2aufweltreise.de Startseite
zur Startseite
Email
sponsoren
News
mehr über Tommy & Rosa
Vorbereitung und Ausrüstung
Route
Länderinfos
on the road
Presseberichte
newsletter
Gästebuch
Bilder von unserer Reise

Wir nehmen Euch mit auf unserer Reise...

 

Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Kanada - Teil 2

Bowron Lake - Whitehorse - Inuvik - Dawson City

7. - 20. Juli 2006

Gefahrene Kilometer: 4810 km
Strecke: Bowron Lake > Barkerville > 26 Quesnel > 97 Prince George - Chetwynd > 29 Ft. St. John > Alaska Highway: Pink Mountain - Ft. Nelson - Liard River (Hot Springs) - Contact Creek - Watson Lake > Abstecher 37(Cassiar Highway): Good Hope Lake - Dease Lake (und zurück) > Alaska Highway: Whitehorse > 2 Dawson City > Dempster Highway: 5 Eagle Plains - 8 Inuvik (und zurück) > 9(Top of the World Highway) Boundary (Grenze Alaska)

Der erste Grizzly
Der Highway Nr. 26 nach Quesnel ist schön - Kurvig schlängelt sich die Straße durch die Wälder, und es ist fast nichts los. In Quesnel halten wir, nutzen das kostenlose Internet im Info- Zentrum, um Emails zu checken und haben erst am vierten Bankautomaten Glück - die anderen wollten partout kein Geld ausspucken.  Es ist heiß, wir sind froh, als wir wieder den Fahrtwind spüren! Auf dem Highway 97 geht´s Richtung Prince George - dieser Streckenabschnitt ist etwas eintönig, ausgedehnte Wälder wechseln sich mit Sumpfgebieten ab. Plötzlich taucht ein Tier auf der Straße auf, kehrt erschreckt um, als es uns entdeckt und schlägt sich wieder in die Büsche - hey, das war ein junger Grizzly- Bär!! Ein bisschen wacher nehmen wir die letzten Kilometer an diesem Tag unter die Räder. Am Bear Lake finden wir einen "Provincial Campground". Nicht nur die lästigen Stechmücken lassen uns schnell im Zelt verkriechen: Es gilt strikter "Fireban" - wegen akuter Waldbrandgefahr darf man kein Lagerfeuer machen...

Alaska Highway
Wir fahren die 97er noch bis Chetwynd, dann nehmen wir die 29 bis Fort St. John, um dort wieder auf die 97 zu stoßen - ab Dawson Creek heißt diese Straße "Alaska Highway"!
Die 29 entlang des Peace Rivers ist sehr schön, der Pine Pass, den wir überqueren ist nicht hoch und recht unspektakulär. Es gibt einen kleinen Abstecher zu einem Wasserfall, aber es sieht nach Regen aus, wir fahren weiter.
Schon bald stoßen wir auf den Alaska Highway. Unser Tempo steigert sich nun automatisch auf "normale " 100 km/h - nichts verführt uns zum Langsamfahren - meist geht die Straße einfach nur geradeaus durch endlose Wälder - fast könnte man meinen, man ist in Sibirien unterwegs...
Über 500 km schaffen wir an diesem Tag locker. "Pink Mountain" auf der Landkarte müsste eine kleine Ortschaft am Highway sein, besteht in Wirklichkeit nur aus einem Motel auf der einen Seite der Straße, einem Campingplatz mit Tankstelle und kleinem Laden auf der anderen - aber was brauchen wir mehr!
Der Alaska Highway nach Pink Mountain gefällt uns - der Wald gibt endlich ab und zu den Blick frei auf Berge in der Ferne, besonders die Gegend um Ft. Nelson begeistert uns mit vielen Kurven über den Summit Lake Pass, schönem Panorama am Muncho Lake und nicht zuletzt vielen Wildtieren - Bergziegen, Elche und Cariboos! Das Ziel heute sind die "Liard Hot Springs", natürliche heiße Quellen, eingefasst ausnahmsweise mal nicht in einen gemauerten Swimmingpool, sondern naturbelassen: Am Grund liegt Kies, der Poolrand besteht aus Wildblumen und Farn.
In dem schwefelhaltigem Wasser erholen sich unsere Glieder von der langen Fahrt, und im Pool haben wir Ruhe vor Mosquitos, die hier überaus zahlreich vertreten sind. Der Abend endet trotzdem erst sehr spät - dick eingepackt und mit Mückenspray bewaffnet, besuchen wir Doris und Herbert aus der Schweiz. Beim Einchecken am Campingplatz haben wir sie kennen gelernt - auch sie sind auf Weltreise, mit einem Allradauto und Dachzelt.
Die Mücken lassen ein gemütliches Frühstück nicht zu, also starten wir früh morgens ausnahmsweise mal ohne. Dafür gönnen wir uns einen Kaffee und süße Stückchen in einem urigen "Roadhouse" unterwegs. Ein junger Schwarzbär, umgeben von Hunderten von Stechmücken, läßt uns am Straßenrand halten. So wie´s aussieht, gibt es die Bärenmama nicht mehr, er ist alleine und sieht nicht gerade gesund aus... Eine Bisonherde grast ein Stückchen weiter entfernt - in Kanada und Alaska gibt es noch einige frei lebenden Herden dieser stattlichen Urviecher.

Abstecher nach Dease Lake
In Watson Lake halten wir zum Einkaufen und dem obligatorischen Foto vom berühmten Schilderwald. Es begann in den 50er Jahren: Ein Soldat mit Heimweh stellte ein Schild mit der Entfernung zu seiner Heimatstadt von Watson Lake auf - Tausende machten es ihm im Lauf der Zeit nach - heute sind hier auch viele Verkehrschilder aus Deutschland zu finden - neben mehr als 53.000 Schildern aus aller Welt!
Beim Checken unserer Emails erreicht uns eine Nachricht von Alex und Carsten - die beiden haben wieder einmal Pech. Alex´ Muz macht Zicken, sie verbrennt außergewöhnlich viel Öl und blauer Rauch aus dem Auspuff verheißt nichts Gutes. Die zwei sitzen in Dease Lake fest - dort gibt es keinen Mechaniker, der ihnen helfen könnte, sie wollen nun jemanden finden, der das Motorrad nach Whitehorse bringt. Wir überlegen nicht lange und machen den etwa 250 km langen Abstecher nach Dease Lake noch am selben Tag, um den beiden ein bisschen Gesellschaft zu leisten. Unterwegs halten wir hinter einem Wohnmobil - der aufgeregt winkende Besitzer scheint etwas Interessantes entdeckt zu haben. Tatsächlich - ein ausgewachsener Grizzlybär!! Zunächst lässt er sich nicht stören, er läuft im Wald umher, frisst Gras und schnuppert an den Bäumen. Dann aber wendet er sich uns zu und kommt langsam aber sicher näher - höchste Zeit für uns zu verschwinden...
Alex und Carsten freuen sich über unseren Überraschungsbesuch und sie sind guter Dinge, denn endlich haben sie jemand gefunden, der Alex und Motorrad mit einem Pick- Up nach Whitehorse bringt.

Whitehorse
Zusammen mit Carsten fahren wir am nächsten Tag die über 600 km lange Strecke nach Whitehorse. Der Cassiar Highway ist wunderschön - wir werden ihn auf dem Rückweg von Alaska unter die Räder nehmen. Auch der Streckenabschnitt des Alaska Highways von Watson Lake nach Whitehorse macht Laune - das Wetter ist super, wir haben beste Aussicht auf schöne Berge und weite Kurven bringen Fahrspaß. Unterwegs holt uns der Pick- Up mit Alex und ihrer MuZ ein, sie überholen uns und geben Gas, um noch vor Ladenschluss in Whitehorse zu sein.
Es gibt einen schönen Campingplatz etwas außerhalb - dort richten wir uns für die nächsten Tage ein, am Abend gibt es dicke Steaks vom Grill und reichlich Bier. Die Zeltnachbarn schauen etwas neidisch - Pat und Mike sind aus Montreal, sie sind mit ihren BMW´s in den letzten 6 Tagen 6000 km gefahren und legen nun ebenfalls eine Ruhepause ein.
Wir finden ein Hotel mit Wireless Internet, das uns erlaubt mit unserem Laptop in der Lobby zu sitzen. Das nutzen wir, um liegengebliebene Emails zu beantworten. In diesem Hotel lernen wir Heike kennen - sie ist aus Bötzingen, einem Dorf, das nur wenige Kilometer von unserer Heimatstadt entfernt liegt. Sie ist an der Rezeption hauptsächlich für die deutschsprachigen Touristen zuständig.
Wir waschen Wäsche und auch die Mopeds werden seit langem mal wieder gründlich geputzt.
Wir wollen gerade zum Großeinkauf in einem der günstigen Supermärkte aufbrechen, als uns Chuck anspricht. Er hat unsere Motorräder gesehen - er fährt tatsächlich auch eine 650 GS mit dem gleichen Tankumbau wie wir! Er hat Probleme mit seiner Maschine, sie läuft nicht mehr richtig, und er weiß nicht, an was es liegen könnte. Es muß eine elektronisches Problem sein, der Motor stottert, wenn er warm wird, und die Anzeige der Motorumdrehungen steigt rapide. Wenn er den Fehler selbst nicht findet, muß auch er sein Motorrad verladen und zum nächsten, etwa 800 km entfernten, BMW- Händler bringen.
Tommy bietet Hilfe an, er baut nacheinander mehrere elektronische Bauteile an seiner Maschine aus, und montiert sie in Chucks, um zu sehen, ob das Problem immer noch auftritt. Nach 3 Stunden im Regen findet er das Problem - der Voltregler hat schlapp gemacht. Chuck freut sich - jetzt  kann er endlich das defekte Teil bestellen.

Abstecher nach Dawson City
Wir verabschieden uns von unseren lieben "Teilzeit- Reisegefährten" Alex und Carsten. Sie werden wir erst nach unserer Rückkehr in Deutschland wiedersehen - für die beiden geht´s Richtung Süden in die USA.
Eigentlich wollen wir noch einkaufen, denn gestern war´s zu spät, aber wir sind zu früh unterwegs - die Supermärkte haben noch geschlossen. Beide sind wir noch sehr müde und fahren quasi im Halbschlaf - die Landschaft zieht an uns vorbei, wir bekommen kaum etwas davon mit. Unterwegs gibt es keine richtige Gelegenheit einzukaufen - dann stehen wir vor der Abzweigung zu unserem nächsten Ziel - Inuvik in der kanadischen Arktis.  Der 732 km lange Highway nach Inuvik ist eine gut ausgebaute, auf Permafrost- Boden gebaute Schotterpiste, sie überquert als einzige Straße in Kanada den "Arctic Circle", den Polarkreis!
Es ist 3.00 nachmittags, und wir entscheiden uns, den Umweg nach Dawson City zu nehmen, um dort unserer Einkäufe zu erledigen und zu übernachten. Anschauen werden wir uns die originelle Goldgräberstadt auf dem Weg nach Alaska.

Dempster Highway
Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker, um 7.00 Uhr starten wir. An der Abzweigung zum Dempster gibt es eine Tankstelle, wir füllen noch mal die Tanks - die nächsten 370 km gibt es dazu keine Möglichkeit und die Spritpreise werden an dieser abgelegenen Strecke auch nicht gerade die günstigsten sein.
Die Landschaft entlang des Dempster Highways ist einfach traumhaft - endlose Sicht, Berge, Flüsse, kleine Seen, Wildblumenwiesen, Tundravegetation, wir sehen Elche... Eine Bilderbuchlandschaft, wie sie nicht schöner sein könnte. Mit 1300 m Höhe überqueren wir bald die höchste Stelle des Dempster Highways über den North Fork Pass.
Der Zustand des Highways ist bestens, anfangs eine feste Erdpiste ohne größere Schlaglöcher, später mehr Schotterstaße. Wir haben Glück mit dem Wetter, denn bei Regen weicht die erdige Oberfläche auf und wird ziemlich rutschig. Wir kommen rasch vorwärts - Geschwindigkeiten um die 100 km/h sind meist kein Problem. Plötzlich tauchen zwei bekannte Motorräder im aufgewirbelten Staub hinter uns auf - Mike und Pat aus Montreal, die wir in Whitehorse kennengelernt haben, sind ebenfalls auf dem Weg nach Inuvik. Wir verabreden uns in Eagle Plains, einem Roadhouse mit Campingplatz, strategisch gut gelegen, auf halbem Weg nach Inuvik.
Unsere Mittagspause fällt kurz aus - die Mosquitos plagen uns zu sehr. Etwa 100 km vor Eagle Plains wird die Piste schlechter: Es muß die letzte Zeit viel geregnet haben, denn die Oberfläche ist aufgeweicht und matschig. Auch die Schlaglöcher verlangsamen unsere Fahrt zunehmend. Eine schwarze Gewitterwolke hängt drohend am Himmel, aber wir haben Glück - die Straße macht jedes Mal kurz bevor wir sie erreichen, eine Kurve. Wir kommen rechtzeitig vor einem heftigen Gewitterregen in Eagle Plains an. Pat und Mike laden uns zu einem Kaffee ein, und wir warten gemeinsam bis das Gewitter vorbeigezogen ist. Eagle Plains besteht aus einer Tankstelle mit Reparaturwerkstatt, einem Hotel und Restaurant und Stellplätze für Wohnmobile und Zelte. Meist pfeift auf dem Eagle Plateau ein starker Wind, der uns eigentlich willkommen ist - denn er vertreibt die blutgierigen Stechmücken. Nach einem hastig eingenommenen Abendessen am Campingplatz flüchten wir in die Bar. Pat und Mike laden uns wieder ein - dieses Mal zum Bier trinken!
Wieder stehen wir sehr früh auf - das Wetter sieht etwas unbeständig aus, es könnte regnen und unsere Fahrt deutlich verlangsamen. In der Nacht hat es geregnet, anfangs ist die Straße für ein kurzes Stück extrem rutschig - wir fahren im Schritt-Tempo.
Loser Schotter und extremer Seitenwind macht uns zu schaffen, als wir die den Polarkreis erreichen. Nördlich des Polarkreises geht die Sonne im Sommer quasi nie unter, im Winter dagegen sieht man sie nie aufgehen! Wir halten für das obligatorische Foto und geniessen den Panoramablick auf die Richardson Mountains.
Der Schotter ist tief und die Windböen immer noch heftig, dann erreichen wir den nächsten Fotostop: Die Grenze Yukon - Nortwest Territories. Hier stellen wir unsere Uhren eine Stunde vor auf die sogenannte "Mountain Time". Hier überqueren wir auch eine Wasserscheide: Alle Gewässer im Westen fließen zum Pazifik, während das Wasser im Osten zum arktischen Ozean fließt.
Der "Peel River" kann im Sommer nur per Fähre überquert werden. Im Winter wird eine Eisbrücke über den Fluß gebaut. Hier treffen wir mal wieder unsere neuen Reisegefährten Pat und Mike. In Fort McPherson tanken wir - das Benzin ist vergleichsweise günstig, sogar billiger als in Dawson City! Auch am Mackenzie River gibt es hier eine kostenlose Fähre, im Winter wird dieser Fluß ebenfalls per Eisbrücke überquert. Ab hier wird die Strecke flacher, und schon bald erreichen wir Inuvik! In Inuvik stoßen zwei unterschiedliche Ureinwohner. Kulturen aufeinander: Die Gwichín aus den bewaldeten Bergregionen und die in den Küstenregionen beheimateten Inuvialuit. Inuvik zählt immerhin 3450 Einwohner, es gibt einiges zu sehen: Die Igloo- Kirche, deren Außenform einem Iglu nachempfunden ist, das "Community Greenhouse", Schrebergärten im Gewächshaus, und momentan findet das "Great Northern Arts Festival" statt. Lokale und Künstler aus aller Welt stellen hier ihre Kunstwerke aus, man kann ihnen bei ihrer Arbeit über die Schulter sehen.
Im Ort gibt es einen schönen und preiswerten Campingplatz "Happy Valley Campground". Pat und Mike treffen wir hier natürlich wieder, und wir lernen viele interessante Menschen kennen: Lou aus Washington D.C. ist für ein Jahr mit seiner KTM auf Tour, Katharina und Oliver aus Deutschland sind mit ihrem Hund und umgebauten Toyota für längere Zeit auf dem amerikanischen Kontinent unterwegs, und wir stoßen auf zwei Deutsche mit einem Unimog auf Weltreise, die schon 3 Wochen in Inuvik ausharren, weil sie auf ein Ersatzteil warten müssen. Abends sitzen wir lange um unser Lagerfeuer, immer mehr Leute gesellen sich dazu, es wird ein schöner Abend mit viel Gelächter und interessanten Geschichten. Natürlich wird es spät - wir haben vollkommen unser Zeitgefühl verloren - kein Wunder, wenn nachts um 12.00 Uhr noch die Sonne vom Himmel brennt...
Wir gönnen uns einen Ruhetag in Inuvik, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzusehen. Wir schlafen lange aus und frühstücken gemütlich. Dann bekommen wir Besuch vom Bürgermeister und einem Journalisten der örtlichen Zeitung: Sie bringen uns eine praktische Faltschüssel aus PVC, gefüllt mit vielen Souvenirs: T- Shirts, Aufkleber, Pins, Adressbuch, Kugelschreiber... Jede Woche wird der Titel "Tourist der Woche" verliehen, diese Woche sind wir es! Wir werden kurz interviewt, der Artikel erscheint dann in der nächsten Ausgabe der Inuvik- Zeitung. Sie wollen uns den Artikel sogar nach Deutschland senden - wirklich nett!
Wir nehmen unseren Laptop mit auf unsere Besichtigungstour, denn in der "Library" (Bücherei) gibt es "Wireless Internet Access", drahtlose Internetverbindung. Wir checken Emails, besuchen die Ausstellung des "Great Northern Arts Festival", die Iglu- Kirche und das "Greenhouse".
Heute geht´s früh ins Bett, denn morgen liegt der Rückweg auf dem Dempster Highway vor uns.
Wieder schmeißt uns der Wecker früh aus den Kojen, es ist windstill und dementsprechend viele Mosquitos schwirren um uns rum. Kurz vor Pat und Mike sind wir startbereit - die beiden werden uns sicher wieder unterwegs einholen. Wir haben nicht bedacht, daß die erste Fähre über den Mackenzie River erst um 9.30 Uhr geht - wir sind schon um 8.30 Uhr am Fluß und müssen daher eine Stunde warten. Wir sind wieder flott unterwegs, ohne daß wir es verabredet haben, fahren wir nun gemeinsam mit Pat und Mike. Wir sind schon um halb Eins mittags in Eagle Plains, eigentlich wollten wir hier wieder übernachten, aber... die Mücken, Zeit totschlagen... wir beschließen weiterzufahren und die gesamte Strecke nach Dawson City, also um die 770 km, an einem Tag zu bewältigen! Also wärmen wir uns kurz bei einem Kaffe in Eagle Plains auf - es weht ein ziemlich kalter Wind - und düsen weiter. Gegen 18.30 Uhr sind wir in Dawson City, ziemlich geschafft, aber glücklich.
Der Dempster Highway wird uns als einer der Höhepunkte unserer Reise durch Kanada in Erinnerung bleiben!

Dawson City
Im Herbst 1896 wurde das erste Mal grobkörniges Gold im Rabbit Creek, einem Seitenarm des Klondike Rivers, entdeckt. Durch den Permafrost war es im Winter zu schwierig an das Gold im Boden zu kommen, aber im folgenden Sommer verließen 60 Mann, in Lumpen gekleidet, die Gegend - mit einer Tonne Gold im Gepäck! Um die 100.000 Menschen machten sich bald auf den Weg, um in den abgelegenen Goldfeldern am Klondike nach Gold zu suchen - in der Hoffnung reich zu werden. An der Mündung des Klondike in den Yukon entstand die Stadt Dawson City, die bald zum Zentrum der Region wurde. Die Einwohnerzahl wuchs rasch auf 30.000 Menschen, sie war zu jener Zeit die größte Siedlung nördlich von San Francisco undwestlich von Winnipeg. Dawson City wurde "Paris des Nordens" genannt, die Atmosphäre glich einem Volksfest - das gefundene Gold wurde  gern in Alkohol und Glücksspiel umgesetzt... Neue Goldfunde in Alaska bereitete dem Boom der Stadt ein jähes Ende - 1906 schrumpfte die Einwohnerzahl auf 5000.
Noch heute erinnert viel an den Goldrausch - viele Gebäude sind erhalten und restauriert worden, neue Gebäude werden im alten Stil gebaut. Und es wird immer noch nach Gold gegraben - natürlich mit moderneren Mitteln...
Lou, den wir in Inuvik kennengelernt haben, ist später los, aber schafft die Strecke nach Dawson ebenfalls an einem Tag. Auch er lässt sich auf dem gleichen Campingplatz nieder. Wir kaufen Steaks und Bier und grillen am Lagerfeuer.
Danach geht´s in´s "Diamond Tooth Gerties Casino". Das Casino ist nach Diamond Tooth Gertie benannt, einer der "Königinnen" der Goldrausch- Tanzhallen. Sie hatte sich einen Diamant in einen Schneidezahn einsetzen lassen, um sich von den anderen Tänzerinnen zu unterscheiden. Auch heute werden Tanzshows vorgeführt, und wir fühlen uns wirklich versetzt in alte Zeiten.
Wir lernen Wakia- toh kennen, dessen indianischer Name "Blue Thunder", blauer Donner bedeutet, und der deshalb einfach nur Blue genannt wird. Er stammt von den sogenannten "goat people", Ziegenmenschen ab, die so heißen, da sie in den Bergen wohnen - die Heimat der Bergziegen. Blue war im Vietnam- Krieg, er erzählt, daß er zehn Jahre gebraucht hat,  die schrecklichen Bilder aus seinem Kopf zu vertreiben. Er ist vor ein paar Jahren von British Columbia hierhergezogen, er arbeitet auf dem Campingplatz, will aber nebenher anfangen, Gold zu waschen. Von ihm lernen wir, einen "emergency stove", einen Notfall- Kocher aus drei Getränkedosen herzustellen. Er erzählt von seiner Kindheit - er ist nicht bei seinen Eltern aufgewachsen, sondern wurde von den Großeltern erzogen, da die Ältesten seines Stammes ihn als etwas Besonderes ansahen und ihn traditionell erziehen lassen wollten - er wurde mit all dem Wissen der Alten ausgestattet! Er erzählt uns, wie er mit Tieren kommuniziert, vom "Sun dance", dem Sonnentanz, bei dem 23 Stunden pro Tag ohne Wasser und Nahrung in Trance getanzt wird, von den scharfen Haken, die von Seilen vom Baum hängen, und an denen sie ihre Körper aufhängen... Aber er lebt auch in der modernen Welt, er hat eine junge, hübsche Freundin, trinkt gern Bier und ist eigentlich ein ganz normaler, sehr netter Kerl!

Top of the World Highway
Nach zwei Tagen in Dawson City brechen wir auf Richtung Alaska. Wir verabreden uns mit Pat und Mike in Chicken, einem kleinen Nest in Alaska. Lou bleibt noch ein paar Tage in Dawson - am Wochenende findet ein "Music Festival" statt. Blue schenkt uns zum Abschied eine Kasette mit Originalmusik von einem Sonnentanz, wir tauschen Email- Adressen aus.
Wir überqueren zunächst den Yukon River mit einer Fähre. Im Winter wird der Fährbetrieb - logischerweise - eingestellt, der Top of the World Highway und somit auch der kleine Grenzübergang nach Alaska sind im Winter geschlossen. Wir machen einen kurzen Abstecher Richtung Golfplatz - von den Hügeln hat man einen tollen Überblick über Dawson City und den Yukon River.
Der geteerte Abschnitt auf der kanadischen Seite des Top of the World Highway wird immer wieder unterbrochen von kurzen Schotterpassagen, und die tiefen Schlaglöcher erfordern erhöhte Aufmerksamkeit. Aber so schlecht, wie er uns beschrieben wurde, ist er dann auch wieder nicht. Die Straße führt in Kurven entlang eines Bergkamms, mit Aussicht auf bewaldete Berge und Täler auf beiden Seiten. In der Ferne taucht ein Häusschen an der Straße auf - das ist der Grenzposten zu den USA - zu Alaska! Ein kurzer Blick in unsere Pässe: Ah, Ihr müsst ein neues Formular ausfüllen, keine einzige Frage wird uns gestellt, ehe wir´s versehen, haben wir den schönen Stempel im Paß und dürfen passieren - wir sind in Alaska!

Zum nächsten Reisebericht


[Zurück zur Übersicht]