2aufweltreise.de Startseite
zur Startseite
Email
sponsoren
News
mehr über Tommy & Rosa
Vorbereitung und Ausrüstung
Route
Länderinfos
on the road
Presseberichte
newsletter
Gästebuch
Bilder von unserer Reise

Wir nehmen Euch mit auf unserer Reise...

 

Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Polen

05. - 21. Mai 2007

Gefahrene Kilometer: 1075
Strecke: 1 Kostrzyn > 132 Witnica > Mysliborz, Trzcinna > 3 Pyrzyce, Marzyczyn (Bus Stettin) > 10 Stargard Szcz > 106 Nowogard, Golczewo > Gryfice > 152, 148, 20, 7 Lobez, Drawsko Pomorskle, Czaplinek, Szeczecinek, Miasto, Bytow, Koscierzyna, Gdansk (Danzig), Nowy Dwor Gdanski > 55, 515 Malbork (Marienburg)Dzierzgon > Jelonki > 7, 519 Morag, Lukta > Dobre Miasto > Jeziorany, Bisztynek, Mragowo, Mikolaiki, Staswiny, Lyck > 16 Augustow > Ogrodniki (Grenze Litauen)

Unterwegs in Polen
Wir vermeiden die Hauptstrassen, denn dort nervt uns der Verkehr. Seitenstreifen werden hier mitbenutzt, und wir lernen schnell, dass langsamfahrende Fahrzeuge dort zu fahren haben - wir werden regelrecht abgedrängt. So gefällt’s uns auf den schmalen, baumgesäumten Alleenstrassen besser, wir genießen die leicht hügelige Landschaft mit leuchtend gelben Rapsfeldern, blauen Seen und saftig grünen Laubwäldern, teils auf Teer, aber auch auf Schotter oder holprigen gepflasterten Wegen. Wir passieren viele kleine Dörfer, auch das kleinste Dorf hat eine große Kirche, viele Häuser und die meisten Kirchen sind aus rotem Backstein, zur perfekten Idylle gehören Pferde im Garten und Störche auf dem Dach.
Den Campingplatz in Marzyczyn direkt am See finden wir mit 12,- EUR pro Nacht recht teuer, aber richten uns trotzdem für zwei Tage hier ein. Der Preis begründen sie mit der Tag- und Nachtbewachung des Platzes, auf die wir gerne verzichten würde - die übernimmt nämlich ein großer Hund im Zwinger, der tagsüber pennt und nachts bei jedem kleinen Geräusch uns die Ohren vollbellt. Es ist Wochenende, an der Uferpromenade ist die Hölle los, wir mischen uns unter die Einheimischen und genießen den schönen Tag und die warme Sonne.
Der nächste Tag ist bewölkt, wir entscheiden den Bus nach Stettin (Szczecin) zu nehmen. Wir haben uns schlecht vorbereitet für eine Stadtbesichtigung, finden die Touristenecken nicht. Die Häuser der Strassen, die wir entlang gehen sind nicht renoviert - alles scheint ein bisschen verlottert und heruntergekommen. Vielleicht wirkt auch alles nur so grau in grau, weil es Bindfäden regnet... An jeder Ecke gibt’s Döner- Stände, und auch wir genehmigen uns einen - schmeckt super!
Der Plan war, an der Küste entlang Richtung Osten zu fahren, aber eine dunkle bedrohliche Wolkenwand lässt uns vorzeitig abbiegen, sie erwischt uns aber trotzdem ohne Vorwarnung und unter Fluchen ziehen wir schnell unsere Regensachen über. Wir landen in Czaplinek, einem kleinen Ort an einem See, und finden dort auf einem Campingplatz eine feste Bleibe: Für umgerechnet 20,- EUR bekommen wir ein Zimmer mit Küchenzeile, Sitzecke und Bad. Hier sitzen wir die nächsten beiden Tage die meiste Zeit, denn es ist saukalt, windig und regnet ohne Unterlass. Einmal trauen wir uns raus, zum Einkaufen, das kostenlose Internet der Tourist- Info nutzen und zum lecker Schnitzel essen in einem kleinen Restaurant.

Gdansk (Danzig) bei Regen
Obwohl’s auch diesen Morgen regnet, treibt’s uns weiter. Wir wollen nach Danzig, denn auch wenn das Wetter weiterhin schlecht sein sollte (was der Wetterbericht leider vorhersagt), können wir dort trotzdem etwas unternehmen. Die Mittagspause verbringen wir unter einer überdachten Bushaltestelle, später ist ein Aufwärmstop in einer Tanke nötig, um unsere Füße wieder aufzutauen. Etwas außerhalb von Danzig wissen wir einen Campingplatz, der uns mit seiner Straßenbahnhaltestelle als günstiger Ausgangspunkt erscheint. 12,- EUR kostet die Nacht in einem großen Wohnwagen - wir denken nicht lange nach und schlagen zu - hier wollen wir das schlechte Wetter aussitzen.
Trotz Dauerregens nehmen wir am nächsten Tag die Tram, um in die Innenstadt zu fahren. Danzig finden wir weit übersichtlicher als Stettin und die Altstadt ist schnell gefunden. Die Hafen- und Handelsstadt wurde vor 1000 Jahren gegründet und gehörte nach der Teilung Polens 1793 zu Preußen bzw. zum Deutschen Reich, der Versailler Vertrag erklärte Danzig 1920 zur Freistadt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war 90% der Innenstadt zerstört. 650 Gebäude wurden nach alten Vorlagen wiederaufgebaut, und so kann man den sogenannten “Königsweg” mit der gleichen Kulisse abschreiten, wie es die polnische Könige im Mittelalter schon taten. Da befinden wir uns gerade, bestaunen den schönen Neptunbrunnen vor dem prächtigen Gebäude “Artushof”, da spricht uns ein gut gekleideter, seriös aussehender älterer Herr an. Zuerst auf polnisch, dann auf recht gutem deutsch. Er fragt, ob wir Danzig mögen, und ob wir günstig Geld tauschen wollen. Das wollen wir in der Tat, kurz vorher haben wir angefangen die Kurse in den Wechselstuben zu vergleichen. Rosa gefällt der Typ irgendwie nicht, sie ist eher misstrauisch Menschen gegenüber, die sie auf der Strasse ansprechen, sie würde sie am liebsten gleich abwimmeln. Tommy ist da anders, ist höflicher und hört sich erst mal an, was der andere will. 4,-Zloty will er uns für 1 Euro geben, das ist wirklich ein guter Kurs, denn in der Wechselstube gibt’s nur etwa 3,65 Zloty. Er zeigt uns zwei 200,- Zloty- Scheine, aber Rosa ist überzeugt, dass wir einen Betrüger vor uns haben und die Scheine gefälscht sind. Das sagt sie ihm auch, und der antwortet, kein Problem, wir sollen fünf Minuten warten und er bringt uns das Geld in 50er Scheinen. Also gut, tauschen wir das Geld. Irgendwie sind wir aber trotzdem vorsichtig und sagen, dass wir nur 100,- Euro tauschen wollen. Wir schauen uns die 50er- Scheine in unserem Geldbeutel an und prägen uns die Sicherheitsmerkmale ein. Schon steht unser Geldwechsler wieder da und lotst uns in eine ruhige uneinsichtige Ecke. Dort zählt er uns das Geld vor. Wir nehmen einen Schein in die Hände, um zu prüfen, ob er echt ist - es scheint alles in Ordnung. Als Rosa gerade das Geld in den Fingern hat, um es selber nachzuzählen, wird der Typ plötzlich hektisch, tut so, als ob Rosa zu langsam zählt, nimmt ihr das Geld ungeduldig aus den Händen, um es uns erneut vorzuzählen. Dann faselt er was von Polizei, schaut verschreckt hoch, so dass auch wir hochschauen und von seiner Nervosität angesteckt werden. Er steckt Rosa das gefaltete Geldbündel zu, sagt “Geht! Schnell, schnell!”, so dass wir uns wirklich umdrehen und schnell von dannen ziehen. Während wir noch auf dem Weg zurück um die Ecke zum “Königsweg” sind, kramt Rosa das Geld wieder aus dem Geldbeutel - die Situation war einfach zu seltsam, da muss doch was faul sein.... Und tatsächlich! Der äußere Schein des Bündels ist ein 50er, die inneren sind 10er!! Der Typ hat die Bündel ausgetauscht, als wir kurz hochgeschaut hatten, als er “Polizei” rief. Sofort drehen wir um und rennen zurück - natürlich ist der Typ schon längst über alle Berge und wir sind - trotz Misstrauen und Vorsicht - einem gewandten Trickbetrüger aufgesessen... Damit sind 70,- Euro am A... Rosa ist total fertig, sie kann’s kaum glauben und rauft sich buchstäblich die Haare, der Tag ist für sie gelaufen. Tommy nimmt’s gelassener, auch aus dieser Situation kann man was lernen, ist sein Motto... Unser Bild der Polen ist durch diesen Vorfall allerdings nicht getrübt - wir haben sonst nur freundliche, höfliche und ehrliche Menschen hier in Polen kennengelernt...
Noch zwei Tage sitzen wir im Wohnwagen, draußen ist’s kalt und stürmisch. Wir sind schlecht gelaunt wegen dem Trickbetrüger, auch die Sache mit dem vergessenen Foto kommt wieder hoch und das erste Mal seit über zwei Jahren kommt sogar Langeweile auf! Wir bereuen es, dass wir nicht doch nach Afrika sind. Rosa spricht sogar davon, ob wir nicht vorzeitig heimfahren sollten. Aber wir rappeln uns wieder auf - es ist richtig, dass wir noch auf Reisen sind, und wer weiß, ob in Afrika alles glatt gelaufen wäre...?

Danzig bei Sonnenschein
Obwohl wir die Stadt gesehen haben, wollen wir sie noch mal in einem anderen Licht sehen - wenn die Sonne scheint und mit besserer Laune. Also nutzen wir den ersten Sonnentag, um noch mal in die Innenstadt zu gehen - hinzu’s machen wir die 6 km zu Fuß, zurück nehmen wir wieder die Straßenbahn. In der Tat sieht die Stadt viel freundlicher aus, wir laufen die gleichen Wege ab wie beim ersten Mal - insgeheim hoffen wir, den Trickbetrüger wieder zu begegnen. Wir haben uns die unmöglichsten Dinge ausgemalt, was wir dann mit ihm anstellen würden. Aber der war ja natürlich so schlau, uns zu fragen, wie lange wir uns in der Stadt aufhalten würden - solange geht der bestimmt nicht mehr aus dem Haus!
Wir genießen den Tag, gehen Essen und gönnen uns ein Bier. Wir machen viele Bilder - bei Sonnenschein ist alles photogener. Die Altstadt Danzig’s ist wunderschön! Dieses Mal laufen wir auch zum Solidarnosc- Denkmal, das zum Gedenken der Opfer des blutig niedergeschlagenen Aufstands der Werftarbeiter von 1970aufgestellt wurde. 1980 streikten die Arbeiter wieder und erzwangen die Gründung der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc. Polen war das erste osteuropäische Land, das sich gegen die kommunistische Herrschaft gewehrt hat.

Pilec
Das nächste Ziel ist Masuren. Das ehemals südliche Ostpreußen wurde nach dem Krieg Polen zugeteilt. Deutsche Touristen gibt’s daher in dieser Gegend zuhauf - viele wollen ihre alte Heimat noch einmal besuchen. Aber nicht nur aus diesem Grund wird Masuren gerne bereist: Der inzwischen touristisch voll erschlossene Landstrich lockt mit einer intakten Natur: Unzählige klare Seen, sumpfige Wiesen und urwüchsige Wälder. Trotzdem ist’s noch nicht zu überlaufen, vielleicht sind wir im Mai auch einfach noch früh dran. Auch das Motorradfahren macht hier richtig Laune - wenig Verkehr, schmale und kurvenreiche Sträßchen winden sich durch die hügelreiche Landschaft.
Unterwegs machen wir einen Fotostop in Malbork (Marienburg), wo die gleichnamige Burgfestung aus dem 13. Jahrhundert steht. Unsere Mittagspause verbringen wir am Kanal Elblaski (Oberländischer Kanal), um auf eines der Touristenboote zu warten, die hier zur Höhenüberwindung wie in alten Zeiten über Loren den Berg hinaufgezogen werden. Auf dem Weg halten wir auch bei der schmucken Wallfahrtskirche Swieta Lipka (Heilige Linde), um Fotos zu machen.
Aus dem Internet haben wir die Adresse eines Bauernhofs, der neben Zimmer auch Zeltplätze anbietet. So kommen wir in das verschlafene Nest Pilec und nisten uns auf der ehemaligen Farm ein. Der Hof ist ziemlich abgelegen, wir werden es hier wohl nicht allzu lange aushalten.
Wir dürfen das Esszimmer im Haus benutzen. Darüber sind wir ziemlich froh, denn abends wird es recht kalt und ungemütlich. Im Haus selbst ist ein Ehepaar aus Braunschweig untergebracht, sie haben Halbpension und nehmen ihr Frühstück und Abendessen zur gleichen Zeit wie wir ein. Aus dem ersten überaus geselligen Abend werden insgesamt sechs, und schon am nächsten Tag verlagern wir das gemütliche Beisammensein ins Wohnzimmer. Von Tag zu Tag verlängern wir unser Bleiben, am Anfang war das Regenwetter eine gute Ausrede, später gefällt’s uns einfach zu gut, und wir haben‘s ja nicht eilig...
Margot und Wilfried laden uns wegen des Regenwetters ein, sie in ihrem VW- Bus auf ihren Tagestouren zu begleiten. Gemeinsam besuchen wir Gierlob (Görlitz), wo sich Adolf Hitler 1940 die Wolfsschanze, sein Hauptquartier bauen ließ, und wo das missglückte Attentat von Graf Stauffenberg auf Hitler stattfand. Heute überwuchern Moose und Gräser die gesprengten Bunker - ein schauriger Ort der deutschen Geschichte...
Wilfried ist Hobbyfotograf, spezialisiert auf Tiere und Pflanzen, und der Spaziergang durch den Wald ist plötzlich ganz spannend: Da läuft eine Tigernacktschnecke, irgendwo ruft ein Kranich, dort hämmert ein Specht... Auf der Foto- Jagd nach Wisent und Biber haben wir leider kein Glück, dafür besuchen wir ein Pferdegestüt, auf dem eine ausgerottete Wildpferderasse rückgezüchtet wird, und im Teich hinter’m Bauernhof beobachten wir die anscheinend seltenen Gelbbauchunken. In Krutyn machen wir eine Bootstour und kaufen auf dem kleinen Markt im Ort ein paar Souvenirs - leckeren Honig und Bunzlauer Geschirr.
Dann endlich, einen Tag bevor sich Margot und Wilfried auf ihren Rückweg nach Deutschland machen, können wir uns losreißen und verabschieden uns von den beiden lustigen Zeitgenossen.
Ein schöner Fahrtag bringt uns nach Augustow, nicht weit von der litauischen Grenze entfernt. Dort übernachten wir auf einem Campingplatz mit nächtlicher Festbeleuchtung - zur allgemeinen Sicherheit versteht sich...
Morgen geht's weiter nach Litauen - wieder ein Land, das wir noch nie zuvor besucht haben!
Klick hier: Zum nächsten Reisebericht


[Zurück zur Übersicht]