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Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Südkorea

04. September - 15. September 2005

Gefahrene Kilometer: 1101 km
Strecke: Sokcho >46 Inje > Yonggu > Chuncheon > Gapyeong > Namyangju > Seoul > 6 Worldcup Stadion > 1 Anyang > Suwon > Osan > Pyeongtaek > Seonghwan > 34 Jincheon > Goesan > 3 Mungeong > Sangju > Gimcheon > Geochang > 24 Hapcheon > Seonsan > 79 Gangni > Bugok > Dongeap > 14 Jinyeong > Gimhae > Pusan

Sokcho
Das Schiff legt an und das Chaos beginnt. Irgendwie haben die Koreaner die ganze Fähre leergekauft, denn sie schleppen Tonnen von Gepäck die schmale Treppe hinunter. Alles geht drunter und drüber, diejenigen die unten angekommen sind, stürmen sofort wieder hinauf, um weitere Taschen zu holen. Was nicht zerbrechlich ist, wird einfach hinuntergeworfen, und die, die unten stehen, müssen sich vorsehen, damit sie nicht getroffen werden. Wir beobachten das Geschehen lieber von oben und warten erst mal ab.
Sobald wir die Motorräder aus dem Schiff haben, weist uns ein Mann einen Parkplatz zu. Er ist ein Mitarbeiter der Fährgesellschaft und weiß über unser Kommen Bescheid. Er lotst uns an der Warteschlange am Zoll vorbei und Minuten später sind wir durch! Im Büro der Fährgesellschaft wird alles für die Einfuhr der Motorräder erledigt. Wir bekommen ein Getränk vorgesetzt, während der Herr, der uns abgeholt hat, das Zollformular für uns ausfüllt. Yung hat uns inzwischen auch gefunden und bleibt bei uns. Er meint, daß wir vielleicht seine Hilfe benötigen und will uns auch noch zeigen, wo wir die Zigaretten abgeben müssen. Die Wartezeit für die Versicherung unserer Motorräder beträgt ungefähr eine Stunde. Als wir fragen, ob wir zu unseren Motorrädern dürfen, bekommen wir zur Antwort - warum nicht? Also wird auch hier das Gepäck nicht inspiziert! Wir holen schnell die Zigaretten, geben sie in einem Büro neben dem Zoll ab und kassieren die 30,- USD. Wir haben alle ziemlich Hunger, und beschließen deshalb das verdiente Geld in Essen zu investieren. Yung führt uns in eines der unzähligen Restaurants am Hafen. Hier sitzt man auf dem Boden vor niedrigen Tischchen, Wasser und Kaffee ist kostenlos. Das Essen ist einfach traumhaft - wir haben eine Platte mit gegrilltem Fisch bestellt. Dazu gibt´s zig Schälchen mit Gemüse, Seegras, viel Undefinierbarem und Reis! Es ist alles noch sehr ungewohnt - wir verstehen kein Wort, nicht einmal die Schrift können wir lesen, und die Menschen verneigen sich, wenn sie sich bedanken.
Wir essen uns satt und kehren dann ins Büro der Fährgesellschaft zurück. Leider bekommen wir kein Geld zurück, obwohl die Fracht nur 100,- USD pro Bike kostet. Die Versicherung ist mit 240,- USD pro Motorrad für einen Monat sehr teuer.
Nun verabschieden wir uns von Yung - wir hoffen, daß wir ihn aber noch einmal wiedersehen werden.

Nationalpark Seorak
In einem riesigen Einkaufsmarkt "E- Mart" können wir mit der EC- Karte Geld holen und Vorräte kaufen. Wir stehen ratlos in den langen Gängen und wissen nicht, was wir kaufen sollen. Dieses Mal, weil es alles im Überfluß gibt. Auch im Buchladen haben wir ein Problem: Die Landkarten sind alle nur Koreanisch beschriftet. Wir kaufen trotzdem eine, und halten bei der nächsten Tourist- Info. Dort bekommt man zweisprachige Karten, allerdings nur von der Region. Auf die Frage, ob man im nahegelegenen Nationalpark zelten darf, sagt uns die Dame, daß es dort einen Campingplatz gibt. Noch besser, denn wir würden uns mal wieder über eine Dusche freuen! In der Tourist- Info gibt es Internet- so können wir gleich unsere Familien informieren, daß wir per Handy hier nicht erreichbar sein werden. In Korea werden keine SIM- Karten benutzt und die Systeme sind daher nicht kompatibel.
Obwohl der Seorak Nationalpark eines der beliebtesten Touristenziele ist, stehen nur wenige Zelte auf dem Campingplatz. Das mag daran liegen, daß Nebensaison, und die Ferienzeit der Koreaner vorüber ist. Und es liegt sicherlich auch daran, daß ein heftiger Taifun im Anmarsch ist! Wir haben allerdings laut Vorhersage noch einen Tag Zeit, bis der Taifun hier eintrifft. Also machen wir uns früh auf. Kein Problem, denn wir haben noch die "alte" russische Zeit gespeichert, und da es hier um 19°° Uhr schon stockdunkel wird, waren wir am Vortag sehr bald im Zelt. Was aber auch an den zahlreichen Stechmücken lag, die es hier leider ebenfalls gibt...
Wir fühlen uns sehr sicher, und lassen tatsächlich das erste Mal seit wir unterwegs sind, das Zelt und die Motorräder alleine und ohne Bewachung stehen! Im Nationalpark erwarten uns zwei kleine Wasserfälle, die nur zu Fuß erreicht werden können, üppiges Grün, Pflanzen und Bäume, die wir das erste Mal sehen, eine grandiose Berglandschaft und buddhistische Tempelanlagen. Es gibt eine kleine Seilbahn, die uns auf 700m Meereshöhe bringt und oben angekommen, kann man zu Fuß auf den Gipfel laufen. Von dort haben wir eine sagenhafte Aussicht über den Nationalpark und bis nach Sokcho. An einem der vielen Verkaufsstände probieren wir gekochte Seidenraupen- Puppen, und es schmeckt tatsächlich!

Warten auf den Taifun
Am nächsten Morgen sind immer wieder Sirenen zu hören, und ein Ranger spricht alle Campingplatz- Bewohner an, um sie vor dem Taifun zu warnen. Wir bauen ab und wollen bezahlen, aber es kostet nichts- wahrscheinlich weil Nebensaison ist. Wir fahren mal wieder zur Tourist- Info, um uns dort über eine günstige Übernachtungsmöglichkeit zu informieren. Die Jugendherberge ist mit 30000,- Won (30,- USD) die billigste Unterkunft in der Gegend, und wir lassen uns gleich ein Zimmer reservieren. Die Zimmer sind im Vergleich zu russischen Verhältnissen luxuriös ausgestattet - kein Putz fällt von der Wand, kein Schimmel im Bad, kein Loch im Kopfkissen und es gibt nicht nur kaltes Wasser... Das erste Mal seit unserer Reise gönnen wir uns ein Bad in der Badewanne, und wir müssen zugeben, daß wir den Luxus schon ein bisschen geniessen!
Es regnet den ganzen Tag wie aus Kübeln, und wir warten im Trockenen ab, bis sich der Taifun verzogen hat. Zum Glück ist er nicht so stark wie vorhergesagt, nur einmal nachts wachen wir auf, weil es draussen stürmt.

Seoul
Am nächsten Tag scheint endlich wieder die Sonne und wir brechen auf Richtung Seoul! Dort möchten wir Grant (ihn trafen wir bei einem Reitausflug in der Mongolei) und Yung wiedersehen. Außerdem wollen wir uns über die Verschiffung der Motorräder nach Australien erkundigen.
Wir sind allerdings ohne brauchbarem Kartenmaterial unterwegs- wieder einmal wären wir ohne GPS aufgeschmissen! Eine wunderschöne Paßstraße windet sich in schwungvollen Kehren den Berg hinauf. Es ist angenehm kühl, der Straßenbelag perfekt und die Landschaft traumhaft schön - oben angekommen, geniessen wir noch einmal den Blick auf den "Ulsanbawi" Felsen, Sokcho und das Meer. Die Fahrt macht uns sehr viel Spaß, denn endlich müssen wir keinen Schlaglöchern mehr ausweichen, sondern können uns richtig in die Kurven legen. Kehren sind sogar mit Spiegeln ausgestattet, so daß man auf den Gegenverkehr, den es hier eigentlich selten gibt, gefasst ist.
Wir kommen gut vorwärts, und bald erreichen wir die ersten Vororte von Seoul. Der Verkehr wird sofort dichter, die Häuser immer höher- Seoul ist eine Großstadt mit 10 Millionen Einwohnern. Rechnet man die Vororte dazu, die sich Seoul direkt und ohne Übergang anschließen, kommt man sogar auf gigantische 20 Millionen...Wir sehen ein gelbes M auf rotem Untergrund aufblitzen - könnte das etwa ein McDonalds sein? Tatsächlich! Der erste McDonalds seit Monaten! Und Minuten später sitzen wir vor unserem Sparmenü...
Die Stärkung war nötig, denn ab jetzt wird der Verkehr immer dichter, und wir müssen uns konzentrieren, um nicht von einem der unzähligen und absolut rücksichtslosen Busfahrern plattgemacht zu werden. Wir quälen uns im Schrittempo und bei tropischer Hitze von Ampel zu Ampel - mal wieder ein krasser Kontrast zu der Fahrt durch die wunderschöne Berglandschaft wenige Stunden vorher.
Grant hat uns eine Adresse gegeben, wo man günstig übernachten kann. Wir sind uns nicht ganz sicher, was wir machen sollen - gleich zum Hafen fahren, und dort nach der Verschiffung fragen, oder erst mal eine Unterkunft suchen. Der Zufall hilft uns bei der Entscheidung: Wir entdecken den Namen des Bezirks, wo sich das Gästehaus befindet, auf einem Straßenschild angeschrieben. Wir halten, und auch hier ist sofort jemand da, der uns helfen will. Es sind mehrere Telefonate, das Ausdrucken eines Stadtplans und ein Führer auf einem Roller nötig, bis wir "Kim´s Guesthouse" finden. Es gibt zwar einen Wegplan im Internet, aber der ist nur auf die Ankunft mit Flugzeug und U- Bahn ausgerichtet - wer ist schon so blöd, und reist mit dem eigenen Fahrzeug an....
Nun ja, es ist geschafft, und wir haben für 37000,- Won eine wirklich gute Unterkunft. Die Motorräder dürfen in den kleinen Hof, und wir bekommen ein schönes Zimmer mit Klima- Anlage. Es gibt Internetzugang und der Kühlschrank ist voll mit Toastbrot, Butter und Marmelade - man kann soviel frühstücken, wie man will. Kaffee gibt es auch umsonst, und wie überall in Südkorea steht hier ein Automat mit kaltem und heissem Trinkwasser.
Noch am selben Abend fahren wir mit der U- Bahn in die Stadt, denn wir möchten endlich eine zweisprachige Landkarte kaufen. So gut wie alle Straßenschilder sind auch in Englisch beschriftet. Wenn wir eine zweisprachige Karte hätten, könnten wir uns endlich mit Hilfe der durchweg guten und übersichtlichen Straßenbeschilderung orientieren. Uns wurde der größte Buchladen Koreas "Kyobo" empfohlen, und dort werden wir auch fündig. Hier gibt es wirklich alles, von Lonely Planet- Reiseführern für alle Länder bis zur deutschsprachigen Lektüre! Wir haben allerdings keine Zeit zum Stöbern. Wir sind 5 Minuten vor Ladenschluß gekommen, und die Angestellten versammeln sich schon zu ihrer allabendlichen Feierabend- Zeremonie...Einstimmig werden wir von allen verabschiedet!

Der Hafen von Incheon
Leider ist das Gästehaus heute ausgebucht, und wir müssen für eine Nacht in ein Motel ziehen, das viel teurer ist und viel weniger Komfort bietet. Wir schlafen so gut wie gar nicht, denn mit Air- Condition ist es viel zu kalt und ohne drückend heiß. Wir sind am nächsten Morgen froh, daß wir wieder ins Guesthouse können. Die Motorräder durften dort bleiben, und das Motel ist nur um die Ecke- so sind wir schon früh startklar.
Mit U-Bahn und Bus kommen wir zum Hafen von Seoul bzw. Incheon, und wir wenden uns an die "Authority of the Port of Incheon". Die nette Dame von der Tourist- Info meinte, daß wir dort am ehesten Auskunft über Schiffe nach Australien bekommen würden.
Wir werden freundlich empfangen, sofort ins Büro gebeten, und dort schildern wir bei einer Tasse Kaffee unser Anliegen. Kein Problem, ja ja, machen wir, bitte folgen Sie mir. Brav dackeln wir hinterher, aber die Herren haben uns wohl gründlichst missverstanden, denn nun bekommen wir eine Privat- Sightseeing- Tour durch den Fracht- und Fährhafen.
Das Wasser der "Yellow Sea" ist nicht sehr tief- an der tiefsten Stelle gerade mal 100 m, und am Hafen von Incheon nur etwa 8 m! Deshalb haben sie hier ein Schleusensystem, um den eigentlichen Hafenbereich fluten zu können. Es ist wirklich interessant, aber wir haben nun mal etwas ganz anderes im Sinn. Wir fragen immer wieder nach Frachtschiffen nach Australien, und endlich scheint er unsere Frage zu verstehen. Nein, hier gehen nur Schiffe nach China!
Und Pusan, die andere Hafenstadt, im Süden von Korea? Nein, glaubt er nicht. Wir sind wie vom Donner gerührt, bis uns einfällt, daß Sinus aus Vladivostok sein Motorrad von Australien über Korea nachhause verschiffen ließ. Also muß es in Pusan eine Möglichkeit geben!
Er bittet uns noch einmal ins Büro, und wir können es aus Höflichkeit nicht abschlagen, obwohl wir am liebsten sofort gehen würden. Plötzlich ist das ganze Büro damit beschäftigt, per Suchmaschine im Internet nach unserem Frachtschiff zu suchen - erfolglos. Wir dürfen selbst an einen der Arbeitsplätze, und finden tatsächlich auf Anhieb zwei Firmen, die von Pusan nach Sydney verschiffen- na also. Wir verabschieden uns schnell, und machen uns auf den zweistündigen Rückweg nach Seoul...

Wiedersehen
Am liebsten würden wir sofort unsere Sachen packen und nach Pusan fahren. Dagegen spricht, daß wir uns schon mit Grant und Yung verabredet haben. Außerdem wollen wir doch wenigstens ein bisschen von Seoul sehen! Wir beide sind das erste Mal in einer solchen Metropole und wir sind neugierig.
Grant wohnt nur um die Ecke, und er holt uns ab. Gemeinsam gehen wir zum Worldcup- Stadion und in den anschließenden Park. Von ihm erfahren wir, daß es hier auch einen Campingplatz gibt! Schade, wir haben die nächsten Tage im Gästehaus vorausbezahlt...
Yung und seine Schwester kommen ebenfalls - die Ablösung für Grant, denn er muß gehen. Nun geht´s zum "Gyeongbokgung Palace", ein Freilicht- Museum, das leider schon geschlossen hat. Aber von dort ist es nicht weit zum Künstler- und Souvenirviertel Insa- Dong. Wir besuchen ein traditionelles Teehaus, wo es sehr exotische Teesorten gibt. Dann bummeln wir durch die Gassen, und wir werden nicht müde, die vielen kleinen Shops zu durchstöbern. Es gibt viele Exclusiv- Läden, wo man beispielsweise Kunstwerke, feine Möbel und hochwertiges Porzellan erstehen kann. Der Lebensstandard ist relativ hoch, und die Preise dementsprechend. Uns kommt alles sehr sehr teuer vor, aber das Preisniveau ist insgesamt doch deutlich unter dem in Westeuropa.
Wir beobachten fasziniert das bunte Treiben auf den Straßen. Viele tragen ihre Spiegelreflex- Kameras mit riesigen Objektiven spazieren - endlich können wir auch unsere in einer Stadt verwenden, ohne (neu)gierige Blicke zu verursachen! Uns beiden fällt die etwas sportliche Gangart (man könnte auch Trampeln dazu sagen) der meisten Koreanerinnen auf. Nach genauerem Hinsehen wissen wir es: Diejenigen, die "trampeln", haben flache Schuhe an und gehen ganz normal. Wir aber sind das Stolzieren der Mädchen in Russland auf ihren hochhackigen Stöckelschuhen gewohnt...
Der Hunger führt uns ins Universitätsviertel von Seoul. Hier gibt es viele Restaurants und Bars, und die Preise sind relativ günstig. Yung kennt sich gut aus, und wir landen in einem kleinen gemütlichen Lokal. Er sucht die Speisen und Getränke für uns aus- wir lassen uns gern überraschen, und es ist mal wieder superlecker! Ein 2- Liter- Tonkrug wird serviert mit weißlich- trübem Inhalt. Das ist "Dungdutschu", Reiswein, dessen Geschmack schwer zu beschreiben ist. Er schmeckt weder nach Wein, noch nach Reis...aber er schmeckt! Zu Essen gibt es eine Art Pizza, genannt "Kintschi Kotschong".
Wie beim Teetrinken überlistet uns Yung mit der Rechnung, und bezahlt hinter unserem Rücken. Aber am nächsten Tag schaffen wir es, auch einmal eine Rechnung zu begleichen: Wir gehen zusammen wieder ins Universitätsviertel, denn wir wollen unbedingt "Bulgogi" testen, das nur in speziellen Reataurants angeboten wird. Die Tische sind in der Mitte mit einer Ausparung versehen, in die eine Schale mit glühenden Kohlen kommt. Darüber ein Gitter und von oben ein Abzug - schon hat man den Grill im Restaurant! Man bekommt einen Teller mit Fleisch, das am Tisch mit der bereitgestellten Schere (in Korea gehört die zur feinen Tischkultur) in mundgerechte Stücke geschnitten wird - man ißt ja schließlich hier ausschließlich mit Stäbchen. Dazu gibt es Salate, alles sehr sehr lecker! Zum Glück sind auch hier Gabel und Messer erhältlich, denn Tommy´s Stäbchen wollen einfach nichts fassen!
An diesem Tag gehen wir noch einmal zum "Gyeongbokgung Palace", um die Zeremonie der Wachposten anzusehen. Wir möchten uns bei dieser Hitze kaum bewegen, aber die armen Darsteller marschieren in ihren schweren Mänteln stundenlang auf und ab.
Es ist Sonntag, und es gibt fast kein Durchkommen im Insa- Dong- Viertel. Händler haben Stände aufgebaut, wo man den zum Verkauf angebotenen Reiswein probieren kann. Das scheinen einige bis zum Umfallen zu tun, wir sehen viele Alkohol- Leichen am Straßenrand liegen. Sie bemerken auch nicht das Straßenschauspiel, das durch die Gassen zieht...Nun müssen wir uns von Yung verabschieden, denn am nächsten Morgen brechen wir auf Richtung Pusan.

Pusan
Montags ist besonders viel los auf den Straßen. Es geht sehr schleppend voran, und erst nach 90 km haben wir es geschafft - wir haben die Vororte von Seoul hinter uns gelassen. Es ist schwül und heiß, immer wieder regnet es. Wir halten Ausschau nach einem Platz zum Campen, finden aber nur bewässerte Reisfelder... Eigentlich wäre mal wieder Zelten angesagt, aber da wir total verschwitzt und dreckig sind, ist unsere Zeltplatzsuche nur halbherzig, und wir entscheiden uns für ein Motel.
Obwohl Pusan um einiges kleiner ist, bietet es uns ein ähnliches Bild wie Seoul. Wir sehen nur von Autos verstopfte Straßen zwischen endlosen Hochaus- Reihen, eine Ampel nach der anderen und verrückte Busfahrer. Die Highways dürfen wir in Südkorea nicht benutzen, und so geht es mal wieder sehr sehr schleppend voran. Müde und genervt kommen wir am Hafen an. Wir wollen keine Zeit verschwenden und haben uns gedacht, daß man am Hafen selbst die beste Auskunft erhalten würde.
Warum nicht beim Zoll nachfragen? Die haben doch sicher ständig mit Firmen zu tun, die nach Australien exportieren. Dort sind sie sehr hilfsbereit und schicken uns gleich zur zuständigen Dame. Als die jedoch fragt, wann und wie wir nach Südkorea gekommen sind, werden wir stutzig. Und tatsächlich - wir sind mal wieder falsch verstanden worden...Es geht das gleiche Spiel wie im Hafen von Incheon los: Mehrere Beamte versuchen per Telefon und Internet etwas für uns herauszufinden. Wir können uns schon denken, was bei dieser Suche herauskommen wird, und machen uns aus dem Staub.
Was nun? Wir fahren zum erstbesten Pier, um dort nachzufragen. Die wissen natürlich auch nichts und schicken uns zum internationalen Pier, wo Fähren nach Japan ablegen...super. Ok, noch ein letzter Versuch, bevor wir zunächst aufgeben und uns ein Motel suchen.
Wir fragen wieder bei einem Pier nach. Die Zöllner dort, die den Eingang überwachen, wissen es auch nicht, und zudem sprechen sie kaum Englisch. Aber sie rufen jemanden an, der wohl gut Englisch verstehen kann. Leider ist der Geräuschpegel so hoch in dem kleinen Zimmerchen, daß Rosa kein Wort von dem versteht, was der am anderen Ende der Telefonleitung ihr erzählen will. Entnervt legt sie den Höhrer auf, bedankt sich, und stürmt aus dem Büro. Kurz durchatmen, bevor wir uns auf die Suche nach einem nahegelegenen Motel machen. Plötzlich spricht uns ein Mann an, denn er hat das Gespräch im Büro mitbekommen. Seine Firma "Wook Il Shipping & Marine" kann uns helfen - er hat mehrmals pro Woche Ware, die er nach Sydney verschifft. Er gibt uns seine Visitenkarte, wir sollen uns bei Interesse melden! Zum Abschied sagt er noch, Ihr könnt Euch glücklich schätzen, daß Ihr mich getroffen habt!

Verschiffung
Wir fahren zum internationalen Pier, wo es eine Tourist- Information gibt, holen uns dort Stadtpläne und fragen nach einem nahen, günstigen Motel. Es gibt eines neben dem Bahnhof und ganz in der Nähe vom Hafen für 35000,- Won. Dort quartieren wir uns ein. Nach einem leckeren, aber teuren Essen in einem der zahlreichen Straßenrestaurants, geht´s sofort ins Internet. Wir schreiben mehrere Firmen wegen der Verschiffung an, und natürlich auch Mr. Song, den netten Herrn, den wir am Hafen getroffen haben. Er antwortet sofort und macht uns auch gleich ein Angebot. Wenn wir den kompletten 20 Zoll- Container mieten, kostet die Verschiffung 2000,- USD, wenn wir nur ein Teil des Containers in Anspruch nehmen, müssen wir 1700,- USD berappen. Aus Seoul wissen wir schon etwa die üblichen Preise, denn Grant hatte sich für uns erkundigt. Normalerweise kostet schon das Dazustellen in einen Container mindestens 2000,- USD! Ein Tag später meldet sich immer noch keine der angeschriebenen Firmen, und so geben wir Mr. Song die Zusage.
Wir fragen ihn, ob wir am nächsten Morgen schon unsere Motorräder zum Verpacken bringen können. Ja klar, kein Problem! Jetzt geht der Streß für uns los, denn wir müssen die Motorräder putzen, den Inhalt der Koffer säubern und zusammenpacken, was wir auf die Philippinen mitnehmen werden. Dort hat Tommy´s Schwager ein Hotel, wo wir einige Tage Urlaub machen können, während unsere Dakars auf hoher See schaukeln.
Mit Mr. Song und seinem Sohn, der ebenfalls in der Firma tätig ist, scheinen wir wirklich Glück zu haben, denn die beiden machen alles für uns! Sie holen uns ab, um uns den Weg zur Verpackungsstation zu zeigen. Beim Verpacken bleibt der Sohn die ganze Zeit dabei, passt auf, daß alles ordentlich verzurrt wird und macht Bilder, die er uns später per Email zusenden will. Eigentlich hatten wir angenommen, daß unsere Motorräder in zusätzliche Holzkisten verpackt werden, aber dem ist nicht so. Wir stellen die Motorräder im Container auf den Hauptständer, schließen alles ab und überlassen den Rest den Verpackungsspezialisten. Die Räder werden mit am Boden festgenagelten Holzpflöcken gesichert, die Alukoffer ebenfalls. Und alles wird mit mehreren Gurten befestigt. Zum Schluß kommt noch eine Trennwand aus Holz davor - da dürfte eigentlich nichts mehr Schiefgehen...Adieu Dakars, hoffentlich sehen wir Euch heil wieder!!
Mr. Song fährt mit uns zwischenzeitlich zum Zoll, um die Ausreisepapiere für die Motorräder klarzumachen. Wir sind eigentlich nur zur Zierde dabei, denn er regelt alles. Es werden Datumstempel auf die Papiere gedrückt, mit denen Mr. Song allerdings nicht einverstanden ist. Er bringt die Zöllner dazu, das Datum zu ändern. Der Versuch, den Stempel genau über den vorherigen zu positionieren, mißlingt. Also wird der Stempel einfach durchgestrichen, und ein neuer daneben gesetzt. Was das alles soll, bleibt für uns schleierhaft, aber Mr. Song ist zufrieden und wir somit auch.

Flugtickets
Wir haben immer noch kein Flugticket - die Motorräder hatten Vorrang, aber jetzt wollen wir so schnell wie möglich auf die Philippinen. Wir wissen von Grant, daß die Flüge von Seoul viel billiger sind, als die von Pusan. Wir müssten jedoch das Zugticket und mindestens eine Übernachtung dazurechnen, und so entscheiden wir uns, trotzdem von Pusan zu fliegen. Mr. Song ist so hilfsbereit, daß er uns zum Büro der Philippines Airlines bringt.
Dort erwartet uns eine böse Überraschung: Die Büroangestellten behaupten, wir müssten ein "Roundticket" (Hin- und Rückflug) oder ein Weiterflugticket für die Einreise in die Philippinen vorweisen. Wir können das kaum glauben, denn wir haben uns vorher auf der Webseite des Auswärtigen Amts über die Einreisebestimmungen erkundigt. Wir verbringen fast zwei Stunden in dem Büro, versuchen die philippinische Botschaft in Seoul zu erreichen - erfolglos. Telefonieren mit der deutschen Botschaft in Seoul - die wissen es auch nicht, wollen sich aber erkundigen. Die Mitarbeiter im Büro legen uns die philippinischen Einreisebestimmungen vor, die sind aber von 2002 und wir glauben es immer noch nicht...
Die Zeit drängt langsam, denn in fünf Stunden geht der Flieger! Noch einmal telefonieren wir, wieder mit Mr. Songs Handy, mit der deutschen Botschaft in Seoul, aber sie hat noch keine Antwort erhalten. Wir müssen eine Entscheidung treffen und beschließen, nur ein One- Way- Ticket zu kaufen. Ein Weiterflugticket für Australien hier zu kaufen, kommt nicht in Frage. Sie wollen uns nicht einmal den Preis sagen, zu teuer! Wenn wir die Nachricht erhalten sollten, daß ein Rückflugticket erforderlich ist, können wir uns das immer noch am Flughafen holen.
Wir verabschieden uns von Mr. Song, sein Sohn aber will uns noch zum Flughafen bringen. Die Fahrt dorthin dauert eine dreiviertel Stunde, und wir sitzen wie auf Kohlen, denn die nette Dame der deutschen Botschaft hat immer noch nicht zurückgerufen. Der Junge lädt uns am Flughafen ab, drückt uns sein Handy in die Hand - falls die Dame von der Botschaft anruft - und fährt weiter, denn er muß kurz eine Besorgung machen.
Im Flughafengebäude erreicht uns dann der erwartete Anruf: Sie hat mit dem philippinischen Botschafter in Manila gesprochen - es ist tatsächlich so, wir brauchen ein Round- Ticket zur Einreise, sonst verstoßen wir gegen philippinisches Gesetz und müssen mit einer hohen Geldstrafe rechnen...
Mr. Song junior ist inzwischen zurückgekehrt und fragt für uns bei der Korean Airlines nach. Ja, wir können Tickets kaufen und später in Manila wieder stornieren. Allerdings müssen wir wieder Hin- und Rückflug buchen, und 100,- USD werden als Stornierungsgebühr einbehalten. Wir zögern immer noch und fragen die koreanischen Zöllner, was sie uns raten. Sie wissen nicht, ob die philippinischen Zöllner das Flugticket überprüfen.. Sie denken aber, daß man bei uns die Augen zudrücken würde, da wir auf Weltreise sind.
Wir überdenken die Sache noch einmal kurz und entscheiden uns für den sicheren Weg: Wir kaufen die Tickets...Dann verabschieden wir uns von Mr. Song junior. Es war wirklich ein glücklicher Zufall, daß wir Mr. Song getroffen haben! Er und sein Sohn haben soviel für uns getan, was nicht mit der Verschiffung zu tun hatte...

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