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Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Mexiko/ Teil 2

 

Mazatlan - Durango - Zacatecas - Guanajuato - Queretaro- Oaxaca - Chiapa de Corzo

30. Oktober - 14. November 2006

Gefahrene Kilometer: 2883 km
Strecke: Mazatlan > 40, 45 Palmito, Durango, Sombrerete, Fresnillo, Zacatecas > 49, 51, 110, 111, 57 Guadalupe, Pinos, Ojuelos de Jalisco, Ocampo, San Felipe, Dolores, Guanajuato, Dolores, San Miguel de Allende, Queretaro > 45, 55, 95, 115, 190 Acambay, Toluca, Cuernavaca, Tepoxtlan, Atlatlahuacan,Amecameca, Paso de Cortez, Atlixco, Izucar de Matamoros, Acatlan, Oaxaca, Tehuantepec, Juchitan, Tuxtla Gutierrez, Chiapa de Corzo, San Cristobal de las Casas, Comitan, Grenze Guatemala
Übernachtungen: Klick hier!

Durango
Die Hitze schon so früh am Morgen erschlägt uns fast - es ist eine tropische feuchte Hitze, und wir sind froh, dass es gleich in die Berge geht.
Die Strecke nach Durango hält was sie verspricht - in Hunderten von Kurven schlängelt sie sich die Berge hinauf auf 2800 Meter Höhe mit atemberaubendem Panoramablick - nur schade, dass teilweise der Nebel im Tal hängt.
Die Vegetation ändert sich, je höher wir kommen - vom üppig grünen Regenwald auf Meereshöhe zu ausgedehnten Pinienwäldern in den Bergen. Hier oben auf dem Hochplateau lässt‘s sich‘s gut aushalten - es ist angenehm kühl. Wir geniessen die Landschaft um uns herum, dabei müssen wir aber höllisch aufpassen - Lkw‘s schießen um die Kurven und benutzen gleich beide Fahrspuren, Esel, Kühe und Pferde tummeln sich auf der Strasse, fiese Schlaglöcher lauern auf uns, ein LKW- Reifen liegt hinter einer Kurve mitten auf der Strasse. Nach einem tollen Fahrtag kommen wir in Durango, unserem heutigen Ziel an. Wir werden an einer Ampel gleich von einem mexikanischen Zahnarzt auf Englisch angesprochen. Er fragt, was wir suchen, wir antworten, dass wir campen wollen. Er bedeutet uns ihm zu folgen, wir fahren in die Altstadt. Aber er hat uns falsch verstanden, er meinte wir würden eine Kirche suchen! Wir klären ihn auf, er schüttelt aber den Kopf - hier in Durango gibt es keine Möglichkeit zu zelten, aber er weiß uns ein sehr günstiges Hotel mitten in der Altstadt. Der Tip war genial, das Hotel Gallo kostet nur 120,- Pesos die Nacht, wir können unsere Motorräder sicher im Innenhof des Hotels parken.
Begeistert schlendern wir durch die belebten Gassen der Altstadt, bestaunen die Kathedrale, beobachten das bunte Treiben und bummeln durch die Läden. Wir kaufen in einem Supermarkt ein und können uns in der großen Bäckereiabteilung kaum entscheiden, welche Leckereien wir nun mitnehmen. Hier geht‘s sehr sauber zu - jeder Kunde schnappt sich ein Tablett und eine Zange, nimmt sich was er kaufen will, und Angestellte mit Handschuhen, Haarnetz und Mundschutz packen die süße Stückchen und Brötchen einzeln und liebevoll ein - ein Schlaraffenland!!

Zacatecas
Der Weg nach Zacatecas führt durch hübsches Acker- und Weideland auf über 2000m Meereshöhe. Immer wieder passieren wir auch Kakteenplantagen - aus der Kaktusfrucht „Tuna“ wird ein Saft hergestellt, der mit Tequila gemixt, sehr lecker und erfrischend sein soll. 60 km vor Zacatecas kommen wir plötzlich auf eine Privatstrasse, die Maut kostet - es ärgert uns, dass Motorräder das gleiche kosten wie Autos. Insgesamt müssen wir fast 70,- Pesos berappen...
In Zacatecas angekommen, fragen wir im erstbesten Hotel nach den Zimmerpreisen. 650,- Pesos ist uns aber zuviel, also fahren wir in die Altstadt, parken an der schönen Kathedrale und machen uns zu Fuß zur Tourist- Information auf.
Bevor wir nach Mexiko kamen, hätten wir nicht gedacht, dass wir hier einmal unsere Motorräder alleine auf der Strasse lassen würden, aber wir fühlen uns bisher sehr sicher. Das liegt bestimmt vor allem daran, dass die Mexikaner zwar interessiert an uns und unseren Motorrädern sind, aber uns immer aus respektvollem Abstand bestaunen. Keiner betatscht die Mopeds, niemand versucht auf die Motorräder zu sitzen, wie wir es schon in anderen Ländern erlebt hatten. Natürlich schließen wir trotzdem alles ab, die Helme ebenfalls oder wir nehmen sie mit - Gelegenheit macht Diebe, überall auf der Welt...
In der Tourist- Info bekommen wir eine Liste der Hotels mit Preisen, wir kreuzen an, was in Frage kommt, und das nette Mädchen zeichnet uns die zentrumsnahen Hotels in die kostenlose Stadtkarte ein, außerdem gibt es gratis Internetzugang - ein wirklich guter Service hier! Das erste Hotel, das wir uns anschauen, nehmen wir auch. Es ist klein, direkt im Zentrum, der schmale Gang allerdings zu schmal für unsere Motorräder - die müssen auf der Strasse bleiben. Trotzdem entscheiden wir uns für das kleine Hostal del Rio. Wir haben keine Lust auf die zeitraubende Suche nach einem anderen Hotel mit Parkmöglichkeit, die Zimmer im Keller sind urig, sauber und hübsch, und der Preis mit 275,- Pesos angemessen. Also schließen wir alles ab, sichern die Motorräder mit unseren Alarm- Bremsscheibenschlössern „Xena“ und sind froh, dass wir die Abdeckplanen in den USA gekauft haben. So sieht man zwar, dass ein Motorrad unter der Plane steckt, aber nicht was für eins, und es wird sich wohl hoffentlich keiner trauen, darunter zu gucken...
Zacatecas ist die berühmteste und reichste der mexikanischen Silberstädte und trug einen guten Teil zum spanischen Reichtum der frühen Neuzeit bei. Die Stadt ist für ihre koloniale Architektur bekannt; die Kathedrale ist in einem üppigen spätbarocken Stil gebaut. Über der Stadt gibt es den „Cerro de la Bufa„, ein beliebter Aussichtspunkt, zu dem eine Seilbahn führt. Wieder wandern wir durch die Gassen und freuen uns über die schönen Gemäuer und die hübschen Souvenirläden bevor wir müde ins Bett fallen.

Guanajuato
Bevor wir auf unserem Zimmer frühstücken, werfen wir einen Blick raus - die Motorräder stehen noch! Es dauert eine Weile bis wir aus den verwinkelten Gassen der Altstadt herausfinden. Die schmalen Strassen sind alle Einbahnstrassen, die Verkehrsführung verwirrend, die Beschilderung mehr als dürftig. Dann sind wir zunächst auf einer vierspurigen Autobahn unterwegs, anschliesend biegen wir auf ein ruhiges Landsträßchen ab.
Die Landschaft ähnelt der gestern, große Yukka- Palmen, die eher aussehen wie Bäume, Kakteen, weite Felder und Weiden, wir passieren Eselkarren, die Heu transportieren. Wir sind immer noch auf 2000 m Höhe unterwegs, es ist angenehm, im Laufe des Tages wird es sogar heiß.
Eine tolle Kurvenstrasse führt nach Guanajuato, wieder eine legendäre Silberstadt der spanischen Kolonialzeit. Die wunderschöne Stadt sehen wir schon von oben, sie liegt in einem verwinkelten Gebirgstal. Das erstbeste Hotel nehmen wir, obwohl es satte 350,- Peso kostet. Das Gute an dem Hotel ist, dass es zentrumsnah ist, wir aber nicht in die Altstadt reinfahren müssen - keine Lust, am nächsten Morgen wieder eine dreiviertel Stunde im Schritt-Tempo durch die Gassen zu fahren, um herauszufinden. Positiv ist auch der sichere Platz für die Motorräder im geräumigen Keller, der zur Tiefgarage umfunktioniert wurde. Heute wollen wir unsere Motorräder nicht unbedingt auf der Strasse parken, denn es ist der 1. November und morgen ist Fiesta, also wird heute nacht viel los sein auf den Strassen. Die Fiesta heißt „Dia de los Muertos“, Todestag, und wird in Mexiko ganz groß gefeiert mit Besuchen auf den Gräbern der Verstorbenen. Die Hinterbliebenen bauen einen Hausaltar, bringen dem Toten Blumen, seine Lieblingsspeisen und -getränke und es herrscht eine frohe Stimmung mit Musik und Tanz auf den Friedhöfen. Hier wird der Katholizismus mit Urglauben vermischt.
Heute, am Vortag ist ebenfalls Fiesta - am „Dia de Todos Santos“, Allerheiligen, wird den verstorbenen Kindern gedacht. Sie werden „Angelitos“ genannt, denn es wird geglaubt, dass sie automatisch zu Engeln werden...
Es ist die Hölle los in der Altstadt, die Menschen drängen sich um die bunten Verkaufsstände, kaufen Blumensträuße, Totenköpfe aus Zuckerguss oder Totenmasken und Kürbisköpfe aus Plastik, dazwischen duften Essensstände verlockend. Es ist Tradition, dass Kinder sich an diesem Tag verkleiden, meist als Skelett, Vampir oder blutiges Unfallopfer, oder auch als Hexe oder Clown. Sie streifen durch die Gassen und betteln an den Verkaufsständen um Süßigkeiten.
Es ist ein quirliges Treiben und eine tolle Atmosphäre, wir fühlen uns wohl, es ist friedlich trotz der Menschenmassen und uns fällt auf, dass es keinen einzigen Betrunkenen gibt. Die Stadt gefällt uns sehr gut, es gibt unzählige Kirchen, alte Kolonialhäuser, schöne Parks, viele Straßencafes mit Charme und gepflegte Plätze.

Queretato
Tommy schläft gut mit seinen Ohrenstopfen, Rosa allerdings wacht jedes Mal auf, wenn ein Hupkonzert unterm Fenster ankündigt, dass wieder mal einer in die verschlossene Tiefgarage fahren will. Nachts unterhalten sich ein paar Jungs lauthals, ebenfalls unterm Fenster, morgens um halb sechs gehen die Rolltore der ersten Läden hoch... Dann geht‘s auch noch ohne den morgendlichen Kaffee los - es gibt kein heißes Wasser im Hotel, da das Restaurant geschlossen ist, und den Benzinkocher holen wir auch nicht mehr aus der Tiefgarage.
Kein guter Start in den Tag - Rosa ist müde, schlecht gelaunt und streitsüchtig. Das legt sich erst als wir kurz vor Queretaro halten, um uns auszusprechen.
Wir sind in Queretaro von einer Familie aus Deutschland eingeladen, und es ist nicht gut mit miesepetriger Miene dort einzutreffen...
Wir werden herzlich empfangen - es stellt sich heraus, dass Tommy sowohl Carmen als auch Dirk vom Sehen her kennt - Carmen ist Glottertälerin, Dirk ist in Denzlingen aufgewachsen, so gibt‘s viel zu erzählen. Carmen und Dirk haben in Deutschland geheiratet, und die Tochter Shannon kam dort auf die Welt. Dann zogen sie in die USA, blieben für zwei Jahre, kehrten nach Deutschland zurück und sind nun seit einem Jahr in Mexiko, wo Dirk die Produktion für eine deutsche Firma aufbaut. Wir finden hier ein Stückchen Heimat bei Carmen und Dirk und werden über‘s Wochenende bleiben. Hier haben wir die Gelegenheit die Reifen zu wechseln, die Webseite zu aktualisieren und etwas auszuspannen, bevor es weiter in Richtung Süden geht.
An einem Abend laden Carmen und Dirk uns zu einem feinen Restaurant in die Altstadt Queretaros ein, wo wir das typisch mexikanische und sehr leckere Gericht "Molcajete" kennenlernen. Das Gericht besteht aus einer Art Gulasch, das zusammen mit Lauchzwiebeln, Kaktusblättern und der pikanten Salsa- Sosse gegart und im hübschen Steintopf serviert wird.
Am naechsten Abend sind Freunde und Arbeitskollegen von Dirk eingeladen: Thomas aus Haslach im Kinzigtal und Matthias aus Villingen mit seiner mexikanischen Freundin Yael. Der Abend ist sehr lustig, Tequila fliesst bis zum Abwinken, besonders für Matthias und Carmen, die sich gegenseitig fuer eine Wette unter den Tisch trinken wollen - Carmen gewinnt ganz knapp...
Am letzten Tag in Queretaro laden uns Carmen und Dirk wieder zum Essen ein - wir haben keine Chance zu bezahlen. Wir fühlen uns so wohl bei unseren Gastgebern und würden uns am liebsten länger einnisten, aber die Reise geht weiter... Carmen stattet uns mit Kostbarkeiten aus - Puddingpulver, Vanillezucker, Backpulver, Sossenpulver... alles so Dinge, die wir schon seit Ewigkeiten nicht mehr kaufen konnten und doch so vermisst haben...

Zum Popacatepetl
Von Carmen und Shannon verabschieden wir uns am Morgen, Dirk ist uns zu früh aufgestanden (ca. 4.30 Uhr...), aber die Firma liegt auf unserem Weg, und wir halten dort noch mal an, um “Adios” zu sagen.
Anfangs nehmen wir die Autobahn, teilweise ist sie wieder kostenpflichtig, dann geht’s wieder auf der normalen Landstrasse weiter. Die gefällt uns eigentlich besser, ist aber nerviger, da sie durch mehr Ortschaften führt. Nervig, weil wir alle paar hundert Meter eine ziemlich hohe Bodenschwelle (genannt Tope) überwinden müssen. Das geht nur im ersten Gang und ganz langsam, sonst setzen selbst unsere Motorräder auf. Diese Bodenschwellen werden eingesetzt, da Verkehrsregeln hier in Mexiko grundsätzlich niemals befolgt werden. Somit sind die Bodenschwellen die einzig wirksame Weise, zu schnelles Fahren durch Ortschaften zu verhindern!
In Toluca verirren wir uns hoffnungslos - kein Schild weist uns den richtigen Weg, wir fragen mehrmals und nutzen das GPS als Kompass (detaillierte Karten von Mexiko bzw. Zentral- und Südamerika für’s GPS gibt’s ja leider nicht...), um aus der Stadt zu finden.
Es ist ein sehr anstrengender Tag, wir verfahren uns mehrmals, und wir sind das Reisen nach fünf Tagen Pause schon nicht mehr gewohnt. Die Strecke ist nichts Besonderes, erst kurz vor Cuernevoca wird’s kurvig und schön, als wir einen Pass mit 3100 m Höhe überwinden. Es ist schon relativ spät, da oben ist’s kühl, und bald wird’s dunkel - es wird Zeit, dass wir eine Unterkunft finden. Wild zelten kommt hier auch in Frage, aber wir finden einfach keine Stelle, die von der Strasse aus nicht gesehen werden kann.
In einem Vorort von Cuernevoca weist ein Schild auf ein Motel hin, es ist versteckt in einer schmalen Gasse - das wird wohl so eine Hütte sein... Aber das Motel sieht gut aus, jedes Zimmer hat eine eigene Garage mit Vorhang. Das Zimmer kostet 200,- Pesos, alles klar. Wir sind ein bisschen verwundert, als es heißt, wir müssten Punkt 8.00 Uhr morgens raus, aber na gut. Als wir das Fernsehprogramm durchklicken und um 8.00 Uhr abends ein Porno zu sehen ist, geht uns ein Licht auf. Das ist kein Fernsehprogramm, sondern ein Video, und wir sind in einem Stundenhotel gelandet! Das stört uns eigentlich recht wenig, im Gegenteil - es ist sehr sauber, und es ist gut, dass wir eine Garage haben. Tommy benützt mal wieder die Ohrenstopfen, um die eindeutigen Geräusche um uns herum nicht zu hören, Rosa ist so müde, dass sie trotzdem gut schläft.
Da wir früh aus dem Motel müssen, sind wir dementsprechend zeitig unterwegs. Wir haben uns vorgenommen, noch mehr nach dem Weg zu fragen - lieber einmal zuviel gefragt, als stundenlang umherzuirren! An einer Tankstelle halten wir, und sofort werden wir von Sergio angesprochen - er möchte ein Foto von uns machen. Klar, gerne! Er selbst ist ebenfalls Motorradfahrer, ein Freund von ihm hat auch eine BMW, mit der er schon bis nach Argentinien gefahren ist. Er gibt uns seine Visitenkarte - wenn wir BMW- Ersatzteile brauchen, kein Problem! Er hat gute Kontakte zum BMW- Händler in Mexico City. Außerdem gibt er uns die Wegbeschreibung für den Weg aus der Stadt in Richtung des Vulkanberges Popocatepetl, den wir uns heute anschauen wollen.
Der Weg zum “Popo” ist klasse, den Abzweig den Berg hinauf finden wir wieder nur durch Nachfragen. Eine Militärkontrollstelle am Fuß des Vulkanes stoppt uns, wir müssen unsere Ausweise vorzeigen. Die Daten werden aufgenommen, wir werden gefragt, wohin wir fahren wollen, alles wird genau notiert - wahrscheinlich für den Fall, dass der Vulkan ausbricht... Oben auf dem fast 3700 m hohen Pass sind wir recht schnell, leider ist der 5414 m hohe Popocatepetl und sein Schwestervulkan gegenüber Iztaccihuatl (5268 m) in Wolken gehüllt. Dann geht’s steil runter auf einer holprigen, teils sandigen Erdstrasse nach Cholula.

Schöne Zwangspause in Izucar de Matamoros
In Izucar de Matamoros holpern wir mal wieder über zahllose Geschwindigkeitsbegrenzer - das nervt! Rosa merkt, dass irgendwas mit ihrem Kälbchen nicht stimmt - es kommt nach den Hubbeln gar nicht mehr richtig in die Gänge. Sofort gibt sie Tommy Bescheid, aber auf der vierspurigen Strasse können wir nicht anhalten. Es wird immer schlimmer, beide bemerken wir dann, an was es liegt: Tommy sieht, dass die Vorderbremse vor Hitze qualmt, Rosa spürt, dass die Bremse dauerblockiert! Die erstbeste Möglichkeit zu halten ist eine Tankstelle. Zuerst einmal schütten wir unseren kompletten Wasservorrat über die glühende Bremse, es zischt nur so! Dann baut Tommy die Bremsbacken aus, um zu sehen, ob die Kolben festsitzen. Immer wieder öffnet er das Entlüftungsventil am Bremssattel, damit der Druck entweichen kann, aber der Fehler liegt nicht am Bremssattel.
Inzwischen ist fast keine Bremsflüssigkeit mehr im Vorratsbehälter. Glücklicherweise gibt es überall Auto- Zubehörläden, wo wir die Bremsflüssigkeit bestimmt herbekommen. Beim ersten hat Rosa kein Glück, beim zweiten gerät sie an Jorge. Er hat die richtige Bremsflüssigkeit auch nicht da, hier ist DOT 3 üblich, wir verwenden DOT 4. Aber Jorge ist sehr hilfsbereit, er telefoniert ein paar Mal, um schließlich einen halbvollen Behälter ausfindig zu machen - sein Bruder verwendet für sein Motorrad ebenfalls das DOT 4. Er schwingt sich auf seinen Roller und ist nach 10 min wieder da. Ein guter Geschäftsmann ist er nicht, oder er ist einfach nur nett - er verlangt nur ein paar Pesos für die Flüssigkeit.
Tommy versucht währenddessen immer noch in der prallen Mittagssonne die Fehlerquelle einzugrenzen. Er vermutet, dass es der Handbremszylinder ist, aber um sicherzugehen, will er den Zylinder von seinem Motorrad an Rosa’s Dakar schrauben. Es ist aber schon 4 Uhr nachmittags, da wir eh nicht weiterkommen heute, sollten wir uns erst eine Bleibe suchen.
Wir fragen Jorge - er beschreibt den Weg zu einem Motel. Auch will er uns morgen helfen, das Motorrad zu reparieren. Mal sehen - wir hoffen, dass wir es alleine hinkriegen. Während Tommy sein Werkzeug zusammenpackt, macht sich Rosa zu Fuß in Richtung Motel auf - sie will das Motel zuerst anschauen und auch den Weg kennen, den sie dann mit ihrem Moped ohne Vorderbremse fahren soll. Es ist heiß, der Weg zu Fuß recht lang, unterwegs entdeckt sie ein kleines Schild “Hotel el Oasis”. Das Zimmer ist einfach, sieht aber sauber aus, es gibt einen Innenhof für die Motorräder, der Preis von 120,- Pesos ist günstig, und das Motel von Jorge ist noch recht weit weg. Also zurück zur Tankstelle, auf die Mopeds, langsam und vorsichtig tuckern wir zum Hotel.
Der zweite Blick ins “Hotel”zimmer ist etwas genauer - es ist nicht nur alt und vergammelt, sondern auch schmutzig. Wir wollen gar nicht wissen, wie viel Menschen in dem Bett geschlafen haben, seit es “frisch” bezogen wurde... Wir sind ja einiges gewohnt und auch hart im Nehmen, aber ein sauberes Bett wäre doch schön! Als ob Jorge es geahnt hätte - er ist uns nachgefahren. Er fragt uns, ob wir nicht doch zum Motel wollen, wir aber haben schon bezahlt und sind gerade dabei unser Gepäck vom Motorrad zu laden. Kein Problem, er redet mit den Leuten - sie würden uns das Geld schon zurückgeben. Wir aber haben die Schnauze voll für heute - für eine Nacht wird’s schon gehen.
Jorge, der gut Englisch spricht, weil er ein paar Jahre in den USA gearbeitet hat, bietet uns an, mit uns zum Motel zu fahren, um es uns anzuschauen - dann können wir morgen umziehen. Wir verabreden uns für später, denn Tommy will zuerst versuchen, das Motorrad zu reparieren oder zumindest den Fehler herauszufinden. Klar ist, dass irgendwas kaputt ist und wir wahrscheinlich ein Ersatzteil brauchen - also werden wir wohl mindestens für ein paar Tage hier bleiben müssen.
Tommy wechselt also die Bremszylinder und siehe da, die Bremse an Rosa’s Moped geht wieder. Also muss ein Reparatur- Satz für den Zylinder oder ein kompletter Handbremszylinder her! Morgen...
Jorge kommt pünktlich und wir tuckern im Dunkeln hinter ihm her. Es ist alles andere als lustig im Dunkeln in Mexiko zu fahren - Straßenhunde, Radfahrer und sogar Autos ohne Licht tummeln sich auf der Strasse, und es wird trotzdem so schnell gefahren wie am Tage....
Das Motel ist weitaus besser als unsere Absteige - zwar ebenfalls ein Stundenhotel, aber wir haben mit dem letzten nur gute Erfahrung gemacht - sauber, eigene Garage und 24 Stunden- Bewachung. Jorge handelt einen guten Preis für uns aus - normalerweise kostet das Zimmer für 12 Stunden 200,- Pesos, wir bekommen es für’s gleiche Geld aber für 24 Stunden. Also gut - das erste, was morgen ansteht ist umziehen!
Wir verabschieden uns von Jorge und verabreden uns mit ihm für morgen. Wir trinken beide noch zwei Corona, damit wir gut schlafen können, dann fallen wir müde ins durchgelegene Bett. Sind wir froh, dass wir die Cocoon- Schlafsackinletts haben, so dass wir nicht auf das schmutzige Leintuch liegen müssen... Tommy muss nachts aufs Klo und tritt eine Riesen- Kakerlake tot - als er sie am nächsten Morgen Rosa zeigen will, ist sie weg... Scheinbar waren die Kakerlaken- Kollegen schon da und haben aufgeräumt... Nix wie weg von hier!
Nach dem Umzug ins Motel fahren wir mit dem kaputten Bremszylinder im Gepäck zu Jorge’s Autozubehör- Teilehandel. Wie er uns später erzählt, gehört der Laden seinem Vater, aber er ist am Umsatz beteiligt, weil es sein Job ist, Teile, die nicht lagernd sind, zu organisieren. Jorge hat sich tatsächlich heute freigenommen, um uns zu helfen. Nicht, um Geld zu verdienen, sondern einfach aus Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft!
Als erstes zeigt er uns den Weg zum Internetcafe. Dort wollen wir die Original- Teilenummer vom Reparatursatz herausfinden und die BMW- Händler in der Umgebung. In Puebla ist der nächste, dann erst wieder in Mexico City. Jorge ruft in Puebla an - der Reparatursatz ist nicht vorrätig, auch kein kompletter Bremszylinder. Lieferzeit daher: 20 Tage!! Jorge bietet uns an, uns ins etwa 60 km entfernte Puebla zu fahren, um vor Ort nach einem passenden Zylinder zu suchen.
Tommy hat eine andere Idee - er schaut sich die Bremsen der 125 ccm- Roller, die hier sehr gängig sind, an. Es sind teilweise ebenfalls Vierkolben- Bremszangen, da müsste der Bremszylinder ebenfalls irgendwie passen. Also klappern wir die verschiedensten kleinen Shops ab und siehe da - einer hat doch tatsächlich eine komplette neue Bremse da. Er ist bereit, uns das “Gute Stück” (Made in China) ohne die Bremszange für 450,- Pesos zu verkaufen. Er nimmt’s auch wieder zurück, falls es nicht passen sollte. Super!! Wir dachten schon, wir würden hier für 3 Wochen festhängen!!
Jorge fragt uns, ob wir Hunger haben. Ja, haben wir. Also fahren wir zum Taco- Stand, genießen die leckeren mit Fleisch gefüllten Fladen. Bezahlen ist ausgeschlossen, die Rechnung will er ums Verrecken übernehmen! Wir erfahren mal wieder, dass gerade in ärmeren Ländern die Gastfreundschaft um so größer ist.
Uns drängt es nun zurück zum Motel - wir wollen sehen, ob der Bremszylinder an Rosa’s Moped passt, aber wir verabreden uns für abends mit Jorge - wir wollen ihn als Dank für seine Hilfe zum Essen einladen.
Tommy bastelt das Ding an Rosa’s Moped und macht eine ausgedehnte Probefahrt - es funktioniert! Auf Dauer vertrauen wir allerdings nicht auf die chinesische Bremse - wir werden uns den Reparatur- Kit für die Originalbremse noch kaufen.
Wir haben uns dummerweise erst für 8.00 Uhr abends mit Jorge verabredet. Eigentlich haben wir keine Lust mehr, wir sind müde und geschafft. Verabredet sind wir bei Max’ (Jorge’s Vater) Autoteileladen.
Nun erfahren wir, dass Jorge in diesem Haus lebt. Er bittet uns herein, und wir stehen vor einem riesigen Hausaltar, der seiner Mutter gewidmet ist. Der Hausaltar ist in einem kleinen Zimmer ohne Türe, die Wände sind voll mit Erinnerungsphotos von seiner Mutter und mit Jesusbildchen und Kreuze. Das riesige Hochzeitsphoto ist in einem beleuchteten Bilderrahmen gerahmt, Plastikblumen zieren den Schrein, davor steht eine Gebetsbank.
Jorge erzählt uns die tragische Geschichte von dem Tod seiner Mutter: Vor 16 Jahren kamen Banditen aus den umliegenden Dörfern zum Elternhaus, um seine Mutter zu entführen, um anschließend Lösegeld zu erpressen. Jorge schnappte sein Gewehr, um das zu verhindern, rannte aus dem Haus und wurde von zahlreichen Schüssen niedergestreckt. Die Banditen brachten seine Mutter noch vor der Haustüre um, er selbst konnte sich schwerst verwundet ins Haus retten. Er zeigt uns seine Schusswunden (10 Stück insgesamt, im Rücken und an den Beinen), der Schenkel wurde durchschossen, und nur knapp konnte sein Bein vor einer Amputation gerettet werden. Er meint, dass die Zeiten seither viel besser geworden sind - seine Familie fürchtet sich nicht mehr...
Wir fragen Jorge, wo er gerne zum Essen gehen würde. Er antwortet, dass sein Vater Max uns zu sich nachhause einlädt. Also zu Max! Wir hätten nie vermutet, so einen schönen friedvollen Ort hinter einem schmalen einfachen Tor an der lärmenden Hauptstrasse vorzufinden. Der Weg zum Haus führt an einem flutlichtbeleuchteten und mit Palmen gesäumten Fußballplatz vorbei. Der Garten ist riesig und beherbergt alle mögliche Arten von Zitrusfrüchten - ein Paradies!
Max führt uns stolz durch das weitläufige Gelände, gibt uns süße, leckere Früchte vom Baum zum Probieren, die wir nie zuvor gesehen haben. Er bietet uns ein kleines Häusschen zum Schlafen an - es wird nicht mehr benutzt, aber ein Bett steht drin, und es gibt ein Badezimmer. Und er würde jemanden kommen lassen, um es sauber zu machen! Wir lehnen ab, obwohl es sehr reizvoll wäre hier ein paar Tage zu verbringen, aber wir wissen genau, dass wir dann Vollpension hätten, und nichts bezahlen dürften. Und genau das wollen wir nicht. Zwar scheint es, dass seine Familie etwas wohlhabender ist als manch andere, aber reich sind sie bestimmt nicht. Wir wollen nicht, dass sie sich selbst was vom Mund absparen müssen, um uns zu verköstigen!
Max stellt uns stolz seine "neue" Familie vor. Er hat wieder geheiratet, zusammen mit der 25 Jahre jüngeren Martha hat er drei Kinder: Paty, Max Alfonso und Juan Pablo, genannt nach dem letzten Pabst Johannes Paul II. Die Familie ist streng gläubig - Max zeigt uns Bilder von einer Osterprozession, bei der er Jesus spielte. Er trug das Kreuz, an das er dann gebunden wurde (zum Glück nicht genagelt...), das Blut, das vom Kopf tropfte war sein’s, kam aber nicht von der Dornenkrone, die er trug, sondern die Wunden wurden ihm fachgerecht und unter sterilen Bedingungen von einem Arzt zugefügt.
Martha lässt Tacos kommen, es gibt Bier, und wir verbringen einen super Abend bei dieser netten und lustigen Familie. Eigentlich könnten wir am nächsten Tag schon weiter, aber wir entscheiden, doch noch einen Tag zu bleiben. Morgen treffen sich Freunde von Max und Jorge zum Fußballspielen und Tommy ist eingeladen mitzumachen!
Jorge freut sich, dass wir noch bleiben, und nimmt sich den nächsten Tag kurzerhand wieder frei. Wir wandern durch die Gassen der Altstadt, Jorge kauft uns ständig irgend etwas zu Essen, ob es Früchte sind, die wir nicht kennen, oder andere leckere Dinge vom Straßenstand. Seine Familie ist sich einig: Wir sind zu dünn, uns muss man aufpäppeln! Jorge lotst uns durch die schmalen Gänge des überdachten Markts zu einem der vielen Essensstände. Dort bestellt er für uns “Cecina” ein leckeres Fleischgericht. Das Rindfleisch ist ganz dünn geschnitten und gegrillt und wird hier mit Salat und frisch gemachten Tortillas serviert. Auch hier haben wir absolut keine Chance zu zahlen...
Wir finden ein Fotogeschäft, das Fotos von Digitalkameras machen kann und lassen das Foto, das wir am Vorabend bei Max mit Selbstauslöser gemacht hatten, für Max und Jorge ausdrucken.
Tommy hat viel Spaß beim Fußballspiel, aber verausgabt sich total - kein Wunder, denn die letzten 19 Monate hat er fast nur sitzend auf dem Motorrad verbracht... Das Spiel dauert ziemlich lange, es ist erst zu Ende nachdem eine Mannschaft 10 Tore geschossen hat! Danach gibt’s wieder Tacos, Bier und einen lustigen Abend bei Max, Jorge und der Familie. Zum Abschied bekommt Rosa ein Armbändchen von Paty, der 14jährigen Tochter geschenkt. Sie ist traurig, dass wir wieder fahren - beim Abschied hat sie Tränen in den Augen! Tommy bekommt von Max einen Schlüsselanhänger mit Bild - das Bild zeigt Max als Jesus. Morgens fahren wir noch mal bei Jorge vorbei, um Adios zu unserem mexikanischen Freund zu sagen. Er gibt uns tatsächlich einen Sack mit leckeren süßen Teilchen und Brötchen mit!! Jaja, wir sind zu dünn...

100.000 km
Die Strecke nach Oaxaca ist ein Traum! Die Gegend ist wenig besiedelt, die Landschaft abwechslungsreich. Palmen wechseln sich mit Kakteen ab, alles ist grün, dann schlängelt sich die Strasse durch rote Felsen.
Wir halten an für einen ganz besonderen Moment: Unsere Kilometerzähler stellen sich um auf 0 - sie haben nun 100.000 km gelaufen, ohne größere Mucken!! Wir hatten beide Motorräder vor der Reise gebraucht, aber mit ähnlicher Kilometerleistung gekauft, der Kilometerstand unserer Reise beträgt nun 86.000 km!!
Etwa 20 km vor Oaxaca finden wir mal wieder ein Stundenhotel zum Übernachten. Oaxaca hat viel zu bieten - es gibt einige berühmte Ruinenstädte in der Umgebung, beispielsweise Monte Alban oder Mitla. Wir entscheiden uns aber für den Besuch einer kleineren Ruine - Yagul, die liegt auf unserem Weg. Unterwegs dorthin halten wir am “El Tule”, ein 2000 - 3000 Jahre alter Baum (eine Zypressen- Art), dessen Umfang 42 m misst! Der Abstecher nach Teotitlan de Valle lohnt sich für uns nicht wirklich. Hier kann man gewebte Wandbehänge kaufen - aber brauchen wir die für unser Zelt? Eher nicht... Die meisten Läden haben eh noch zu, wir sind wohl noch zu früh dran. Aber der Dorfplatz ist schön, die Kirche auch, und auf dem Markt finden wir gutes Gemüse und Obst.
Yagul, die Ruinen einer Siedlung um 900 n. Chr. sind unspektakulär, aber schön und toll gelegen. Wir wandern einen Aussichtspunkt hinauf mit bestem Blick auf das unter uns liegende Tal und die Ruinen. Der Aufstieg ist bei der Hitze und in Motorradklamotten nicht gerade toll, aber der Blick entschädigt.
Die Weiterfahrt führt wieder durch wenig besiedelte Gegenden, und wir haben viel Spaß auf der kurvigen Strasse. Dann nähern wir uns der Meereshöhe - es wird immer heißer und fast unerträglich. In Tehuantepec nehmen wir daher das erstbeste Hotel, das auf dem Weg liegt. Es ist einfach zu heiß zum Suchen. Das Hotel ist alt, der Preis ist überteuert und die Klimaanlage gibt gerade ihren Geist auf, als wir sie einschalten. Hätten wir doch noch weitersuchen sollen...?

Beinaheunfall unterwegs und Gastfreundschaft in Chiapa de Corzo
Wir starten früh, um der Mittagshitze zu entgehen. Es ist sehr windig kurz nach Tehuantepec, der Wind reißt und zerrt am Motorrad und an unseren Nerven. Hier scheint es immer zu winden, der neuangelegte Windrad- Park zeugt davon.
Gerade haben wir den Wind hinter uns, das Fahren wird wieder entspannt, als es passiert: Tommy setzt in einer Ortschaft zum Überholen an, eines der Autos hinter uns ebenfalls - Tommy knallt voll in die Seite des neuen Chrysler- Vans! Tommy kann sich glücklicherweise auf dem Motorrad halten, der Chrysler- Fahrer setzt schon wieder zum Überholen an - es scheint ihn nicht zu interessieren, was gerade passiert ist! Wagemutig stellt sich Rosa mit ihrem Motorrad dem Van in den Weg - das kann doch nicht sein, dass der einfach zufährt! Tommy kann’s kaum glauben, was Rosa da macht. Ist doch gut, wenn der zufährt, denn eigentlich ist Tommy an dem Unfall Schuld, nicht der Chrysler- Fahrer!! Zu spät, notgedrungen muss er anhalten. Er steigt aus, besieht sich den nicht geringen Schaden an seinem Van. Auch Tommy besieht sich sein Motorrad - außer ein paar Kratzer mehr im Alukoffer ist bei ihm nichts passiert. Die Verständigung ist schwierig, Tommy macht ihm mit Händen und Füssen klar, dass auch er Teilschuld an dem Unfall hat... Wir stehen alle ein bisschen ratlos und wortlos herum, bis Rosa auf ihn zugeht und ihm die Hand schüttelt. Er steigt ein und fährt zu! Glück gehabt! Nun folgt eine Standpauke für Rosa “Denk zuerst nach wer Schuld hat, bevor Du solche Sachen machst!”, und eine für Tommy “Schau in Zukunft bitte nach hinten, bevor Du überholst!”, bevor’s weitergeht.
Kurze Zeit später gibt es schon wieder einen Zusammenstoss, der Tommys Spiegelhalterung total verbiegt - ein großer Raubvogel kriegt die Kurve nicht und rauscht voll in Tommys Spiegel und gegen seine Schulter... Was für ein seltsamer Tag!
In Tuxtla Gutierrez werden wir von einem Harleyfahrer in Harley- Kutte und Airbrush- Helm (der Jesus- Kopf prangt auf der Hinterseite) überholt. Er gibt uns Zeichen, wir sollen ihm folgen. Es geht ins wenige Kilometer entfernte Chiapa de Corzo, durch eine Fußgängerzone und direkt an’s von Restaurants gesäumte Flussufer.
Eduardo schlägt uns vor eine Bootstour zu machen. Er zeigt uns ein Prospekt vom Canon del Sumidero - die Tour sieht wirklich sehr verlockend aus, und 100,- Pesos pro Person für zwei Stunden ist ein fairer Preis. Eduardo meint, die Motorräder seien sicher hier, er würde hier auf uns warten. Aber wenn wir die Tour machen, dann übernachten wir auch. Sofort bietet uns Eduardo sein Haus als Übernachtungsplatz an! Wir sollen es uns anschauen, können dann immer noch ein Hotelzimmer nehmen, wenn wir wollen. Ok!
Also zurück durch die Fußgängerzone, dann um zwei Ecken, schon sind wir da. Der überdachte Hof ist riesig - wir zählen vier Autos, drei Mopeds und unsere Motorräder haben auch problemlos Platz. Eduardo erklärt uns in Spanisch und ein paar Brocken Englisch, dass er mit seiner Familie in einem anderen Haus lebt. Das hier ist das Elternhaus, die Eltern sind aber vor einigen Jahren schon gestorben und dieses Haus beherbergt nun die Firma - er ist Innenausstatter.
Wir bekommen ein Schlafzimmer mit Ventilator und Bad, wir sollen uns in der Küche bedienen, der Kühlschrank ist voll mit Bier und anderen Leckereien. Dankbar nehmen wir den Übernachtungsplatz an und sind mal wieder erstaunt über das blinde Vertrauen und die Gastfreundschaft, die uns Wildfremden entgegengebracht wird! Schnell ziehen wir uns um, und Eduardo begleitet uns zurück zum Bootssteg und verspricht in zwei Stunden wieder da zu sein, um uns abzuholen. Auch wir müssen nun vertrauen, denn wir haben keinen Schlüssel zum Haus, und Eduardo hätte zwei Stunden Zeit, unser Hab und Gut zu entwenden...
Die Bootstour ist einfach klasse- wir fahren immer tiefer in den Canyon, steile, bis zu 1000 m hohe Felswände ragen links und rechts empor, wir fahren unter einer beeindruckend großen Kaskade durch, die sich im Lauf der Zeit gebildet hat. Es gibt Krokodile im Fluss, leider bekommen wir keines zu Gesicht. Auch Boas oder Jaguare sehen wir nicht, dafür aber ein Äffchen, das im Baum herumturnt! Was schade ist, ist der allgegenwärtige Müll, der auch hier überall zu sehen ist: Plastikflaschen und -tüten schwimmen auf dem Wasser, und wir wollen gar nicht wissen, was so alles am Grund herumliegt.... Die Fahrt mit dem Schnellboot ist lang, aber nicht langweilig, denn der Fahrer nimmt immer mal wieder eine scharfe Kurve...
Eduardo ist tatsächlich da, als wir zurückkehren. Er schlägt uns eine kleine Besichtigungstour mit dem Auto vor - gerne! Zuerst zeigt er uns sein Haus, wir lernen seine Frau Otila und Tochter Elisabeth kennen. Im nagelneuen, in Mexiko für den süd-, zentral- und nordamerikanischen Markt hergestellten VW Crossfox (neben den noch zahlreich vertretenen alten Käfern gibt’s hier erstaunlich viele neue VWs) geht’s nach Tuxtla auf einen Aussichtspunkt. Dort laden uns die beiden zum Kaffee ein, dann geht’s in die Innenstadt. Mitten auf einem von Palmen umgebenen Plaza steht ein erhöhtes Rondell, dort spielt eine Kapelle Musik, rundum wird getanzt, es stehen Bänke da für die zahllosen Zuschauer - ein schöner Anblick und ein Genuss der rhythmischen Musik “Marimba” zu lauschen!
Heute morgen hätten wir nie gedacht, dass wir so etwas erleben würden - eigentlich wollten wir bis San Cristobal de las Casas fahren, um uns dort ein Hotel für die Nacht zu suchen... Aber genau das macht das Reisen spannend - man weiß nie was einen erwartet... Noch am Abend verabschieden wir uns von unseren lieben Gastgebern - die beiden müssen früh zur Arbeit, wir sollen einfach das Tor hinter uns zuziehen!

Letzte Tage in Mexiko
Früh stehen wir auf, um der Hitze zu entgehen. Wir finden den von Eduardo beschriebenen Weg Richtung San Cristobal. Es gibt nämlich eine “Autopista cuota” ( Maut- Autobahn), die wir auf keinen Fall nehmen wollen, denn sie ist schnurgerade und langweilig. Es gibt auch eine “Carretera libre”, kostenlose Strasse durch die Berge, die viel schöner zu fahren ist.
Zuerst geht’s durch Tropenwald hoch in die Berge, dann bestimmen Pinienwälder das Bild. Staunend fahren wir an Maya- Dörfer vorbei. Kleine, drahtige Menschen sind die Mayas, sie leben hier in den Bergen wie in einer anderen Welt. Es gibt Brunnen, Frauen in ihren hübschen farbenfrohen, von Dorf zu Dorf verschiedenen Trachten waschen Wäsche im dreckig- braunen Teich, Männer hacken Holz, Kinder schleppen schwere Holzbündel, die kleinen Häuser sind eher Hütten und scheinen aus nicht mehr als einem Raum zu bestehen. Es wird Mais angebaut an den steilsten Hängen, Kinder und Frauen bewachen kleine Viehherden. Krass ist der Gegensatz als wir nach San Cristobal kommen - große Autos, modern gekleidete Leute, Staub, Gehupe.
San Cristobal soll laut Reiseführer ein hübsches Kolonialstädtchen sein, wir aber bleiben auf der Durchgangsstrasse und biegen nicht Richtung Altstadt ab. Wir wollen heute nahe der Grenze zu Guatemala übernachten, um schon früh morgens am Zoll zu sein. In Comitan finden wir ein nicht ganz billiges Hotel für 300,- Pesos. Dachten wir, dass wir in Zentralamerika billiger reisen könnten, sind wir eines besseren belehrt worden. Wild zelten ist aus Sicherheitsgründen fast nicht drin, in Mexiko in verschiedenen Gegenden zwar schon, aber bestimmt nicht weiter südlich. Campingplätze sind rar gesät - also bleibt nur noch das Hotel. Dort ist kochen nicht immer möglich - also ab ins Restaurant. Natürlich sind die Preise nicht dieselben wie in westlichen Ländern, aber es summiert sich doch...

Grenzformalitäten bei der Ausreise
Um 8.00 Uhr morgens sitzen wir schon auf den Motorrädern, eine tolle Strecke durch die Berge führt uns zur Grenze. Am mexikanischen Zoll gibt es keinen Schlagbaum, aber das Gebäude sieht recht offiziell aus, und wir halten sicherheitshalber. Das war richtig so, im ersten Gebäude bekommen wir für die Einfuhrdokumente innerhalb weniger Minuten die Ausreisedokumente ausgehändigt. Im nächsten Gebäude wird der Reisepass mit dem Ausreisestempel versehen - das war ja einfach! Adios, Mexico! Wir haben so wenig gesehen von diesem schönen Land... Sind wir zu rastlos geworden? Wir wissen es nicht.. Wahrscheinlich ist es die Sorge um die Motorräder, sie sind nun doch schon betagt und müssen den Rest der Reise durchhalten - deshalb wollen wir keine Extra- Kilometer drauffahren. Und es zieht uns immer mehr in den Süden - wir freuen uns schon so sehr auf Südamerika!!
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