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Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Ecuador

 
Quito - Loja - La Tina

10. - 15. Dezember 2006

Gefahrene Kilometer: 953 km
Strecke: Quito > #1 Ambato, Cuenca, Loja, La Tina

Quito, Ecuador
Der Flug dauert nicht lange nach Quito, wir sind fast die ersten, die aus dem Flugzeug steigen, Stempel in Pass und wir sind in Ecuador, in Südamerika! Wir nehmen ein Taxi zum Gästehaus (N 00°10.859 W 78°28.410) von Ricardo Rocco, ein Motorradreisender, der Motorräder vermietet, geführte Touren anbietet und eben ein Gästehaus für Motorradfahrer hat. Wir sind ein bisschen verwundert, als wir aus dem Taxi steigen - kein Schild weist auf ein Gästehaus hin. Aber auf dem Klingelschild steht Ricardo Rocco, also werden wir schon richtig sein... Wir klingeln, keiner da... Toll, wir hätten uns wohl doch per Email anmelden sollen! Wir fragen einen Sicherheitsdienst, der in diesem Viertel Wache schiebt. Der meint, dass in zwei Stunden spätestens jemand da sein wird. Also gut, wir machen‘s uns auf unseren Taschen an der Mauer gegenüber bequem. Die gehört zu einem Wohnhaus der Organisation „Fudis“, die krebskranke Menschen unterstützt, die zu arm sind, um die Chemotherapie aus eigener Tasche zu bezahlen. Indem Wohnhaus wohnen diese kranken Menschen, bekommen drei Mal täglich eine Mahlzeit, psychologische und spirituelle (es ist eine christliche Organisation) Unterstützung. Das alles erfahren wir, als wir eingeladen werden im Wohnhaus zu warten. Es ist Sonntag, drum trifft sich alles zum Beten und Weihnachtslieder singen, danach gibt‘s Tee und Kuchen, auch für uns - echt nett! Die Heimleiterin versucht Ricardo zu erreichen, und bekommt ihn nach mehreren Versuchen endlich ans Telefon. 20 Minuten, dann ist er da, sagt er. Immer wieder schauen wir raus, es ist inzwischen schon dunkel, die 20 Minuten haben sich verdreifacht, und wir warten insgesamt schon seit vier Stunden! Plötzlich steht noch einer vor verschlossener Tür: Johann aus Venezuela hat sich ein Motorrad geliehen, hat gerade Ricardo angerufen, 20 Minuten.... Johann spricht fehlerfreies Deutsch, aber mit starkem Akzent - seine Vorfahren sind deutsch, aber er hat das letzte Mal vor vielleicht 5 Jahren deutsch gesprochen!
Endlich taucht Ricardo auf, auf dem Pickup hat er zwei Cross- Maschinen, er war mit seinem Sohn den ganzen Tag unterwegs. Normalerweise sei immer jemand hier, meint er, aber da heute Sonntag ist...
Das Haus ist seine Wohnung, Gästehaus und Büro in einem, morgens ist eine „Muchacha“ da, eine Haushaltshilfe, die uns Frühstück macht. Zur Zeit ist viel Umtrieb bei Ricardo, denn am Wochenende findet eine Autoschau statt, die er und seine Leute organisiert.
Ricardo ist trotz Stress sehr nett und hilfsbereit, er ruft am Montag für uns bei Girag/ Ecuador an, um herauszufinden, ob unsere Motorräder tatsächlich am Mittwoch kommen. Ja, es hat geklappt, Mittwoch nacht fliegen sie und sind voraussichtlich um 7.00 Uhr morgens da - gute Chancen also, sie am gleichen Tag über den Zoll zu kriegen! Die zwei Tage ohne Moped nutzen wir, um uns Quito anzusehen.
An einem Tag geht‘s mit dem Bus in die Altstadt, wir wandern durch die Gassen, bewundern Kolonialhäuser und majestätische Kirchen. Alt-Quito ist als erste Stadt überhaupt 1978 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden.
Essen gehen ist total billig - es gibt schon durchaus genießbare Menüs (Suppe, Hauptspeise, Getränk und Obst) für 1,50 USD, wir leisten uns riesige Schnitzel mit Pommes und Salat (hat eine starke Ähnlichkeit mit Wiener Schnitzel, sieht so aus und schmeckt auch so!!) für 3,- USD! Da wird auch zukünftig unser Optimus- Kocher kalt bleiben... Praktischerweise wird auch hier, wie in El Salvador und Panama, US- Dollar als Währung benutzt, lediglich die Münzen werden (wie auch in Panama) selbst geprägt, Groesse und Farbe sind aber die gleiche wie bei den US- Münzen. In Ecuador gibt es allerdings noch ein paar zusätzliche Münzen: 1,- Dollar- Münzen und 50 Cent- Stücke.
Am nächsten Tag ist die „neue Stadt“ dran, die nicht so schön ist. Aber es gibt Souvenirläden und -märkte, wo wir uns mit ein paar Kleinigkeiten eindecken. Am Mittwoch nehmen wir uns ein Taxi, um zum Girag- Office (S 00°09.298 W 78°29.535) zu kommen. Dort bekommen wir zu hören, dass das Flugzeug Verspätung hat - es wird erst gegen 11.00 Uhr ankommen. Am besten wir kommen später wieder. Wir wandern den Berg hinauf mit dem Ziel von oben ein schönes Bild von Quito zu machen. Obwohl wir nun schon seit drei Tagen hier sind, merken wir den plötzlichen Höhenunterschied (von Meereshöhe Panama City zu 2850m Höhe Quito) immer noch: Uns geht schnell die Puste aus, vor allem Tommy hat ständig ein bisschen Kopfweh. Unterwegs vergeht uns die Lust auf den Berg zu steigen, wir bummeln lieber durch ein modernes Einkaufszentrum. Rosa schenkt Tommy nachträglich zum Geburtstag eine Haarschneidemaschine (ein bisschen aus Eigennutz, denn nun kann Tommy seine Haare selber schneiden...), Rosa bekommt von Tommy jetzt schon ihr Weihnachtsgeschenk: Ein Fleece- Gesichtsschutz für die kalten Tage, die uns sicher noch bevorstehen.
Zurück im Girag- Büro: Uns wird ein Customs Broker empfohlen, der Chef sagt, wir würden unsere Motorräder auf jeden Fall früher bekommen und hätten keine Rennerei. Außerdem sei so oder so die Unterschrift eines Brokers nötig. Die Dame verlangt 50,- USD pro Frachtpapier. Mist, wir haben zwei Frachtpapiere! Von früheren Verschiffungen müssten wir wissen, dass zwei Frachtpapiere mehr Arbeit und Kosten verursacht - das hatten wir total vergessen. Klar, dass die Firmen ,wenn‘s nicht anders verlangt wird, pro Motorrad die Frachtpapiere ausstellen, denn um so mehr haben sie daran verdient! So bezahlen wir der Brokerin 80,- USD und müssen im Girag- Office auch die doppelte „Handling- Gebühr“ bezahlen: 45,- USD. Mit dem Taxi werden wir abgeholt und zur Brokerin gebracht. Dort geben wir unsere Papiere ab. Es ist gerade Mittagspause, die Dame verspricht, gleich danach zum Zoll zu gehen. Wir sollen nachmittags anrufen, vielleicht klappt‘s mit den Mopeds noch heute. Ricardo erledigt den Telefonanruf: Am Handy ist sie nicht erreichbar, im Büro auch nicht, Ricardo hinterlässt eine Nachricht. Das wird also heute nichts mehr... Die Dame ruft zurück, wir sollen morgen um 11.30 Uhr bei ihr im Büro sein.
Pünktlich sind wir dort, nur um wieder weggeschickt zu werden. Sie faselt irgendwas von Unterschrift Zoll auf, blöderweise kann sie kein Wort Englisch und unser Spanisch... na ja... Wir verstehen, dass wir um 13.15 Uhr wiederkommen sollen. Leicht genervt ziehen wir ab und verbringen die Zeit bis dahin am Flughafen. Wieder sind wir pünktlich im Büro, nur um dort alleine gelassen zu werden. Es ist wohl wichtiger, zuerst mal die Kinder nachhause zu bringen, als Kunden zu bedienen. Eine dreiviertel Stunde später geht‘s dann endlich zum Zoll. Dort warten wir weiter. Die Brokerin hat ihre zwei Handlanger dabei, zwei junge Kerle, die irgendwie nix auf die Reihe kriegen, sich immer hinten anstellen, und das einzige was sie können, ist dumm grinsen. Wir steigern uns ein bisschen in unsern Ärger rein, aber schließlich bezahlen wir, damit wir nicht selbst hier sitzen und warten müssen... Nach Stunden scheint es endlich vorwärts zu gehen - wir bekommen unsere Dokumente zurück! Dann sollen wir einem der Schnösel folgen. Er lässt Kopien machen... Was sollen wir dabei, fragen wir uns? Dann geht‘s in‘s Warehouse um die Ecke, wo unsere Motorräder sind. Wieder warten, dann endlich duerfen wir ins Warehouse. Davor sind Sicherheitsbeamte: Abtasten, in Tasche gucken, Ausweis abgeben, Umhängeschild „Besucher“ um den Hals. Wir laufen bis ins hinterste Eck zu dem Mopeds - der erste Blick, sie sind heil, alles ist da, man sind wir froh!! Gerade wollen wir anfangen die Sitzbank runterzunehmen, um die Batterien wieder anzuhängen, als der Schnösel abwinkt - wir sind noch nicht fertig! Zurück zum Ausgang, wieder abtasten, Tasche gucken, Umhängeschild abgeben, Ausweis zurückbekommen. Dann geht‘s zur Warehouse- Kasse. Der Kassierer schaut auf die Uhr, winkt ab, mañana, morgen. Endlich ist der Schnösel sein Geld wert: Er besteht auf heute. Der Kassierer kassiert die 45,- USD ab, weigert sich aber einen Beleg zu schreiben... mañana...
Zurück ins Warehouse, wieder die gleiche Prozedur wie zuvor, aber das ist ja gut so, so kommt nichts weg im Warehouse. Es ist inzwischen viertel vor Fünf und wir verfallen in Hektik, denn der Schnösel hüpft um uns rum. Um Fünf schließt das Warehouse, wir müssen die Motorräder sofort rausbringen, sonst werden wir rausgeschmissen und wir bekommen sie erst mañana. Wir ignorieren ihn einfach, heute nehmen wir die Motorräder mit und nicht morgen, und hier im Trockenen schließen wir die Batterie wieder an, nicht draußen im strömenden Regen! Es ist geschafft, die Mopeds laufen und wir sind draußen. Dort bekommen wir die Einfuhr- Papiere ausgehändigt, dieses Mal machen wir nicht den Fehler, sie nicht zu kontrollieren. Darf das denn war sein? Rosa‘s Nachname ist auf dem Papier Deutsch, der gleiche Fehler, der den Panama- Zöllnern bei der Einreise schon passiert ist, und auf den wir extra noch hingewiesen haben! Der Schnösel wiegelt ab, das Dokument sei nicht so wichtig. Er nimmt uns die Papiere ab, entfernt einfach das falsch ausgefüllte Dokument und gibt uns den Rest wieder... Wir nehmen ihm das Papier wieder aus der Hand, so geht‘s nicht Freundchen! Ein Zöllner, der englisch spricht, schaltet sich ein und gibt uns recht: Wir bezahlen für ordentliche und korrekte Dokumente, auch wenn wir wahrscheinlich kein Problem damit hätten, wenn die Polizei uns anhält oder bei der Ausreise. Zum Glück haben wir nicht im Voraus bezahlt, wir erklären uns bereit, die Hälfte der Rechnung heute zu bezahlen, den Rest morgen, wenn wir das korrigierte Dokument zu unserem Gästehaus gebracht bekommen. Nein, wir kommen sicher nicht vorbei, um es abzuholen! Vor Ort können wir nicht bezahlen, da der Schnösel natürlich keinen Quittungsblock dabei hat. Also ins Office. Auf dem Weg dorthin hoeren wir ein lautes Klappern an Tommy‘s Maschine - auch das noch, was kaputt? Wir halten und entdecken, dass der Touratech- Kettenschutz total verbogen ist. Ok, ärgerlich, aber halb so schlimm, den kann man wieder grade biegen. Im Office die gleiche Diskussion mit der Brokerin über. Die ruft bei Girag an, und der Chef dort ist natürlich auch auf unserer Seite - für das ist sie da - korrekte Papiere. Sie willigt murrend ein, verspricht, dass die korrigierten Papiere morgen spätestens um 14.00 Uhr bei Ricardo sind. Dann erst bekommt sie das restliche Geld. Mañana, wir werden sehen...
Der nächste Tag vergeht mit Ölwechsel, Reiseberichte schreiben und packen - ohne dass jemand vorbeikommt und die Dokumente vorbeibringt. Wir haben die alten, hoffen wir mal, dass wir nirgends Ärger bekommen deswegen... Auf jeden Fall haben wir 40,- USD gespart....

Unterwegs in Ecuador
Zum Abschied macht uns Ricardo eigenhändig Frühstück. Er sagt, wir sollen ihm auf jeden Fall per Email daran erinnern, dass er uns Kontaktadressen in Südamerika gibt. Wir bekommen noch eine Wegbeschreibung mit, Ricardo empfiehlt uns, nicht durch die Stadt zufahren, sondern außen rum.
Die erste Zeit ist viel los auf der Panamericana, der Gestank der Autos und die unmögliche Fahrweise der Autofahrer setzt uns zu. Wir müssen uns höllisch konzentrieren und bekommen von der Landschaft kaum was mit. Besonders in den Kurven halten wir uns am äußersten Rand- selbst wenn wir gesehen werden, schneiden die entgegenkommenden Fahrzeuge die Kurve. Später wird’s ruhiger, wir überqueren mehrere Pässe mit bis zu 3600 m Höhe. Ein Stück ist holprige Erdstrasse - hier nutzen Indigenos, vor allem Kinder die Gelegenheit zu betteln. Viele der Kinder spannen ein Seil über die Piste, um uns zum Halten zu zwingen - das nervt mit der Zeit und ist alles andere als lustig. Enttäuscht oder sogar böse schauen sie, wenn sie kein Geld bekommen. Wir halten nur einmal, geben ein paar Münzen für ein Foto. Wir sehen viele Indigenos- Frauen in ihren Trachten, die Haare zu zwei dicken langen Zöpfen geflochten, auf dem Kopf immer ein Hut.
In El Tambo übernachten wir, der Juniorchef ist sturzbetrunken, beschenkt uns mit Postkarten und nötigt uns zu einem großen Schluck Tequila aus seinem schmuddelig- gebrauchtem Glas. Nachts dröhnt laute Discomusik - es ist Wochenende und Party die halbe Nacht... Hier sind mal wieder Ohrenstopfen gefragt.

Plattfuss
Tommy will am nächsten Morgen gerade sein Motorrad bepacken, als er einen Plattfuss am Hinterrad bemerkt. Mist! Tommy findet im Schuppen einen Eimer, füllt ihn mit schweren Steinen und legt das Rad darauf. Hilfreich ist auch die Hacke aus dem Schuppen - die stumpfe, abgeflachte Seite legen wir an den Reifen am Felgenrand und klopfen mit dem Hammer drauf, um den Mantel vom Felgenrand zu lösen. Harte Arbeit, aber es funktioniert. Da wir Ersatzschläuche mit uns rumschleppen, müssen wir das Loch nicht gleich flicken. Wir finden den Übeltäter, der das Loch verursacht hat: Es ist ein kleiner, spitzer Holzspan, der sich durch den Mantel gebohrt hat!
Nach zwei Stunden sind wir endlich startklar - der dritte Plattfuss, jedes Mal hat es Tommy’s Dakar erwischt und jedes Mal war es der Hinterreifen, also sind wir inzwischen routiniert...

Ein neuer Weggefährte
Die Strecke ist ein Traum, es geht über zahllose Bergpässe. Der Zustand der Panamericana ist bislang hier in Ecuador am schlechtesten. Streckenweise ist die Strasse mit Schlaglöchern übersäht, immer wieder wird die Teerstrasse von kurzen Schotterpassagen unterbrochen. Normalerweise gibt’s zu Mittag nur ein paar Kekse, heute machen wir eine Ausnahme und essen in einem kleinen Restaurant. Wir hören ein Motorrad knattern, eine bepackte Suzuki DR 650 mit deutschem Kennzeichen rauscht an uns vorbei, kehrt aber um und hält. Werner ist frühpensioniert und mit kleinen Unterbrechungen seit 2 Jahren in Mittel- und Südamerika unterwegs - mit Open End! Er ist ebenfalls auf dem Weg nach Peru, also fahren wir gemeinsam! Werner ist die Strecke schon mehrmals gefahren, er kennt in Loja ein zentrumsnahes Hotel, wo wir uns niederlassen und ein Fischrestaurant, in dem wir einen riesigen Teller voll leckerer Shrimps für 5,- USD bekommen.

Grenze zu Peru
Am nächsten Morgen geht’s zeitig los Heute geht’s nach Peru! Die Strecke ist wieder ein Traum, besonders für Motorradfahrer: Kurven ohne Ende, dazu wenig Verkehr. Dann geht’s bergab, bis wir fast Meereshöhe erreichen. Die Landschaft ändert sich dementsprechend - von üppig grün in den Bergen zu trostloser Dürre im Tal. Um 11.00 Uhr sind wir an der Grenze, wir tanken in Ecuador noch mal voll, denn Benzin soll in Peru um einiges teurer sein.
Es ist klasse, Werner dabeizuhaben, denn er kennt sich an der Grenze aus, und zudem spricht er super Spanisch. Wir haben Bedenken wegen dem Zolldokument für Rosa’s Motorrad, das bei der Einreise falsch ausgefüllt wurde. Wir geben die Zolldokumente beim ecuadorianischen Zoll ab, wir haben Glück, der falsche Nachname wird nicht bemerkt. Was aber zu ein bisschen Verzögerung führt ist der Umstand, dass wir nur Kopien der Zolldokumente mit uns führen - die Zollbrokerin in Quito hat sich die Originale behalten!! Nach ein bisschen hin und her und einem Telefonat ist aber alles klar - wir dürfen passieren.

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