken am Himmel, aber es weht ein frischer Wind. Wir finden einen super Campingplatz auf einem kleinen Bauernhof. Es gibt Picknickbänke, und wir dürfen das Räucherhaus zum Grillen nutzen. Das ist gut so, denn wir haben ein großes Stück Fleisch in Coihaique erstanden! Das Steak entpuppt sich als Braten, den wir in etwa zwei Stunden über leichter Glut vor sich hinbrutzeln lassen - gewürzt nur mit einer dicken Schicht Salz, so wie‘s die Argentinier machen. Tyler ist schon Asado- Meister (Asado nennt man das Grillen unter Freunden). Wir hätten das Fleisch wahrscheinlich ungeduldig in dünne Scheiben geschnitten, damit‘s früher durch ist... Wir lassen uns das zarte schmackhafte Fleisch mit Salat und Knoblauchbrot schmecken, dazu gibt‘s billigen, aber guten Wein aus dem Tetrapack.
Morgens weckt uns ein Schwarm kleiner grüner Papageien, wir beobachten seltsame Vögel mit langem gebogenem Schnabel, die über die Weide staken - ein Idyll, das wir schon wieder verlassen. Tyler verabschiedet sich vorab von uns - er hat sich mit einem Freund aus Kanada verabredet. Um ihn zu treffen, muss er ein Stückchen zurückfahren. Aber wir werden ihn wieder in ein paar Tagen wiedersehen.
Die Strecke ist herrlich, das Wetter ebenfalls - wir haben tolle Sicht auf die Berge und das Flusstal. Tote Bäume stehen im Wasser, ein Brand machte den Wald vor Jahren nieder, als einer der Vulkane der Gegend ausbrach. Erst vor zwei Tagen hat Vulkan Hudson eine Rauchwolke ausgespuckt und die schneeweißen Bergspitzen grau werden lassen. Und letzte Nacht wachte Tommy auf wegen einem kleinen Erdbeben - hier in der Gegend ist unter der Erde ganz schön was in Bewegung...
Nach einer dreiviertel Stunde scheint unsere heutige Fahrt schon zuende: Ein großer Bagger hat die Strasse quer aufgerissen, um ein Wasserrohr zu verlegen. Gerade steht allerdings alles still, denn der Motor ist zu heiß geworden und fing Feuer... Der Motor ist abgekühlt, die Arbeit geht weiter. Auf der anderen Seite warten ungeduldig Reisende, die auf ihren Flug müssen - sie werden ihn wohl verpassen... Ein bekanntes Tuckern lässt uns zurückblicken - Tyler hat sich entschieden, das gute Wetter auszunutzen und ebenfalls die Carretera Austral weiterzufahren! Gemeinsam warten wir, ihm wird‘s nach zwei Stunden zu bunt - er nimmt den abenteuerlichen Weg durch den Graben. Nach einer Viertelstunde sind auch wir wieder unterwegs - die Strasse ist wieder befahrbar...
Wenig später haben wir ihn eingeholt - er ist auf Wellblech recht langsam unterwegs, da er jeden Schlag spürt - die chinesischen Federbeine, die er erst in Bariloche erstanden hat, haben nicht durchgestanden. Als wir um eine Kurve biegen liegt der Lago General Carrera vor uns - ein atemberaubende Aussicht auf den türkisblauen See, umrahmt von Bergen. Im beschaulichen Dorf Puerto Rio Tranquilo finden wir einen kleinen Campingplatz im Garten einer Hospedaje. Die Vermieterin ist sehr nett, sie hat immer heißes Wasser vom Holzofen parat und backt in diesem Ofen leckere Brötchen. Abends sucht Tyler vergebens sein Geld, das er immer lose in der Hosentasche stecken hat - wir alle sind sehr bedrückter Stimmung, denn er hat - wahrscheinlich bei der Umfahrung des Baggerlochs - etwa 250,- USD verloren. Viel Geld, wenn man auf Reisen ist...
Wir entscheiden hier zwei Tage zu bleiben, um eine Bootstour zu den Marmorhöhlen „Capilla de Marmol“ zu machen. Der zweistündige Ausflug kostet 7,- USD pro Person und lohnt sich. Zuerst geht‘s über das vom Wind gepeitschte Wasser des Lago General Carrera zu den Inseln, der Bootsmann manövriert das Boot in die Höhlen, es sieht super aus - das glasklare türkisblaue Wasser, die interessanten Formen im Fels, die in Jahrhunderten von Jahren entstanden sind.
In Puerto Rio Tranquila bekommen wir zum ersten Mal eine Ahnung vom kalten patagonischen Wind - er pfeift uns den ganzen Tag um die Nase und lässt uns abends bald im Zelt verschwinden.
Eigentlich wollen wir am folgenden Tag weiter, aber Regentrommeln auf unserem Zeltdach weckt uns. Wir rufen Tyler aus dem Zelt zu, dass wir noch einen Tag dranhängen, und wir das nächste Treffen mit ihm per Email verabreden werden, dann drehen wir uns noch mal im molligwarmen Schlafsack um und dösen noch ‘ne Runde.
Wir fragen was ein Zimmer in der Hospedaje kostet und ziehen kurzerhand um. So hat das Zelt die Möglichkeit zu trocknen, und wir müssen es morgen nicht nass einpacken. Die Vermieterin bietet uns ihre Küche zum Kochen an und ihr Wohnzimmer zum Sitzen, solange sie nicht da ist - echt nett!
Am nächsten Tag geht‘s weiter - im Trockenen. Heute haben wir einen besonders schönen Streckenabschnitt der Carretera Austal vor uns - in Kurven entlang des Lago General Carrera, auf den Bergen liegt Eis und Schnee. Die Carretera Austral geht weiter über Cochrane bis nach Villa O‘Higgins, dort endet sie aber für motorisierte Fahrzeuge, denn nur ein Pfad führt von dort aus weiter. Trotzdem fahren wir ein paar Kilometer weiter, bis Porto Bertrand, einem verschlafenen Nest am gleichnamigen See. Die Landschaft ist super, und wir hatten überlegt noch weiter südlich zu fahren, wir lassen‘s aber bleiben, denn wir wollen nicht die gleiche Strecke wieder zurückfahren müssen. Viele Radfahrer nehmen diese Route, denn hier weht der Wind nicht ganz so streng wie auf der Ruta 40.
Also zurück, die Küstenstrasse entlang Lago General Carrera heißt # 265. Richtung Chile Chico bekommen wir den Wind zum ersten Mal richtig zu spüren - kräftige Windböen von der Seite lassen uns den einen oder anderen Schlenker machen. Wir sehen einen Kondor - leider wieder nur aus der Ferne. In Chile Chico finden wir Tyler auf Anhieb auf dem ersten Campingplatz. Gemeinsam geht‘s am nächsten Tag weiter.

Ruta 40 (Argentinien) - von Perito Moreno bis Tres Lagos
Tyler hat immer was zu schrauben an seiner BMW - hat er gestern Gummischläuche zwischen die Spirale der Federbeine gespannt, um ein bisschen mehr Dämpfung herauszuholen, muss er heute, bevor wir fahren das Getriebeöl wechseln - zum Glück hat er entdeckt, dass Wasser drin ist! Tommy nutzt die Zeit, um unsere Motorräder mit einem Dampfstrahler vom Staub zu befreien, um 10.00 Uhr kommen wir dann schließlich los..
Auf Teer geht‘s zur Grenze nach Argentinien, nur wenige Kilometer sind Baustelle und damit Schotter. Die Grenzformalitäten sind einfach, trotz Wartezeiten brauchen wir insgesamt nur eine Stunde. Dann geht‘s noch ein paar Kilometer entlang auf des Lago General Carrera, der hier in Argentinien Lago Buenos Aires heißt. Hier ist er aber lang nicht mehr so schön wie in Chile - die Berge flachen zu Hügel ab, keine schneebedeckten Berge geschweige denn Gletscher mehr. Dann kommt der Abzweig nach der Ortschaft Perito Moreno zur Ruta 40. Anfangs ebenfalls noch geteert, später Schotterstrasse. Überraschenderweise staubt sie kaum, wahrscheinlich weht der Wind den Staub weg. Dieser lässt allerdings - glücklicherweise - noch auf sich warten, und so brausen wir mit bis zu 80 km/h über die Piste. Diese ändert sich, wie wohl jede ungeteerte Strasse. Mal ist es eine glatte Erdpiste, mal eiern wir langsam durch Sandpassagen, dann stecken wir fast im tiefen Schotter fest. Oder wir freuen uns über unsere guten Federbeine, wenn‘s über Wellblech geht. Mal ist die Strasse einspurig, mal hat sie fast Autobahnbreite. Landschaftlich ist‘s eigentlich ganz schön - durch Mineralien gefärbtes Gestein, immer hügelig, aber baumlos. Wir sehen Guanaco- Herden, und mehrere Nandu- Familien, das sind große Laufvögel, ähnlich den Emus in Australien.
Bald sind wir in Bajo Caracoles, wo wir für die Nacht bleiben wollen. Das Dorf ist winzig, aber es gibt alles, was Reisende brauchen - Hospedajes, Campingplätze, eine Kneipe. Der Campingplatz ist klein, wir fragen, ob wir auch unter dem Vordach der Hospedaje schlafen dürfen. Die Idee an sich war gut, denn so zahlen wir nur den Campingplatz- Preis und müssen morgen unser Zelt nicht zusammenpacken. Aber wir haben nicht mit so einem Umtrieb in diesem kleinen Nest mitten in der Pampa gerechnet - wir finden kaum Schlaf, weil Gäste die halbe Nacht ein- und ausgehen, nicht sehr rücksichtsvoll die Festbeleuchtung an-, aber nicht wieder ausmachen und auch nicht gerade leise sind. Später ist es der Nachbarhund, der keine Ruhe gibt, zur Krönung stimmt auch noch ein heißerer Vogel und ein Pferd in das Konzert ein....
Trotzdem recht fit stehen wir am Morgen um Punkt 6.00 Uhr auf und starten nach einem kurzen Frühstück um 7.00 Uhr. Das ist gut so, denn kein Wind pfeift! Wir kommen gut vorwärts - wieder bis zu 80 km/h, im Schnitt sind es 60 km/h bis zum Mittag. Landschaftlich ist es heute eher öde, es wird flacher, die Erde ist bedeckt mit kurzen braunen Grasbüscheln, aber wir sehen wieder Guanacos und Nandu- Papas mit ihren Kleinen ja wirklich, bei den Nandus sind die Männchen fuer das Ausbrüten und Aufziehen der Kleinen zuständig! Wir sind froh, dass auf der Ruta 40 so gut wie nichts los ist, denn oft haben die Autos tiefe Furchen gegraben, in denen wir notgedrungen fahren - dazwischen ist tiefer Schotter, und darauf ausweichen, wenn ein Auto entgegenkommt, ist nicht gerade angenehm. Lastwagen und auch Busse scheuen diese Strecke, obwohl sie kilometermäßig um einiges kürzer ist wie die geteerte # 3 weiter östlich. Der Wind kann die hohen Fahrzeuge zum Kippen bringen, das Material leidet auf der Schotterpiste. Das bekommen auch wir zu spüren: Rosa bemerkt, dass irgendetwas am Boden streift - es ist der Seitenständer. Hochgeschleuderte Steine haben die Halterung der beiden Federn abgeschlagen, eine der Federn ist verlorengegangen. Tommy befestigt den Seitenständer notdürftig mit einem Spanngurt, Rosa muss nun den ganzen Tag auf dem Motorrad sitzen bleiben bzw. warten, dass ihr jemand den Seitenständer losbindet...
Langsam aber sicher nimmt der Wind zu, die letzten 100 km bis Tres Lagos ist er richtig heftig. Und wir dachten schon, wir würden verschont werden.... Jeder erzählt davon, aber man muss es selbst erlebt haben, um es glauben zu können - der Wind ist ungeheuer stark! Wir haben wirklich zu kämpfen, und manchmal ist der Wind der stärkere und gewinnt den Kampf: Rosa bläst er von der rechten Fahrspur ganz nach links über die tiefen Schotteraufwürfe, Tommy weht‘s sogar den Abhang runter, glücklicherweise können wir uns beide auf den Mopeds halten. Tommy hat‘s am schwersten, da er vorausfährt und die Windböe ohne Vorwarnung abbekommt, Rosa und Tyler fahren hinterher und sehen an Tommy‘s Schlenkern, wann besondere Vorsicht geboten ist. Tyler hat‘s am einfachsten: Er hat das wenigste Gepäck, den tiefsten Schwerpunkt und die kleinste Angriffsfläche für den Wind.
Wir kommen an die Kreuzung zu Tres Lagos. Tyler muss tanken, wir biegen ab in die kleine Ortschaft. Der Schotter ist hier sehr tief, wir eiern ziemlich... Ärgerlich ist, dass kein Schild darauf hinweist, dass die Tankstelle nicht im Dorf sondern an der Landstrasse ist... Also zurückeiern, aufpassen, dass es uns nicht umbläst. Eigentlich wollten wir in Tres Lagos übernachten, aber der Ort ist wie ausgestorben, der Wind tobt durch die Strassen, kein Mensch ist auf der Strasse, kein Schild weist auf eine Übernachtungsmöglichkeit hin. Da wir recht früh unterwegs sind, und die Strecke, die vor uns liegt geteert ist, beschließen wir weiterzufahren.
Auch auf Teer ist‘s bei dem starken Seitenwind nicht gerade lustig - teilweise brauchen wir die gesamte Straßenbreite, wenn uns mal wieder eine Böe mit sich reißt. Wir biegen ab Richtung El Chalten, fahren auf ein atemberaubendes Bergpanorama zu und freuen uns schon auf die Zeit, die wir dort verbringen werden.

El Chalten
Wir finden einen tollen Campingplatz im Ort - mit Sicht auf das Bergpanorama um uns. Die Region gehört zum Nationalpark „Los Glaciares“, hier ist allerdings der Eintritt kostenlos. Beim Visitor Center werden wir mit einer guten kostenlosen Wanderkarte ausgestattet. An zwei folgenden Tagen unternehmen wir Tageswanderungen zu verschiedenen Aussichtspunkten - am ersten Tag wandern wir zuerst zu einem Wasserfall, nach einem anstrengenden Aufstieg sehen wir den markanten Berg Fitz Roy besonders gut, am nächsten ist es der schmale und spitze Torre - beide flankiert von blau- schimmernden Gletschern - eine Traumlandschaft! Es gibt Campingplätze in den Bergen, viele Bergsteiger nutzen diese als Basis- Camp, die Gletscher sind bei Eiskletterern beliebt. Tyler, seine Freundin Chantal und John, Tyler‘s Freund aus Kanada, der die beiden nun eingeholt hat, brechen auf für eine dreitägige Wanderung, kommen aber am zweiten Tag durchnässt und durchfroren wieder zurück. Sie erzählen, dass es in der Nacht oben in den Bergen geschneit hat... Wir wollten heute ursprünglich weiter, aber der Dauerregen in der Nacht, der nun auch schon den ganzen Tag anhält, hat uns davon abgehalten. Lieber verbringen wir den Tag im geheizten Youth Hostel, beobachten die Menschen dort, die ein- und ausgehen und schreiben an unseren Reiseberichten. Außerdem gönnen wir uns Schnitzel mit Pommes, was aber leider ein Reinfall ist: Das Schnitzel ist furztrocken und die Pommes schwimmen im Fett... Das Bier schmeckt allerdings: Es gibt Warsteiner!
Tyler ist Schweißer von Beruf, er und Tommy finden eine Werkstatt, die Tyler erlaubt, den Seitenständer von Rosa‘s Moped zu schweißen.
El Chalten an sich gefällt uns ganz gut, obwohl‘s sehr touristisch ist und die Preise vergleichsweise hoch sind - eine Stunde Internet kostet beispielsweise 3,- Euro... Aber die Landschaft ist einfach ein Traum - das ist ein Platz zum Urlaub machen! Trotzdem geht‘s am nächsten Morgen los. Denn als unser Wecker um 5.00 Uhr klingelt, ist es windstill und trocken - die besten Voraussetzungen also um weiterzufahren! Aber es ist saukalt! Unsere kanadischen Freunde wollen heute ebenfalls los - allerdings noch nicht so früh... Wahrscheinlich werden wir uns auf dem Weg nach Ushuaia irgendwo wiedertreffen!

Zum Gletscher Perito Moreno
Es ist eine gute Idee, so früh loszufahren: die Bergkette um Fitz Roy wird angestrahlt von der aufgehenden Sonne, die Landschaft sieht besonders schön aus im Morgenlicht. Die gleiche Strecke wie wir hergekommen sind, geht‘s wieder entlang des Lago Viedma zurück zur Ruta 40. Ist auf der Karte die komplette Strecke als geteert angegeben, ist tatsächlich ein Teilstück von 15 km Erdpiste, allerdings im guten Zustand. Als wir offene Fläche erreichen ist auch der patagonische Westwind da - aber wir sind ausgeruht, heute kann er uns nichts anhaben. Auf der Ruta 40 schützen Hügelketten vor dem Wind, auch hier ist die Strecke nicht komplett geteert, aber überall wird emsig daran gearbeitet. Wir halten auf einem Parkplatz, und wer uns jetzt sieht, muss denken wir sind verrückt: Da hüpfen zwei dick eingemummelte Gestalten mit Helm auf dem Kopf und mit rudernden Händen im Kreis herum! Es ist wirklich saukalt! Ein bisschen aufgewärmt biegen wir ab nach El Calafate. Dort tanken wir, frischen unsere Lebensmittelvorräte auf und holen uns kostenlose Detailkarten der Gegend in der Tourist- Info.
Da das Wetter nicht schlecht aussieht, und wir früh dran sind, beschließen wir noch heute zum Gletscher zu fahren.
Der Eintritt in den Nationalpark „Los Glaciares“, der von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde, kostet hier 60,- Pesos für uns beide. Danach sind noch 32 km bis zum Gletscher zu fahren, anfangs ist der Weg noch asphaltiert, die Erdpiste danach ist in bestem Zustand. Es ist viel los hier, wohl jeder Südamerika- Reisende besucht den eindrucksvollen Perito Moreno. Der obere Parkplatz ist belegt, wir müssen unten parken und den kostenlosen Shuttlebus nehmen. Dann führen schmale Stege zu den Aussichtsplattformen, von denen man den imposanten Gletscher betrachten kann. Schon von weitem hört man so was wie Donnergrollen - immer wieder brechen Stücke des Gletschers ab und klatschen mit lautem Getöse ins Wasser des Lago Argentino. Die Gletscherfront ist 5 km breit, und unglaubliche 60 Meter hoch. Das Eis schimmert in allen Blautönen und hat bizarre Formen angenommen - wie Hunderte andere stehen wir staunend vor dem Eisklotz. Viele Menschen harren den ganzen Tag aus mit gezückter Kamera, um ein Foto zu bekommen, wenn mal wieder gerade ein großes Stück Eis abbricht, wir haben nach einer Stunde genug und machen uns auf den Rückweg.
Wir biegen ab auf eine breite Schotterstrasse, die zum Lago Roca führt. Dort wissen wir von anderen Reisenden, dass es einen schönen Campingplatz gibt. Es werden auch Cabanas angeboten, und wir mieten uns für 70,- Pesos die Nacht gleich für zwei Tage ein, genießen die warme Gasheizung und machen eine kleine Wanderung auf einen der umliegenden Hügel, um noch einen letzten Blick auf den Perito Moreno werfen zu können. Und wir beobachten Kondore, die weit über uns segeln, indem sie die Thermik ausnutzen.
Wir lernen zwei nette Belgier kennen, die auch mit Motorrädern unterwegs sind - sie kommen gerade vom Nationalpark Torres del Paine in Chile - unserem nächsten Reiseziel - und schwärmen uns in den höchsten Tönen von ihrer 8- tägigen Trekkingtour dort vor. Auch wir wollten dort wandern gehen, allerdings dachten wir eher an Tagestouren, aber jetzt...

El Calafate
Komplett auf Schotter fahren wir zurück nach Calafate. Dort gehen wir auf den öffentlichen Campingplatz, stellen unser Zelt auf und gehen ins Städtchen. Inzwischen ist es beschlossene Sache, dass auch wir eine mehrtägige Wandertour machen wollen. Dazu müssen wir uns allerdings besser ausstatten: Tommy braucht Wanderschuhe, Rosa eine Jacke, wir wollen ein kleineres Zelt mitnehmen, Wanderstöcke und leichte Schaumstoff- Isomatten. Es wird unser längster Einkaufsbummel, den wir jemals gemacht haben! Wir durchstöbern alle Outdoor- Läden (und die sind hier sehr zahlreich), vergleichen Material und Preise. Isomatten finden wir hier nicht, und auch bei den Zelten gibt es keine Auswahl - notgedrungen kaufen wir ein Ein- Mann- Zelt, in das wir beide ganz gut reinpassen..
Wir treffen mehrere Motorradreisende: Petra und Frank sind auf einer BMW, Christine und Tom mit zwei Africa Twins unterwegs. Die zwei sitzen schon seit Wochen hier fest, da Tom der Motorradhelm gestohlen wurde, und er einen neuen in Deutschland bestellt hat. Schließlich tauchen auch noch unsere Kanadier auf, und ein Pärchen aus Berlin mit zwei Dakars zeltet ebenfalls auf dem Campingplatz - es ist schon spät, als sie ankommen und es ergibt sich leider kein Gespräch mit ihnen...

Puerto Natales/ Chile
Tyler, Chantal und John schlafen noch, als wir am frühen Morgen losdüsen - auch sie wollen zum Torres del Paine..
Es ist kalt, es nieselt, aber glücklicherweise ist‘s heute windstill. Eine Abkürzung bedeutet 70 km Schotter, ist aber problemlos, wir brausen mit 80 km/h drüber.
Die Grenze nach Chile ist schnell passiert - dieses Mal wollen die Zöllner nicht mal in die Koffer sehen, wahrscheinlich weil gerade Mittagszeit ist.
In Puerto Natales stoppen wir an der Tourist Info und treffen zwei überschwengliche Kolumbianer, die mit zwei Motorrädern Suzuki V- Storms Südamerika entdecken. In Der Tourist- Info werden wir mit gutem Kartenmaterial ausgestattet, und wir bekommen die Wegbeschreibung zum einzigen Campingplatz im Ort. Dort waren auch Petra und Frank, sie gaben uns den Tip, dort unsere Motorräder zu lassen, um mit dem Bus in den Nationalpark zu fahren. Sie erzählten uns, dass man zwar im Nationalpark die Mopeds auf dem Parkplatz abstellen kann, aber es soll ein starker Wind wehen, der gerne mal Motorräder umbläst. Zwei Mal haben sie die Mopeds anderer Reisende wieder aufgestellt...
Wir stellen unser 1kg- Minizelt auf, packen ein bisschen für die Trekkingtour vor, und bummeln durch den Ort. Wir entdecken hier mehrere Zelte, die für uns in Frage kämen, und auch die Preise sind wider Erwarten gleich oder sogar ein bisschen günstiger als in El Calafate. Mist! Wir hatten uns extra dort mit allem Nötigen eingedeckt, da wir dachten, es wäre - wie sonst alles - billiger in Argentinien als in Chile!
Die Nacht in dem engen kleinen Zelt ist fast schlaflos - wir bekommen Platzangst! Am Morgen überlegen wir hin und her, aber es hat kein Sinn - in diesem Zelt halten wir es keine Woche aus. Wir erkundigen uns, was es kostet ein Zelt zu mieten, entscheiden uns dann aber, noch eines zu kaufen - nun haben wir drei Zelte! Aber wir werden nach der Tour die Trekkingzelte nachhause schicken und uns sicherlich tierisch darauf freuen, wieder in unserem geräumigen Hilleberg- Zelt zu schlafen....
Wir kaufen schon mal die Bustickets für morgen, tonnenweise Kekse, Pasta und Suppen, denn wir wollen möglichst nichts unterwegs kaufen müssen - die Preise sollen vier Mal so hoch sein wie üblich! Dann packen wir probeweise alles in unsere wasserdichten Packsäcke, die man praktischerweise als Rucksack tragen kann. Obwohl wir uns nur auf‘s Allernötigste beschränkt haben, sind die Packsäcke randvoll und nicht gerade leicht!
Gabi und Guido mit ihren BMW‘s 1200 GS finden den Weg zum Campingplatz, Nicole, die mit ihrem riesigen Hund Filou und in einem umgebauten Toyota Landcruiser unterwegs ist, ebenfalls. Alle drei kommen aus Zürich, Nicole hat die beiden zufällig in Südamerika getroffen, sie kannten sich vorher noch nicht. Wir verbringen ein paar gemütliche Stunden mit ihnen, tauschen Reiseerfahrungen und Tips aus - schade, dass die drei nach Norden unterwegs sind...
 

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