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Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Rumänien - Teil 1

9. April - 18. April 2005

Zeitraum: 9.April 2005 Bulgarien
Gefahrene Kilometer: 591 km
Strecke: Prohamon E79 > Blagoevgrad E79 > Sofia 18 > Umfahrung/ E79 > Botengrad E83 > Lukovit E83 >Pleven > Bjala E83 > Ruse / Rumänische Grenze

Zeitraum: 10.April 2005 - 17.April 2005 Rumänien
Gefahrene Kilometer: bis Agnita 559 km
Strecke: Giurgiu 56-61 > Gaesti 72 > Targoviste 72a > Campulung E 574 > Brasov 1 > Fagaras > Voila > Agnita

Bulgarien
Die rund 500 km durch Bulgarien durchqueren wir an einem Tag, weil Einige uns im Vorfeld empfohlen haben, die Hauptstrecken nicht zu verlassen. Es reut uns, denn Bulgarien empfängt uns direkt nach der Grenze mit einer wunderschönen Berglandschaft. Die EU hat Geld für einen neuen Strasse spendiert, die sich entlang eines Flusses schlängelt. Hier blühen schon einige Bäume, der Himmel ist strahlendblau und eine Kurve ist schöner wie die andere. Traumhaft! Sofia dagegen kündigt sich mit stärkerem Verkehr und schlechter Strasse mit tückischen und tiefen Schlaglöchern an. Und es liegt eine dunkle Dunstwolke über der Stadt - Smog! Dank der Fahrweise der Bulgaren, die wir uns jetzt ebenfalls zu eigen machen, kommen wir zügig durch den dichten Verkehr der Umfahrungsstrasse: Wir nutzen einfach die nicht vorhandene 3. Spur zum Überholen.

Rumänien
Die Grenzkontrollen an der bulgarischen- rumänischen Grenze verlaufen zügig. Wir verlassen Bulgarien mit der Gewissheit, irgendwann einmal dieses schöne Land zu erkunden.
Der rumänische Zollbeamte kann etwas Deutsch und erzählt uns von seinen Motorrädern: Eine BMW von 1953 und eine Hitler- Zündapp, wie er sie nennt. Er bestaunt unsere BMWs und lotst uns dann an der Warteschlange vorbei - wir sind in Rumänien! Wir versäumen es, etwas Geld zu tauschen und wollen zurück, um das nachzuholen, was der Zoll natürlich ablehnt.
In der kleinen Grenzstadt gibt es zwar eine Bank, aber die hat geschlossen, weil Samstag ist. Egal, wir haben noch genügend zu essen und Sprit für 200 km im Tank!

Nächtlicher Besuch
Wir finden bald ein Plätzchen am Waldrand, wo wir unser Zelt aufstellen. Es wird dunkel und wir sitzen am Lagerfeuer, als wir jemanden kommen hören. Es ist der Bauer, dessen Haus mitten in dem Wäldchen steht und der mit einem Gewehr in der Hand nach dem Rechten sehen will. Er spricht kein Wort Deutsch oder Englisch, aber gibt uns mit Gesten zu verstehen, dass wir in seinem Haus übernachten dürfen. Gerne würden wir die Einladung annehmen, aber unser Zelt im Dunkeln wieder abzubauen hält uns davon ab.

Erste Eindrücke
Der nächste Morgen ist wieder sonnig und bald ist alles gepackt und wir auf unseren Motorrädern. In den größeren Ortschaften suchen wir nach einer Tankstelle, die Kreditkarten akzeptiert, und werden endlich nach einigen Fehlschlägen fündig! Es ist nötig, denn wir haben fast kein Benzin mehr im Tank. Die Zusatztanks an unseren Motorrädern haben sich schon das erste Mal bewährt!
Landschaftlich bietet uns Rumänien anfangs noch nicht viel - der Frühling ist hier noch nicht eingekehrt, es gibt hier keine Berge, und die Donauebene besteht fast nur aus bewirtschafteten Ackerflächen. Trotzdem gibt es für uns viel zu sehen: Die Menschen, Pferdefuhrwerke und die wunderschönen Häusschen mit ihren Torbögen, Türmchen und Verziehrungen faszinieren uns - Wir sind noch in Europa, aber es ist eine andere Welt!

Carpati/ Ein Kuhhirte zu Besuch
Die Landschaft ändert sich, wir sehen schneebedeckte Berge am Horizont. Es sind die Ausläufer der "Carpati"! Wenn wir anhalten, kommen sofort Kinder angerannt. Sie halten die Hand auf, in der Hoffnung, dass wir ihnen Geld geben. Ein Junge freut sich trotzdem sehr über die Orange, die er stattdessen bekommt. Ein Mädchen bewirft uns mit Steinen, als wir nach einem kurzen Halt losfahren, ohne sie zu beachten. An den Pferdefuhrwerken fahren wir sehr langsam und mit großem Abstand vorbei, denn die Pferde sind zwar hupende Autos, dicht vorbeifahrende LKWs und Busse gewohnt, aber nicht das Geräusch der Motorräder. Ein Pferd scheut trotz unserer Vorsicht und galoppiert mitsamt dem Wagen und seiner Insassen in den tiefen Acker. Wir wünschten, unsere Dakars wären etwas leiser...
Auf einer Weide unterhalb der Strasse campieren wir. Da wir genug Wasser bei uns haben und es sehr warm ist, testen wir unsere "Solardusche" - ein Wasserbeutel mit Duschschlauch, der sich durch seine schwarze Beschichtung schnell in der Sonne aufwärmt - herrlich! Plötzlich taucht ein Hirte auf. Er setzt sich zu uns ans Lagerfeuer, und erzählt uns - auf rumänisch - wahrscheinlich seine Lebensgeschichte. Wir verstehen ihn leider nicht, denn wir können kein Rumänisch. Er gibt uns zu verstehen, dass er etwas zu trinken hat, wir lehnen es aber ab, mit ihm zu gehen. Er verschwindet für eine Stunde und kommt betrunken zurück - er kann sich kaum auf den Beinen halten! Und er bringt seine Hunde, eine Motorsäge und eine Plastikflasche mit "Labte" (Kuhmilch) für uns mit! Leider schafft er es, die Motorsäge in Gang zu bringen. Wir befürchten, dass er sich in seinem Zustand verletzt oder aus Versehen unser Zelt umnietet, aber zum Glück geht alles gut. Er macht für uns genug Holz für mindestens 2 Tage, indem er fast einen ganzen Baum fällt! Eine interessante Begegnung! Wir sind allerdings froh, dass er uns bald wieder alleine lässt und wir in Ruhe schlafen können.

Siebenbürgen/ Die Tage bei Joan
In Brasov/ Kronstadt fragen wir nach einer Bank, in der wir Euro in Lei tauschen können und bekommen eine Antwort in Deutsch - wir sind in Siebenbürgen angelangt! Es ist nicht mehr weit bis Agnita/ Agnetheln, wo wir einige Tage bleiben wollen. Rosas Arbeitskollegin Adriana kommt aus dieser Stadt und wir sind von ihrem Vater Joan und seiner Familie eingeladen. In Agnita warten wir auf unsere Visa für die Ukraine und Russland, die uns Adriana nach Sibiu/ Hermannstadt schickt, das nur 60 km entfernt liegt. Wir werden herzlich von Joan, seiner Lebensgefährtin Viorica und seiner Tochter Maria und ihren Kindern Roxana und Edith empfangen. Edith und Roxana gehen beide in eine deutsche Schule und können Deutsch sprechen! Wir werden gemästet, das Frühstück ist schon reichhaltig mit Frühstückseiern von eigenen Hennen, heissen Würstchen, Salami, Käse, Tomaten und und und, aber das Mittagessen mit Suppe, Hauptgang und Dessert ist die Krönung. Und immer gibt es, egal zu welcher Tageszeit, Raciu, rumänischer selbstgebrannter Schnaps dazu! Es ist uns fast peinlich, dass wir so lange - eine Woche - hier verbringen und uns verwöhnen lassen, aber Joan und seine Familie freut es. Wir haben uns gegenseitig ins Herz geschlossen und haben viel Spaß miteinander!
Wir machen einen Ausflug mit unseren Motorrädern und ohne Gepäck nach Sighisoara/ Schäßburg, eine ursprünglich erhaltene Burgstadt, die im 12. Jahrhundert entstand. Es ist schön wieder ohne Gepäck zu fahren, denn die Motorräder sind viel handlicher. Rosa benötigt trotzdem eine gewisse Zeit, bis sie sich daran gewöhnt, denn wir verändern die Federbeinvorspannung nicht. Durch das fehlende Gewichts des Gepäcks kann Rosa nur noch mit den Zehenspitzen den Boden berühren. In Sighisoara besuchen wir ein historisches Museum, das neben Ausgrabungen aus der Gegend vor allem medizinische Instrumente aus den letzten drei Jahrhunderten zeigt.
Am 15.04. 05 sind die Visa in Sibiu/ Hermannstadt und wir machen uns mit Joan und Viorica auf die 1,5 Stunden lange holprige Reise mit dem Bus. Es ist der erste Tag, der uns nicht mit Sonne verwöhnt. Es regnet wie aus Kübeln, aber wir erkennen trotz dem trüben Wetter die Schönheit von Hermannstadt. Die Stadt ist momentan eine große Baustelle, denn sie wird 2007 Kulturhauptstadt Europas und bereitet sich emsig darauf vor!
Wir fragen im evangelischen Pfarramt nach Dietrich Galter, einen deutschstämmigen Pfarrer, der ebenfalls Motorrad fährt, und mit dem wir schon von zuhause aus Kontakt hatten. Er selbst macht uns die Tür auf, und trotz dem Berg von Arbeit auf seinem Schreibtisch, nimmt er sich viel Zeit und erzählt uns von Siebenbürgen, von seiner Enduro- Leidenschaft und seinem Bestreben, den Enduro- Tourismus in Rumänien, der im Einklang mit Natur und Bevölkerung stehen soll, zu fördern und auszuweiten. Wir verabreden eine gemeinsame Ausfahrt mit den Motorrädern. Bevor wir uns verabschieden, reserviert er uns zwei Nächte in der „Akademie" in Neppendorf, eine Vorstadt von Hermannstadt, wo sich seine Gemeinde befindet. Die „Akademie" ist eine Begegnungs- und Tagungsstätte, in der man günstig übernachten kann. Einerseits freuen wir uns auf die Zeit mit Dietrich, andererseits sind wir auch ein bisschen traurig, Joan und seine Familie zu verlassen. Tommy hat einen Weg gefunden, uns ein wenig bei Joan zu revanchieren - er repariert Joans Mofa, indem er den Kupplungszug ersetzt und die Düsen reinigt.
Ein herzliches "Mulcumesc" (Dankeschön) an Joan, Viorica, Maria, Edith und Roxana für ihre überwältigende Gastfreundschaft und liebe Grüsse zu Adriana nach Deutschland, die diesen Besuch erst möglich gemacht hat!!

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