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Wir nehmen Euch mit auf unserer Reise...

 

Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Russland - Teil 1

13. Mai - 24. Mai 2005

Gefahrene Kilometer: 2043 km
Strecke: Anapa > Novorossijsk > Abrau > Djurso > Abrau > 146 Krimsk > E 115 Krasnodar > P 251 Kropotkin > Salsk > A 153 Volgograd > P 228 Peskowatka > P 228 Saratov > Engels > P 226 Samara

Russische Grenze
Sitzend auf unseren Kälbchen verbringen wir die halbstündige Fahrt mit der Fähre von Kerc zum russischen Festland. Endlich sind wir in Russland! Aber zuerst der russische Zoll. Tommy ist der erste, der seinen Paß durch´s Fensterchen strecken darf. Die Immigrationskarte konnten wir schon auf der Fähre ausfüllen, und so glauben wir, daß die Formalitäten für uns vier nicht mehr als ein, höchstens zwei Stunden gehen werden. Wir bekommen alle vier auch gleich ein Formular in deutscher (!) Sprache zum Ausfüllen. Darin müssen wir vermerken, was wir einfühen. Wir geben ein bisschen Währung (Dollar und Euro) und natürlich unsere Mopeds zur vorübergehenden Einfuhr an.
Inzwischen sind Tommys Papiere gecheckt. Er darf den Zoll jedoch nicht passieren, sondern muß auspacken. Der coole Zöllner und seine fünf Kollegen wollen in jede Tasche, Gepäckrolle und Koffer sehen. Endlich, nachdem die Dakar komplett abgepackt ist, wird der Schlagbaum gehoben - um vor der nächsten Schranke zu stehen!
Auch Rosa muß ihre Ersatzreifen- Halterung vorführen, der Zöllner will aber dann doch nicht in die Gepäckrollen sehen. Dafür lieber in die Toolbox...
Alex und Carsten haben Glück, daß sie nach uns dran sind und bleiben, außer einem kurzen Blick in den Tankrucksack, verschont. Wir werden nun in ein stickiges Kontainerbüro beordert. Dort müssen wir das Einfuhr- Dokument abgeben und wieder alle Papiere vorzeigen. Dann hat jeder 24,- USD abzudrücken. Eigentlich möchte die Dame nur Rubel, aber wie sollen wir an Rubel kommen, wenn wir nicht aus dem Zoll rauskommen? Sie akzeptiert dann doch die Dollars und verweist uns, nachdem sie unsere Daten in den PC gehackt hat, an die Dame gegenüber. Wir müssen noch ein Dokument ausfüllen. Die Dame hilft uns dabei, da wir die russischen Wörter nicht verstehen. Eine Route muß angegeben werden, und wir tragen als Zielort Vladivostok ein. Dies führt zu Problemen, und wir verbringen Stunden in dem miefigen Büro. Das Problem ist, daß wir ein Geschäftsvisa haben und die Firma, die uns eingeladen hat, hat ihren Sitz in Moskau. Daher sollen wir als Zielort Moskau angeben. Das Dokument ist nur 14 Tage gültig und im Moskauer Zentralzollamt können wir es dann verlängern lassen. Wir streuben uns dagegen, Moskau anzugeben, denn dort wollen wir gar nicht hin. Und es wäre ein ziemlicher Umweg. Ein Vorgesetzter wird hinzugezogen, Telefonate geführt - es bleibt dabei: Moskau. Als Alex auf dem dritten Formular, das die Dame ihr hinstreckt - die anderen hat sie vernichtet - Vladivostok statt Moskau angibt, wird sie richtig böse. Also haben wir alle Moskau in unserem Antragsformular stehen...wir sind gespannt, ob das Folgen haben wird, oder ob wir das Zolldokument auch beispielsweise in Krasnodar verlängern lassen dürfen. Dort werden wir es in den nächsten Tagen versuchen. Wenn nicht, auf nach Moskau...?
Dann wollte die Zöllnerin den Kilometerstand von Alex Motorrad wissen und ihr Kollege verbringt einige Zeit mit Lineal, Block und Bleistift über unserer Karte, um unsere Gesamtkilometer, die wir - wohl bis Moskau und zurück, wir wissen es nicht - fahren werden. Komischerweise trägt die Dame dann in jedes Zolldokument den gleichen Kilometerstand wie bei Alex ein. Obwohl der bei jedem Motorrad natürlich anders ist. Aber wir haben sowas von die Schnauze voll, sind froh, daß wir endlich den Stempel auf den Papieren haben, und ziehen nach 5 Stunden Russland- Zoll genervt, verschwitzt, hungig und durstig los.
Unglaublich, aber war: An der letzten Zollschranke müssen wir nochmals alle Papiere zeigen...Und vielleicht 5 km nach dem Zoll wieder eine Schranke, wieder Papiere...Und die Ermahnung, uns unbedingt in den nächsten 3 Tagen registrieren zu lassen, sonst droht Strafe! Wir haben inzwischen richtig schlechte Laune!

Urlaub auf dem Bauernhof
Bald sehen wir einen Weg, der von der Straße weg und zu einem Gehöft führt. Wir fragen auf dem Bauernhof, ob wir unsere Zelte hier aufstellen dürfen, und sind willkommen. Die Kuh wird von der Weide geholt und für uns gemolken, wir bekommen Eier, Lauchzwiebeln und selbstgemachten Wein! Der krasse Gegensatz zu unseren ersten Eindrücken über Russland am Zoll...Wenn nur die Mücken nicht wären! Sie stürzen sich regelrecht auf uns. Tommy hat Durchfall und muß öfters hinter die Büsche - für die Mücken ein gefundenes Fressen!

Aussprache
Nun sind wir schon einige Tage zu viert unterwegs und merken, daß es so nicht weitergehen kann. Wir haben verschiedene Arten zu reisen: Das Tempo beim Fahren, beim Aufstehen und Packen ist zu verschieden. Alex und Carsten stehen extra eine Stunde früher auf, um mit uns fertig zu werden. Und wir quälen uns am nächsten Tag aus den Schlafsäcken, weil wir die zwei draußen schon hören - obwohl wir schlecht geschlafen haben und normalerweise noch weiterschlafen würden. Es sind immer dieselben Erlebnisse, die gleichen Bilder, die wir machen...Und Entscheidungen sind nicht so einfach zu treffen, denn sie müssen immer zu viert diskutiert werden.
Wir verstehen uns wirklich fantastisch mit Alex und Carsten, aber es ist besser, wenn wir nicht immer zusammen sind. Wir sprechen darüber, und werden eine andere Variante versuchen: Wir treffen uns alle paar Tage, verbringen ein, zwei Tage miteinander und trennen uns dann wieder. Diese Lösung dürfte kein Problem sein, denn unsere Route ist ja diesselbe. Wir beschliessen, auf jeden Fall noch die Zollgeschichte gemeinsam zu erledigen.

Meerblick
Wir fahren ein wunderschönes Sträßchen von Novorossijsk nach Abrau- Djurso. Die Bäume haben hier ein sattes Grün, es ist leicht hügelig und die schmale Straße mit griffigem Asphalt schwingt sich zu einem Stausee hinunter. Der Zeltplatz dort ist noch geschlossen, und so fahren wir Richtung Meer, um ein schönes Plätzchen direkt am Meer zu finden. Hier wollen wir zwei Nächte bleiben. Doch bald kommt ein Miliz- Auto. Die Polizisten kennen wir schon, denn im Örtchen 8 km vorher haben sie uns schon genau gemustert. Sie sind aber freundlich, und empfehlen uns, diesen Platz zu verlassen. Es sei gefährlich hier. Dann bedeuten sie uns, doch zu warten, bis sie zurückkehren. Sie wollen jemanden fragen, ob wir dort unser Zelt aufstellen dürfen. Sie kommen jedoch nicht mehr wieder. Wir bleiben, denn es sind viele Fischer und Angler hier, und die machen uns keinen gefährlichen Eindruck. Die Nacht ist ruhig und wir schlafen sehr gut.
Das Wetter ist traumhaft, und so wagen wir am nächsten Tag ein kurzes Bad im kalten Meer - es ist sehr erfrischend!

Registrierungsstempel
Alex und Carsten ziehen los, während wir unsere Zelte im Auge behalten. Sie wollen zur Polizeistation, um unsere Registrierungstempel abzuholen. Es ist Sonntag, und die Polizeistation ist zu. Auch die Frage bei einem Hotel, ist erfolglos. Nur wenn wir übernachten, bekommen wir den Stempel. Also packen wir alles zusammen und verbringen zwangsweise für 11,- Euro pro Person eine Nacht im Hotel.

Krasnodar
Wir fahren nach Krasnodar, um dort die Verlängerung für das Zolldokument zu bekommen. Am Ortseingang halten wir bei einem Polizeikontrollposten. Wir fragen nach dem Weg zum Zollamt, da spricht uns Juri an. Er fährt mit dem Auto voraus und kommt mit ins Zollamt, um uns zu helfen. Es stellt sich heraus, daß wir die Immigrationskarte falsch ausgefüllt haben. Statt der Adresse der einladenen Firma in Moskau, hätten wir eine Adresse auf unserem Weg eintragen müssen. Dank Juri geben uns die Zollbeamten einen Tip. Sie empfehlen, wir sollen kurz vor Ablauf der Gültigkeit des Zolldokuments zunächst eine neue Immigrationskarte besorgen und dort eine Adresse auf unserem Weg angeben. Aber eine Adresse, die wir in den wenigen verbleibenden Tagen nicht erreichen können. Dann können wir das Zolldokument verlängern lassen. Oje, das wird noch einen Zollamt- Marathon geben....

Angler"glück"
Kurz nach Krasnodar zelten wir noch einmal gemeinsam mit Alex und Carsten. Am nächsten Morgen sind wir früh fertig und fahren ohne die Beiden los. Wir verabreden, daß wir uns zu Alex´Geburtstag ungefähr in der Höhe von Volgograd wiedersehen.
Selbst die kleinen Nebenstraßen sind gut, und so kommen wir zügig vorwärts. Bei Salsk schlagen wir unser Zelt an einem Flüsschen auf. Tommy will endlich mal die Angelutensilien, die wir von Rosa´s Bruder Marcus zum Abschied geschenkt bekommen haben, testen.
Und tatsächlich! Tommy scheint Glück zu haben, es beisst etwas an. Aber leider kein Fisch, sondern eine fette Kröte...Er befreit sie von dem Haken, entläßt sie wieder in die Freiheit und packt für heute die Angelschnur wieder ein.

Volgograd
Wir beschließen, die restlichen Kilometer bis Volgograd, etwa 450 km, an einem Tag zu meistern.
Seit Tagen scheint die Sonne und täglich wird es wärmer. Es wird Zeit, die Innenfutter aus den RUKKA- Klamotten zu nehmen! So ist es selbst in der Großstadt angenehm zu fahren.
Etwa um 16.00 Uhr erreichen wir Volgograd. Die Stadt breitet sich 75 km entlang des Volga- Ufers aus. Volgograd, ehemals Stalingrad hat eine sehr tragische Vergangenheit. Schon während des Bürgerkriegs 1918 fanden erbitterte Kämpfe statt, im zweiten Weltkrieg jedoch lag die komplette Stadt in Schutt und Asche. Nicht ein einziges Haus blieb während den 160 Tage andauernden Schlachten verschont. Es ist ein seltsames Gefühl an diesem geschichtsträchtigen Ort zu sein.

Schemja
Wir fahren Richtung Zentrum, denn wir wollen hier eine Nacht im Hotel verbringen. Wir halten Ausschau, aber erst in der Innenstadt gibt es welche. Aber alle Hotels sind ausgebucht! Wir sind müde und wollen nicht mehr weiterfahren, aber uns bleibt nichts anderes übrig, als die restlichen 30 km raus aus der Stadt zu fahren und dort ein Platz fürs Zelt zu suchen.
Uns kommt ein Motorradfahrer entgegen. Er winkt, kehrt um, überholt uns und wir halten am Straßenrand an. Schemja fährt eine modifizierte, chromblitzende Honda F 6 C. Als wir ihm erzählen, daß wir ein Hotel suchen, hängt er sich an´s Handy. Er ruft seinen Freund in Deutschland an, nur damit dieser uns sagen soll, daß wir bei Schemja in guten Händen sind. Wir sollen uns keine Sorgen machen, er wird eine Übernachtungsmöglichkeit für uns finden! Schemja läßt seine Tochter Nastia kommen, denn diese spricht ein bisschen deutsch. Nach mehreren Telefonaten bedeutet er uns, ihm nachzufahren. Etwas außerhalb, am anderen Volga- Ufer in Volzskij, soll es ein Hotel geben, das noch Zimmer frei hat!
Als wir über die Brücke fahren, staunen wir, wie breit die Volga ist, obwohl wir wissen, daß sie mit 3530 km Länge der mächtigste Strom Europas ist. Sie entspringt in der Nähe von St. Petersburg und mündet im Kaspischen Meer.
Wir brausen mit 100 Sachen durch die Stadt, an Polizeikontrollen vorbei. Natürlich werden wir angehalten, aber Schemja ruft jemanden an und gibt dem Polizisten das Handy. Sofort dürfen wir weiterfahren...Zu gern würden wir wissen, wen er da an der Strippe hatte! Im Hotel dann erfahren wir, daß nicht an Ausländer vermietet wird...Schemja lädt uns nun in sein Sommerhaus ein. Dort dürfen wir duschen, im Ehebett schlafen und die Nachbarn bringen uns ein leckeres Abendessen! Schemja läßt uns den Schlüssel da, er fährt nachhause, in sein Stadthaus. Wir staunen wieder einmal über die Freundlichkeit, das Vertrauen und die Gastfreundschaft, die uns entgegengebracht wird. Glücklich, satt und müde fallen wir spät abends ins Bett.
Am nächsten Morgen beim Bepacken der Motorräder kommt uns die Nachbarin Lisa mit ihrer Mutter entgegen. Lisa erzählt uns, daß sie in die Stadt fahren, um den Bruder, der in Moskau studiert, vom Bahnhof abzuholen. Gerne sind sie bereit uns mitzunehmen, denn wir möchten ins Internetcafé, um mal wieder die Webseite mit neuen Bildern und Reiseberichten zu füllen.
Auf dem Weg in die Stadt zeigen sie uns die 85 Meter große Statue "Mutter Heimat", das Planetarium und das riesengroße Traktorwerk, das während Kriegszeiten den legendären Panzer T-34 herstellte.
Das Internetcafé ist super ausgestattet, und so können wir problemlos per USB- Stick das Programm installieren, das wir für´s Hochladen der Bilder und des Tagebuch- Archivs benötigen. Plötzlich spricht uns eine Deutsche an! Sie hat gesehen, daß wir vor einer deutschen Webseite sitzen. Ulrike ist seit Oktober in Volgograd und verbringt hier ihr Soziales Jahr. Die Aktion Sühnezeichen- Friedensdienst ist in Volgograd aktiv, da es hier immer noch Kriegsveteranen gibt. Mit diesen spricht Ulrike und schreibt eine Projektarbeit darüber.
Per Taxi fahren wir für 7,- Euro die dreiviertel Stunde zurück zum Sommerhaus und verabschieden uns von Lisa und ihrer Mutter.

Sascha
Per SMS verabreden wir uns mit Alex und Carsten. Wir wollen die Zwei heute unbedingt wiedersehen, denn Alex hat Geburtstag! Sie campierten etwa 200 km vor Volgograd und müssen auch noch durch die Stadt, denn eine Umfahrung gibt es nicht. So suchen wir bald nach Volgograd einen Zeltplatz. Ein Plätzchen an der Volga wäre verlockend, und so biegen wir Richtung Peskowatka ab. Ein Lada überholt uns, das Fenster wird heruntergekurbelt. Ein Mann fragt uns, woher wir sind, und was wir suchen. Wir erklären ihm, daß wir campen möchten. Alexander bittet uns, kurz zu warten und kommt nach wenigen Minuten zurück. Im Schlepptau hat er seinen Sohn Sascha und Marina, eine perfekt deutsch sprechende Russin, die schon seit Jahren in Deutschland lebt und die zu Pfingsten, zusammen mit ihrer Tochter Sophie, die Eltern besucht. Sie führen uns an einen wunderschönen Platz in einer Bucht, wo wir unser Zelt aufstellen können.
Sascha ist total begeistert von unseren BMW´s. Er selbst besitzt 3 Motorräder und ist ein absoluter Motorrad- Freak. Er macht zur Zeit seinen Schulabschluß und möchte unbedingt KFZ- Mechaniker lernen. Tommy und Sascha verstehen sich, trotz Sprachbarrieren, auf Anhieb sehr gut.
Saschas Vater Alexander war früher Lehrer, doch nach der Perestroika bekam er keinen Lohn mehr, und so sattelte er um und wurde Fischer. Die ganze Familie hilft mit und sein kleiner Familienbetrieb läuft ganz gut. Einer der wenigen im Dorf, der es geschafft hat und der nicht dem Alkohol verfallen ist.
Marina erzählt uns, daß leider der Großteil der Jugendlichen keine Arbeit hat. Sie bemühen sich auch nicht, sondern leben einfach nur in den Tag hinein und trinken Wodka. Arbeit gäbe es. Viele Chinesen leben und arbeiten hier.
Sascha bringt uns eine Tüte mit Fischen, die er frisch aus der Volga geholt hat. So können wir Alex und Carsten ein feines Menü bieten. Die beiden sind nach der anstrengenden Fahrt hungrig. Wir grillen die Fische über´m Lagerfeuer, die Flußgarnelen, die uns Sascha spät abends noch bringt, werfen wir ins kochende Wasser. Ein Festmahl!!

Wodka
Der nächste Tag ist reserviert für Wäsche waschen und Motorrad- Check. Tommy entdeckt, daß unsere Ritzel nach nur 7000 km schon deutliche Verschleißspuren aufweisen. Wahrscheinlich war das unser Fehler, und die Kette war zu stramm eingestellt. Auch die Lenkkopflager sind hinüber. Das erklärt das schwammige Fahrverhalten der letzten Kilometer. Leider haben wir keine im Gepäck und müssen sie uns wahrscheinlich postlagernd schicken lassen.
Sascha läßt Tommy mit seiner Java fahren und freut sich riesig, als Tommy ihm seine Dakar für eine kleine Dorfrunde anbietet. Es ist etwas Besonderes, denn natürlich läßt Tommy nicht jeden auf sein Kälbchen! Tommy wird zum Essen eingeladen, Speck mit frischem Dill, Brot und Bier dazu. Ein Fresspaket für Rosa, Alex und Carsten bekommt er auch noch mit.
Abends machen wir wieder ein Lagerfeuer. Sascha kommt mit seinem Vater vorbei und bringt wieder Fisch. Wir haben aber schon gegessen. Sascha meint, wenn wir die Fische gleich ausnehmen, halten sie bis zum nächsten Tag. Inzwischen sitzen nicht nur Sascha und seine Freunde mit uns am Feuer, sondern auch einige betrunkene Jugendliche aus dem Dorf. Sie wollen, daß wir mit ihnen Wodka trinken, und sie wollen nicht kapieren, daß wir keinen mögen. Sie sind zwar laut, aber friedlich, und ziehen irgendwann wieder los.
Schon Saschas Vater hat uns vor den Betrunkenen ("schlechte Menschen") gewarnt und diese ermahnt. Sie scheinen ziemlich Respekt vor ihm zu haben. Auch Sascha scheint nicht sicher zu sein, ob wir unsere Ruhe haben werden. Wir gehen seiner Empfehlung nach, und stellen die Mopeds so, daß wir sie vom Zelt aus gut im Blick haben. Es wird alles abgeschlossen bzw. ins Zelt genommen.
Und tatsächlich werden wir um 3.00 Uhr früh durch Lärm geweckt. Zwei sturzbetrunkene Jungs mit ihren Mädels stehen vor unseren Zelten und stolpern gröhlend um unsere Mopeds. Tommy versucht ihnen klar zu machen, daß wir müde sind und schlafen wollen. Als einer unsere Mülltüte gegen das Zelt wirft und auf Rosas Motorrad lehnt, reißt unser Geduldsfaden. Tommy "begleitet" ihn ein Stück. Auch die anderen Drei schwanken irgendwann davon und um 4.00 Uhr haben wir endlich wieder Ruhe.

Zoo
Zum Frühstück gibt es den Fisch, damit er nicht verdirbt. Für Rosa etwas gewöhnungsbedürftig, den anderen schmeckt der Fisch auch morgens.
Es ist Samtag, und der Platz, an dem wir campen wird zum Ausflugsziel. Wir werden bestaunt, bewundert, beobachtet...Wir fühlen uns wie im Zoo. Rosa hält es nicht mehr aus und verschwindet, trotz brütender Hitze, im Zelt. Tommy ist der Geduldigere. Er harrt aus und läßt die Kinder auf seiner Dakar probesitzen. Aber es wird Zeit, diesen Ort zu verlassen! Die letzte Nacht verläuft wider Erwarten ruhig. Wir verabschieden uns von Saschas Familie. Sascha begleitet uns noch ein Stückchen, dann verabschieden wir uns von ihm und auch von Alex und Carsten. Die Beiden werden wir in Samara wiedersehen.

Samara
Die Straße geht immer stur gerade aus. Nur Raben, die wir mit Hupen von der Straße scheuchen müssen, und fiese Bodenwellen und Schlaglöcher reißen uns ab und zu aus unserer Lethargie. In zwei Tagen und nach 800 km erreichen wir Samara. Es ist sehr heiß hier, und die Suche nach einem Hotel macht keinen Spaß. In unseren verstaubten Klamotten und mit schmutzigen Gesichtern scheinen wir auch nicht besonders willkommen zu sein.
Kurz und gut, wir fahren mal wieder raus aus der Stadt. 30 km außerhalb soll es angeblich einen Campingplatz geben.
Es geschieht das, was wir schon in Volgograd erlebt haben. Ein Motorradfahrer mit einer Virago 1100 kommt uns entgegen, wir winken ihm und halten, er dreht um und hält neben uns. Wir erklären ihm, daß wir ein Hotel suchen, er zückt sein Handy und telefoniert. Dann bedeutet "John" uns im zu folgen. Wir fahren genau den Weg, den wir eben hergekommen sind. Wir befürchten schon, daß wir jetzt wieder die gleichen Hotels abklappern, aber wir halten vor einem, das wir übersehen hatten. Dort warten schon ein paar Biker- Kollegen in ihren Clubwesten und ein Mädchen, das als Dolmetscherin angeheuert wurde - sie spricht sehr gut Englisch.
Tanja fragt in der Rezeption nach einem freien Zimmer. Und tatsächlich - wir bekommen eines! Es ist zwar für unser Budget mit 70,-EUR die Nacht fast zuviel. Aber wir sind einfach froh, endlich eine Bleibe zu haben. Nebenan gibt es auch noch einen bewachten Parkplatz - perfekt!
Tanja hilft uns, die Formulare beim Check-In auszufüllen. Dabei sieht sie, daß unsere Immigrationskarte nur einen Registrierungsstempel enthält. Da dieses Hotel, aus was für einem Grund auch immer, nicht registrieren darf, fehlt uns eine lückenloser Beleg. Und das könnte, meint Tanja, bei der Ausreise Schwierigkeiten bereiten. Sie weiß, daß es nur ein Hotel in Samara gibt, das registrieren darf, und eine Nacht dort ist für uns unbezahlbar. Nun schnappt sie einfach unsere Immigrationskarten und macht aus einer Eins eine Zwei: 16.5. wird zum 26.5. und somit sind wir wieder registriert. Wir wissen nicht, ob das eine gute Idee war, denn wir sind nach Samara gekommen, um hier unsere Dokumente für die Motorräder verlängern zu lassen. Dafür müssen wir die Immigrationskarten zeigen, und die sollten natürlich auch eine gültige Registrierung aufweisen. Eigentlich hatte uns der Zoll in Krasnodar empfohlen, neue Immigrationskarten zu beantragen, aber wir werden unser Glück mal so probieren. Wir hoffen nur, daß der Schwindel nicht auffliegt...
Samara ist eine Industriestadt, und mit etwa 1,2 Mio. Einwohnern die sechstgrößte Stadt Russlands. Während des 2. Weltkriegs war vorgesehen, daß sich die sowjetische Regierung hierher zurückziehen sollte, falls Moskau von der deutschen Wehrmacht eingenommen würde. In Samara wird die Sojus- Rakete konstruiert und gebaut. Sie ist die meistgeflogene Weltraumrakete der Welt und mit einer Zuverlässigkeitsquote von 97,5% auch die erfolgreichste. Außerdem ist sie die einzige aktive Trägerrakete der Russischen Föderation, die für den bemannten Raumflug zugelassen ist.
Berühmt ist Samara für eine schier endlose Volgapromenade. Die wollen wir sehen und gehen abends an die Volga. Dort brummt der Bär, überall Livemusik, junge Menschen, Imbisstände. Wir gönnen uns leckere gefüllte Blätterteigtaschen und kühles Beck´s.

Der Zoll in Samara N53°14.432`E050°16.945`
Der Parkplatzwärter erklärt uns ungefähr den Weg zum Zoll. Die Stadt ist riesig, der Verkehr dicht. Es ist schon morgens heiß und stickig. Wir finden den Zoll nicht auf Anhieb und fragen jemanden nach dem Weg. Er weiß ihn auch nicht, telefoniert kurz und sagt, wir sollen ihm folgen. Er weist uns den Weg! Den hätten wir allein auch nicht gefunden...Mit einem mulmigen Gefühl betreten wir das Gebäude. Zum Einen wegen der manipulierten Karte, zum anderen weil wir Angst vor einem weiteren Fehlschlag haben.
Ein freundlicher Zöllner begrüßt uns. Er holt eine Kollegin hinzu, die gut deutsch spricht. Diese freut sich sehr, mal wieder deutsch sprechen zu können. "Heute ist mein Tag!" sagt sie. Leider sind wir aber im falschen Zollamt gelandet, aber die nette Zöllnerin hilft uns trotzdem. Sie läßt jemanden kommen, der uns zum richtigen Zollamt begleiten wird! Und sie schreibt uns den dortigen Ansprechpartner und ihre Telefondurchwahl auf - wenn es Probleme geben sollte, dürfen wir ihr gerne anrufen.
In dem Moment erhalten wir eine SMS von Alex und Carsten. Sie sind seit 3 Stunden in der Stadt und finden den Weg zum Hotel nicht. Uns bleibt keine Zeit zu antworten, denn unser Begleiter wartet schon mit seinem Merzedes auf uns. Nun geht es mal wieder mit 100 Sachen durch eine Großstadt. Und wer kommt uns da nicht entgegen: Alex und Carsten! Zum Glück bemerkt unser Merzedesfahrer, daß wir anhalten. Wir warten, bis die Zwei umgekehrt sind und rufen ihnen nur kurz das Stichwort "Zoll" zu und schon geht´s weiter.
Das Zollamt ist irgendwo in einem Hinterhof versteckt. Nie im Leben hätten wir es ohne Hilfe gefunden! Alex und Carsten möchten draußen warten. Sie sind müde von der Fahrt und wollen zuerst mal Luft holen. Also gehen wir rein. Die Zollbeamte sind alle sehr nett, zwei von ihnen können Englisch. Sie fragen uns, woher und wohin, freuen sich über und mit uns und helfen uns, die Formulare auszufüllen. Und nach ca. 2 Stunden halten wir unsere neuen Dokumente, die bis Mitte September gültig sind, in den Händen! Also doch einfacher, wie zunächst gedacht... Für Alex und Carsten reicht die Zeit nicht mehr, denn die Beiden müssten ins Hotel fahren und dort einchecken. Man benötigt einen Nachweis, daß man in der Stadt übernachtet. Aber ein Zöllner hat mitgedacht und unsere Formulare kopiert. Wir bekommen zwei Blankos für die Beiden mit. So können sie die Formulare schon vorab ausfüllen und müssen am nächsten Tag nicht mehr solange warten.
Dank GPS finden wir problemlos ins Hotel zurück. An diesem Tag sind wir doch tatsächlich 47 km in der Stadt rumgefahren, nur um die Zollgeschichte zu erledigen!! Abends geht´s noch einmal an die Volga. Auf dem Rückweg noch kurz in ein "Magasin", was sich aber eher als Delikatessenladen entpuppt. Dort gibt es sogar Tannenzäpfle, unser Hausbier!! Unglaublich...
Am nächsten Morgen verabschieden wir uns wieder von Alex und Carsten. Sie möchten noch einen Tag in Samara verbringen. Für uns geht es weiter Richtung Jekaterinburg.

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