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Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Russland - Teil 4

13. August - 03. September 2005

Gefahrene Kilometer: 1607 km mit unseren Motorrädern, 3100 km mit der Transsibirischen Eisenbahn
Strecke: Mongolische Grenze - Kyachta - Petrovsk- Sabaikalskij - Chita - Vladivostok - Sarubino

In Kyachta mit Lars, Katrin und Juni
In Kyachta, kurz nach der Grenze, suchen wir uns eine Gastiniza und warten auf Lars, der gemeinsam mit Katrin und Juni auf dem Weg in die Mongolei ist. Lars kennen wir schon von zuhause - er wohnt 10 km von uns entfernt, und durch unsere Reiseplanungen haben wir ihn kennengelernt.
Er traf Katrin und Juni unterwegs, und seither fahren sie gemeinsam, denn sie haben die gleiche Richtung. Die beiden haben richtig Pech, denn Juni´s KTM LC4 hat bei Ulan- Ude den Geist aufgegeben - wegen Motorschaden, obwohl der Motor vor der Reise generalüberholt worden ist. Nun haben sie ihn für teures Geld nach Deutschland schicken müssen, in der Hoffnung, daß er auf Garantie repariert wird. Während sie auf die Rückkehr des Motors warten, fahren sie zu zweit auf Katrin´s Suzuki DR 650 in die Mongolei. Hoffentlich geht alles gut, und sie bekommen den Motor bald wieder zurück!
Die drei treffen wir in einem Biergarten, den Weg zum Hotel zeigen wir ihnen später. Wir sitzen lange dort, denn es gibt viel zu erzählen!
Im Hotel angekommen, stolpert Rosa über eine Schwelle und verdreht ihren Fuß. Der Fuß schwillt sofort an und schmerzt, aber Rosa ist sich sicher, daß nichts gebrochen ist. Zufällig ist ein Arzt vor Ort, der sich den Knöchel anschaut. Er meint, wir sollen doch in die Ambulanz fahren und ruft einen Krankenwagen.
Die Fahrt in dem UAS ist fürchterlich - wer mit schweren Verletzungen in diesem Wagen transportiert wird, kommt wohl nicht lebend an... Die Straßen sind wie üblich mit Schlaglöchern und Bodenwellen übersäht, und der UAS holpert nahezu ungefedert darüber. Festhalten ist angesagt, sonst landet man auf dem Boden...Der Arzt im Krankenhaus tastet den Fuß ab, und Rosa zeigt mit verschiedenen Jaultönen und Grimassen das jeweilige Schmerzempfinden. Ein enger Verband wird angelegt und wieder mit einem UAS geht´s zurück zur Gastiniza.
Am nächsten Morgen ist klar, daß wir nicht aufbrechen können, als Rosa versucht aufzustehen. Sie kann kaum auftreten vor Schmerzen. Die werden aber von Stunde zu Stunde besser, und die russische Sportsalbe, die Lars in der Apotheke besorgt, scheint zu helfen. Die drei bleiben auch noch eine weitere Nacht, und so haben wir Zeit, um einander unsere Reiseerlebnisse zu erzählen. Juni kocht abends leckeren Curryreis, und Tommy wird dazu verdammt 30 Minuten still zu sitzen. Der Reis darf nur leicht garen, und muß weit über dem Feuer hängen. Da wir mit Lars´ Benzinkocher im Hotelzimmer kochen, hängen wir den Topf an einen Kleiderbügel, der zwischen einem Brett und Tommy´s Stuhl klemmt. Improvisieren lernt man auf Reisen...

Petrovsk- Sabaikalskij
Am nächsten Morgen frühstücken wir noch gemeinsam, dann geht´s in verschiedene Richtungen weiter - wir Richtung Vladivostok und Lars, Katrin und Juni an die mongolische Grenze. Es wäre schön, wenn wir sie unterwegs mal wieder treffen würden!
Rosa hat immer noch Schmerzen. Unglücklicherweise hat sie sich den linken Fuß verdreht, und sie hat Probleme beim Hochschalten. Wir fahren an diesem Tag bis Petrovsk- Sabaikalskij, ein verschlafenes Städtchen. Dort möchten wir in eine Gastiniza, denn es ist sehr kalt und regnet immer wieder. Ein Auto hält neben uns, und der junge Mann fragt, ob er ein Foto von uns machen darf. Klar, kein Problem. Dafür soll er uns sagen, wo wir eine Gastiniza finden können. Er will uns sogar den Weg zeigen, und so folgen wir ihm. Die Gastiniza hätten wir alleine nie gefunden, sie ist abseits, und kein Schild draußen weist das brüchige Gebäude als Hotel aus. Leider gibt es keine "Stoianka", keinen bewachten Parkplatz in der Nähe, aber "Sarula" weiß eine Lösung. Sein Freund "Schena" hat eine große leere Garage - perfekt! Natürlich ist es ein gewisses Risiko, fremden Menschen, die wir gerade auf der Straße kennengelernt haben, unsere Motorräder anzuvertrauen. Aber beide machen einen vertrauenswürdigen Eindruck, und wir haben ein gutes Gefühl.
Sarula begleitet uns zum Hotel und fragt, ob wir noch etwas essen wollen. In der Gastiniza gibt es kein Restaurant, und Sarula möchte nicht, daß wir abends alleine durch die Straßen laufen. Er meint, es gibt zuviele Betrunkene in dieser Stadt.
Das chinesische Restaurant hat geschlossen, und als wir "Pelmeni" (ähnlich wie Tortellini) vorschlagen, fährt er kurzerhand zu einem Magazin. Dort kaufen wir tiefgefrorene Pelmeni und fahren zu einem Freund, der sie für uns kocht! Dazu gibt´s leckere chinesische Salate, denn sein Freund ist Chinese und er kocht leidenschaftlich gern. Auch Sarula stammt aus China, wurde aber in der Mongolei geboren und arbeitet seit Jahren schon in Russland. Es wird ein lustiger Abend, und als wir uns spät von Sarula verabschieden, verabreden wir uns für irgendwann in China. Er will uns unbedingt sein Heimatland zeigen.
Wie verabredet holt uns Schena am nächsten Morgen vom Hotel ab und bringt uns zu unseren Motorrädern. Er muß früh zur Arbeit, und so erleben wir einen wunderschönen Sonnenaufgang und sind schon früh unterwegs.

Alex und Vitali
Wir sind uns immer noch unschlüssig, ob wir die Strecke von Chita nach Chabarovsk fahren sollen, oder ob wir den Zug nehmen sollen. Für den Zug spricht Rosa´s schmerzender Fuß, die Horrorgeschichten, die wir von der Strecke hörten und das unbeständige Wetter. Aber wir würden die Piste gern mit eigenen Augen sehen...Auf jeden Fall wollen wir fragen, was eine Zugverladung kosten würde, und entscheiden uns dann. Also geht´s zum Bahnhof. Dort passt Tommy auf die Motorräder auf, und Rosa versucht ihr Glück. Leider kann in der Gepäckabteilung niemand englisch oder deutsch, und niemand will sich um eine Verständigung bemühen. Erst nach langen Minuten und hartnäckigem Bohren findet sie heraus, daß 10 Kilo Gepäck um die 50,- Rubel kostet, und daß erst am nächsten Tag ein Zug fährt. Tommy hat sich währenddessen mit Sasha, einem Arbeiter, unterhalten. Von ihm weiß er, daß das Maximalgewicht, das im Personalzug als Gepäck mitgeführt werden darf, 165 kg beträgt. Die Cargo- Zugverladung ist irgendwo anders. Rosa geht noch einmal los, denn sie will nachfragen, ob diese Auskunft richtig ist und wo der Cargo- Bahnhof ist.
Am Schalter ist sie sich sicher, daß sie wieder nicht verstanden wird, denn die Dame ist schon etwas älter. Vor Rosa in der Warteschlange steht ein Mann mit kleinem Pferdeschwänzchen. Rosa spricht ihn an, denn er sieht so aus, als ob er vielleicht englisch verstehen könnte. Und tatsächlich: Alex ist ein Australier mit russischen Vorfahren, der hier seine Verwandtschaft besucht. Was für ein glücklicher Zufall, denn er ist sofort bereit, uns zu helfen! Er übersetzt Rosa´s Fragen, und so erfahren wir bald, daß die Auskunft mit dem Maximalgewicht korrekt war. Und der Cargo- Bahnhof hat leider für diesen Tag schon Feierabend. Alex´ Cousin Vitali kommt, um ihn abzuholen, und schnell haben die beiden beschlossen, was zu tun ist. Vitali lädt uns zu sich nachhause ein, wir dürfen bei ihm übernachten. Wir sind froh über dieses Angebot und fahren den beiden hinterher. Vitalis Häusschen ist in einer kleinen Ortschaft außerhalb, idyllisch zwischen Blumen und Gemüsegarten gelegen. Die Familie heißt uns herzlich willkommen. Sie sind neugierig und freuen sich über unsere Bekanntschaft. Sofort wird die Banja angeheizt, und wir geniessen danach ein echtes russisches Festessen. Die ganze Verwandtschaft hat sich in dem kleinen Häusschen versammelt, um Alex´letzter Abend zu feiern. Er fährt am nächsten Tag mit dem zug nach Vladivostok, um auch dort Verwandte zu besuchen.
Nach der kargen Zeit in der Mongolei kommt es uns fast wie ein Traum vor, den reich gedeckten Tisch zu sehen. Es wird ein ausgesprochen netter Abend, wir werden regelrecht bombardiert von Fragen über unsere bisherigen Erlebnisse. Alex hat viel zu tun als Übersetzer! Auch wir fragen ihn aus, denn unser nächstes großes Ziel ist ja Australien...
Vitali bietet uns an, am nächsten Morgen mit ihm nach Chita zu fahren. Er muß früh zur Arbeit, aber Alex würde mit uns zum Bahnhof mitkommen, um uns zu helfen. Wir aber haben uns inzwischen entschieden: Wir wollen die Strecke mit den Motorrädern fahren. So verabschieden wir uns von Vitali und seiner Familie und danken ihnen für die großartige Gastfreundschaft gegenüber uns Fremden. Mit Alex tauschen wir Telefonnummern aus, denn er ist noch ein paar Tage in Vladivostok bzw. Nachotka, und wir hoffen, ihn dort wiederzusehen.

Wieder Glück
Wir wollen noch einmal nach Chita, denn uns geht das Bargeld aus, und wir möchten zur Bank. Ein Motorrad braust an uns vorbei, und deutet Richtung Straßenrand, wir sollen anhalten. Es ist Vladimir mit seiner Suzuki Bandit 1200. Er fragt sofort, ob wir in Chita übernachten wollen, oder ob er uns sonst irgendwie helfen kann. Er fährt voraus zur Bank, und nachdem wir Geld geholt haben, fragen wir ihn nach dem Zustand der Strecke nach Chabarovsk. Auch er ist der Meinung, daß es mit dem Motorrad zwar irgendwie möglich, aber nicht sehr spaßig ist. Unser Entschluß kommt mal wieder ins Wanken. Wir fragen Vladimir wegen Zugverladung, und sofort zückt er sein Handy und ruft Freunde an. Einige Minuten später sind Sergej und Oleg da. Oleg kennt den Chef einer privaten Spedition, die Cargo- Transporte nach Vladivostok organisiert und Sergej spricht sehr gut englisch.
Zusammen fahren wir zur Spedition. Tommy´s Motorrad muß auf die Waage, und wir fallen aus allen Wolken, als wir das Gewicht lesen: Es kann doch nicht sein, daß jeder von uns 300 kg durch die Landschaft fährt?! Wir zweifeln an, ob die Waage korrekt anzeigt, aber als wir den Preis für die Verladung nach Vladivostok hören, verstummen wir. 100,- USD für beide Motorräder ist weniger, als wir dachten. So steht auch fest: Wir nehmen den Zug!
Nachteil ist, daß wir selbst nicht mit diesem Zug mitfahren können, sondern Tickets für einen Personenzug holen müssen. Wir lassen unsere Motorräder sehr ungern alleine, aber Vladimir und seine Freunde versichern uns, daß alles korrekt ablaufen wird, und die Motorräder sicher sind. Ein weiterer Nachteil ist, daß wir bis Vladivostok mit dem Zug fahren werden. Wir wären gerne von Birobidschan mit den Motorrädern gefahren, denn ab dort ist die Straße wieder gut.
Wir packen unsere Sachen für die drei Tage im Zug, dann müssen wir das Benzin ablassen für den Transport. Es ist sehr seltsam, unsere Kälbchen zu verlassen... Wir hoffen, daß wir sie wohlbehalten in Vladivostok wiedersehen!
Als Nächstes geht´s zum Bahnhof - Tickets holen. Der Preis ist mit 9500,- Rubel für uns beide ziemlich happig, aber jetzt gibt´s kein Zurück mehr. Sergej erklärt uns, daß es sehr große Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Zügen gibt. Aber wir wollen nicht später wie unsere Dakars in Vladivostok ankommen, und so haben wir keine andere Wahl - wir müssen den teuren Zug nehmen. Die Abfahrt ist erst in der Nacht, ein Tag später. Verwirrend sind die Angaben auf den Tickets - Ankunft- und Abfahrtszeiten werden alle in Moskauer zeit angegeben.
Sergej chauffiert uns in eine Gastiniza mit akzeptablem Preis (800,- Rubel). Wir haben zwei Stunden Zeit, bis er uns wieder abholen wird.
Pünktlich klopft er an unsere Tür, und wir fahren zu seinem Office. Seine Firma Chita.Ru erstellt und pflegt Webseiten in Russland, unter anderem die von der Stadt Chita.
Der Abend mit Sergej, seinem Stellvertreter Ephgenij, Vladimir und dessen Freundin Katja wird super. Es gibt Bier für die Männer, Wein für die Frauen und Wodka für alle. Spät in der Nacht kehren wir ziemlich angesäuselt zurück ins Hotel.

Abschied feiern
Den nächsten Tag dürfen wir in Sergej´s Büro verbringen, um dort unsere Webseite zu aktualisieren. Um 2°° Uhr nachts geht der Zug, also haben wir viel Zeit. Vladimir nimmt Tommy mit zu seinem Shop - er verkauft Motorradzubehör. Wir brauchen zwei Gepäckspinnen, für die Vladimir kein Geld annehmen will. Abends verabschiedet sich Sergej von uns. Er muß gehen, denn sein bester Freund feiert Geburtstag. Mit Ephgenij, Katja und Vladimir geht´s in ein Café zum Schaschlik- Essen. Dabei ist auch Sergej, den wir heute das erst Mal sehen, im Schlepptau seine zwei Freundinnen.
Der Tisch wird vollgestellt mit Bier, Wein, Wodka, Schaschlik, Salat und Pelmeni. Es ist typisch russisch, daß man sich viel Zeit nimmt für´s Essen. Es wird nicht gegessen, bis der Teller leer ist, sondern man nimmt immer wieder kleine Häppchen von verschiedenen Tellern. Und es ist üblich, daß man soviel bestellt, daß auf jeden Fall etwas übrig bleibt! Aber es ist typisch deutsch, daß man versucht, die Teller leerzubekommen, und so machen wir uns Stunden später vollgestopft und vom Wodka leicht benebelt auf zu Sergej´s Werkstatt. Er hat eine Autoreparaturwerkstatt, und dort hat er zwei Käfige, in denen er einen Luchs und einen Bären hält. Die wollen wir uns natürlich anschauen. Ein bisschen leid tun sie uns schon, denn in Freiheit würde es ihnen sicherlich besser gehen. Und als Sergej uns erzählt, daß er beide als Babys bekommen hat, können wir uns ausmalen, wo Luchs- und Bärmama jetzt sind: Sie hängen sicher als Jagdtrophäe an einer Wohnzimmerwand...
Der nächste Stop gilt einem Supermarkt. Wir hätten uns Brot, ein bisschen Käse, Schokolade und Wasser als Verpflegung für die Zeit im Zug gekauft, aber unsere Freunde stopfen den Einkaufskorb voll und lassen uns wieder nicht bezahlen!
Nun geht´s in ein Straßencafé, das Sergejs Eltern gehört. Auch hier wird alles aufgetischt, was es in diesem Lokal gibt - wieder Schaschlik, Salat, Torte, Eis, Kaffee, Bier, Wodka....Sergej, von dem wir uns schon verabschiedet hatten, kommt doch noch einmal. Er hat es geschafft, sich von der Geburtstagsparty loszueisen. Gemeinsam geht´s zum Bahnhof, und als der Zug eintrifft, ins Abteil. Unsere Mitreisenden werden beäugt und für gut befunden. Trotzdem werden wir ermahnt, gut auf unsere Sachen aufzupassen. Als es ans Verabschieden geht, wird´s uns mal wieder schwer ums Herz. Wir haben in so kurzer Zeit neue Freunde gefunden, und müssen uns schon wieder von ihnen verabschieden. Als Versprechen, daß wir uns irgendwann wiedersehen, gilt unser Wörterbuch. Wir haben es im Café vergessen, und unsere Freunde werden es dort holen und für uns aufbewahren. Angedacht ist eine gemeinsame Taiga- Tour in einem UAS, den uns Sergej zur Verfügung stellen will...Oje, wir werden noch einmal zwei Jahre unterwegs sein, wenn wir all unsere Verabredungen einhalten wollen!

Transibirische Eisenbahn
Das Abteil ist fürchterlich eng und unsere Abteilgefährten Erdem und Ira, Buriaten aus Ulan- Ude, nicht gerade die schlanksten. Aber wir arrangieren uns gut. Gegessen wird nacheinander, und wenn der Zug für einige Minuten hält, passen wir abwechselnd auf unser Abteil auf. Die beiden fahren nach Vladivostok, um Urlaub zu machen und Freunde zu besuchen. Ira ist Lehrerin, Erdem Polizist, und er hat tatsächlich seine komplette Uniform dabei - inklusiv Pistole!
Uns verwirrt, was eigentlich Sinn macht: Die Abfahrts- und Ankunftszeiten werden im Zug immer in Moskauer Ortszeit angegeben.
Die Fenster lassen sich leider nicht öffnen, da der Zug über eine Klimaanlage verfügt, die aber leider nicht richtig funktioniert. Entweder es ist stickig heiß, weil sie gerade nicht arbeitet, oder es ist eisig wie im Kühlschrank, und es weht ein kalter Wind durchs Abteil.
Zum Essen hätten wir nichts mitbringen müssen, denn wenn der Zug in kleineren Orten hält, kann man für wenig Geld leckere, frisch zubereitete Speisen kaufen. Auf dem Bahnsteig stehen überall Verkaufstände mit bunten Sonnenschirmen. Die Frauen im Dorf kennen natürlich den Fahrplan und kochen kurz vorher beispielsweise Kartoffeln, Hackfleischbällchen und Fisch. Wir machen uns über gefüllte Teigtaschen her...
Anfangs ist es noch interessant, die Landschaft im Zug an sich vorbeiziehen zu sehen, aber mit der Zeit wird es langweilig, und wir verfallen in Lethargie. Meistens schlafen wir tagsüber, da das Schnarchduett uns nachts lange wachliegen läßt. Nur wenn ab und zu ein Stück Straße zu sehen ist, wird es wieder interessant. Wir ärgern uns ein bisschen, daß wir nun im Zug sitzen und nicht auf unseren Motorrädern. Die Straßenabschnitte, die wir vom Zug aus sehen können, sind problemlos zu fahren, und das Wetter könnte schöner nicht sein.
Endlich, nach langen 3 Tagen, erreichen wir Vladivostok!

Vladivostok
Die Stadt liegt wunderschön gelegen direkt am Pazifik. Hier ist Hochsommer, während im restlichen Russland schon langsam aber sicher der Herbst einkehrt. Schon das Bahnhofsgebäude beeindruckt uns innen mit Deckengemälden und außen mit schöner Architektur.
Unsere Freunde in Chita haben noch vor unserer Abfahrt organisiert, daß uns jemand vom Bahnhof abholt. Wir warten auf dem Bahnsteig, später in der Eingangshalle, aber niemand kommt. Sergej hat uns noch eine Telefonnummer gegeben, bei der wir nun anrufen. Alex, der uns abholen wollte, hat verschlafen, verspricht uns aber, in einer halben Stunde da zu sein.
Tommy bleibt am Bahnhof, Rosa und Alex laufen die 10 Minuten zum Büro der Firma, die unsere Motorräder transportiert hat. Telefonisch konnten wir niemanden erreichen, wahrscheinlich weil Samstag ist. Und es ist so, wie erwartet, das Büro hat Samstag und Sonntag geschlossen. Wir aber hatten angenommen, daß wir unsere Motorräder noch am selben Tag abholen können, und sind dementsprechend enttäuscht.
Alex möchte uns bei Freunden unterbringen und ruft bei Dasha an. Kein Problem, sie hat genug Platz für uns. Dort angekommen stellt sich heraus, daß in der 1- Zimmer- Wohnung außer Dasha auch noch Oleg, ihr Freund aus Chicago, wohnt.
Die beiden sind sehr nett und unkompliziert. Tommy fühlt sich nicht gut, er hat sich im Zug eine Erkältung geholt. Als wir früh schlafen wollen, ziehen die beiden sich in die Küche zurück.
Wir schlafen beide sehr schlecht in dieser Nacht. Tommy wegen seiner Erkältung und der Hitze im Raum, und Rosa hat immer das Summen einer hartnäckigen Stechmücke im Ohr. Und keiner von uns traut sich zu bewegen, um die anderen zwei nicht zu stören. Nach dieser Nacht ist klar, daß wir hier nicht länger bleiben können.

Iron Tigers
Katja aus Chita hat uns bei den Iron Tigers angemeldet. Jetzt stellt sich heraus, daß auch sie uns vom Bahnhof abholen wollten. Irgendwie dachten sie aber, wir kämen am Freitag an, und Andrej stand an diesem Abend vergeblich am Bahnhof.
Er holt uns kurzerhand ab und fährt uns in unser neues Zuhause: Das Clubheim, die "Box" der Iron Tigers!
Das Clubheim beherbergt gleichzeitig die Firma Vladmoto, die mehrere Clubmitglieder im Laufe der Jahre zu einem florierenden Motorradhandel ausgebaut haben.
Im Dachgeschoß stehen die Instrumente der Club- Band, und dort schlagen wir unser Nachtlager auf.
Zur Zeit ist auch Sasha, genannt Yamaha, hier zu Besuch. Er ist Goldschmied und hat seine Miniwerkstatt im Koffer mitgebracht. Momentan fertigt er das Club- Logo an und will hier nicht weg, bis er das Geld für eine kleine Yamaha- Enduro zusammen hat.
Abends lädt uns Andrej und seine Frau Julia in ein chinesisches Restaurant ein. Er sagt, wir sollen uns im Club wie zuhause fühlen. Und wir dürfen solange bleiben, wie wir wollen!
Wir treffen uns mit Georg und Angelique, die wir in der Mongolei kennengelernt haben. Georg ist die Strecke mit dem Motorrad gefahren, und bestätigt unsere Vermutung: Die Strecke ist, wenn man die Pisten in der Mongolei geschafft hat, problemlos zu bewältigen. Georg geht heute noch auf die Fähre nach Japan, und Angelique will einen Abstecher ohne Motorrad nach Kamchatka machen.

Sinus
Wir verabreden uns mit Sinus, einem russischen Traveller, der mit seinem Motorrad schon in den USA, in Europa und Australien war. Von ihm haben wir unterwegs viel gehört, denn er ist unter den Bikern in Russland ziemlich bekannt. Er organisiert das internationale Bikefestival "Facing the ocean", das wir leider um eine Woche verpasst haben.
Er zeigt uns die Bilder von seiner Australien- Tour, und wir freuen uns schon darauf, diese Landschaften in Natura zu sehen.

Leben in der Box
Nach der ersten Nacht wechseln wir unser Nachquartier, denn es ist sehr heiß unterm Dach. Ein Stockwerk unterhalb können wir es uns zwischen Motorrädern bequem machen. Dort ist eine große Tür, und so schlafen wir quasi im Freien.
Am Tag bevor wir ankamen, wurde ein Container voller Motorräder, Ersatzteile und Zubehör angeliefert, und alle haben viel zu tun. Die Motorräder müssen zum Verkauf hergerichtet, Papierkram erledigt und die Kunden bedient werden, die alle gekommen sind, um die Neuheiten anzuschauen. Neue Motorräder werden so gut wie nie und nur auf Bestellung importiert. Es sind gebrauchte Motorräder meist aus Japan, manchmal aber kommt auch ein Container aus den USA. Sie verkaufen nicht nur in Vladivostok, sondern vor allem auch über´s Internet in ganz Russland. Wer beispielsweise in Moskau oder St. Petersburg lebt, hat dabei um einiges mehr zu berappen wie in Vladivostok, da die Transportkosten für Tausende von Kilometern dazukommen.
Einige Clubmitglieder haben sich diesen Umstand zunutze gemacht. Sie fuhren mit ihren Motorrädern durch Europa und verkauften sie auf dem Heimweg in St. Petersburg. So verdienten sie sich nicht nur den Heimflug, sondern sie konnten sich die gleichen Motorräder wieder kaufen und hatten noch Geld für die Reisekasse übrig!

Zugentladung
Gleich am Montag ruft Misha für uns bei der Transportfirma an. Die Motorräder sind zwar in Vladivostok, aber der Zug steht noch im Depot und ist noch nicht abgeladen. Aber wir können am Dienstag unsere Dakars ab 11°° Uhr abholen. Das wird auch Zeit, denn wir fühlen uns nicht besonders gut ohne unsere Bikes. Es ist das erste Mal seit fast fünf Monaten, daß wir sie solange nicht bei uns haben, und wir vermissen sie wirklich...
Um 12°° Uhr sind wir dort, aber leider unsere Dakars nicht. Der Zug steht immer noch im Depot! Wir werden auf den nächsten Tag vertröstet, aber wir wollen hier nicht weg, bis wir die Motorräder wiederhaben. Die Männer haben wohl Verständnis und einer von ihnen fährt uns zum Depot. Wir finden den Waggon, und darin, wohlbehalten und in Kisten verpackt, unsere Motorräder. Es dauert noch eine ganze Weile bis die Arbeiter überlegt haben, wie sie die Bikes aus dem Waggon bekommen. Die Idee, sie auf einem dünnen, kurzen Brettchen hinunterzuschieben, lehnen wir natürlich ab. Sie besorgen einen Stapler, auf dem sie eine Gitterschiene legen. Auf diese Schiene werden die Dakars geschoben und einer der Arbeiter steht dabei und hält das Motorrad. Eine wackelige Geschichte, aber es geht alles gut, und wir sind glücklich, wieder auf unseren Dakars zu sitzen!

Der Versuch ein Fährticket nach Südkorea zu bekommen...
Im Ticketbüro am Hafen werden wir freundlich empfangen. Kein Problem - drei Mal pro Woche geht eine Fähre von Sarubino (etwa 200 km von Vladivostok entfernt) nach Sokcho/ Südkorea. Alexej, der smarte (es gibt keinen besseren Ausdruck...) Herr am Schalter, möchte gleich Valera, seinen besten Freund und Biker anrufen. Zunächst müssen nämlich erst die Zollformalitäten für die Motorräder erledigt werden, und Valera soll uns dabei helfen. Alexej sagt, wenn wir alleine zum Zoll gehen würden, müssten wir mindestens 200,- USD Bakschisch bezahlen, wenn Valera dabei wäre, höchstens 100,- USD. Wir winken ab, er soll ihn noch nicht anrufen, denn wir wollen uns doch nur erkundigen, wann die Fähre geht, und was sie kostet. Wir sind uns noch nicht schlüssig, ob wir nach Japan oder Südkorea gehen. Gegen Japan spricht, daß die Lebenshaltungskosten sehr hoch, die Straßen in den Städten und die Landstraßen hoffnungslos verstopft sind (man kommt wohl nur im Schrittempo voran). Und die Benutzung der "Highways" kostet richtig viel. Über Südkorea wissen wir so gut wie nichts, wir wären ziemlich unvorbereitet. Aber auch das kann seinen Reiz haben...
Inzwischen hat Alexej trotzdem Valera angerufen, denn plötzlich steht er vor uns. Er gibt uns seine Telefonnummer - wir sollen in zu jeder Zeit anrufen, wenn wir die Zollformalitäten erledigen wollen.
Zurück bei den Iron Tigers schildern wir Misha unser Erlebnis. Er weiß nichts davon, daß man beim Zoll Gebühren, zumindest nicht in dieser Höhe, bezahlen muß. Aber die Zollprozedur in Vladivostok sei sehr kompliziert, so daß viele einen Broker für die Erledigung beauftragen. Und er empfiehlt uns Südkorea - er war schon mehrmal dort. Ein kleines, aber feines Land mit schöner, abwechslungsreicher Landschaft. Und man hat von dort unzählige, und wahrscheinlich günstigere Möglichkeiten als in Japan, die Motorräder nach Australien zu verschiffen.
Ok, irgenwann müssen wir uns entscheiden: Auf nach Südkorea! Wir wollen die Zollformalitäten auf eigene Faust über die Bühne bringen und fahren mit dem Taxi zum Zoll. Als wir aus dem Taxi steigen, sind wir schon genervt, denn wir haben es versäumt, vor der Abfahrt einen Preis auszumachen, und er verlangt uns viel zu viel...
Im Zollgebäude angekommen, wissen wir zunächst nicht, an wen wir uns wenden sollen. Am besten einen jungen Zollbeamten suchen, denn die jungen können meist Englisch. Zufällig sprechen wir auch den richtigen an - nach seiner eigenen Aussage nach ist er der einzige hier, der Englisch versteht. Er habe momentan überhaupt keine Zeit, er würde aber gern seinen Freund anrufen, auch ein Biker, der uns gerne helfen wird. Valera... Wir lehnen dankend ab und fragen ihn, an welchen Schalter wir uns wenden müssen. Die Dame gegenüber ist die richtige Ansprechperson, als sie allerdings bemerkt, daß wir kein Russisch verstehen, geht sie mit uns wieder zu dem jungen Beamten...Der ist nun bereit, uns kurz zu sagen, was wir machen müssen. Wir benötigen einen, von Hand und auf Russisch geschriebenen Brief. In dem soll drinstehen, daß wir mit unseren Motorrädern mit dem und dem Schiff an dem und dem Datum Russland Richtung Soundso verlassen wollen, und daß wir dafür die Erlaubnis erbitten!! Außerdem benötigen wir noch ein sogenanntes Manifest und eine "Ship- Bill" und noch etwas, dessen englische Bezeichnung er leider nicht weiß. Hm- was nun? Zurück ins Ticketbüro! Alexej soll uns sagen, woher wir diese Dinge bekommen. Seine Antwort: Ruft Valera an...Genervt sagen wir erneut, daß wir den Zoll auf eigene Faust erledigen wollen, und er entgegnet ebenso genervt und mit "leicht" erhobener Stimme, daß er nicht weiß, wo wir diese Papiere herbekommen. Das kann er jemand anderem erzählen, aber nicht uns. Endlich rückt er eine Telefonnummer raus, wo wir anrufen können.
Wir haben genug für heute und kehren in die Box zurück. Als Misha hört, was wir erlebt haben, empfiehlt er uns, direkt nach Sarubino zu fahren, und dort den Zoll zu erledigen. Dort sei es viel einfacher. Unsere Tickets können wir hier in Vladivostok in einem kleinen Reisebüro bekommen, das im Hotel Hyundai untergebracht ist. Er begleitet uns dorthin, und endlich bekommen wir - ohne Probleme - unsere Fährtickets! Die englischsprechende Dame bestätigt auch Misha´s Aussage, daß wir dort keine Probleme mit dem Zoll haben werden. Hoffen wir´s...

Die letzten Tage in Russland
Andrej bemüht sich sehr um uns. An einem Abend besuchen wir gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Frau ein Konzert der Gruppe "Anglia". Andrej ist selbst Band- Mitglied, er spielt E- Gitarre. Die Musik ist super, die Stimmung ebenso und der russische Sekt schmeckt fantastisch.
An einem anderen Tag fahren wir mit Andrej und seiner Tochter an einen Strand, etwa 40 km außerhalb Vladivostoks zum Baden, Tretboot fahren und die Sonne geniessen.
Tommy hat Zeit zum Schrauben- ein Gabelsimmerring, der schon seit längerem undicht ist, kann hier endlich erneuert werden, die Luftfilter werden vom mongolischen Staub befreit, und die benachbarte Autowerkstatt schweißt für einen Kanister Bier die losvibrierten Motorschutzbügel, und sogar auch den Alu- Kettenschutz von Tommys Motorrad, das durch einen Draht, der auf der Piste lag, abgerissen war. Und unsere Dakars bekommen endlich dank Tommys Bastelkünsten ein Schutzgitter vor die Scheinwerfer.
Abends holen wir öfters mal Bier vom Faß vom benachbarten Kiosk - an einem Abend waren es tatsächlich 20 Liter, die wir zu sechst plattgemacht haben...Dyma muß in der Box schlafen, da er nicht mehr fähig ist, heimzulaufen. Er verschläft den nächsten Arbeitstag und holt das Versäumte die folgende Nacht nach - er arbeitet bis 3°° Uhr früh!
Wir sind oft in der Stadt - im Internet, auf dem chinesischen Markt und Sightseeing. Für Tommys Foto- Akku finden wir sogar ein Netz- Ladegerät, das wir einen Tag später wieder zurückbringen - chinesische Qualität taugt einfach nichts...
Noch einmal besuchen wir Sinus, denn er hat uns seine GPS- Software für Australien zum Überspielen angeboten. Wir trinken Kaffee und schauen Bilder vom diesjährigen Festival "Facing the Ocean". Wir erkennen einige bekannte Gesichter wieder, denn Biker aus komplett Russland waren bei dieser großen Party.
Andrej hat wieder eine gute Idee- er nimmt uns zum Speedway- Training mit. Speedway ist in Russland ein sehr populärer Sport, und wenn ein Rennen in Vladivostok stattfindet, steht alles still - jeder interessiert sich dafür. Wir sehen es das erste Mal live, und es ist ein tolles Erlebnis, die Jungs mit 80 Sachen um die Kurven driften zu sehn!
Die Abschiedsparty am letzten Abend wird heftig - wir feiern bis spät in die Nacht mit viel Bier und Wodka. Und dementsprechend fühlen wir uns am nächsten Morgen. Aber es hilft nix, wir müssen los! Felix begleitet uns noch ein gutes Stück aus der Stadt, bis er sich sicher ist, daß wir den Weg nach Sarubino finden.

Adieu Russland!
Nach 220 km teils perfektem Asphalt, teils staubiger Piste erreichen wir Serubino, ein kleines verschlafenes Hafenstädtchen. Der Zöllner winkt ab - wir sollen erst morgen kommen. Zum Fährhafen dürfen wir an diesem Tag auch nicht, das Gelände schließt direkt am Zoll an. Schade, denn wir hätten uns gern erkundigt, was die Tickets für die Motorräder kosten. Wir wissen es nur ungefähr, und hoffen, daß unsere knapp kalkulierten Rubel reichen! Im Dorf gibt es keine Bank, keinen Bankomat, und wir sind nicht sicher, ob Dollar akzeptiert werden.
Die Fähre geht am nächsten Tag um 18°° Uhr, und vor 14°° Uhr geht laut Zöllner gar nichts. Also gut, wir kehren um und suchen einen Platz zum Zelten. Ein paar Kilometer vor Serubino finden wir einen perfekten Platz direkt am Meer. Dort zelten viele, aber wider Erwarten verbringen wir eine sehr ruhige Nacht. Morgens lassen wir uns viel Zeit. Leider, denn um 12°° Uhr kommt der "Administrator" vom Strand und kassiert ab - wir haben auf einem Privatstrand übernachtet.
Beim Zoll angekommen, geht alles sehr schnell und unkompliziert. Wir müssen nur das Zolldokument für die Motorräder abgeben, kurz unsere Reisepässe vorzeigen und eine kleine Gebühr entrichten - schon sind wir fertig und dürfen passieren! Keiner will die Motorräder sehen, geschweige denn das Gepäck durchsuchen. Und in Vladivostok hätten wir einen Broker benötigt, um die Motorräder aus dem Land zu bekommen...
Es ist noch nicht 14°° Uhr, und das Ticketbüro hat noch geschlossen. Also warten! Ein Herr von der Fährgesellschaft spricht uns an und lotst uns ins geschlossene Büro. Dort werden unsere Dokumente kopiert, und wir haben eine Zollgebühr zu entrichten - 1740,- Rubel für uns und unsere Motorräder. Als wir die Tickets für unsere Motorräder bezahlen wollen, winkt die nette Dame ab. Erst im Fährbüro in Südkorea sollen wir bezahlen, etwa 300,- USD pro Motorrad wird es kosten. Einige Zeit später bekommen wir die Frachtpapiere ("Bill of Lading"), wir dürfen die Motorräder auf die Fähre fahren und uns in die Warteschlange am Zoll einreihen. Dort lernen wir "Pasha", ein Russe, und "Yung" aus Seoul kennen. Yung ist Student und kehrt jetzt nach 3 Monaten Reisen in seine Heimat zurück. Pasha sieht für sich in Russland keine Zukunft mehr und will sein Glück in Südkorea versuchen.
Yung fragt uns, ob wir einen Regisitrierungsstempel auf unserer Immigrationskarte haben. Nein, haben wir nicht. Die Hoteldame in Chita hat versäumt uns diesen Stempel zu geben, obwohl wir sie danach gefragt hatten. Auch Yung befürchtet so wie wir, daß wir deshalb Probleme bekommen könnten. Und so ist es. Beim Schalter "Immigrationskontrolle" fragt der ältere Zöllner unwirsch und schlecht gelaunt nach eben diesem Stempel. Wir haben die Hotelquittung aufgehoben und zeigen die ihm vor. Pasha übersetzt für uns, und der Zöllner lässt uns ausrichten, daß wir gegen russische Gesetze verstoßen und 1500,- Rubel Strafe bezahlen müssen. Auch höfliches Bitten hilft nichts - es ist seine Funktion, das Vorhandensein dieses Stempels zu überprüfen, und er macht seinen Job ordentlich. Wenn wir nicht bezahlen, bekommen wir lebenslanges Einreiseverbot. Hmm, wir haben soviele Verabredungen in Russland, das geht nicht. Wir strecken ihm also, nein besser werfen ihm das Geld vor die Nase, aber er winkt erschrocken ab. Er darf kein Geld annehmen, das ist Sache der Miliz. Pasha versucht zu beschwichtigen und zu vermitteln, aber der Zöllner ruft die Miliz an. Nach einem kurzen Telefongespräch knallt er einen Stempel auf die Immigrationskarte und winkt uns durch! Die Miliz hat wohl Mittagspause, oder keine Zeit oder keine Lust - wir wollen es gar nicht wissen, sondern sind einfach nur froh...
Wir warten am nächsten Schalter, als die nette Dame vom Fährbüro uns abpasst. Sie bittet uns in ein Büro und erklärt auch umgehend, warum. Ihre Kollegin hat beim Ausfüllen der Frachtpapiere einen Fehler begangen und -Frachtkosten bezahlt- eingetragen. Jetzt werden die Frachtpapiere nicht neu geschrieben, sondern wir müssen doch schon bezahlen. Da sie nicht genau wissen wieviel, müssen wir sogar überbezahlen. Zum Glück nehmen sie Dollar, denn unsere Rubel würden nicht ausreichen...
Der letzte Schalter ist schnell überwunden, und wenn wir den Registrierungsstempel gehabt hätten, hätten wir auch keinerlei Probleme gehabt. Als erstes waren wir an diesem Tag an der Fähre, und als letztes betreten wir sie nun!
Die Fähre macht nicht gerade den besten Eindruck, denn es ist alles verrostet. Wir haben das billigste Ticket genommen, d.h. wir haben keine Kabine und mit Schlafsack ausgerüstet, wollen wir uns gerade auf die Suche nach einem ruhigen Plätzchen machen, als wir in den Schlafsaal gelotst werden. Die Schlafsäcke hätten wir nicht mitschleppen müssen, denn es gibt Matratzen, saubere Leintücher und Decken! Yung gesellt sich zu uns, und wir quetschen ihn ein bisschen aus - wir wollen nicht ganz unvorbereitet in Südkorea ankommen. Ein älteres Pärchen setzt sich kurz dazu, und Yung übersetzt, nachdem sie wieder weg sind. Sie haben ihn gefragt, ob er ein paar Boxen Zigaretten über den Zoll bringt, er bekommt 30,- USD dafür. Klar macht er das, ein guter Job! Plötzlich steht das Pärchen wieder bei uns, und ehe wir uns versehen, packen die beiden zehn Zigaretten- Boxen in unsere Taschen! Yung hat uns wohl nicht nur von seinem Job erzählt, sondern uns gefragt, ob wir ebenfalls was verdienen wollen...Durch dieses kleine Missverständnis werden wir zu kleinen Schmugglern und können so unsere Reisekasse ein bisschen aufbessern. Hoffentlich geht alles gut, und hoffentlich sind es wirklich nur Zigaretten?? Aber Yung macht einen so unbesorgten Eindruck, und schon schwinden unsere Befürchtungen.
Leider sind ein paar Russen da, die als Schlafmittel Unmengen von Wodka zu sich nehmen. Nachts liegt alles wach, da einer von ihnen von Alpträumen geplagt wird und sich laut schreiend auf seiner Matratze wälzt. Müde stehen wir am nächsten Morgen auf, obwohl wir länger schlafen können. Die Uhren werden zwei Stunden zurückgestellt. Wir halten Ausschau - wir sind gespannt auf Südkorea!

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