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Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Chile
Teil 3

 
Siebentägige Trekkingtour im Nationalpark Torres del Paine

11. -  17. Februar 2007



1. Tag: Hosteria Las Torres - Camp Seron/ 9 km - 4 Std.
Der Bus von Puerto Natales zum Nationalpark geht mehrmals täglich - wir haben uns für den um 10.30 Uhr entschieden. Das Hin- und Rückfahrt- Ticket kostet 10000,- chilenische Pesos. Die zahlen wir gerne, denn wir wissen unsere Motorräder auf dem Campingplatz an einem sicheren Ort, unser Gepäck durften wir ebenfalls kostenlos in einem abgeschlossenen Raum unterbringen - super!
Die Strasse ist anfangs noch ein kurzes Stück asphaltiert - der Rest ist Baustelle und staubige Piste - irgendwie sind wir froh, zur Abwechslung mal nicht selber zu fahren...
Am Nationalpark- Eingang Laguna Amarga ist die Busfahrt nach 2,5 Stunden zu Ende. Dort entrichten wir die Eintrittsgebühr von 15000,- Pesos pro Person. Wir bekommen sehr gute Wanderkarten, in denen die Distanzen, Campingplätze und sogar ein Höhenprofil eingetragen sind. Dann geht‘s per Shuttlebus zur Hosteria Los Torres, wo die Wanderwege beginnen.
Es gibt zwei beliebte Touren - das „W“, das mindestens vier Tage in Anspruch nimmt, oder der Circuito Macizo Paine, für den man mindestens 7 Tage einkalkulieren muss. Wir wollen den Circuito machen, der auch die Strecke des „W“ abdeckt. Diese Rundtour führt um das Bergmassivs des Nationalparks herum, über den Pass John Gardner, am Gletscher Grey vorbei, ins Valle del Frances und schließlich zum Fuß der Berge Torres del Paine, nach denen der Park benannt ist.
Wir verplempern Zeit, indem wir vom Refugio Los Terros zur Hosteria laufen - dort sollen wir uns eingehend über die Wanderung erkundigen, rät uns das Mädchen, das im Shuttlebus abkassiert. Dort angekommen, fragen wir, was wir wissen sollten, wenn wir den Circuit machen wollen - der Typ von der Info zuckt nur ratlos mit den Schultern. Wir fragen nach dem Wetter - das kann man hier nie sagen, es ändert sich ständig. Hmm, nicht sehr ergiebig, die Info hier! Also zurück den gleichen Weg zum Refugio, wo wir gerade hergekommen sind - 2 km umsonst gelatscht, das fängt ja gut an...
Wir lassen‘s langsam angehen, füllen unsre Wasserflaschen bei jedem Bach, den wir kreuzen. Der schmale Pfad geht auf und ab, anfangs kommen wir uns blöd vor mit den Wanderstöcken, aber schon bald merken wir, dass das eine wirklich gute Anschaffung war - beim Aufstieg benötigen wir weniger Kraft in den Beinen, wenn‘s bergab geht, entlasten sie erheblich die Kniegelenke und über schwieriges Terrain helfen sie uns die Balance zu halten. Die Packsäcke lasten schwer auf unseren Schultern - das einzig schlechte an ihnen sind die fehlenden Hüftgurte, die das Gewicht ein bisschen verteilen würden. Aber auch noch Trekkingrucksacke kaufen - das war uns dann doch zuviel!
Der Wanderweg ist ganz gut gekennzeichnet, mal ist‘s ein orangefarbener Punkt am Baumstamm, mal weist ein rosa Band am Ast auf die richtige Richtung. Ab und zu gibt‘s auch Hinweisschilder mit Zeitangaben zum nächsten Campingplatz. Etwa eine Stunde bevor wir unser heutiges Ziel Camp Seron erreichen, fängt die Mückenplage an - und Rosa hat tatsächlich vergessen, das Mosquito- Spray einzupacken. Es ist wirklich fürchterlich - ganze Trauben von großen Stechmücken hängen uns an den Backen, fluchend und fuchtelnd kommen wir fix und fertig beim Camp Seron an. Als erstes gehen wir in die Hütte und fragen, ob es Mosquito- Spray zu kaufen gibt. Schallendes Gelächter von ein paar jungen Mädels, die sich in der mückenfreien Hütte breitgemacht haben, dröhnt uns entgegen. Wahrscheinlich fragt jeder dasselbe... Natürlich gibt‘s kein Mosquito- Spray, zähneknirschend empfehlen wir dem Wirt, sich doch einen Karton zuzulegen - er könnte das beste Geschäft damit machen... Der Campingplatz hat Toilette und heiße Dusche und wird wie die meisten Zeltplätze von privater Hand geführt. Die Preise sind vergleichsweise teuer - zelten kostet 7000,-, umgerechnet etwa 10,- EUR. Wir fragen nach Brot - ausverkauft. Schlechtgelaunt kochen wir in aller Schnelle unser Abendessen und beobachten ein älteres Paar, das mit einem leichten Lächeln und sehr zufrieden aussehend am Baum lehnen und ihren Rotwein schlürfen. Ohne Kappe auf dem Kopf und ohne zu fuchteln - die haben bestimmt ein Spray dabei, das kann gar nicht anders sein. Rosa fragt höflich nach, die zwei behaupten, sie hätten nichts dabei, und die Stechmücken würden auch ihnen zu schaffen machen. Wer‘s glaubt... Schlecht gelaunt ziehen wir uns in‘s Zelt zurück und versuchen zu schlafen. Das ist nicht ganz einfach - es ist um 21.00 Uhr noch hell, eine Gruppe Israelis meinen, sie müssten Party machen, die Schaumstoff- Isomatten sind alles andere als bequem und das Zelt immer noch zu klein für uns... Und nach nur einem halben Tag Wandern hat Rosa schon Blasen an den Füssen, und beiden schmerzen uns die Schultern vom Gepäck!
Wir überlegen ernsthaft, ob wir nicht umkehren und nur das „W“ machen sollen...

2. Tag: Camp Seron - Albergue Dickson/ 19 km - 6 Std.
Am nächsten Morgen steht für uns beide fest: Von Mosquitos lassen wir uns nicht unterkriegen - wir machen den Circuit! Zum Glück windet es morgens, so dass die Stechmücken in ihren Verstecken bleiben und uns in Ruhe lassen. Wir brauchen nicht lange, um unsere paar Siebensachen zusammenzupacken, schauen kurz in die Karte, bevor wir starten - heute sind‘s 19 km, laut Karte werden wir etwa 6 Stunden dafür brauchen. Es windet den ganzen Tag leicht, so verschonen uns die Mosquitos heute. Ab der Strecke, die wir übermorgen in Angriff nehmen, wird‘s laut Campingplatzwirt eh keine mehr geben.
Wieder geht‘s auf und ab, landschaftlich wird‘s nun abwechslungsreicher, wir haben eine wunderschöne Sicht auf das Bergmassiv, hohe Berge mit Schnee und Eis auf der einen Seite, der Lago Paine auf der anderen. Oft machen wir kleine Pausen, wir haben ständig Hunger, essen Kekse, und glücklicherweise haben wir auch noch ein bisschen Brot und Salami. Wir durchqueren ein kleines Sumpfgebiet, hüpfen von einem Stein zum nächsten, um nicht steckenzubleiben. Ein letzter Anstieg, dann liegt die Albergue Dickson am gleichnamigen See und Gletscher unter uns. Wir rutschen den steilen sandigen Weg hinunter und sind endlich da - mit Pausen haben wir die Zeit gebraucht, die als reine Gehzeit angegeben ist - gut zu wissen! Nachdem das Zelt steht, kaufen wir zwei Dosen Bier, ziehen uns ins Zelt zurück, denn plötzlich zieht eine Regenfront heran und entlädt seine Wolken direkt über uns. Das Bier macht müde und wir schlafen fast augenblicklich ein. Später raffen wir uns noch mal auf, duschen und kochen. Die Nacht ist wieder laut - wieder sind es ein paar Israelis, die sich einfach nicht leise unterhalten können...

3. Tag: Albergue Dickson - Campamento Los Perros/ 9 km - 4 Std.
Die Strecke heute führt meist durch Wald und stetig bergauf, bis wir den Glaciar Los Perros erblicken - wir haben schon um die Mittagszeit unser Tagesziel erreicht! Tommy würde gerne noch weiter heute, aber Rosa‘s Füße tun weh, und wir müssten noch 12 km wandern bis zum nächsten Campingplatz. Die Strecke, die vor uns liegt, soll sehr anspruchsvoll sein, denn es gilt den steilen Paso John Gardner zu überqueren... Wild zelten ist auch verboten, wobei es niemand bemerken würde, wenn man das Zelt ein bisschen abseits vom Weg aufstellen würde...
Aber wir bleiben. Der Campingplatz Los Perros ist im Wald gelegen, hier oben ist es ziemlich kalt, und wir sind froh, dass es hier eine einfache Hütte mit Plastikwänden gibt. Dort steht doch tatsächlich ein Holzofen drin! Im Nationalpark ist es verboten, ein Lagerfeuer zu machen - vor ein paar Jahren vernichtete ein durch einen Tourist verursachter Brand große Teile des Waldbestands im Nationalpark. Der Campingplatzwirt feuert den Ofen mehr schlecht als recht an - Tommy sammelt Feuerholz und hält das Feuer den ganzen Nachmittag und Abend am Brennen. Dabei lernt er David aus St. Gallen kennen, der als einziger außer Tommy nach Feuerholz schaut. Er ist mit seiner holländischen Frau Willemijn für 5 Monate in Südamerika, nach Patagonien per Bus, Flugzeug und zu Fuß wollen sie das nördliche Chile, Peru und Bolivien mit ihren Fahrrädern bereisen, die schon in Santiago auf sie warten. Bald gesellen sich Niklas und Hans dazu, die beide alleine unterwegs sind. Niklas hat für Hans eine Salbe, die hoffentlich hilft - Hans hat massive Knieprobleme. Er hat den Circuit über ein Reisebüro gebucht, er hat feste Angaben, wie weit er jeden Tag zu wandern hat, denn die Übernachtungen sind vorgebucht und schon bezahlt. Meist bekommt er ein Bett, hier beispielsweise wird ihm ein Zelt mit Isomatte gestellt - den Schlafsack bringt er selbst mit. Am ersten Tag musste er 28 km laufen, um die Albergue Dickson zu erreichen. Er kam abends um halb Zehn erst an! Morgen muss er 22 km machen, über den Pass und bis zur Albergue Grey - laut Karte braucht man dazu 11 Stunden! Wir sind sprachlos, wie kann man einem über 60jaehrigen Mann eine so anstrengende Tour verkaufen? Was macht er, wenn er‘s nicht schafft? Er hat ja nicht mal ein Zelt dabei, um irgendwo in der Pampa zu übernachten! Geschweige denn einen Kocher, um sich eine heiße Suppe zu machen...
Wie alle privaten Campingplätze kostet dieser auch 7000,- für uns beide - dieser hier hat aber nur kalte Duschen (lieber stinken wir, als dass wir hier oben kalt duschen!), und wieder gibt es kein Brot. Die Zeltplätze werden per Pferd beliefert, darum sind die Preise wohl auch so hoch...
Die Nacht ist kalt und unbequem auf den dünnen Isomatten, die von Tag zu Tag dünner zu werden scheinen.

4. Tag: Campamento Los Perros - Albergue Grey/ 22 km - 7 Std.
Ein paar Kekse zum Frühstück und los geht‘s. Unser heutiges Etappenziel ist noch ungewiss - nach dem Pass gibt es zwei unbewirtschaftete, kostenlose Zeltplätze. Einer davon wird‘s wohl werden.
Hans ist vor uns los, ihn holen wir recht schnell ein und wünschen ihm noch mal, dass er seine Tagesetappe schafft. Von Anfang an geht es stetig bergauf, Tommy landet fast in einem Bach, als wir eine schmale Brücke überqueren - das Halteseil ist nicht genügend gespannt!
Der Weg führt durch einen niedrigen Wald, wir klettern über die Wurzeln der kleinen Bäume. Es wird morastig, wir hechten von einer Baumwurzel zum nächsten Stein, Rosa verkalkuliert sich und steckt im Sumpf. Zum Glück sind die Schuhe wasserdicht... Normalerweise gibt es Brücken über breitere Bäche und Flüsse - hier haben sie‘s wohl vergessen. Tommy hechtet auf die andere Seite, Rosa nimmt mehrere Anläufe, aber sie weiß, dass sie im Wasser landet, wenn sie springt. Also Schuhe ausziehen und durch‘s eisig kalte Wasser waten!
Der Weg wird immer steiler, nach dem Sumpf geht‘s über ein Geröllfeld den Pass hoch. Immer wieder überholen wir andere Wanderer - wir merken, dass wir heute in bester Form sind. Wir legen noch einen Zahn zu - vielleicht schaffen‘s wir ja bis zur Albergue Grey? Wir erreichen die Passhöhe, und uns bietet sich eine atemberaubende Aussicht auf das Bergpanorama und das riesige Eisfeld unter uns - der Glaciar Grey. Die Tour hat sich alleine schon wegen diesem Augenblick gelohnt!!
Wir suchen uns eine windgeschützte Ecke hinter einem Felsen - hier oben bläst ein heftiger Wind - und stärken uns mit Keksen und Schokolade. Dann geht‘s sehr steil bergab, zunächst über Geröllfeld, dann erreichen wir die Baumgrenze. An besonders steilen Stellen sind Seile gespannt, wir rennen und rutschen den Berg hinunter. Schon oben auf dem Pass haben wir beschlossen noch heute bis zur Albergue Grey zu laufen, also passieren wir die zwei kostenlosen Campingplätze auf dem Weg dorthin ohne zu halten. Der Weg führt über kleine Canyons, es gibt keine Brücken darüber, sondern Leitern, die wir auf der einen Seite runter- und auf der anderen Seite hochklettern. Der heutige Tag ist sehr anstrengend, aber nie langweilig wegen der ständigen Kletterei. Und landschaftlich einfach ein Traum - wir wandern entlang des Gletschers und erreichen die Albergue Grey, die am Lago Grey liegt. In Der Karte ist die Strecke mit 11 Stunden angegeben, wir haben‘s in knapp 7 Stunden geschafft!
Nachdem das Zelt steht, genießen wir die heiße Dusche, waschen unsere Wäsche und hoffen, dass sie bis morgen trocken ist - wir haben kaum Wechselklamotten dabei!
Mit Heißhunger fallen wir zunächst über einen vollen Topf Suppe her, dann gibt‘s Pasta und zum Dessert Kekse und Schokolade - unwahrscheinlich, was der Körper auf so einer Trekkingtour alles verbrennt. Interessant, dass wir trotz dem vielen Essen (soviel Süßes haben wir beide noch nie in so kurzer Zeit verdrückt) eher abnehmen... Wir sehen bekannte Gesichter wieder - mehrere Deutsche, die wir immer wieder unterwegs getroffen haben, und das schweiz- holländische Pärchen ist auch da. Alle haben, so wie wir, die Strecke an einem Tag gemeistert.
Es ist kalt, wir gehen in die Hütte, um uns aufzuwärmen - am Holzofen bei Rotwein klappt das ganz gut. Wir freuen uns sehr, als Hans auftaucht - auch er hat es geschafft! Die Nacht ist laut - wieder sind es junge Israelis, die keine Ruhe geben und bis in die späte Nacht feiern...

5. Tag: Albergue Grey - Campamento Italiano/ 18.5 km - 6,5 Std.
Später als sonst kriechen wir aus dem Zelt, es ist kalt, und wir haben nicht sehr gut geschlafen. Ausnahmsweise machen wir Kaffee, da es auch hier kein Brot zu kaufen gab, begnügen wir uns mit Cracker und Marmelade.
Es geht entlang des Lago Grey, in dem riesige Abbruchstücke des Gletschers schwimmen. Anfangs wundern wir uns noch, warum hier so viel los ist, aber dann fällt‘s uns ein - ab hier überschneidet sich der Circuit mit der anderen Trekkingtour, dem „W“. Wir halten oft, um Fotos zu machen, und um uns auszuruhen - heute strengt‘s wieder viel mehr an als gestern, obwohl die Strecke moderater ist. Im Refugio Paine Grande gibt‘s einen Minimarket. Dort finden wir endlich Brötchen, wir kaufen Äpfel, Kuchen, Milch und zwei Dosen Cola. Auch hier sind die Preise fast drei Mal so teuer wie im Supermarkt, obwohl der Laden per Boot beliefert wird, aber das ist uns in dem Moment egal... Nach einer ausgedehnten Vesperpause geht‘s weiter bis zum Campamento Italiano, das unbewirtschaftet und damit kostenlos ist. Es gibt keine Duschen und auch keine Schutzhütte, es ist kalt, und wir vertreiben uns die Zeit mit Kochen, Essen und Unterhaltungen mit den inzwischen bekannten Gesichtern um uns rum. Wie üblich halten uns Israelis wach - wir haben sicher nichts gegen sie wegen ihrer Nationalität, aber sie verhalten sich, als ob‘s nur sie gäbe und nehmen keinerlei Rücksicht. Aber wahrscheinlich merken sie‘s nicht mal, dass sie sich wie die Axt im Wald benehmen... Wir sind nicht die einzigen, die uns über sie aufregen - fast bei jedem Gespräch, das mit anderen Wanderern zustande kommt, wird über das unmögliche Verhalten dieser jungen Israelis geredet. Ein kanadisches Pärchen erzählt, dass sie sich ein Mal beschwert haben. Die Israelis waren sehr zerknirscht und versprachen, leise zu sein - zwei Minuten später war die gleiche Lautstärke wie vorher erreicht! Willemijn und David unterhalten sich mit zwei älteren Israelis, die sich genauso über ihre Landsleute ärgern. Sie erzählen, dass diese jungen Menschen meist gerade aus dem Militär entlassen worden sind, und nun ein bisschen die Sau rauslassen....

6. Tag: Campamento Italiano - Valle del Frances - Albergue Los Cuernos/ 19.5 km - 5,5 Std.
Recht spät stehen wir auf, gönnen uns zum Frühstück heiße Ovomaltine (Danke, Nicole!) und Kuchen. Das Zelt lassen wir zunächst stehen und werfen unsere Packsäcke rein - wir wollen ins Valle del Frances wandern, und kommen den gleichen Weg wieder zurück zum Campingplatz. Tommy hat gestern noch Einlegesohlen für Rosa‘s Wanderstiefel aus einem Stück der Isomatte gebastelt - die alten sind quasi durchgelatscht. Die Füße sind verpflastert - die Blase an der Ferse wird täglich größer... Aber ohne Gepäck ist‘s viel leichter! Der Wanderweg führt steht‘s bergauf, immer entlang eines tosenden Wildbachs, meist im Wald, später klettern wir über Geröllfelder und große Felsbrocken. Oben angekommen haben wir eine geniale Sicht auf das Tal unter uns, wir sehen in der Ferne die Seen Lago Nordenskjöld und Pehoe, auf der anderen Seite ragen die Bergmassive Corres Paine Grande auf. Wir sehen kleine grüne Papageien, und weit oben schwebt ein Kondor langsam über das Tal. Wir halten uns nicht lange auf, inzwischen weht ein scharfer Wind, Windböen machen uns zu schaffen auf dem Weg nach unten. Wir torkeln mehr, als dass wir laufen! Müde kommen wir wieder unten an, besonders Rosa hat es angestrengt. Trotzdem bauen wir das Zelt ab, kochen schnell eine Suppe, bevor‘s weiter geht.
Der Campingplatz der Albergue Los Cuernos ist zwar recht groß, aber es stehen schon viele Zelte, und wir finden nur einen sehr unebenen Platz zwischen den niedrigen Büschen, die hier überall die Steppe überwuchern. Wieder sehen wir viele Leute wieder, darunter auch Willemijn und David , und auch Hans.
Rosa‘s Ferse wird von einer unbekannten Deutschen netterweise mit dickem „Heilpflaster“ eingepackt, dann verbringen wir den Abend in der Hütte, schauen nicht ganz satt zu, wie sich die Gäste ihr Menü munden lassen - uns ist‘s mit umgerechnet 16,- USD pro Person zu teuer - wir müssen mit unserem Geld haushalten, denn wir haben nicht allzu viel auf die Trekkingtour mitgenommen.. Die Nacht ist wieder laut, dieses Mal ist es der patagonische Wind, der lautstark an unserem Zelt zerrt...

7. Tag: Albergue Los Cuernos - Base Las Torres - Hosteria Las Torres/ ca. 25 km - 7,5 Std.
Zum Frühstück gibt‘s Kaffee und Kekse. Wir verabschieden uns von Willemijn und David, die noch heute nach Puerto Natales zurückkehren wollen. Unser Plan ist, dass wir heute bis zur Albergue Chileno laufen, dort übernachten, um am nächsten Morgen ohne Gepäck zum Base Las Torres aufzusteigen. Danach müssen wir nur noch zur Hosteria Las Torres. Die beiden haben, wie die meisten, die Wanderung zum Fuß der Torres schon zu Beginn der Wanderung gemacht - wir haben‘s uns für den Schluss aufgehoben. Schon bald legt Tommy einen Zahn zu. Rosa weiss schon, was er im Sinn hat - er will noch heute zurück nach Puerto Natales, also den kompletten Rest der Wanderung an einem Tag schaffen. Rosa‘s Füße machen da nicht mit - sie ist hin- und hergerissen: Wenn wir übernachten würden, hätten die Füße eine Ruhepause und sie würde es schaffen - heute auf keinen Fall. Und die Torres del Paine sind der eigentliche Höhepunkt der ganzen Tour! Andererseits wäre auch sie froh, schon heute nach Puerto Natales zurückzukehren. Schon seit ein paar Tagen träumen wir von Steaks uns Salat, von unserem geräumigem Hilleberg- Zelt und unseren bequemen Luftmatratzen... Und wir vermissen unsere Motorräder... Wir entscheiden uns, uns zu trennen, damit Tommy schneller vorwärts kommt. Er will zu dem Fuß der Torres aufsteigen, Rosa wird in der Albergue Chileno auf ihn warten. Dann können wir immer noch entscheiden, ob wir übernachten, und Rosa am frühen Morgen die Tour hoch macht, oder ob wir noch heute zur Hosteria Las Torres zu laufen, um den Bus nach Puerto Natales zu nehmen.
Tommy ist einige Zeit vor Rosa an der Albergue, schließt den Packsack an eine Picknickbank und rennt den Berg hinauf. Anfangs ist der Weg gut zu laufen, später gilt‘s mal wieder ein grosses Geroellfeld zu überqueren - dann ist er oben. Zum Glück hat er einen Apfel mitgenommen, der gibt neue Kraft. Nur kurz hält er sich auf, es könnte zeitlich reichen, noch heute den Bus nach Natales zu erwischen! Auf dem Weg runter kommt ihm eine Gruppe älterer Leute mit Bergführer entgegen, die er schon beim Aufstieg überholt hatte. Der Bergführer ruft ihm hinterher "Hey, du hüpfst den Berg runter wie ein Känguruh - Respekt!". Währenddessen sitzt Rosa müde in der Albergue, unterhält sich mit Hans, der auch den Weg hier hinauf gefunden hat. Sie hofft inzwischen, dass Tommy rechtzeitig auftaucht - sie will auch morgen nicht mehr auf den Berg... Er schafft‘s tatsächlich, nach einer kurzen Pause steigen wir gemeinsam ab ins Tal. Unser Bus geht um 17.30 Uhr, allerdings vom Parkausgang. Wir sind um viertel vor Fünf unten, eigentlich fahren zu dieser Zeit keine Shuttlebusse, aber ein netter Busfahrer, den wir auf der Strasse anhalten, nimmt uns netterweise mit - eigentlich ist der Bus nur für‘s Personal gedacht. Er funkt sogar unserem Bus, damit der auf uns wartet - wir waren noch nie so froh in einem Bus zu sitzen wie heute! Willemijn und David sitzen im gleichen Bus, wir verabreden uns für den nächsten Tag.
In Puerto Natales humpeln wir zum Campingplatz und linsen zuerst mal um die Ecke, wo unsere Motorräder geparkt sind - sie sind noch da und unversehrt!
Wir fragen, ob vielleicht auch ein Zimmer frei wäre - ja klar! Das Zimmer kostet nur 4,- USD mehr als der Zeltplatz, obendrein ist das Frühstück inbegriffen. Keine Frage also... Wir waschen kurz unsere Stinkfüße, dann setzen wir uns ins zugehörige Restaurant und schlemmen, was das Zeug hält: Bier, Lachs, Steak, Pommes Frites, einfach herrlich, wir sind überglücklich!
Die Trekkingtour hat sich gelohnt, nicht nur wegen der wunderschönen Landschaft, die wir sonst nicht zu sehen bekommen hätten, den netten Begegnungen und der Erfahrung (wir beide haben noch nie so eine lange Wanderung unternommen), sondern auch da wir uns nun wieder an solchen Kleinigkeiten wie an einem Bett, einer richtig heißen Dusche, an gutem Essen freuen können....

Zurück in Puerto Natales
Drei Tage bleiben wir in Natales, arbeiten emsig am Update der Webseite, machen ein großes Paket postfertig, das unter anderem zwei Zelte, Wanderstöcke und Wanderschuhe enthält, treffen uns mehrmals zum Klönen mit Willemijn und David und halten uns meist in unserem Zimmerchen auf - draußen wird‘s von Tag zu Tag kälter.... Nun wird‘s Zeit, dass wir nach Ushuaia kommen, damit wir wieder Richtung Norden in wärmere Gefilde reisen können. Nach Ushuaia geht‘s über die #3 Richtung Buenos Aires. Danach verschwimmen unsere Reisepläne ein bisschen. Schon lange steht für uns fest, dass wir etwas länger als geplant unterwegs sein wollen. So im August/ September möchten wir wieder zurück nach Deutschland. Aber was wir bis dahin genau machen werden, wissen wir nicht so genau. Afrika vielleicht, Senegal, dann nach Norden, aber dann? Wir werden sehen....

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