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Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Mongolei - Teil 2

21. Juli - 12. August 2005

Gefahrene Kilometer: 2382 km
Strecke: Ulan- Bator > Lun > Erden- sant > Rashaant > Charchorin > Hotont > Zezerleg > Ondor- Ulaan > Tariat > Zaagan Nuur (Weißensee) > Jargalant > Shine- Ider > Morun > Alag- Erdene > Hatgal > Hovsgul See > Alag- Erdene > Morun > Tosontsengel > Ih- Uul > Khutag- Undur > Unit > Bulgan > Zaamar > Ulan- Bator > Darkhan > Sukhbaatar > Russische Grenze

Aufregende Suche
Wir gehen zur Ausländerbehörde, um unsere Visa zu verlängern. Wir waren einfach zu lange in Ulan- Bator, und nun befürchten wir, daß uns die Zeit für unseren Mongolei- Trip zu knapp wird. Und wir müssen Reserve- Tage einkalkulieren. Es könnte regnen, und dadurch Pisten unfahrbar oder Flüsse unpassierbar werden. Die 10- Tage- Verlängerung ("Exit- Visa") kostet uns insgesamt über 100,- USD, weil wir es am nächsten Tag abholen möchten. Aber wir möchten endlich los, obwohl Ochir, Alex und Carsten noch einen Tag länger in Ulan- Bator bleiben werden.
Bei Ebo dürfen wir Gepäck zurücklassen - wir werden so wenig wie möglich Gewicht mitnehmen, denn etwa 3/4 der geplanten Route sind Off- Road- Pisten.
Abends gehts nochmal ins Restaurant, Kräfte tanken - Bier und Schnitzel!
Ab 10°° Uhr können wir das Visa abholen, und pünktlich sind wir auch da. Alles klappt, bald haben wir unsere Reisepässe in den Händen, bis Tommy seinen Pass zu den restlichen Dokumenten stecken will - die Mappe ist weg!! Es gilt, ruhig zu bleiben und überlegen, wo sie sein könnte. Keine Ahnung...Also durchsucht jeder von uns zwei Mal sein komplettes Gepäck. Erfolglos - die Mappe bleibt verschwunden. Panik kommt auf, als wir die Papiere auch nicht im zurückgelassenen Gepäck bei Ebo finden. Zurück im Hotel sucht Tommy den Garagenboden ab, während Rosa aus irgendeiner Eingebung doch noch einmal ihren Tankrucksack durchstöbert. Und tatsächlich: Dort taucht die Dokumentenmappe auf - sie hatte sich unter dem Gummiverschluß ihres Notizbuchs verfangen. Keine Ahnung, wie die Dokumente bei Rosa landeten. Normalerweise haben wir immer Ordnung in unseren Siebensachen, und auf so wichtige Dinge wie unsere Papiere achten wir besonders.
Nicht auszudenken, was auf uns an Kosten und Rennerei zugekommen wäre, wenn die Dokumente verschollen geblieben wären! Und die Mongolei- Tour hätten wir knicken können...

Endlich unterwegs!
Wir kommen also erst um 12.30 Uhr los, schaffen es aber an diesem Tag noch bis Charchorin, nicht zuletzt weil die Straße bis dorthin asphaltiert ist. Die Strecke ist sehr reizvoll und abwechslungsreich. Anfangs sehr karg, trockene Steppe, dann wieder sattgrüne Wiesen am Fluß. An kleinen Sanddünen fehlen auch nicht die Kamele. Und wir sehen endlich Yaks! In zahllosen Herden durchstreifen sie die Berge. Wir schauen diesen Tieren gerne zu, denn sie sind so anders als ihre Verwandten, die Kühe. Sie sind nicht so träge, viel wendiger und neugierig. Vor den Motorrädern haben sie Angst und hüpfen, rennen und galoppieren mit hocherhobenem Schweif und wehendem, zotteligen Fell davon. Dann bleiben sie stehen, drehen sich zu uns um, senken den Kopf wie Stiere, bereit zum Kampf. Aber alles nur Show...

Charchorin ("Karakorum")
In Charchorin wollen wir uns im Ger- Camp "Riverside" einmieten. Die Übernachtung kostet satte 36,- USD für uns beide, und wir wollen schon weiterfahren, als die Dame uns mit 20,- USD einen halbwegs akzektablen Preis nennt. Hier ist das Tourismusgeschäft fortgeschritten, und die Menschen wissen, was sie uns Europäern verlangen können. Wir wollen endlich mal in einer Jurte schlafen, und so gönnen wir uns diesen Luxus. Das Ger ist schön eingerichtet mit den typisch bemalten, kleinen Hockern, Tisch, Ofen und vier Betten an der Wand.
Wir nutzen unsere abschließbare Behausung und erkunden ohne Gepäck die Umgebung. Zunächst fahren wir zu einem Monument, das schon von Weitem auf einem Hügel zu sehen ist. Von dort haben wir eine gute Sicht auf Charchorin und die umliegenden Berge.
Charchorin wurde 1220 gegründet und war über 30 Jahre lang die Hauptstadt des mongolischen Großreiches.
Wir besuchen das Kloster Erdeni- zuu, das 1586 als erstes großes lamaistisches Kloster in der Mongolei errichtet wurde. Im 17. Jahrhundert wurde die Anlage von den mandschuristischen Besatzern schwer beschädigt, und Ende 18. bis Anfang 19. Jahrhundert wieder repariert und aufgebaut. Zwischen 1941 und 1990 war der Klosterbetrieb eingestellt, heute praktizieren hier um die 50 Lamas ihren Glauben.
An die Zeit Tschingis- Khans erinnern zwei steinerne Schildkröten, die als Stützen für die Palastjurte dienten.
Auf dem Heimweg hält uns der Polizeiposten an. Natürlich will er unsere Dokumente sehen, Reisepaß, Führerschein, Fahrzeugschein. Tommy hat seine Papiere im Ger- Camp gelassen, wir haben nicht mit einer Polizeikontrolle gerechnet. Nach langem Hin und Her darf Tommy seine Papiere holen, während Rosa beim Polizeiposten warten muß. Sie dreht fast durch, denn der Polizist hat ihre Dokumente in seiner Hosentasche und will sie partout nicht mehr hergeben. Aber das ist wohl eine Sicherheitsmaßnahme, denn als Tommy zurückkehrt, und der Polizist unsere Daten feinsäuberlich in sein Buch eingetragen hat, bekommt Rosa auch wieder ihre Papiere zurück.
Das Ganze hat über eine Stunde Zeit gekostet, und unser Vorhaben im Fluß zu baden, fällt buchstäblich ins Wasser- es beginnt zu regnen.
Abends kommen Ochir, Alex und Carsten an. Sie wollen nicht ins Ger- Camp, sondern schlagen ihre Zelte am Fluß auf. Leider stimmen unsere Pläne wieder nicht mit den ihren überein. Wir haben in Charchorin alles gesehen und wollen weiter, die drei aber möchten noch mindestens einen Tag länger bleiben. So verabschieden wir uns und verabreden das nächste Treffen am Zagaan Nuur ("Weißensee"). Wir werden dort auf sie warten, bis sie in ein bis zwei Tagen nachkommen.

Zagaan Nuur
Endlich Off- Road! Froh darüber, daß wir die TKC 80- Reifen auf den Felgen haben, "brettern" wir mit 20 km/h bis maximal 60 km/h über die Pisten. Die Hauptwege sind meistens unangenehme Wellblechpisten und geschottert, sie werden eigentlich von niemandem genutzt. Es gibt immer mehrere Nebenwege, die parallel zum Hauptweg verlaufen, meist Erdpisten, die sich im Laufe der Zeit gebildet haben. Manchmal fällt die Qual der Wahl schwer - welcher Weg ist wohl der Beste? Aber Tommy hat meist den richtigen Riecher, und wir kommen gut voran. Auch die Navigation ist einfacher wie erwartet. Wir haben drei (!) Mongolei- Karten dabei, die zwar alle etwas verschieden sind, aber doch die richtige Richtung weisen. Es gibt viele Nomaden- Gers, wo wir nach dem Weg fragen können. Das GPS ist vielleicht nicht unbedingt nötig (ein Kompaß in Verbindung mit einer Landkarte tutīs auch), aber ganz praktisch.
Wir sind froh, daß wir Vorräte dabei haben, denn in den Magazinen finden wir kaum etwas für uns. Ratlos steht Rosa vor den Regalen, denn außer Süßigkeiten, Zigaretten und Getränken scheint es nicht viel zu geben. Selten finden wir Obst und Gemüse - Äpfel, Kartoffeln, Zwiebeln, Kohl und Karotten. Auch Brot gibt es nicht überall! Wir fragen uns, von was die Mongolen eigentlich leben...Sie scheinen, zumindest auf dem Land, alle Selbstversorger zu sein!
Zagaan Nuur, ein See, der von einem Naturschutzgebiet umgeben ist, kündigt sich schon früh an - wir sehen Möwen. Der Weg führt an einem Flußcanyon vorbei - dem "Tschuluut gol", dann sind es nur noch wenige Kilometer bis "Tariat", einem Örtchen und "Zagaan Nuur", dem Weißensee.
Schnell bauen wir unser Zelt am See auf, denn Wolken kündigen Regen an. Wir machen es uns im Zelt gemütlich, trinken Tee und schreiben Tagebuch, als wir ein Flüstern vernehmen. Es sind zwei Nomadenmädchen, die von den nahen Gers gekommen sind, um die Fremden zu bestaunen. Bald sitzen sie bei uns im Zelt, singen uns ein nettes Liedchen und testen alles, was sie in ihre Finger bekommen: Brillen, Stirnlampen, Stühle, Foto, Bonbons und Saft. Spät abends kommt Papa, die zwei abholen.
Früh am Morgen sehen wir sie kommen - es sind wieder die Mädchen vom Vortag. Sie bringen uns "Pacht- Airag", leckeren Kefir von Yaks! Sie bleiben bis mittag bei uns, dann müssen sie wieder nachhause. Aber wir bleiben nicht lange alleine - drei Hunde kommen und warten darauf, daß wir sie füttern... Einer von ihnen, "Mongol" wie wir ihn nennen, bleibt sogar über Nacht bei uns und hält Wache!
Tommy fährt nacheinander sein und Rosaīs Motorrad nach Tariat zum Tanken. Kaum ist er im Magazin zum Einkaufen, sitzt schon ein Mongole auf seiner Dakar und drückt alle Knöpfe am GPS. Ein alltägliches Erlebnis hier in der Mongolei. Niemand fragt, ob er mal probesitzen darf - er tut es einfach. Das bekommt auch Rosa zu spüren, die alleine mit den Mädchen ist. Die Kinder kapieren einfach nicht, daß man nur auf der Seite aufsteigen sollte, wo der Seitenständer ist...Also hilft nur ein Ablenkungsmanöver: Stühle weit weg von den Motorrädern aufstellen, und Haare frisieren.

Enduro- Wandern
Schon drei Tage warten wir auf unsere Freunde, aber sie kommen nicht. Ist ihnen was passiert? Haben sie schlechtes Wetter, oder können sie wegen einer Panne nicht weiter? Wir können es nicht herausfinden, denn außer in größeren Städtchen, hat man nur selten Handy- Netz. Wir entscheiden uns, nicht länger zu warten, sondern alleine weiterzufahren. Noch einmal kommen die Mädchen - sie geben uns getrocknete Käsestangen mit auf den Weg. Auch wir beschenken die beiden: Eines der Mädchen hat einen Ohrring verloren, es steckt dafür ein kleines Hölzchen im Ohrläppchen. Sie bekommt Rosaīs Ohrringe, das andere Kind erhält ein Amulett als Geschenk. Die zwei können es kaum fassen...
Wir fahren eine Nebenroute fernab der Hauptwege, und bereuen es nicht. Die Strecke ist einfach super! Es gilt unzählige Flüsschen zu durchqueren und steinige Pässe zu erklimmen - Endurowandern macht Laune! Besonders Spaß macht es mit abgespecktem Gepäck und anderer Gewichtsverteilung (weniger in den Koffern, mehr direkt im Rücken auf der Sitzbank). Die Dakars lassen sich so fast mühelos über Stock und Stein bewegen. Die Landschaft ist wie immer grandios und abwechslungsreich, mal sandig mit hohen, dunkelgrünen Steppengräsern, dann wieder rote Erde oder steinig. Wir sind mitten in den Bergen und bewegen uns immer zwischen 1300 und 2300 Höhenmetern. Wir fahren an diesem Tag 170 km. Kaum steht das Zelt, kommen zwei Nomaden wie aus dem Nichts, setzen sich auf eine Zigarettenlänge zu uns (für solche Gelegenheiten haben wir immer eine Packung Marlboro parat), und verschwinden so schnell, wie sie gekommen waren. Auch ein UAS voller Mongolen macht bei uns Pause, inklusiv ungefragtes Motorradprobesitzen und Schalter testen. Die Nacht ist ruhig, abgesehen von dem seltsamen Schnauben der Yaks, die nah am Zelt grasen.

Morun
Die Nacht über hat es geregnet, und auch am Morgen, als wir aufstehen, ist der Himmel wolkenverhangen und es ist kalt. Ohne Frühstück gehtīs los, denn wir befürchten, daß es wieder regnen könnte. An einer Weggabelung fragen uns mongolische Urlauber woher wir kommen. Sie sind sich nicht sicher, welchen Weg sie nehmen müssen. So funktioniert die Navigation - einfach warten, bis jemand kommt und fragen.
Wieder können wir uns kaum sattsehen an der Bergwelt - mal sind die Berge mit kurzem Gras überzogen, mal kahl, oder sie schimmern rot. Immer wieder halten wir, um Fotos zu machen. Schon bald erreichen wir Morun, und nicht zu spät, denn es beginnt in Strömen zu regnen. Wir fragen ein europäisch aussehendes Mädchen nach einer Bank, denn wir müssen dringend Geld tauschen. Chantal aus Basel zeigt uns den Weg und empfiehlt uns auch gleich noch ihre Unterkunft bei Privatleuten. Für 3000,- Tugrik pro Person inkl. "Frühstück" (Tee und Brot) überlegen wir nicht lange. Bataar, der Sohn der Familie, spricht sehr gut englisch und sogar ein bisschen deutsch. Die Unterkunft ist einfach, wir schlafen zusammen mit Chantal und ihrem Freund Laurence in einem Zimmer. Die beiden sind mit Fahrrädern den gleichen Weg wie wir über die Berge nach Morun gekommen. Beeindruckend, wie schnell die zwei vorwärts kommen. Sie legen pro Tag etwa 60 km trotz Piste und Berge zurück!
Wir gehen zu Fuß in die Stadt. Es gibt hier mehrere öffentliche Waschhäuser, denn die meisten Häusschen haben kein fließend Wasser. Die Menschen schicken uns irgendwie im Kreis herum, und für heute bleiben wir ohne Dusche. Dafür finden wir einen nagelneuen Supermarkt, wo wir unsere Vorräte auffrischen können. Eine Angestellte "begleitet" uns durch die Regalreihen - sie passt wohl auf, daß wir nichts mitgehen lassen. Eine Mitarbeiterin schminkt sich gerade, eine andere isst schlürfend ihre Nudeln, und eine weitere spielt mit ihrem Handy. Drei Frauen beschäftigen sich an der Kasse gemütlich mit unserem Einkauf. Auch das ist die Mongolei!
Ohne Unterlaß regnet es, d.h. wir bleiben in Morun. Uns fällt die Decke auf den Kopf, und so machen wir, auch auf die Gefahr hin, daß wir pudelnaß werden, einen Stadtbummel. In der Post gibt es sogar Internet, das leider viel zu früh die Pforten schließt. Der Regen treibt uns von einem Geschäft ins nächste, und wir gehen auf den Markt, wo es alles zu kaufen gibt, von Bonbons bis verrostete Schrauben. Als wir zurückkehren ist das Haus voll - Backpacker aus der Schweiz und zwei Jungs aus Israel, die mit dem Pferd unterwegs sind.

Hovsgul
Das Wetter scheint besser zu werden und schon sitzen wir wieder auf unseren Motorrädern. Von Morun nach Hatgal, an die südliche Spitze des Hovgul- Sees fahren wir eine meist breite und gute Erdpiste. Es müssen zwei breite Flüsse, die in mehreren Armen das Tal hinabfließen, überquert werden. Oft ist das Flußbett im Sommer trocken und stellt kein Hindernis dar, aber die letzten Tage hat es geregnet, und beide Flüsse führen viel Wasser. Die Strömung ist teilweise sehr stark und das Wasser fast hüfthoch. Es ist sicherer, wenn Tommy beide Maschinen ans andere Ufer bringt, und Rosa zur Sicherheit nebenher läuft. So geht alles gut. Nach drei Stunden und 110 km erreichen wir Hatgal. Dort entscheiden wir uns für ein Ger- Camp, denn so können wir unbesorgt unsere Sachen zurücklassen, um Ausflüge zu machen. Die Übernachtung kostet mit 3500,- Tugrik pro Person auch nicht viel, und wir gönnen uns ein Abendessen im gemütlichen Camp- Restaurant.
Der Morgen ist bewölkt, und es sieht mal wieder nach Regen aus. Wir lassen uns Zeit, frühstücken gemütlich und starten gegen Mittag zu Fuß. Wir wollen ein Stück den See entlang wandern. Ein Junge fragt uns, ob wir Pferde mieten wollen. Inzwischen zeigt sich ein bisschen blauer Himmel, und bald sitzen wir hoch zu Roß. Ein Guide begleitet uns, und das ist gut so, denn den schmalen, steilen und steinigen Weg den Abhang hinauf hätten wir den Tieren nie zugetraut. Wir erleben einen wunderschönen Nachmittag. Endlich, oben auf dem Berg, haben wir einen grandiosen Blick über den See. Der Hovsgul hat eine Fläche von 2760 km², ist 125 km lang und 30 km breit. Er ist mit bis zu 262 m der zweittiefste See Zentralasiens, und das Wasser ist so klar und rein, daß man es problemlos trinken kann.
Wir überlegen, ob wir nicht am nächsten Tag mit einem Boot zu einer Insel zu fahren. Wir würden gerne grillen und baden. Leider ist das Wetter uns immer noch nicht wohlgesonnen, es gewittert und regnet mal wieder. Also haben wir Zeit zum Basteln. Tommy befestigt die Steckdosen- Adapter am Lenker, die bisher im Tankrucksack störten, und Rosa bastelt aus einer PET- Flasche einen Wasserbehälter zum Händewaschen. Dieser wird kurze Zeit später von Tommy entscheidend verbessert...
Immer wieder hören wir Donnergrollen, und vermutlich hätten wir uns heute auf den Rückweg gemacht, wenn wir früher aufgestanden wären. Zu Fuß gehen wir ins Dorf zum Einkaufen, und als wir zurückkehren, stehen Ochir, Alex und Carsten vor dem Ger- Camp. Mit ihnen hätten wir, ehrlich gesagt, nicht mehr gerechnet! Aber wir sind froh, daß nichts passiert ist, und es ihnen gut geht. Sie sind einfach nur einen Tag länger als geplant in Charchorin geblieben, und sind am Zagaan Nuur nicht die Hauptroute, sondern einen Weg am anderen Ufer, der gar nicht in der Landkarte eingezeichnet ist, gefahren.
Die drei bleiben über Nacht im Ger- Camp und wir verbringen einen gemütlichen Abend zusammen. Wir beschliessen am nächsten Morgen, mit ihnen am See zu zelten. Tagelang haben wir auf schönes Wetter gewartet, und endlich hat sich das Warten und Ausharren gelohnt: Der Himmel ist strahlendblau. Es wäre schade, wenn wir nicht noch einen Tag am See blieben.
Wir fahren kurz ins Dorf zum Einkaufen: Bier, Brot, Kartoffeln und 2 kg Rindfleisch am Stück (4000,- Tugrik, umgerechnet etwa 3,- EUR) für uns fünf! Das Fleisch wird vor den Shops in alten Kartons angeboten, aber Ochir kennt sich aus und versichert uns, daß es gutes Fleisch und frisch ist.
Nur 10 km vom Camp entfernt finden wir einen schönen Platz zwischen Bäumen direkt am Wasser.
Abends hält eine mongolische Großfamilie an unserem Zeltplatz. Es sieht so aus, als ob sie sich direkt neben uns - 3 m entfernt - niederlassen wollen. Und tatsächlich, sie packen ihr Zelt aus. Nun ja, wir können nichts dagegen sagen. Die Familie ist aus Ulan- Bator und verbringt einen Teil des Sommerurlaubs am Hovsgul. Unterwegs haben sie ein Schaf für 50000,- Tugrik gekauft und gleich schlachten lassen. Dies wird jetzt nach und nach verarbeitet und verspeist. Es wird eifrig Teig geknetet, Zwiebeln und Innereien gehackt. Es gibt Chushur, leckere gefüllte Teigtaschen, die uns persönlich aber mit Rindfleisch viel besser schmecken. Den Schafskopf entdecken wir im Schnellkochtopf, der auf einem Gaskocher steht. Später verschließen sie darin Fleisch, Gemüse und heiße Steine, und es schmeckt genauso gut wie aus der Milchkanne, in der dieses Gericht normalerweise gegart wird. Neben dem Fleisch und Gemüse zum Probieren bekommen wir auch die heißen und fettigen Steine serviert. Wir sollen sie in den Händen reiben, das ist gut für die Gesundheit!
Bei uns gibt es einen Festschmaus: Rindersteak, über dem Lagerfeuer gegrillt, selbstgemachte Pommes- frites und Salat...Und dazu ein im Hovsgul gekühltes Bier!
Auch der nächste Tag ist wunderschön und wir hängen noch einen Tag dran. Ochir, Alex und Carsten machen einen Ausflug mit Pferden, Tommy hütet unsere Siebensachen, und Rosa mietet ein Pferd, um die 8 km ins Dorf zu reiten. Sie will einkaufen. Mit wundem Po, aber völlig begeistert, kehrt sie zurück. Als Kind ist sie schon gerne geritten, jetzt hat sie den Sport wieder für sich entdeckt.
Tommy hat sich inzwischen mit unserer Nachbar- Familie angefreundet und bringt dem größten der Kinder das Schwimmen bei.
Am nächsten Morgen brechen wir auf und verabschieden uns von unseren Freunden. Das nächste Treffen wird wohl erst wieder nach unserer Reise sein. Es ist ein komisches Gefühl sich nun endgültig zu verabschieden. Wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit!

Rückweg nach Ulan- Bator
Sobald wir den Hovsgul- Nationalpark verlassen, tröpfelt es, und das Tröpfeln weitet sich zum ausgewachsenen Regen aus.
Auf einem Zaun sitzt wie eine Statue ein riesiger Adler. Leider mag er sich nicht fotografieren lassen...Wir beeilen uns, denn mit den Erdpisten ist bei Regen nicht zu spaßen. Der Weg ist der gleiche nach Morun, und die beiden Flüsse haben an Tiefe und Strömung noch zugenommen! Die Koffer sind beim Überqueren tief im Wasser, und das Wasser schwappt in die Stiefel. In Morun tauschen wir Geld und tanken. Richtung Bulgan werden wir von kurzen 7 km Asphalt verwöhnt - uns kommen die 80 km/h, die wir fahren, furchtbar schnell vor! Für Rosa ist dieser Tag recht bescherlich, denn die wunden Stellen am Po schmerzen doch ein wenig...Aber Tommy will weiter kommen, denn je mehr es regnet, umso schlechter kommen wir voran. Der Regen hört auf, dafür sind kurze Sandpassagen zu überwinden. Für diesen Tag reicht es und wir schlagen kurz nach Tosontsengel unser Zelt auf. Wieder kommt uns ein Nomade auf einem Pferd einen kurzen Besuch abstatten, und bald fallen wir müde in einen unruhigen Schlaf - Tommy, weil er beim Zelten immer mit einem Ohr Wache hält, und Rosa, die sich von einer Seite zur anderen dreht, da alles irgendwie weh tut...
Früh wachen wir auf und früh starten wir an diesem Tag weiter Richtung Bulgan über Ih- Uul, Khutag- Undur und Unit. Anfangs bewölkt, später kommt die Sonne endlich wieder zum Vorschein. Was aber den Nachteil hat, daß es sehr heiß ist, und besonders Rosa bei schwierigen Passagen ziemlich ins Schwitzen kommt... Die Pisten sind oft versandet, später fahren wir über festen Schotter. Die Landschaft ist wunderbar - Flüsse, Wiesen mit wunderschönen Blumen und bewaldete Hügel und Berge. Einige Flüsse sind zu überqueren, dieses Mal gibt es Brücken, die jedoch mit losen oder fehlenden Brettern nicht den stabilsten Eindruck machen. Aber wenn die schwer beladenen LKWs darüberrauschen, werden sie uns Federgewicht ja wohl auch aushalten!
Wir zelten kurz nach Unit und bekommen, so nah am Weg, viel Besuch. Einer fragt nach einer Luftpumpe, der andere ist nur neugierig, andere schenken uns einen großen Pilz. Wir machen ein Lagerfeuer und schlabbern mal wieder unsere chinesischen Nudeln, die in letzter Zeit zu unserem Leibgericht geworden sind.
Wieder sitzen wir früh auf unseren Motorrädern, wir haben drei Pässe zwischen 1500 m und 1700 m vor uns. Die Piste ist anfangs schlecht, und wir kommen nur langsam vorwärts. Das Wetter könnte nicht strahlender sein, aber die Hitze und der Staub der Piste macht uns zu schaffen. Die Überlegung, an einem breiten Fluß zu campen, scheitert an dem Trubel - wo es einen Fluß gibt, sind auch viele Menschen. Die Landschaft wird immer karger, und nachdem wir den letzten Paß überwunden haben, kommen wir in ein von Bergen gesäumtes, breites Tal. Dort kommen wir auf der breiten Erdpiste gut voran, und nach 250 km an diesem Tag sind wir froh, endlich einen geeigneten Platz in der Nähe von Zaamar zum Zelten zu finden. Eine Anhöhe verbirgt uns vor Blicken. Und tatsächlich - diesen Abend haben wir Ruhe.
Tommy entdeckt auf dem GPS eine kürzere Variante, um die Berge zu überqueren, die aber nicht auf der Karte eingezeichnet ist. Er fragt zwei Nomadenjungen nach dem Weg, der eine zeigt in die entgegengesetzte Richtung wie der andere. Egal, weiter. Und tatsächlich - wir sind auf dem richtigen Pfad! Die trockene Steppenpiste ist staubig, keinem einzigen Menschen begegnen wir auf dieser Route - nur einer Riesenschar Adler, die sich über einen Pferdekadaver hermacht! Als wir mit unseren lauten Motorrädern kommen, fliegen sie natürlich weg, um auf einem nahen Hügel auf unsere Abfahrt zu warten. Wir bleiben aber in einem gebührenden Abstand, um sie zu fotografieren, aber diese Vögel haben wohl mehr Zeit als wir...

Zurück in Ulan- Bator
Plötzlich fahren wir wieder auf Asphalt - ein sehr seltsames Gefühl! Ulan- Bator kündigt sich mit einer Dunstwolke an, und es ist fast ein Schock, nach Tagen in so unberührter Natur wieder in einer lärmenden, hektischen und stinkenden Großstadt zu sein...Trotzdem freuen wir uns, wieder zurück nach Ulan- Bator zu kommen. Wir wollen Enkhee, Ebo, Barbara und René noch einmal sehen, mal wieder richtig duschen und was Herzhafteres wie chinesische Nudeln zu uns nehmen. Gesagt, getan: Der erste Gang ist wieder das Khan- Bräu! Schweinesteak und ein kleines Bierchen. Enkhee reserviert uns das gleiche Hotelzimmer, wie wir vor der Abreise hatten. Wir besuchen noch Ebo, um unser Gepäck, das wir dort gelassen hatten, abzuholen. Barbara ist da, und sie zeigt uns die Bilder vom Gobi- Trip, den sie gemeinsam mit Ebo und ihrem Verwandtschaftsbesuch gemacht hat. Wir sind fast neidisch, daß wir die Gobi nicht besucht haben, aber mit dem Motorrad bei 40°C im Schatten - naja. Im Kopf schwirren aber schon Gedanken von einer Reise durch die Mongolei mit einem UAS...
Nun haben wir ein bisschen Zeit uns den Staub aus den Klamotten zu klopfen, die Webseite zu aktualisieren, das Gepäck auszusortieren (jawohl, wir schicken schon wieder Überflüssiges nachhause) und die Motorräder zu pflegen.

Die letzten Tage in der Mongolei
Wir sind mit Ebo und Barbara zum Abendessen verabredet. Dabei ist auch Jonny, den wir schon kennen und Gamba, der Fahrer der Kickboxing Association. Es wird ein lustiger Abend, aber wir sind auch ein bisschen wehmütig. Der Zeitpunkt, an dem wir diese netten Menschen und die Mongolei verlassen, rückt unaufhaltsam näher. Ebo lässt sich nicht abhalten, uns einzuladen und zum Abschied bekommen wir T- Shirts mit Mongolei- Aufdruck geschenkt!
Ein letztes Mal schlendern wir durch die Stadt und treffen uns mit Enkhee. Ihm dürfen wir unser überflüssiges Gepäck geben. Er hat viel Besuch aus Deutschland und wird jemand finden, der es mitnehmen kann. Enkhee hat uns soviel geholfen, hatte immer Zeit für uns, und ist uns richtig ans Herz gewachsen. Dieser Abschied fällt uns auch nicht leicht...
Uns erreicht eine SMS von Ochir, Alex und Carsten. Die drei haben sich umentschieden - sie kommen doch noch einmal nach Ulan- Bator. Abends treffen wir uns mit René von Help international und ein letztes Mal gehtīs ins Khan- Bräu. Der letzte Tag in Ulan- Bator geht zu Ende, und wieder einmal verabschieden wir uns von Ochir, Alex und Carsten. Dieses Mal endgültig?

Grenzchaos
Um 14°° Uhr sind wir an der Grenze. Das kennen wir schon: Ein Zöllner füllt für uns Formulare aus - dieses Mal für 200,- Rubel, natürlich wieder ohne Beleg. Aber wir dürfen die lange Schlange passieren, und stehen plötzlich vor dem reinsten Chaos. Es gibt zwei Tore, die von je einem Zöllner bewacht werden. Sobald eines dieser Tore für kurze Zeit geöffnet wird, um ein paar wenige Fahrzeuge passieren zu lassen, fahren alle wild hupend und von allen Seiten kommend, darauf zu. Der Zöllner schließt sofort das Tor wieder, ohne jemanden durchzulassen und versucht eine gewisse Ordnung in das Chaos zu bringen. Vergeblich - die Wartenden drohen ihm sogar mit Fäusten und beim Öffnen des Tors geht das gleiche Spiel wieder los. Auch wir drängeln - man muß sich schließlich anpassen... Und wir hupen, jedoch aus Eigenschutz, um nicht umgefahren zu werden. Endlich können wir uns durchmogeln, um vor der nächsten Warteschlange zu stehen. Tommy bleibt bei den Motorrädern, und Rosa versucht ihr Glück drinnen. Dort erwartet sie das nächste Chaos. Nur ein Schalter ist besetzt, und auf diesen stürmen die Menschen von allen Seiten ein. Rosa fragt eine Zöllnerin, was zu tun ist und diese drückt ihr Formulare zum Ausfüllen in die Hand. Also wieder raus, zusammen mit Tommy die Formulare ausfüllen, wieder rein, und versuchen, so schnell wie möglich an die Reihe zu kommen. Zwei Zöllner bemühen sich auch hier, die Menschen in Schach zu halten, und drängen sie immer wieder mit ihren Schlagstöcken zurück. Auch hier artet das Chaos fast in eine Schlägerei aus, bis es den Zöllnern zu bunt wird: Sie schicken alle aus dem Gebäude, bis auf eine Frau mit einem weinenden Kind und - Rosa! Vielleicht, weil sie Europäerin ist, oder weil sie immer mit der Frage nervte "Ich verstehe nicht, was muß ich tun?". Durchsucht wird das Gepäck auch dieses Mal nicht, und wir dürfen die Grenze passieren. Der russische Zoll ist schon Routine. Das Formular kennen wir, und wir haben einen Vordruck, den wir einfach abschreiben können. Hier wollen die Zöllner auch wieder ein bisschen im Gepäck schnüffeln - kein Problem, denn wir müssen nur die Koffer öffnen und nichts abladen. Nach insgesamt fast drei Stunden haben wir es geschafft - Russland hat uns wieder!

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