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Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Kanada - Teil 1

Lethbridge - Vancouver - Bowron Lake Provincial Park

16. Juni - 6. Juli 2006

Gefahrene Kilometer: 2360 km
Strecke: 2 Cardstan > 5 Lethbridge > 3 Cowley - Sparwood - Fernie - Cranbrook - Creston - Salmo - Grand Forks - Osoyoos - Princeton - Hope > 7 Vancouver > 99 Squamish - Whistler - Pemperton > Hurley Pass (Schotterstraße) - Gold Bridge - Lilloet > 99, 97 Seventy Mile House - Hundred Mile House > Canim Lake - Eagle Creek - Hendrik Lake - Black Creek - Horsefly > (Mitchel Bay Rd) Likely > (Horsefly Forest) Schotterstraße - Keithley Creek - Cariboo Lake 8400 Rd - Maeford Lake - 3100 Rd - Barkerville - Bowron Lake Park Rd - Bowron Lake Provincial Park

Grenzformalitäten
Vor allem Rosa macht sich Sorgen, ob an der Grenze alles glatt läuft. Nicht, daß wir etwas zu verbergen hätten. Das nicht, aber wir haben schon so viele Geschichten gehört von langwierigen und schwierigen Zollformalitäten. Die letzte erst vor ein paar Tagen von Alex und Carsten, die fast an der Grenze abgewiesen worden wären und nun nur 5 Wochen Aufenthalt genehmigt bekamen, weil der Zoll meinte, sie wollten in Kanada arbeiten! Für uns ist es der einfachste und schnellste Grenzübergang unserer bisheriger Reise - 20 Minuten und wir sind über der Grenze! Was bestimmt hilfreich war, ist unser "Round- the- World"- Flugticket: Wir können quasi belegen, daß wir wieder ausreisen werden...

Bei Rosemarie, Melanie und Wayne
Wir sind so froh, daß wir eine Einladung in Lethbridge haben, denn es ist sehr kalt, wir frieren, und dazu regnet es schon den ganzen Tag aus allen Wolken. Rosemarie und Wayne hatten wir im Bryce Canyon kennen gelernt, und die beiden haben uns eingeladen, ein paar Tage bei ihnen zu verbringen.
Rosemarie kommt ursprünglich aus Heubach bei Stuttgart, sie lebte in Australien und USA, und nun schon einige Zeit zusammen mit ihrem Lebensgefährten Wayne und Tochter Melanie in Lethbridge. Per Email hat sie schon angekündigt, daß es was Schwäbisches zum Essen geben wird: SPÄTZLE!! Tropfnass kommen wir an, die Mopeds dürfen in Rosemarieīs Garage, wir werden im Schlafzimmer untergebracht! Obwohl nie in Deutschland gelebt, spricht Rosemarieīs Tochter perfekt deutsch! Wir verbringen einen gemütlichen Abend bei überaus leckerem Schweinebraten, Unmengen von selbstgemachten Spätzle und einigen Gläsern Wein. Eigentlich wollten wir am nächsten Tag schon wieder los, aber wir entscheiden uns, noch einen Tag länger bei Rosemarie, Melanie und Wayne zu bleiben - es gefällt uns einfach zu gut!
Wayne macht uns ein Geschenk: Jeder bekommt ein paar Neopren- Socken, die unsere Füße zukünftig trocken halten werden! Danke!! Rosemarie und Wayne zeigen uns die Stadt, wir spazieren am See entlang und schauen uns die riesige Eisenbahnbrücke an. Abends gibt es leckeres BBQ, Fleisch vom Grill. Dann muß Rosemarie arbeiten gehen - ihr untersteht der Kartenvorverkauf von den Vorstellungen, die im Unitheater aufgeführt werden. Zusammen mit Melanie besuchen wir die zweite Hälfte der Tanzvorführung.
Früh morgens muß Rosemarie los - sie ist Präsidentin vom örtlichen Chor und hat eine Versammlung. Und auch Melanie muß los. Der Abschied fällt nicht leicht... Wayne verwöhnt uns noch mit einem herrlichen Frühstück: Eggs und Bacon, lecker!

Auf dem Highway Nr. 3 nach Vancouver
Wir haben es eilig - Alex und Carsten sind in Vancouver, sie warten dort auf ihre Motorräder. Wir freuen uns auf das Wiedersehen, und wir hoffen, daß wir ein paar Tage zusammen fahren können! Da sie ja nur kurze Zeit in Kanada verbringen können, ist klar, daß sie sich sofort auf den Weg machen, wenn sie ihre Motorräder vom Schiff bekommen - und das kann jederzeit sein. Also sputen wir uns und fahren die 1200 km nach Vancouver in drei Tagen.
So kennen wir Kanada von Bildern: Ausgedehnte Wälder, sumpfige Wiesen, Seen, Flüsse, Berge. Wir sind in den kanadischen Rocky Mountains! Wir sehen viel Wild- Rehe kreuzen die Straße, Bergziegen klettern die Felsen hinauf.
In Kitchener finden wir einen Campingplatz nur für Motorradfahrer. Es ist ruhig, wir sind die einzigen Camper, wahrscheinlich bleiben die Leute bei dem Sauwetter lieber zuhause. Das Lagerfeuer will nicht brennen, so sehr Tommy sich auch abmüht - das Holz ist zu naß.
Eigentlich haben wir Glück mit dem Wetter am nächsten Tag- es ist zwar meist bewölkt und sehr kalt, aber es regnet nur ab und zu. Die Strecke ist genial und wie für Motorradfahrer gemacht - über den Kootenay Pass gehtīs runter nach Osoyoos - in schönen Kurven und mit toller Aussicht ins Tal. Im Tal selbst dann die Überraschung - das ist Wein- und Obstanbaugebiet! In Keremeos haben wir wieder Glück mit unserm Campingplatz. Da es sehr nach Regen aussieht, bietet uns der Besitzer ein trockenes Plätzchen für unsere Kälbchen im Partyzelt an!

Vancouver
Durch das schöne Fraser Valley gehtīs nach Vancouver. Das Häuschen von Robbie finden wir auf Anhieb, seine Töchter sind zuhause, Robbie arbeitet noch. Tommy kennt Robbie schon lange - Robbie ist ursprünglich aus dem Glottertal, dem Nachbarort von Denzlingen, wo Tommy aufgewachsen ist. Robbie ist vor 14 Jahren nach Kanada ausgewandert, er hat schon viel Besuch aus seiner Heimat bekommen, aber für uns ist es das erste Mal, daß wir hier sind. Als er nachhause kommt, nimmt er uns gleich auf eine Besichtigungsfahrt mit. Wir fahren durch Downtown und in den wunderschönen Stanley- Park, wo man eine tolle Sicht auf Vancouver hat, wo es Waschbären und uralte Zedern gibt. Abends lädt er uns zum Italiener nebenan ein - Robbie wohnt in einer ruhigen, grünen Seitenstraße einer quirligen und bunten Hauptstraße, hier gefälltīs uns!!

Fußball- Fieber
Früh morgens wirft uns der Wecker aus dem Bett - auf gehtīs zum Fußball gucken -  Deutschland spielt gegen Ecuador! Eigentlich wollen wir zum Brasilianer, Freunde von Robbie, aber der hat wohl noch zu. Also gehen wir zum Italiener. Morgens um 7.00 Uhr ist das Café voll - ein paar Ecuadorianer, viele Europäer. Die Stimmung ist super, das Spiel genial! In der Halbzeit ziehen wir doch noch um zum Brasilianer - der hat inzwischen seine Kneipe aufgemacht und extra Robbie angerufen...

Wiedersehen feiern mit Alex und Carsten
Abends treffen wir endlich Alex und Carsten. Um nach North Vancouver zu kommen, nehmen wir den Bus und anschließend den "Seabus", eine Personenfähre überīs Wasser. Stundenlang sitzen wir im Café und erzählen jeweils unsere Erlebnisse der letzten Monate. Die Bier- Rechnung ist dementsprechend hoch und der Kopf dementsprechend dick am nächsten Morgen. Aber das Wiedersehen musste gebührend gefeiert werden!! Und wir verabreden uns auch gleich für unterwegs - entweder fahren wir gemeinsam von Vancouver los oder wir treffen uns in den nächsten Tagen unterwegs...

Letzte Tage in Vancouver
Als Abfahrtstag legen wir den Samstag fest - klar, wir wollen das Fußballspiel Deutschland gegen Schweden nicht verpassen!
Vorher allerdings gibtīs noch mal ein Fußball- Erlebnis: Tommy und Robbie gehen in die brasilianische Kneipe um die Ecke, um das Worldcup- Spiel Brasilien gegen Japan anzuschauen. Die Brasilianer gewinnen und die Freude ist dementsprechend groß: Alles tanzt und jubelt mitten auf der Straße! Das ist das Schöne hier - Vancouver ist multikulturell, das macht Vieles vom Flair dieser Stadt aus. Und natürlich auch die Lage: Wo sonst kann man sich am Strand sonnen und auf schneebedeckte Berge schauen. Oder andersrum: Skifahren mit Meerblick!
Robbie hat frei, und er "kutschiert" uns geduldig durch Vancouver - wir lassen mal wieder unser Zelt reparieren; der nächste Reißverschluss hat den Geist aufgegeben, und auch ein paar andere Kleinigkeiten an unserer Ausrüstung muß aufgefrischt werden. Das Wetter wird immer besser, und wir gehen an den Strand, um den Beachvolleyballern zuzuschauen.
Abends gibtīs leckere Steaks in Robbieīs Garten, am nächsten Abend sind wir bei Raul, einem Freund von Robbie eingeladen. Der ist Franzose, und dementsprechend reichlich gibtīs zu Essen - abgesehen davon schmeckt es ausgezeichnet - wie Robbie ist auch er Küchenchef! Die zwei erzählen uns viel von ihren Trips in die Wildnis Kanadaīs, vom Fischen, Jagen, von großen Elchen und gefährlichen Bären. Raul leiht uns eine Angel - wir bringen sie zurück, wenn wir auf dem Rückweg in die USA wieder in Vancouver halt machen.

Unterwegs mit Alex und Carsten
Viel zu früh klingelt der Wecker nach dieser langen und feuchtfröhlichen Nacht. Schnell packen wir, denn wir wollen nach dem Fußballspiel gleich los. Wir sind mit Alex und Carsten verabredet - die Beiden haben endlich ihre Motorräder wieder, und wir wollen gemeinsam ein paar Kilometer fahren.
Deutschland gewinnt gegen Schweden, klasse! Wir verabschieden uns von Robbie, treffen uns wie geplant mit Alex und Carsten und verlassen Vancouver Richtung Norden.
Kaum sind wir aus Vancouver raus, bekommen wir das typische Gesicht Kanadaīs zu sehen: Berge, Wälder, Flüsse, Seen - und dazu schöne Kurven und perfektes Wetter! Schon bald legen wir einen Fotostop ein - ein Schwarzbär grast nur ein paar Meter vom Straßenrand entfernt und läßt sich nicht von uns stören.

Über den Hurley Pass zum Carpenter Lake
In Whistler, einem bekannten Skiort, machen wir eine kurze Mittagspause, bevor es weiter auf dem Highway 99 gen Norden geht. Aber schon bald biegen wir ab und folgen Robbieīs Empfehlung: Von Pemperton gehtīs in teilweise steilen Spitzkehren auf mal mehr mal weniger holpriger, aber immer sehr staubiger Schotterstraße über den Hurley Pass - eine wunderbare Strecke! Tommy fährt voraus - er sieht als einziger von uns den Schwarzbär, der gerade im Gebüsch verschwindet, als wir um die Ecke kommen.
Wir halten für ein längeres Schwätzchen, als wir zwei Fahrradfahrer einholen. Was für ein Zufall - die Beiden haben wir kennen gelernt, als wir uns mit Alex und Carsten in Vancouver trafen.
Am Carpenter Lake finden wir einen ruhigen, schönen und sogar kostenlosen Campingplatz. In Gold Bridge kurz vorher haben wir eingekauft - so haben wir einen schönen Abend mit kaltem Bier, Würstchen und Maiskolben.

Unterwegs auf Forstwirtschaftswegen
Nach einem Tag Fahren auf den schönen Highways 99 und 97, übernachten wir am Canim Lake, nehmen ein Bad im kalten See und sitzen noch lange am gemütlichen Lagerfeuer.
Dann gehtīs am nächsten Morgen weiter auf staubigen forstwirtschaftlichen Wegen, auf denen nichts los ist - es kommt uns nur ab und zu ein großer LKW, beladen mit Baumstämmen, in voller Fahrt entgegen. Gleich am Morgen steht eine Elchkuh mit ihrem Jungen auf dem Feldweg - sofort verschwinden sie in die Büsche, als sie uns sehen.
In Horsefly haben wir die Gelegenheit im General Store einzukaufen, und nach einigen staubigen Kilometern auf dem inzwischen einspurigen Schottersträßchen finden wir am Quesnel Lake eine so genannte "Recreation Site" im Horsefly Forest, direkt am See. Diese einfachen Campingplätze in den Wäldern sind alle kostenlos und wenig frequentiert, denn sie sind nur über diese schmalen Schotterwege erreichbar. Sie sind spartanisch eingerichtet, aber wie in den Nationalpark- Campingplätzen der USA gibt es Picknickbänke, Grillstellen und Plumpsklos. Was wir ein bisschen vermissen sind die Bärenkisten aus Metall, in denen man sein Essen aufbewahren kann - wir sehen es an den Hinterlassenschaften auf den Wegen, daß es hier nur so von Bären wimmelt! Ach ja - und Tommy, der wieder vorausfährt, hat heute natürlich wieder einen Schwarzbären gesehen...
Am Quesnel Lake gefällt es uns allen so gut, daß wie entscheiden, einen Ruhetag einzulegen. Dieser Tag vergeht wie im Fluge - wir kühlen uns ab im klaren See (es hat immerhin 30°C im Schatten!), versuchen uns im Angeln, warten vergebens, daß wir den Seeadler, der hier irgendwo seinen Horst haben muß, vor die Linse zu bekommen und suchen Holz fürīs Lagerfeuer.
Früh morgens gehtīs los am nächsten Tag - wir wollen der Hitze tagsüber entgehen. Es gibt laut Karte einen Schotterweg nach Barkerville, der nur mit "4WD"- Fahrzeugen befahrbar ist. Der Weg wird immer rauer, es wimmelt von Bären - wir sehen mehrere Schwarzbären an diesem Tag.
Wir halten an einem Einsiedler- Häuschen mitten im Wald, um nach dem richtigen Weg zu fragen - die freundliche Bewohnerin rät uns dringend ab, weiterzufahren, denn der Pfad ist schon seit Jahren nicht mehr gepflegt worden und eigentlich unfahrbar. Sie erzählt uns von einem Autofahrer mit einem nagelneuen Geländewagen, der für die 15 Kilometer viereinhalb Stunden gebraucht hat, und dessen Fahrzeug erheblich beschädigt war, als er es endlich geschafft hatte... Wir bedanken uns und schauen uns den Weg trotzdem etwas genauer an - sie hat recht: Der Pfad ist ausgewaschen, mit tiefen Rinnen, und es wären zunächst einige aufgeschüttete Erdhügel zu überwinden, die wir trotz relativ hoher Bodenfreiheit nicht überwinden könnten. Ok, also zurück und den Umweg von 130 km in Kauf nehmen!
Wir sind zunächst enttäuscht, aber der Umweg ist ein sehr schöner - vorbei an blühenden Wildblumenwiesen, mit schöner Aussicht auf Berge, Seen und Flüsse.
Alle haben uns von der historischen Goldgräberstadt Barkerville vorgeschwärmt, aber für uns ist sie eine Enttäuschung. Das Örtchen mit historischen Gebäuden ist eigentlich ein Freilichtmuseum, umzäunt und nur wer Eintrittsgeld bezahlt, kommt rein. Wir hatten eigentlich gedacht, daß wir hier einkaufen und tanken könnten, wollten Geld holen und inīs Internet. Aber die Ortschaft Wells ist nicht weit, also fahren wir dorthin.
Am Lake Atan finden wir wieder einen klasse Zeltplatz mitten im Wald und direkt am See - und wieder sind wir alleine! Der letzte gemeinsame Abend mit Alex und Carsten wird gefeiert mit Bier und Würstchen am Stock.

Kanutour im Bowron Lake Provincial Park (116 km)

GPS- Daten Ausgangspunkt: N53°15.317`` W121°24.710``

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Alex und Carsten - für sie geht es weiter nach Norden, aber wir wollen an den Bowron Lake. Dort gibt es zehn Seen, die kurioserweise fast im Viereck angeordnet sind. Auch ein heißer Tipp von Robbie: Diese Seen kann man mit Kanus befahren - teilweise sind Laufpassagen dabei, teilweise sind die Seen durch Flüsse verbunden.
Wir sind noch nicht ganz sicher, ob wie die Tour machen werden, denn jemand erzählte uns von Preisen um die 400,- CAD pro Person - das wäre uns dann doch ein bisschen zuviel. Trotzdem erkundigen wir uns, und als wir hören, daß die Kanumiete um die 220,- CAD kostet und die Parkgebühr sich für uns auf 120,- CAD beläuft, packen wir unsere Sachen für die 6-8 Tage. Die Mopeds dürfen wir im Schuppen unterstellen, ein Informations- Video muß angeschaut werden (Verhalten bei Bärkontakt etc.), das Gepäck gewogen (nicht mehr als 28 kg darf auf den Laufpassagen im Boot transportiert werden, um zu vermeiden, daß die Wege durch die Transportwägelchen beschädigt werden) dann kannīs losgehen!
Das erste Stück (2,6 km) wird das Kanu gezogen: Es geht den Berg hinauf, und es ist ziemlich heiß - puh, ganz schön anstrengend! An diesem Tag kommen wir nicht allzu weit, denn wir sind erst nachmittags gestartet. Aber wir finden einen tollen Campingplatz am Indianpoint Lake ganz für uns alleine! Die Besucherzahl der Seen ist begrenzt, damit nicht zuviel Menschen auf einmal im Park sind - das ist wirklich gut, die Wildtiere werden nicht zu sehr gestört, und für die Besucher ist es ein tolles Erlebnis - es kommt einem so vor, als wäre man alleine hier in der Wildnis...
Das Wetter ist bestens, und wir sind sehr froh darüber, denn leichtsinnigerweise haben wir auf unseren Optimus Nova- Benzinkocher verzichtet, und kochen lieber am Lagerfeuer. Aber was wäre, wenn es regnen würde und das Holz wäre naß?
Aber die Sonne scheint, das Holz ist relativ trocken, und wir können uns ein leckeres Essen überīm Feuer kochen. Als wir uns gerade im Zelt verzogen haben, hören wir laute Geräusche - wir linsen etwas besorgt aus unserm Zelt, denn es könnte ja ein Bär sein! Aber es ist "nur" eine Elchkuh, die durchīs seichte Wasser watet und den Kopf unter Wasser streckt, um die Algen von den Steinen zu zupfen!
Am nächsten Morgen werden wir von Geräuschen geweckt - irgendetwas stampft um unser Hilleberg- Zelt und schnuppert daran. Dann sehen wir den Schatten des Verursachers auf unserer Zeltwand: Ein Bär!! Bär- Pfefferspray nutzt nichts durchīs geschlossene Zelt, aber Tommy findet nach kurzem hektischen Suchen die Trillerpfeife - der Bär sucht das Weite...
Das Paddeln macht Spaß, aber ist ungewohnt und strengt an. Es ist immer eine willkommene Abwechslung, wenn mal wieder eine Laufpassage zu bewältigen ist. Die Seen sind glasklar, wir sehen große Fische und hängen den ganzen Tag eine Angelschnur ans Boot - ohne Erfolg. Morgens ist es windstill, die schneebedeckten Berge spiegeln sich im glatten Wasser - die Landschaft ist traumhaft schön! Am zweiten Tag schaffen wir 27 km, wir fahren gemütlich und wollen uns nicht überanstrengen.
Wieder sind wir alleine auf dem Campingplatz - der Abend ist ausgefüllt mit Holzhacken mit der geliehenen Axt, Wasser filtern mit unserem bewährten Katadyn- Filter, kochen überīm Lagerfeuer.
Das Mückenspray haben wir bisher noch kaum gebraucht - es gibt kaum Mosquitos, allerdings sehr lästige Fliegen, die unangenehm beißen, aber gegen die scheint das Spray nicht zu wirken. Tagsüber ist es heiß, aber abends kühlt es schön ab - wir sind hier immerhin auf fast 1000 m Höhe.
Am nächsten Tag haben wir eine Stromschnelle im Isaac River zu überwinden. Alles geht gut, wir bleiben trocken und im Boot. Auch der Cariboo River ist nicht ohne - die Strömungen sind stark, und wir sehen einige total zerfetzte Kanus, die an Baumstümpfen im Wasser hängen geblieben sind!
Heute haben wir endlich Glück beim Angeln - Tommy, der hinten sitzt und die Angelschnur im Auge behält, bemerkt ein Ziehen. Aber als er die Schnur einholt, hängt nur ein kleines Fischchen am Haken, den wir natürlich wieder in den See werfen. Kurze Zeit später hängt wieder etwas dran - eine riesige Regenbogen- Forelle! Aber ein Aufbäumen genügt, und sie reißt die Angelschnur ab und verschwindet in den Tiefen - immer noch mit dem Haken im Maul!
Wir haben keinen Blinker mehr, und probieren nun eine gebundene Fliege aus, die normalerweise fürīs Fliegenfischen gedacht ist - und tatsächlich hängt bald wieder was am Haken! Dieses Mal machen wirīs anders - wir paddeln anīs Ufer, und Tommy holt dort erst die Angelschnur ein. Dieses Mal klapptīs - wir haben eine schöne große Regenbogen- Forelle gefangen! Wie vorgeschrieben entsorgen wir die Fischabfälle im tiefen Wasser (wegen den Bären), halten am nächsten Campingplatz und brutzeln uns die Fischfilets - ein Festessen!!
Abends am Campingplatz wieder ein tolles Erlebnis: Plötzlich taucht ein wirklich sehr großer Elchbulle aus dem Wald auf, schaut uns etwas irritiert an, ignoriert uns dann aber und stakst ein paar Meter von uns entfernt ins Wasser zum Futter suchen! Das Wasser ist tief hier, aber das stört ihn nicht - er taucht komplett unter Wasser, um die Algen am Grund zu fressen! Irgendwann scheint er genug zu haben - er schwimmt über den See und verschwindet im Dickicht.
Am vorletzten Tag unserer Tour machen wir die meisten Kilometer: 30,8 km. Rosa hat inzwischen schon Blasen an den Händen und Muskelkater in den Armen, aber der starke Wind bringt uns auf eine gute Idee: Aus einer Zeltplane bastelt Tommy ein provisorisches Segel, das recht gut funktioniert - laut GPS sind wir nun mit bis zu 10 km/h unterwegs - gepaddelt sind wir mit etwa 6 km/h. Die Campingplätze sind alle voll - hier auf der Westseite staut sich alles, denn viele entscheiden sich nicht für die Rundtour auf allen Seen, sondern paddeln nur auf der Westseite. Wir finden einen freien Gruppen- Campingplatz, der eigentlich nur für 7 oder mehr Personen gedacht ist. Als unser Zelt gerade steht, kommt eine Gruppe aus drei Familien und fragt artig, ob sie sich dazugesellen dürfen. Natürlich - eigentlich hätten sie sogar das Recht uns zu vertreiben! Wir teilen mit ihnen das Lagerfeuer und unterhalten uns - sie kommen aus Slowenien und sind auf Besuch bei einer Familie, die während dem Bürgerkrieg in Bosnien nach Kanada ausgewandert ist. Sie zeigen uns Fotos von einer Grizzly- Familie, eine Bärenmama mit drei halbwüchsigen Jungen, die nahe dem Ausgangspunkt der Kanutour lebt. Wir sind ein bisschen neidisch, denn noch ist uns kein Grizzly über den Weg gelaufen...
Hier gibt es viele Mosquitos, das liegt an dem Sumpfgebiet am Bowron River. Dort sehen wir eine Elchkuh mit ihrem Jungen ganz aus der Nähe - als wir mit unserem Kanu um die Ecke biegen, stehen sie quasi vor uns! Wir fahren sehr vorsichtig an den Beiden vorbei - Elchkühe mit Babys sind bekannt dafür, daß sie angreifen, wenn sie Gefahr für ihr Junges wittern...
Die letzte Etappe ist kurz - schon gegen 11°° morgens sind wir wieder am Ausgangspunkt. Eine tolle Tour durch traumhafte Landschaft, Natur pur und es gibt viel "Wildlife" zu sehen - nur zu empfehlen!
Der Vermieter unserer Kanus ist echt nett - wir dürfen das Kanu behalten, solange wir auf seinem Campingplatz zelten, und wir bekommen sogar einen Sonderpreis für den Zeltplatz. Außerdem dürfen wir im Laden sitzen, um Strom für das Laptop zu nutzen, und wir bekommen das Telefonkabel fürīs Internet - wieder eine gute Gelegenheit, unsere Webseite zu aktualisieren.
Markus spricht uns an - ein Schweizer, der sich eine mindestens 3jährige Auszeit genommen hat, um die Welt mit seinem Campingbus zu erkunden. Ein echt netter Kerl, der uns vielleicht in Südamerika wieder über den Weg laufen wird. Auch er macht den Kanu- Trip - mit seinem eigenen Faltkanu. Tommy fährt ihn mit dem Motorrad zum Ausgangspunkt, Markus schenkt uns eine dicke Packung Bacon zum Abschied.
Nach ein paar Tagen Ruhepause gehtīs für uns nun weiter Richtung Norden.

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