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Wir nehmen Euch mit auf unserer Reise...

 

Tommy & Rosa

Unser Reisetagebuch

Ukraine

05. Mai - 13. Mai 2005

Gefahrene Kilometer: 1621 km
Kilometerstand seit Beginn der Reise: 5500 km
Strecke: E 86 Sibiu/ Rumänien > 10 Brasov > Buzau > 2 Ramnicu Sarat > 22 Braila > Galati/ Grenze Moldawien > Cahul/ Grenze Moldawien > Vulkanesti/ Grenze Ukraine > A 290 Bolgrad > Odessa > M 23 Mykolajiv > Kachovka > M 24 Simferopol > M 18 Alusta > A 294 Feododosija > M 25 Kerc

Die Reise geht weiter!
Tommy kommt am 4. Mai zurück nach Hermannstadt, und noch am selben Tag bepacken wir die Motorräder. Wir möchten gleich am nächsten Tag weiterfahren, denn Alex und Carsten warten auf der Krim auf uns und wir möchten sie so schnell wie möglich einholen. Das Packen fällt uns recht schwer, denn wir haben viel Neues zu verstauen. Die Vorratseinkäufe und die Dinge, die Tommy mitgebracht hat, wollen untergebracht sein.
Erst um 11°° Uhr kommen wir am nächsten Tag los, schaffen aber trotzdem auf guten Strassen 370 km. Etwa 60 km vor Braila schlagen wir das letzte Mal in Rumänien unser Zelt auf. Tommy entdeckt einen Fuchs und pirscht ihm nach, um ein Foto zu schiessen. Wir sind an einem See ("L. Balta- Alba"), ein wirklich ruhiger Platz, wo sich noch Fuchs und Has Gute Nacht sagen können.
Wir schlafen nicht besonders gut, und so stehen wir schon um 6.30 Uhr auf. Um 8°° Uhr ist alles gepackt, sogar für ein kleines Frühstück hat die Zeit gereicht. Wir sind froh, daß wir schon so früh weiterkommen, denn heute steht uns die ukrainische Grenze bevor, und wir rechnen mit langen Wartezeiten.

Grenzschwierigkeiten
Wir erreichen die Grenze in Galati und freuen uns, dass die Warteschlange kurz ist - nur 3 Fahrzeuge vor uns! Dann das böse Erwachen: Der freundliche rumänische Zollbeamte erklärt uns, daß Rumänien nicht direkt an die Ukraine anschliesst. Es sind etwa 1 km durch Moldawien zu fahren, und für diesen einen Kilometer benötigt man leider ein Visa, das an diesem Grenzübergang nicht zu bekommen ist. Er verweist uns an die Grenze bei Cahul, etwa 70 km weiter nördlich - dort gibt es ein kleines Konsulat. Zähneknirschend kehren wir um und fahren nach Cahul. Der rumänische Zollbeamte dort ist nicht besonders gut gelaunt. Barsch fährt er Rosa ins Wort: Sie soll Englisch sprechen, er verstehe kein Deutsch. Rosa hatte jedoch Englisch mit ihm geredet, und kann sich nun das Lachen kaum verkneifen. Froh, daß er uns trotzdem schnell weiterziehen läßt, eilen wir zur moldawischen Grenze.
Das Visa ist in 20 min ausgestellt und 50,- Euro ärmer lassen wir die Zollformalitäten über uns ergehen. Ein Zettelchen hier, ein Stempel da, Veterinäramt, Bankfiliale usw. Wir wissen nicht, was wir alles unterschreiben...Nach insgesamt zwei Stunden ist es geschafft - wir sind in Moldawien.
Dort halten wir uns nicht lange auf, nur für eine Vesperpause machen wir kurz Rast. Es sieht nicht viel anders aus als in Rumänien. Auch hier halten die Menschen viele Tiere, die entweder gehütet werden oder angeleint auf der Weide stehen. Die Fuhrwerke in Moldawien werden meist von Eseln gezogen.
Schon bald stehen wir am ukrainischen Zoll. Auch hier ist sehr wenig los. Wir müssen eine sogenannte Immigrationskarte ausfüllen. Unser Visa ist unnötigerweise ein Geschäftsvisa (wir werden keine 6 Monate in der Ukraine verbringen), und Alex und Carsten hatten uns schon vorgewarnt, daß wir die Adresse der Firma, die uns eingeladen hat, angeben müssen. Diese Adresse haben wir jedoch nicht. Der junge Zöllner scheint aber nicht zu bemerken, daß wir ein Geschäftsvisa besitzen, denn er sagt uns, wir sollen beim Zweck der Reise "Tourist" angeben. Auch hier wird unser Gepäck nicht durchsucht, und nach einer überraschend kurzen Prozedur dürfen wir weiter. Wir tauschen noch an der Grenze 100 Euro und bekommen dafür 600 Grewna ohne Quittung. Ob die nette Dame uns wohl über“s Ohr gehauen hat?

Ukraine
Wir fahren an diesem Tag noch bis kurz vor Odessa und folgen einem Feldweg, der zu einem Wasserreservoir führt. Der Weg dorthin ist schwierig zu fahren. Der Boden ist feucht und lehmig, und setzt sofort das Reifenprofil zu. Dieses Wasserreservoir, das die umliegenden Äcker mit Wasser versorgt, wird Tag und Nacht bewacht und bei Bedarf gewartet. Wir fragen den Arbeiter, ob wir unser Zelt auf die Wiese außerhalb des Geländes aufstellen dürfen, aber er möchte, daß wir direkt neben dem Gebäude campieren. Und wir dürfen unsere Kälbchen ins Haus schieben. Perfekt! Den angebotenen "Raciu", den wir immer noch mit uns mitschleppen, lehnt er dankend ab. Er zeigt auf seinen Kopf und auf“s Auto, das heißt wohl, er möchte kein Kopfweh haben und muß noch Autofahren.
Seine Nachtablösung kommt mit einem Dnepr- Gespann aus den 30er Jahren. Ähnlich wie BMW sind diese Mopeds auch mit Zweizylinder- Boxer ausgestattet. In der Ukraine gibt es noch viele solch alte Motorräder. Auch dieser Arbeiter lehnt dankend den rumänischen Schnaps ab. Na sowas - auch der zweite Ukrainer, den wir kennenlernen, trinkt keinen Alkohol! Gut bewacht und unbesorgt können wir diese Nacht schlafen.
Geweckt werden wir vom Tröpfeln auf unser Zeltdach. Es fängt an zu regnen, und so stehen wir eilig auf, um noch halbwegs trocken unsere Sieben- Sachen einzupacken. Heute gibt“s keinen Kaffee, aber wir haben noch heißen Tee vom Vortag und ein paar Kekse dazu. Wieder starten wir früh um 8°° Uhr. Wir möchten die restlichen 600 km bis Alusta an einem Tag schaffen.

Der lange Weg zur Krim
Noch müde kämpfen wir uns über eine Stunde lang durch Odessa. Die Beschilderung ist nur in Kyrillisch, aber die Landkarte, die wir dabeihaben, eben nicht. Das erschwert das Zurechtkommen ziemlich. Aber das GPS weist uns schließlich den richtigen Weg aus der Stadt.
Es regnet und der Weg zur Krim ist öd und langweilig. Die Straße gerade und ohne nenneswerte Kurven, es ist topfeben und jedes freie Stück Land bewirtschaftet. Aber es gibt kaum Schlaglöcher und unser Tempo um die 100 km/h wird auch nicht von den Bodenwellen gemindert.
Plötzlich taucht eine Zollstation auf. Wir kommen in Grenzgebiet, das wohl zu Moldawien gehört. Nur Tommy zeigt kurz seinen Paß, und wir bekommen einen handgeschriebenen Zettel, auf dem unsere Kennzeichendaten vermerkt werden. Schon dürfen wir passieren. Alles ziemlich problemlos! An der zweiten Grenze geben wir diese Zettelchen wie gewünscht ab. Wir wollen schon losbrausen, als uns ein Zöllner wieder anhält. Er fragt uns nach der Krankenversicherung für die Ukraine. Vom Auswärtigen Amt wissen wir, daß diese notwendig ist, und auch nur die AXA in der Ukraine gültig sein soll. Trotzdem zeigen wir den englischsprachigen Versicherungsschein unserer Krankenversicherung SITE. Zum Glück ist in dem kleinen Büro eine junge Dame, die gut Englisch spricht. Sie übersetzt dem Zollbeamten die Versicherungspolice und wir dürfen weiterfahren, ohne eine weitere Krankenversicherung abschließen zu müssen.

Bikepost
Wir erreichen die Krim und sind enttäuscht, daß sich auch hier die Landschaft nicht ändert. Doch plötzlich tauchen wie aus dem Nichts hohe Berge auf, und wir freuen uns über die schönen Kurven hinauf auf den Paß. Kurze Zeit später erreichen wir Isavilnoje, wo Alex und Carsten schon eine Weile ausharren. Sie haben hier die Bikepost gefunden, eine Bikerpension. Auf dem Areal stehen kleine, mit liebevollen Details ausgestatteten Holzhäusschen, wo man übernachten kann. Der Besitzer hat Verwandtschaft in Furtwangen (ca. 40 km enfernt von Denzlingen, unserer Heimat) und hat sich dort mit der Bauweise seiner Blockhütten inspirieren lassen! Die Pension ist wirklich auf Motorradfahrer ausgerichtet, denn es gibt eine Schraubergarage und einen Waschplatz für Motorräder.
Wir dürfen unser Zelt auf dem Gelände aufstellen - mit Blick auf Alusta, das Meer und die Berge. Und das Ganze für umsonst!! Hier kann man“s aushalten!
Alex und Carsten begrüßen uns mit einem leckeren Menü, und wir sitzen bei Beck“s- Bier noch lange zusammen, denn wir haben uns viel zu erzählen. Wir freuen uns, daß wir ab jetzt für eine Weile gemeinsam unterwegs sein werden!
Am nächsten Tag steigen wir in den "Trolleybus", der Strom über eine Oberleitung bezieht, und fahren für umgerechnet 25 Cent pro Person die fünf Kilometer nach Alusta.
Von der Strandpromenade sind wir ziemlich enttäuscht. Es sieht aus wie auf der Kirmes, der Blick auf“s Meer ist verstellt mit Schießbuden, Hopsburgen und Kinderkarussel. Aber das scheint der Geschmack der Russen, die hier im Sommer ihren Urlaub verbringen, zu treffen. Abends grillen wir, aber der kalte Wind treibt uns bald in die Blockhaus- Bar. Dort wird gerade aufgetischt: Es sind einige Übernachtungsgäste da. Es gibt kalte Platten mit Fisch, Käse, Wurst, Salat und und und. Der Tisch ist zum Bersten voll und die Gäste scheinen es auch zu sein. Hier wird ganz schön gebechert. Eine der Gäste lädt uns ein mitzufeiern. Von ihr erfahren wir, daß der nächste Tag, der 9. Mai, Feiertag ist. 60 Jahre seit Kriegsende sind vergangen. Sie erzählt Alex später, daß sie uns als Deutsche mit am Tisch sitzen haben wollte. Sie hat eine gute Meinung über die jungen Deutschen. Die ganze Welt soll in Frieden und Freundschaft zusammenleben. Wir sind gerührt. Eine gute Einstellung!

Schöne Küstenstraße
Das Wetter ist traumhaft und so starten wir zu einer kleinen Tagesausfahrt. Anfangs zwischen Alusta und Simferopol ist es noch etwas beschwerlich, denn alle kleineren Straßen scheinen wieder auf die Hauptstraße zu führen. Trotzdem macht es Spaß, wieder mit etwas weniger Gepäck zu fahren. Dieses Mal bleiben unsere Koffer und die Reifen auf den Mopeds.
Dann fahren wir die A 294 von Sudak nach Alusta, ein kleines, aber feines Sträßchen, das sich in Hunderten von Kurven an der Küste entlang Richtung Alusta schlängelt. Wir sehen, daß die Badestrände für den Sommer- Tourismus hergerichtet werden - noch ist nicht viel los hier. Kaum ein Auto kommt uns entgegen, die Landschaft unverbaut und wunderschön! Nach der "Kirmes- Strandpromenade" in Alusta hätten wir das nicht erwartet!

Der letzte Abend in der Bikepost
Es ist schön in der Bikepost, aber irgendwann müssen wir weiter. Wir entscheiden uns deshalb, am nächsten Tag Richtung Russland aufzubrechen. Abends packen wir schon mal vor, dann gesellen wir uns zu den anderen Gästen. Zwei Jungs, die schon längere Zeit hier sind und Alexej, der Verwalter, haben einige Mädels für den Abend eingeladen. Wir unterhalten uns gut mit ihnen, denn sie sprechen Englisch. Es sind Studentinnen, eine von ihnen hat gute Kontakte nach Deutschland. Sie geht im Sommer für einen Monat nach Magdeburg, um Deutsch zu lernen. Sie möchte zukünftig in Deutschland studieren.

Franz und Abschied von der Ukraine
Noch einmal fahren wir die wunderschöne Küstenstraße auf der Krim Richtung Sudak bzw. Kerc und geniessen bei schönstem Wetter die Kürvchen. Hinter einer Biegung taucht plötzlich eine bepackte Enduro auf. Es ist Franz aus Österreich, der vor einigen Jahren seine 80 GS in die Mongolei fliegen ließ und seither etappenweise Richtung Westen zurückfährt. Er stellt unterwegs immer wieder seine BMW unter und fliegt nachhause, um zu arbeiten. Dies ist jetzt seine letzte Etappe nach Österreich.
Es ist etwas Besonderes für uns, Franz zu begegnen. Es ist der erste Weltenbummler, den wir unterwegs treffen! Er erzählt uns einige Geschichten, die er unterwegs erlebt hat und gibt uns viele Tips mit auf den Weg.
Er fragt nach zwei Fahrradfahrern, mit denen er verabredet ist, und tatsächlich haben wir die beiden überholt. Es ist ein Pärchen aus Österreich, die für ein halbes Jahr on Tour sind.
Nach zwei Stunden Geplauder und einem gemeinsamen Picknick verabschieden wir uns voneinander. Wir tauschen noch Visitenkarten aus, und verabreden uns für ein Treffen in Österreich oder Deutschland nach unserer Rückkehr. Eine tolle Begegnung!

Kurz vor Kerc zelten wir ein letztes Mal in der Ukraine - zufälligerweise mal wieder neben einer Militäranlage... aber dieses Mal ohne Folgen für uns. Bei Nieselregen müssen wir unser Zelt abbauen, und so bescheiden wie der Tag anfängt, geht er leider auch weiter. Dazu mehr im Russland- Bericht.
Am Fährhafen angekommen, geben wir unsere letzten paar Griwna für Kekse und Saft aus. Eine Frau winkt uns in ihr Büro und macht uns irgendwie klar, daß wir für Russland eine KFZ- Haftpflichtversicherung benötigen. Für die 4 Monate müssen wir pro Person um die 60 Euro berappen. Sie nimmt leider weder Dollar noch Euro, und so müssen wir zur Bank, um Geld zu tauschen.
Die ukrainische Zollprozedur verläuft reibungslos, wir können auf die Fähre und verlassen die Ukraine. Dieses Land hat uns sehr überrascht, denn wir hatten irgendwie ein anderes Bild davon. Wir hatten schmucklose Plattenbauten erwartet, eine triste Landschaft, arme Menschen...es gibt zwar von alledem etwas, aber begeistert waren wir von gepflegten Häusschen und der Sauberkeit überall, der unverbauten Natur auf der Krim, der Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen! Und hier ist nicht mehr Ostblock, sondern man spürt den Fortschritt überall. Jetzt sind wir gespannt, was uns in Russland erwarten wird!

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